Graz: Mit Karton-Händen gegen straffreies Pograpschen

Frauen protestieren in Graz mit Karton-Grapsch-Händen gegen die Belästigung ohne Konsequenzen. Anlass war ein Fall im Oktober.

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Archivbild – (c) www.bilderbox.com/Erwin Wodicka

Ein "Po-Grapscher" hatte Anfang Oktober in der Grazer Innenstadt eine Frau belästigt und attackiert. Die Gesetzeslage, die das nicht als sexuelle Belästigung einstuft, hat mittlerweile heftige Diskussionen ausgelöst und für Protestaktionen gesorgt: Aktivistinnen, darunter die unabhängige Frauenbeauftragte der Stadt Graz, Maggie Jansenberger, "bedrängten" am Montag mit Kartonhänden männliche Passanten, um auf die Problematik aufmerksam zu machen. In Schreiben an Justizministerin Beatrix Karl (ÖVP) und Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) wird eine Verschärfung des Strafrechts gefordert.

An dem "Flashmob" in der Herrengasse waren rund 25 Frauen beteiligt, die mit selbst gebastelten Papphänden männliche Passanten am Hinterteil berührten, um zu demonstrieren, wie unangenehm eine solche "Belästigung" sein kann. "Die Männer, die ich symbolisch am Hinterteil berührt habe, haben sich entweder weggedreht oder sind ohne Kommentar weitergegangen. Die Reaktionen sind für mich Zeichen, dass das unangenehm ist", so Jansenberger.

"Gleichstellungsesetz schärfer als Strafrecht"

Laut Jansenberger ist das Gleichstellungsgesetz viel schärfer als das Strafrecht. "In ersterem gilt - z. B. am Arbeitsplatz - bereits der Griff auf das Knie als Belästigung. Dass der Po da im Strafrecht nicht dazu zählen soll, da lehrt alleine schon die Alltagserfahrung etwas anderes." Passanten seien auch gefragt worden, ob sie es in Ordnung finden, dass so ein sexueller Übergriff im öffentlichen Raum straffrei bleibe. Da seien einige überrascht gewesen, dass das entsprechende Gesetz den Po nicht als "Tatbestand" miteinbezieht, sondern "nur" Brüste und Genitalien. Ein Verfahren gegen den Grapscher wurde von der Staatsanwaltschaft jedenfalls nicht eingeleitet bzw. eingestellt.

Nicht von allen Seiten wurde die Aktion, an der neben der Frauenbeauftragten u.a. Yvonne Seidler von Hazissa von der Fachstelle für Prävention gegen Gewalt und Verena Vlach von der Beratungsstelle Tara beteiligt waren, umfassend begrüßt. Ein Passant findet die Aktion gegenüber dem ORF Steiermark übertrieben.

Jansenberger und ihre Mitstreiterinnen wollen in dieser Woche ein Schreiben an die Ministerinnen richten, in dem sie eine Änderung bzw. Angleichung des Strafrechts an das Gleichstellungsgesetz fordern. Auslöser für die Proteste war der Übergriff eines alkoholisierten 37-jährigen, der einer 42-jährigen Radfahrerin bei einer Ampel nach anzüglichen Bemerkungen auf das Hinterteil gegriffen hatte. Die Frau versetzte dem Mann, der ebenfalls mit einem Fahrrad unterwegs war, eine Ohrfeige, er schlug ihr mit der Faust auf den Fahrradhelm. Wenige Tage später wurde der Verdächtige von der Polizei ausgeforscht. In der Zwischenzeit hatte er noch zwei weitere Frauen auf ähnliche Weise belästigt.

(APA)

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