ÖBB-Fahrplanwechsel: Was sich ab 9. Dezember ändert

07.12.2012 | 17:01 |   (DiePresse.com)

Einer der außergewöhnlichsten Fahrplanwechsel seit langem steht bevor: Teilinbetriebnahme des Hauptbahnhofs und neue Westbahnstrecke.

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Mit Sonntag (9. Dezember) tritt der neue Fahrplan auf Europas Bahnstrecken in Kraft. In Österreich stehen große Veränderungen an. Vor allem in der Ostregion verkürzt sich die Fahrtzeit einiger Verbindungen durch die neue Westbahnstrecke. Der halb eröffnete Hauptbahnhof übernimmt die Funktion des provisorischen Ostbahnhofs. Fernverkehrszüge fahren weiterhin durch und halten nur in Meidling und Simmering. DiePresse.com fasst die wichtigsten Veränderungen zusammen:

Teilinbetriebnahme Wien Hauptbahnhof

Wenn am 9. Dezember 2012 um 04.56 Uhr die S80 von Wien Hirschstetten nach Wien Meidling in Wien Hauptbahnhof hält, beginnt für den Zugverkehr in Österreich eine neue Ära. Erstmals ist eine Verknüpfung von Zügen, die aus dem Osten kommen, mit jenen aus dem Süden und Norden möglich. Voll zum Tragen kommen die neuen Verkehrsmöglichkeiten nach der Fertigstellung des Hauptbahnhofs 2015, wenn auch die Westachse voll eingebunden wird.(c) APA

(c) APA

Folgende Züge halten am Hauptbahnhof bzw. haben diesen als Start- oder Zielbahnhof:

  • S80 Neu: Wiener Neustadt - Pottendorf - Wien Hirschstetten
    Ersatz für S 80 Wien Hirschstetten - Wien Südbhf (Ost) und S 5 / S 6 Meidling - Pottendorf  - Wiener Neustadt
  • S60 Neu: Bruck a.d. Leitha - Wien Hütteldorf
    Ersatz für S 60 Bruck a.d. Leitha - Wien Südbhf (Ost) und S 15 Meidling - Hütteldorf - Unter Purkersdorf. Die Linie wird in der HVZ bis Rekawinkel geführt
  • REX Bratislava-Petržalka - Kittsee - Wien HBF - Wien Meidling - Deutschkreutz
    Diese neue Relation verknüpft die Verbindung REX Bratislava-Petrzalka - Wien Südbahnhof/Ost und REX Meidling - Deutschkreutz. Um dies zu ermöglichen werden die Taktzüge Deutschkreutz - Wien um eine halbe Stunde verschoben.
    Für die Kunden der Ostbahn haben die neuen Durchbindungen den Vorteil, dass sie mit den durchgebundenen Zügen ohne Umsteigen bis Meidling zur U6 fahren können. So können weite Teile Wiens mit einmal weniger Umsteigen erreicht werden. Fahrgäste im REX aus Deutschkreutz, Sopron und Wulkaprodersdorf haben den Vorteil, dass sie ohne Umsteigen zur U1, D oder 13 A am Hauptbahnhof kommen.

Mit der Teilinbetriebnahme des Hauptbahnhofs Wien wird die provisorische Station "Wien Südbahnhof/ Ostbahn" stillgelegt. Die Züge, die bisher dort gehalten haben, werden künftig über den Wiener Hauptbahnhof geführt oder beginnen und enden dort. Die S-Bahn-Station "Wien Südtiroler Platz" heißt künftig "Wien Hauptbahnhof", die Station "Wien Südbahnhof/ S-Bahn" heißt dann "Wien Quartier Belvedere". Fernverkehrszüge (etwa nach Prag oder Warschau) halten noch nicht am Hauptbahnhof, sondern weiterhin nur in Wien-Simmering.

Neubaustrecke im Westen(c) APA

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Die größte Zeitersparnis gibt es auf der Westbahn zwischen Wien und St. Pölten. Der ÖBB-Hochgeschwindigkeitszug soll diese Strecke in 25 Minuten bewältigen können. Auch die InterCity-Züge werden ab Fahrplanwechsel zwischen St. Pölten um zehn Minuten schneller. 60 Kilometer ist die errichtete Strecke lang, über 37 Kilometer davon verlaufen in insgesamt acht Tunneln. Die Baukosten betrugen 2,8 Milliarden Euro.

Reisezeiten:

  • Wien - St. Pölten: 25 Minuten
  • Wien - Linz: 1:15 Stunden
  • Wien-Salzburg: 2:22 Stunden
  • Wien - Innsbruck: 4:15 Stunden
  • Wien - Bregenz: 6:08 Stunden
  • Wien - München: 3:53 Stunden

Neuer Bahnhof Tullnerfeld

Ursprünglich war der von ÖBB und Land Niederösterreich ausgehandelte Bahnhof "Tullnerfeld" entlang der Neubaustrecke nur für Stopps von Regionalzügen geplant. Die ÖBB weigerten sich, einen Halt einzulegen. Erst als die Westbahn ankündigte, im Tullnerfeld halten zu wollen, änderten die ÖBB ihren Kurs. Was zu folgender komplizierten Regelung führte: In Richtung St. Pölten halten die ÖBB-Intercitys, in Richtung Wien hält die Westbahn. Für Monats- und Jahreskartenbesitzer im Verkehrsverbund Ostregion ist das kein Problem. Ihre Tickets gelten für Westbahn und ÖBB. S-Bahnen und Regionalzüge halten alle ausnahmslos im Tullnerfeld.

Neuer Super-REX nach Ybbs

Im Regionalverkehr sticht der neue REX200 im neuen Fahrplan hervor. Er verbindet Wien über St. Pölten, Loosdorf, Melk und Pöchlarn mit Ybbs. Die Fahrzeit soll um 19 Minuten kürzer sein als bisher. Namensgebend für den REX200 ist die erreichte Spitzengeschwindigkeit von 200 km/h. Im Stoßverkehr halten diese neuen REX-Zügen auch im neuen Bahnhof Tullnerfeld. 

Alte Westbahnstrecke: Mehr Regionalzüge

Hier soll ein REX-Stundentakt zwischen Wien Westbahnhof und Amstetten, ein Regionalzug-Stundentakt zwischen Wien West und St. Pölten sowie ein 30-Minuten-Takt der S50 zwischen Wien West und Rekawinkel für ein dichteres Angebot sorgen. Die Regionalzüge werden für die Strecke Wien Westbahnhof - Tullnerbach-Pressbaum um rund zehn Fahrminuten weniger benötigen. Die S60 wird aufgrund der Teilinbetriebnahme des Wiener Hauptbahnhofs bis Wien Hütteldorf via Wien Meidling verlängert (in der Stoßzeit bis Rekawinkel), die S80 wird via Wien Meidling auf die Pottendorfer Linie durchgebunden. Reisende aus dem Nordburgenland und dem Raum Bruck/Leitha kommen so näher zur U1 und umsteigefrei bis Wien Meidling zur U6.

S-Bahnen im Osten: Neue Nummerierungen

Es werden in Zukunft zwar weniger nummerierte S-Bahn-Linien sein (9 statt 13), aber gleich viele Züge. So sucht man künftig die S5 oder die S6 vergeblich. Das liegt schlicht und einfach an dem Umstand, dass Linien miteinander verbunden werden und die S-Bahnlinien jetzt nicht mehr nach ihrem Zielbahnhof nummeriert werden.(c) DiePresse.com/klepa

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  • S1: Wiener Neustadt Hbf - Mödling - Gänserndorf

  • S2: Wiener Neustadt Hbf - Mödling - Wolkersdorf - Mistelbach - Laa an der Thaya

  • S3: Wien Meidling - Stockerau - Hollabrunn - Absdorf-Hippersdorf

  • S7: Wiener Floridsdorf - Flughafen Wien - Wolfsthal

  • S40: Wien Franz-Josefs-Bahnhof - Tulln - St. Pölten Hbf

  • S45: Wien Hütteldorf - Wien Handelskai
    Die sogenannte Vorortelinie verkehrt künftig nicht nur zur Rush-Hour, sondern auch tagsüber im Zehn-Minuten-Takt.

  • S50: Wien Westbahnhof - Tullnerbach-Pressbaum - Rekawinkel

  • S60: Rekawinkel - Wien Hütteldorf - Wien Hauptbahnhof - Bruck an der Leitha - Neusiedl am See

  • S80: Wien Hirschstetten - Wien Hauptbahnhof - Ebenfurth - Wiener Neustadt Hbf

Mehr Züge zwischen Graz und Salzburg

Die Strecke zwischen Graz und Salzburg wird wiederbelebt. Diese Verbindung wäre noch vor einem Jahr beinahe auf drei Direktzüge pro Tag zusammengespart worden. Mit Einführung des Fahrplans 2013 wird es zwischen den beiden Landeshauptstädten tagsüber einen Zwei-Stunden-Takt geben. Das Angebot auf jeweils fünf Direktzüge sowie zwei Verbindungen, bei denen in Bischofshofen von einem Zug in den anderen gewechselt werden muss, ausgeweitet.

Für Wiener die mit dem Zug nach Graz reisen, gilt es, sich den letzten Zug von Graz nach Wien einzuprägen: Dieser fährt im neuen Fahrplan bereits um 20:25 Uhr vom Grazer Hauptbahnhof ab. Bisher gab es noch einen Zug eine Stunde später, der gestrichen wurde.

Neue Hochleistungsstrecke Unterinntal

Ab sofort stehen vier Gleise für den Bahnbetrieb zur Verfügung. Personenfernverkehrszüge wie der ÖBB-Railjet sowie der Güterverkehr würden künftig durch die beiden 17 Kilometer langen Tunnelketten fahren. Die Fahrzeit nach Wien werde sich durch das Unterinntal und der Hochleistungsstrecke Wien - St. Pölten ab kommendem Dezember um 20 Minuten verkürzen. So werde die Reisezeit von Innsbruck nach Wien künftig vier Stunden und 15 Minuten betragen, ab 2014 verkürze sich die Fahrzeit um weitere fünf Minuten.

(c) APA

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Internationaler Bahnverkehr

  • Das Angebot Wien - Bregenz - Zürich wird ausgeweitet. Die ÖBB bieten künftig vier railjet-Verbindungen zwischen Wien und Zürich und fünf zwischen Zürich und Wien an (bisher drei bzw. vier Verbindungen).
  • Der Morgen- und Abendzug Wien - Prag - Wien wird jeweils um eine Stunde später geführt.
  • Die kroatische Eisenbahn nimmt das Angebot Wien - Sopron - Zagreb - Wien sowie Villach - Zagreb - Villach zurück.
  • Der Schnellzug von Garsten über Linz und Simbach nach München wird zwischen Garsten und Linz durch einen Nahverkehrszug ersetzt.
  • Aufgrund von mehrjährigen Bauarbeiten in der Tschechischen Republik werden zwei Züge zwischen Linz und Prag vorerst nicht geführt. Es wird aber mit Unterstützung des Landes Oberösterreich ein Ersatzangebot im Nahverkehr eingeführt. Das zusätzliche Nahverkehrszugpaar im Abschnitt Linz - Summerau ermöglicht einen systematischen Zwei-Stunden-Takt Linz - Budweis. Eingebunden in das Taktsystem werden zwei Direktzüge Linz - Prag und drei Direktzüge Prag - Linz angeboten.
  • Fahrten mit Fernverkehrszügen innerhalb Ungarns werden reservierungspflichtig. Für eine Fahrt mit dem railjet von Budapest nach Györ brauchen Kunden eine kostenpflichtige Sitzplatzreservierung. Die Reservierungspflicht gilt aber nicht für grenzüberschreitende Fahrten zwischen Österreich und Ungarn, beispielsweise für eine Fahrt von Wien nach Budapest.

Ab dem Frühjahr 2013 wird auch die Fahrrad-Mitnahme in den Railjets möglich werden. Die Umstellung erfolge dann laufend, bis Jahresende 2013 sollten alle 51 Garnituren umgerüstet sein, sagte ÖBB-Sprecher Rene Zumtobel. Pro Zug können sechs Räder mitgenommen werden.

(Red.)

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14 Kommentare

Ich wünsche mir...

... wie schon weiter unten beschrieben einen wirklich flinke Verbindung....

Wien- St. Pölten - Linz - Salzburg - Innsbruck - Feldkirch - Bregenz!!!!

...und nicht irgendwo mitten drin wegen irgend eine LH stehen bleiben... ;)

Dies und gut getimte Regionalzüge die die zwischen liegenden Ortschaften anfahren sollen!


Zeitersparnis von Innsbruck nach Wien sage und schreibe 20 Minuten!

Mir wäre es lieber gewesen auf die Zeitersparnis zu verzichten und dafür die Züge besser zu warten als bisher und nicht drauf ankommen lassen, ob die Zugsgarnituren den Anforderungen entsprechen.
Wenn die 20 minütige Zeitersparnis zwischen Wien und Innsbruck bejubelnd vermarktet wird dann sieht das eher so aus als ob man sagen würde: "Seht her was wir zusammengebracht haben!"
Seien wir ehrlich: Wer von Wien nach Innsbruck reist, dem sind 20 Minuten eingeplante längere Fahrzeit auch kein Problem, dem der sich allerdings nach dem aktuellen Fahrplan orientiert werden oft schon ungeplante längere 5 Minuten Fahrzeit zum Problem.

Re: Zeitersparnis von Innsbruck nach Wien sage und schreibe 20 Minuten!

Stimmt ganz genau - wirklich schneller würde es nur gehen wenn diese verdammte Westbahn nicht immer bei jeder Hundehütte (insbesondere in NÖ,Tirol und V) stehen bleiben würde sondern flink von einer größeren Stadt in die nächste durch fahren könnte...

Wien-St. Pölten - Linz - Salzburg - Innsbruck - Feldkirch - Bregenz!!!!

Re: Re: Zeitersparnis von Innsbruck nach Wien sage und schreibe 20 Minuten!

Richtig!

1 0

Die Zeitersparnis

Wien-Innsbruck wird nach meinem Verständnis zwischen Wien und St.Pölten erzielt. Das neue Teilstück in Tirol scheint also keine Zeitersparnis zu bringen?!

So ein super Pseudo-neuer Fahrplan! In Wirklichkeit werden einfach frühere Zugsverbindungen, die vor dem Umbau des Südbahnhofes fuhren einfach neubenannt und als Fortschritt verkauft! Und auf der Westbahn ist auch alles ziemlich lau, weil neue Züge sind das die meisten nicht, sondern einfach eine kleine Umstaffelung.

Und die Fahrzeit von Wien nach Amstetten, Linz oder Salzburg war in der Monarchie auch nicht wesentlich länger.
Auf der Strecke Graz-Salzburg fährt kein einziger Zug zusätzlich.
Wieviel allerdings das "Neu"-blablabla wieder kosten wird,kann man nur ahnen, aber sicher wieder ein paar hundert Millionen.

Dass der letzte Zug am Abend von Graz nach Wien gestrichen wurde,

hat man leider vergessen zu erwähnen.

Re: Dass der letzte Zug am Abend von Graz nach Wien gestrichen wurde,

Danke für den Hinweis, haben wir im Artikel ergänzt!

Re: Re: Dass der letzte Zug am Abend von Graz nach Wien gestrichen wurde,

Nein, habt ihr nicht... Es geht um den Zug, der bisher um 21:25 in Graz abgefahren ist.

Re: Re: Re: Dass der letzte Zug am Abend von Graz nach Wien gestrichen wurde,

Jetzt aber... :-)

Re: Dass der letzte Zug am Abend von Graz nach Wien gestrichen wurde,

Es gibt immer einen letzten Zug, nur halt schon früher!

Typisch Österreich

Wer hat sich denn das einfallen lassen, dass man in die eine Richtung mit dem einem Unternehmne, und in die andere mit einem anderen Unternehmen fahren muss?
Die ÖBB Vorteilscard ist somit eigentlich unnötig und man muss die teureren VOR Tarife kaufen.

sinnvoller Kompromiss!

Auf Kurzstrecken unter 101 km gibt es keine Hin-und-Retourkarten.

Es kann somit jeder mit der einen Bahn (ÖBB-vorteilscardermäßigt) hinfahren und ohne Mehrkosten mit der anderen Bahn (westBahn, für alle die ermäßigten Preise) zurückfahren, für Vielfahrer gilt natürlich die VOR-Monatskarte.

Allen ist geholfen, niemand zahlt drauf.

4 0

Re: Typisch Österreich

Nachdem das ein Pendler-Bahnhof werden wird, nicht weiter tragisch.

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