Hilfe verweigert? Deutscher Tourengeher wird angezeigt

05.01.2013 | 18:09 |   (DiePresse.com)

Ein Bayer soll sich in Tirol geweigert haben, nach einem Lawinenabgang bei der Suche nach einem Verschütteten zu helfen. Nun droht ihm eine Haftstrafe.

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Nach einem tödlichen Lawinenunglück im Tiroler Sellrain am vergangenen Wochenende wurde am Samstag ein 40-jähriger Bayer in Innsbruck von der Polizei befragt. Ihm wird unterlassene Hilfeleistung zur Last gelegt. Er soll bei der Suche nach einem Vermissten seine Hilfe verweigert haben. Der Bayer wird bei der Staatsanwaltschaft angezeigt (DiePresse.com berichtete).

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Nach dem Mann aus dem Raum Landkreis Landsberg war nach dem Lawinenunglück gesucht worden. Aufgrund der Medienberichterstattung hatte er sich am vergangenen Mittwoch schließlich telefonisch bei der Polizei gemeldet. Da er sich im Ausland befand, konnte er zunächst nicht befragt werden. Dem 40-Jährigen droht bis zu ein Jahr Haft.

Steirer stirbt nach Lawinenabgang

Bei dem Lawinenunglück auf dem rund 3000 Meter hohen Zischgeles war am vergangenen Samstag ein 38-jähriger Steirer unter den Schneemassen verschüttet worden. Er konnte erst nach längerer Zeit geortet und ausgegraben werden. Der Mann erlitt schwere Verletzungen und starb einen Tag später in der Innsbrucker Uni-Klinik.

Sonntagfrüh war der Vorfall über die angeblich unterlassene Hilfeleistung bekannt geworden. Ein Begleiter des verunglückten Steirers hatte bei der Suche nach seinem Freund einen aufsteigenden Skitourengeher um Hilfe gebeten. Dieser soll allerdings negiert und seinen Weg fortgesetzt haben. Daher nahm die Polizei Ermittlungen auf.

(APA)

 
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32 Kommentare
 
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Gemütsmensch
06.01.2013 20:04
0

Im "Focus" wird eine Geschichte

erzählt, die ganz anders klingt.
Es steht Aussage gegen Aussage.

Fest steht, dass die vielzitierte "Mutmaßlichkeit" auch unter die Lawine geraten ist.....


Antworten Danielle Durand
06.01.2013 21:09
0

nein gar nicht

Der Focus-Artikel ist komplett gelöscht, nicht mehr abrufbar.

Er wird Gelegenheit bekommen darzulegen, wen oder was er "weiter oben" auf dem Berg selbst gesucht haben will und wie glaubhaft das ist. Jedenfalls wurde er trotzdem angezeigt. ZEUGEN gibt es reichlich.
POLIZEI: Der Beschuldigte meldete sich aufgrund der MEDIALEN Berichterstattung … Nichts desto trotz stand er zu diesem Zeitpunkt bereits als möglicher Beschuldigter aufgrund vorliegender Personalien und ZEUGENAUSSAGEN im Fokus der ermittelnden Alpinpolizisten .... Er wird der Staatsanwaltschaft Innsbruck mittels Abschlussberichtes wegen Verdachtes der Unterlassung der Hilfeleistung angezeigt.

Über Schuld oder Unschuld des Angezeigten hat nun das GERICHT zu entscheiden. Für ihn gilt die UNSCHULDSVERMUTUNG.

http://www.bundespolizei.gv.at/lpdreader/lpd_presse_standard.aspx?id=71556C466D7077542B55383D&template=2&inc=tirol

Polyflatus
06.01.2013 14:08
2

Wenn mich nicht alles taeuscht

.. handelt es sich hier um ein 'Echtes Unterlassungsdelikt'.

§ 95 StGB - bei Tod des Verunglueckten bis zu einem Jahr Haefn. Der Bayer wird sich zu verantworten haben, nicht nur moralisch.


Antworten aurora borealis
06.01.2013 17:21
3

Re: Wenn mich nicht alles taeuscht

Naja §95 StGB hat noch einen Satz 2.
" Die Hilfeleistung ist insbesondere dann nicht zuzumuten, wenn sie nur unter Gefahr für Leib oder Leben oder unter Verletzung anderer ins Gewicht fallender Interessen möglich wäre."
Nun und da kommt es auf den Anwalt und den Richter an. Weil wie sagt mein Jurist immer: "Das kommt darauf an."

Antworten Antworten OhneGewehr
06.01.2013 17:49
1

Mir sind die Orts- und Wetterverhältnisse

des fraglichen Tages aus eigener Anschauung bekannt. Diese Seite der Hohen Munde war durch Nassschnee extrem lawingengefährdet und lokale Tourengeher sind am halben Weg umgekehrt. Nur ein Ignorant ging weiter.
Ob eine Hilfeleistung ohne eigene Gefährdung möglich war ist fragwürdig, denn dies ist eine subjektive Feststellung. Ich denke da kommt nichts dabei raus.

Antworten Antworten Antworten OhneGewehr
06.01.2013 17:51
2

Re: Mir sind die Orts- und Wetterverhältnisse

Korrektur!
Mein Beitrag bezieht sich auf einen anderen Vorfall im gleichen Zeitraum an anderem Ort:

Antworten Antworten Antworten Antworten Danielle Durand
06.01.2013 21:19
0

das glaub ich auch ... :-)

Am Zischgeles waren an DIESEM Tag VOR dem Lawinenunglück schon mindestens 11 andere Tourengeher am Gipfel, berichtet einer, der auch oben war.

Antworten Young and good
06.01.2013 16:25
0

Re: Wenn mich nicht alles taeuscht

Gibt es denn auch "unechte" Unterlassungsdelikte?

Antworten Antworten Polyflatus
06.01.2013 17:38
0

Re: Re: Wenn mich nicht alles taeuscht

Unechte gibt es tatsaechlich.

'.. wenn der Täter aus seiner besonderen Stellung einen Erfolg (also bedrohliche Situation fuer den Betroffenen) durch Handlung hätte abwenden müssen (Garantenstellung).'

Im Internet finden sich einige - oft komplexe und schwer verstaendliche - Beispiele.

Antworten Antworten Antworten Young and good
06.01.2013 21:29
0

Re: Re: Re: Wenn mich nicht alles taeuscht

Danke für die Auskunft.

Antworten Antworten Divide_et_Impera
06.01.2013 17:28
0

Re: Re: Wenn mich nicht alles taeuscht

Ja gibt es! Ein unechtes Unterlassungsdelikt wäre zum Beispiel das absichtliche Töten (§75 StGB) eines anderen durch Unterlassen (§2 StGB)... Ein Straftäter solcherart ist dann gemäß §§ 2,75 StGB zu bestrafen!

eamonclever
06.01.2013 11:30
2

solange nicht die offiziell als hilfskräfte ersichtlichen

einheiten vor ort sind und zur mithilfe auffordern muss ich gar nix.
die hilfeleistung ist unter wahrung der eigenen sicherheit bei vermuteter oder tatsächlicher lebensgefahr sehr wohl verpflichtend und ist auch sv-rechtlich unter schutz gestellt.

Antworten Young and good
06.01.2013 16:28
1

Re: solange nicht die offiziell als hilfskräfte ersichtlichen

So ist es: "...unter wahrung der eigenen sicherheit bei vermuteter oder tatsächlicher lebensgefahr...".
So lange man nicht die genaue Fakten kennt, sollte man sich da sehr zurückhalten. So wie es bisher aussieht, dürfte der Mann maximal mit einer bedingten Strafe zu rechnen haben.

Blitzky
06.01.2013 03:58
3

Österreichs Gefängnisse füllen sich.....

DA droht einem Lehrer, der einem Schüler dessen Handy entreißt, ein Jahr Haft....
http://www.kleinezeitung.at/kaernten/3183579/hak-lehrer-schlug-schueler-geldstrafe.story

Dort einem Skitourengeher, der nicht helfen wollte ebenfalls ein Jahr.

Dafür laufen Leute, die Milliarden an Gewerkschaftsgeldern per Computerabsturz in einem schwarzen Loch deponieren und einem ehemaligen Bundeskanzler für ein kurzes Telefonat 1 Million Schilling bezahlten frei herum

Antworten Young and good
06.01.2013 16:31
1

Re: Österreichs Gefängnisse füllen sich.....

In erster Linie sollte(n) wohl der/die Verurschacher der Lawine zur Rechenschaft gezogen werden.

Antworten Antworten Divide_et_Impera
06.01.2013 17:31
1

Re: Re: Österreichs Gefängnisse füllen sich.....

Können Sie ausschließen, dass der Verursacher der Lawine nicht der Verschüttete selbst war? Bitte nachdenken vor dem Posten...

Antworten Antworten Antworten Young and good
06.01.2013 21:29
0

Re: Re: Re: Österreichs Gefängnisse füllen sich.....

Das wäre ja dann im Vergleich fast so als ob sich jemand selber ein Messer reinrammt und daran stirbt. Da ist er doch eigentlich selber schuld, oder?Dann wird das Gericht den Angeklagten wohl freisprechen müssen.

blumian
06.01.2013 01:52
3

?

und nach welchem Straftatbestand? Bestens recherchiert würde ich sagen... Bei mir ist die Strafrechtsprüfung auch schon lange her, aber soweit ich mich erinnere, ist "nur" derjenige verpflichtet, den entweder eine gesetzliche/vertragliche Pflicht oder trifft (wird wohl beides nicht vorliegen) bzw, wer die Gefahr verursacht also die Lawine ausgelöst hat. Letzeres liegt definitiv nicht vor.
Ursache des Unglückes war meiner Meinung (ich kenne den Hang sehr gut) nach jedenfalls die Leichtsinnigkeit, an diesem Tag bei diesem Schneedeckenaufbau denselben zu begehen. Wäre der Verstorbene auf die nur unwesentlich niedrigere Lampsenspitze gegenüber gegangen, wäre wahrscheinlich nichts passiert, da diese wesentlich sicherer zu begehen und zu befahren ist. (Am Zischgeles erwischt es jedes Jahr wieder Leute)

Antworten jopc
06.01.2013 05:54
2

Re: ?

Ich habe keine Strafrechtsprüfung abgelegt,

ABER

wie wäre es mit unterlassener Hilfeleistung?

Antworten Antworten Bluesman
06.01.2013 06:50
1

Strafrechtsprüfung

Ich frage mich auch, wofür blumian studiert hat.

Er soll den Deutschen verteidigen-ich wäre gespannt, was herauskommt.

Antworten Antworten Antworten Polyflatus
06.01.2013 14:11
1

Re: Strafrechtsprüfung

§ 95 StGB.

Presse-Zensur
05.01.2013 23:07
4

muss man einen Idioten der sich selbst in Gefahr begibt wirklich zu Hilfe kommen?

das ist doch hier die Frage !

Antworten Hans Lody
06.01.2013 09:55
4

Re: muss man einen Idioten der sich selbst in Gefahr begibt wirklich zu Hilfe kommen?

NEIN !

Sehe ich zB wie jemand in den Donaukanal springt,MUSS ich lediglich die Polizei verständigen.

Aber nachspringen MUSS ICH NICHT !

Antworten WM
06.01.2013 00:10
3

Re: muss man einen Idioten der sich selbst in Gefahr begibt wirklich zu Hilfe kommen?

Ja, nämlich ein ähnlicher Idiot - denn beide waren ja im selben Gebiet ungefähr zur selben Zeit unterwegs...

cs745
05.01.2013 19:27
2

also wenn sich einer die haft verdinet hat dann er


Woda
05.01.2013 18:50
5

legetim?

auch wenn ichs pernsönlich nicht gut finde einfach weiter zu gehen , aber ist es nicht legetim Hilfe zu verweigern , wenn die eigene Gesundheit in Gefahr ist?

 
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