Äthiopien-Heimkehrer: "Schauten Mörder in die Augen"

10.01.2013 | 18:02 |   (DiePresse.com)

Die Kameraden des Österreichers, der in Äthiopien erschossen wurde, sind in Österreich eingetroffen. Nur durch Glück dürften sie den Überfall überlebt haben.

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Nach dem Raubüberfall auf vier Österreicher am vergangenen Sonntag am Blauen Nil in Äthiopien, bei dem ein 27-jähriger Oberösterreicher getötet wurde, sind die Überlebenden der insgesamt zehnköpfigen österreichischen Reisegruppe am Donnerstag wohlbehalten in ihrer Heimat eingetroffen. Zwei Oberösterreicher, die Augenzeugen des Raubmordes waren, schilderten im Interview mit der Austria Presseagentur, dass dem Überfall kein Streit mit Einheimischen vorausgegangen sei. Die Täter hatten es auf das Hab und Gut der Touristen abgesehen, betonten die Überlebenden.

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Vor dem Überfall habe es kein Wortgefecht mit den Einheimischen gegeben. "Wir konnten uns sprachlich nicht verständigen, sie konnten kein Englisch", sagte Roman H. (28), "wir waren unbewaffnet, und wir erkannten auch die Aussichtslosigkeit einer Gegenwehr gegenüber von zehn Männern. Wir haben eine Abwehrhaltung eingenommen."

"Das ganze Land ist geschockt"

Dass sie während der Reise eventuell Opfer von Dieben werden könnten, damit hätten sie bei ihrer professionell vorbereiteten Tour auch gerechnet, nicht aber mit einem bewaffneten Überfall. "Es handelt sich um eine grundsätzlich friedliebende Gegend. Das ganze Land, die Regierung, ist geschockt über den Vorfall", sagte Reinhold B. (40).

Die Einheimischen hätten es auf das Material und das Geld der Gruppe abgesehen. Für das Campieren hätten sie kein Geld verlangt, es gebe am Blauen Nil auch keinen Campingplatz, für den man zahlen müsse, betonte der 40-jährige Oberösterreicher. Am Vorabend sei alles auch noch friedlich abgelaufen, als Einheimische ins Camp kamen. "Drei Männer haben uns beobachtet, es ist uns nichts Negatives aufgefallen."

Am nächsten Morgen seien wieder einige Einheimische über einen steilen Hang die Schlucht zu der schwer zugänglichen Einbuchtung des Flusses heruntergestiegen und hätten sich in einiger Entfernung zu den Touristen hingesetzt. Die vier Oberösterreicher bereiteten sich unterdessen auf die bevorstehende Tagestour vor. Ein Einheimischer sei noch so hilfsbereit gewesen und hätte ihn und Roman ein Stück flussabwärts begleitet, erzählte Reinhold B.. "Um uns den Weg zu zeigen. Wir checkten den weiteren Streckenverlauf unserer Bootstour ab." In der Zwischenzeit habe das spätere Mordopfer und ein weiteres Mitglied der Gruppe im Zeltlager Wasser gefiltert, um es dann als Trinkwasser verwenden zu können.

"Haben dem Mörder in die Augen geschaut"

Als Roman H. und Reinhold B. zurückkehrten, veränderte sich die Situation: Da habe der Anführer zu verstehen gegeben, dass sie verschwinden sollten. Er habe mit einem auf seinem Maschinengewehr montierten Bajonett die zwei Schlauchboote der Österreicher zerstochen. Dann habe er sich zum 27-jährigen Oberösterreicher umgedreht und aus einer Entfernung von rund drei Metern abgedrückt, schilderte Roman H.. "Wir haben dem Mörder in die Augen geschaut, er hat keine Miene verzogen, der Blick war kaltblütig", sagte Reinhold B.. Der 27-Jährige habe einen Durchschuss im Brustkorb erlitten.

Vermutlich hat eine Portion Glück das Leben der anderen gerettet: Denn der Anführer habe sich auch noch zu den restlichen Gruppenmitgliedern gedreht. "Er hantierte am Gewehr, doch es funktionierte nicht. Wir flüchteten in verschiedene Richtungen." Reinhold B. und ein Freund wollten über die Felswand aufsteigen, "doch wir wurden von Männern, die oben mit Gewehren standen, heruntergetrieben. Sie haben aber nicht geschossen", schilderte B.. "Alle von uns suchten sich ein Versteck. Wir haben gemerkt, dass es ein organisierter Raubüberfall war - plötzlich waren 20 Leute da."

Er selbst sei nochmals zurückgelaufen, um nach dem angeschossenen Oberösterreicher zu sehen, schilderte Reinhold B.. Für den 27-Jährigen kam jede Hilfe zu spät. B. befand sich noch in Lebensgefahr, denn die bewaffneten Männer waren gerade dabei, das Ausrüstungsmaterial und das Gepäck der Touristen wegzuschleppen, wie B. erzählte. Er habe gerade noch einen Wasserkanister und das Satellitentelefon schnappen können. "Eine Taschenlampe habe ich später geholt."

Ein Tag in Höhle, eine Nach zu Fuß unterwegs

Die drei Österreicher versteckten sich in einer Felshöhe rund 50 Meter vom Tatort entfernt und harrten dort bis 21 Uhr aus. Per Satellitentelefon nahmen sie Kontakt zur österreichischen Botschaft in Addis Abeba auf und schilderten den Vorfall. "Wir erhielten dann einen Anruf von der Polizei, dass sie uns suchen. Sie sagten, wir sollten das Versteck und die Schlucht verlassen und auf einen Hügel gehen. Sie würden Leuchtraketen abfeuern, damit wir ihnen erklären können, wie weit sie von uns noch weg sind", schilderten die zwei Überlebenden.

Allerdings waren die Leuchtraketen für die Gruppe nicht ersichtlich, und das Satellitentelefon funktionierte nach mehrmaligen Guthaben-Verlängerungen nicht mehr. So schlug sich die von der Außenwelt abgeschnittene Gruppe 13 Stunden lang im Schutze der Dunkelheit zu den rund 40 Kilometer entfernten Nil-Fällen durch, dem Ausgangspunkt der für zwei Wochen geplanten Bootstour. Am Montag um 10 Uhr trafen sie in einem kleinen Dorf ein, genannt "Tississat". Ein Einheimischer stellte den Erschöpften ein Telefon zur Verfügung, und sie riefen abermals die Botschaft an.

Die Rettungsaktion nahm weiter ihren Lauf. "Konsul Andreas Heuberger hat uns moralisch und professionell unterstützt, bis zur Abreise", lobten die beiden Oberösterreicher die Hilfsbereitschaft des Konsuls.

Ein Militärhubschrauber flog mit den Überlebenden zum Tatort zurück, um die Leiche des Oberösterreichers zu finden und zu bergen. "Nach der Landung waren Hunderte Einheimische an beiden Flussufern versammelt. Alle waren sehr betroffen, was passiert ist", sagten Reinhold B. und Roman H.. Die Leute hätten noch geholfen, die Leiche und die von den Tätern zerschnittenen Schlafsäcke, Zelte und Boote die rund 100 Höhenmeter die Schlucht hinauf zum Landeplatz des Hubschraubers zu transportieren.

Brutaler Überfall untypisch für Äthiopien

"Die Chance, die Täter zu finden, ist groß, weil die Bevölkerung mithelfen wird", zeigte sich Reinhold B. zuversichtlich. "Von Ministerebene und von höchster Polizeistelle ist uns zugesichert worden, dass ermittelt wird und der Fall sehr ernst genommen wird." Die drei Überlebenden wurden am Dienstag von der Polizei zu dem Überfall befragt. "Wir waren allesamt schockiert, weil ein so brutaler Raubüberfall mit so einem Ausgang sehr untypisch für das Land Äthiopien ist. Es ist ein friedliebendes Volk, außer im Grenzgebiet zu Eritrea", sagte Reinhold B..

Der Militärhubschrauber brachte die drei Österreicher nach Bahir Dar, dort trafen sie auf die restlichen sechs Österreicher, die von dem Überfall zuerst gar nichts mitbekommen hatten, weil sich die zehnköpfige Gruppe geteilt hatte. Per Hubschrauber wurden alle neun Österreicher nach Addis Abeba gebracht, dort wurden sie von Konsul Heuberger bei den weiteren Formalitäten und der Organisation der Rückreise unterstützt.

Erneut betonte Reinhold B., dass die Bootstour mit sogenannten "Kanadier"-Schlauchbooten eine privat organisierte Reise gewesen sei. Das Permit und die benötigten Transfers hätte ein äthiopischer Veranstalter organisiert. "Wir haben uns gut auf die Reise vorbereitet und auch Erkundigungen bei Reisenden eingeholt, die diesen Nil-Abschnitt schon befahren haben." Die Gruppe bestand aus fünf Oberösterreichern und fünf Salzburgern. Ihre Wohnorte sind nicht weiter als 20 Kilometer voneinander entfernt.

"Wir waren uns nach dem Überfall einig, dass wir alle sofort heimreisen. Wir müssen das Ganze jetzt noch verarbeiten", sagte Roman H.. Das Außenministerium habe Hilfe von einem Kriseninterventionsteam angeboten. "Einige von uns werden das auch annehmen", sagte der 28-Jährige.

(APA)

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4 Kommentare

Es...

kann davon ausgegangen werden, dass diese "Reisenden" wussten worauf sie sich einlassen mit einem Bereisen eines muslimischen Landes. Es gibt genügend andere schönere Länder mit freundlicherer Bevölkerung die Devisen nötiger brauchen als die meist rassstischen muslimischen Länder. Es reicht schon aus, dass mit den Steuergeldern über Entwicklunhshilfe muslimische Staaten unterstützt werden.

Re: Es...

@ferox:
Äthiopien:
63 % Christen
34 % Muslime
3% Sonstige
Erst denken, vielleicht die Schuldbildung nachholen oder zumindest auf Wikipedia nachschauen - dann posten.

Re: Es...

@ferox: Das letzte, was die Welt braucht, ist ein ignoranter, ungebildeter rassistischer Kommentar eines wie deiner.

das blöde ist nur, dass äthiopien gar kein muslimisches land ist

sondern eine christliche mehrheitsbevölkerung hat. scheiss vorurteile, was?

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