Kinder- und Jugendgesundheit: „Situation vielfach alarmierend“

30.01.2013 | 16:26 |   (Die Presse)

Österreich liegt bei der Kinder- und Jugendgesundheit weit abgeschlagen. Experten fordern ein Umdenken in Gesellschaft und Politik. Österreich benötige viel mehr Ressourcen für eine gesündere Entwicklung der Kinder.

Drucken Versenden AAA
Schriftgröße
Kommentieren

Wien/KB. Österreich liegt bei der Kinder- und Jugendgesundheit im europäischen Vergleich nach wie vor weit abgeschlagen. „Die Zahlen sind alarmierend. Wir sorgen nicht gut genug für unsere Kinder. Es braucht deutlich mehr Bewusstseinsbildung, Aufklärungs- und Informationsarbeit“, forderte der Präsident der Österreichischen Liga für Kinder- und Jugendgesundheit, Klaus Vavrik, am Mittwoch bei der Präsentation ihres vierten Jahresberichts.

Zu den Fakten: Österreich hat Studien der OECD und Unicef zufolge die höchste Raucher- (27 Prozent) und Gewalterfahrungsrate (25 Prozent) Europas bei 15-Jährigen. In dieser Gruppe trinken 35 Prozent mindestens einmal wöchentlich Alkohol. 20 Prozent der Kinder und Jugendlichen leiden an Übergewicht oder einer Essstörung. 17 Prozent haben eine ärztlich diagnostizierte chronische Erkrankung oder Behinderung. Mehr als 50 Prozent der 17-jährigen Mädchen nehmen regelmäßig Medikamente gegen Beschwerden.

„Das sind keine schicksalhaften Erkrankungen, sondern Folgen einer gesamtgesellschaftlichen Entwicklung“, beklagt Vavrik. „Es braucht daher dringend ein generelles Umdenken.“ Einen besonderen Zynismus sieht der Kinderpsychiater darin, dass Kinder und Jugendliche nicht die Behandlung bekommen, die sie benötigen – denn obwohl sie 20 Prozent der Bevölkerung ausmachen, erhalten sie nur sechs Prozent der Gesundheitsleistungen.

Österreichweit müssen derzeit beispielsweise rund 80.000 Kinder und Jugendliche auf eine notwendige Therapie warten. „Zudem werden noch immer viele Krippen- und Kindergartenkinder von zu wenig oder minderqualifiziertem Personal betreut“, so Vavrik.

30 Prozent kennen Gewaltverbot

Obwohl Gewalt in der Familie in den vergangenen Jahren leicht abgenommen hat, geben immer noch 55 Prozent der 16- bis 20-Jährigen an, körperliche Gewalt in ihrer Kindheit und Jugend erlebt zu haben. Die Hälfte aller Eltern bekennt sich dazu, „leichte“ Formen der Gewalt („leichte Ohrfeige“) als Erziehungsmaßnahmen anzuwenden, 16 Prozent halten sogar „schwere“ Körperstrafen („den Po versohlen“) für in Ordnung. Nur 30 Prozent der Eltern ist das Gewaltverbot in der Erziehung überhaupt bekannt.

Vavrik: „98 Prozent der Kinder werden gesund geboren. Aber ein paar Jahre später, im Kindergartenalter, kommen die ersten Probleme, und sie werden schrittweise zu therapiebedürftigen Wesen.“

Über die reinen gesundheitspolitischen Fragen hinaus mangelt es den Experten zufolge vor allem an der Einstellung der Politik, Kindern eine gesundheitsförderliche Umwelt zu garantieren. „Österreich war das erste Land, das die Kinderrechte in seiner Bundesverfassung niedergeschrieben hat. Aber das tut der Republik nicht weh“, sagt Anton Schmid, Wiener Kinder- und Jugendanwalt.

Denn die gesellschaftliche Realität zeige oft andere Seiten. „Ein Beispiel: In Österreich ist Kinderlärm gleichgestellt mit jedem anderen Lärm (Baustellen, etc.). Erst zwei Bundesländer haben festgelegt, dass Lärm von Kinderbetreuungseinrichtungen nicht als Lärm gewertet werden darf (Oberösterreich, Burgenland, Anm.).“

Er selbst habe erst vor Kurzem in Wien die Delogierung einer Familie mit Kindern wegen einer angeblichen Lärmproblematik verhindern müssen. Ständig mehr Verbote zu erlassen sei der falsche Weg. Eine Gesellschaft, in der die Menschen künftig nur noch mit „Helm, feuerfester Kleidung und Saugnäpfen an den Füßen“ auf die Straße gehen dürften, fördere keineswegs den Umgang mit den Risken und Gefahren des Lebens.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 31.01.2013)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo
25 Kommentare
 
12

rauchen

Österreichische Kids rauchen zuviel. Wen wundert's wenn unsere Politiker zu feig sind endlich ein allgemeines Rauchverbot zu beschließen, so wie das im Großteil Europas schon selbstverständlich ist. Welche Botschaft wird da unseren Kindern vermittelt: raucht nur, ist eh nicht schlimm.

Kein Wunder!

Kinder dürfen ja nix mehr!

Sie dürfen nicht laufen, sie dürfen nicht alleine draußen spielen, sie dürfen nicht selbst in die Schule fahren. Sie sollen den ganzen Tag still sein und sich ruhig beschäftigen und das am besten unter den Augen irgendwelcher erwachsener Aufsichtspersonen. Sie werden in Kinderkrippen, Schulen und Horte gepackt, wo sie den ganzen Tag herumsitzen, weil einfach nicht genügend Platz und Freiraum zur Verfügung steht, damit die Kinder toben können.

Die Kinder können oft ja nicht mal mehr auf einem Bein stehen oder hüpfen oder rückwärts gehen. Und auf Bäume klettern dürfen sie auch nicht, denn es könnte ja sein, dass sie sich dabei die Markenkleidung zerreissen oder schmutzig machen.

demografischer Grund

Mit neuen Menschen kommen auch neue Sitten zu uns - das war den Österreichern klar. PolitikerInnen und Forscher wussten das nicht. Bildungsverbot und Kinderheirat für Mädchen etc - das wird Mainstream!

JA EH.....

Ich habe mir gerade die Homepage der Österreichischen Liga für Kinder- und Jugendgesundheit mit ihren Förderern und Sponsoren etc. angesehen. Wo die politisch angesiedelt sind, kann man sich dann denken und na ja, jede/r will ja schließlich Kohle machen. Angebote gibts da ja genug. Da ich auch reichlich Auslandserfahrungen sammeln konnte, kann ich zum Thema nur feststellen, dass wir in Ö. bezüglich Kinder geradezu im Paradies leben. Wer es nicht glaubt, kann ja mit den Kids in ein anderes Land ziehen, vor allem in eines der "ach so kinderlieben" südlichen Länder od. in eines der ehemaligen Ostblockländer (die nun zur EU gehören), und dann so richtig die "großartigen" staatlichen Leistungen für Familien und für eine robuste Gesundheit genießen!

es beginnt schon....

....
sehr früh! Schon im Kindergarten wird den Kinder linkes Gedankengut geimpft.Sie dürfen nicht streiten,nicht raufen,nicht toben.Alles zu gefährlich und man tut das nicht.Darum haben dann unsere Kinder ADHS ODER ZAPPELPHILLIP.Syndrome die man mit Gift wie Ritalin bekämpft.Sie werden ständig gerügt was sie dürfen und was nicht.Früher haben wir täglich im Wald gespielt...heute regt sich der Förster oder Grundbesitzer auf.Wir rauften auf der Wiese mit anderen Jungs heute kommt gleich die Polizei.Schuld ist die Antiautoritäre Erziehung und die linke Reichshälfte die unsere Kinder vertrottelt und krank macht.

14

Wer das liest könnte glauben

Kinder sind eine neuartige Erfindung und stellen daher ein Problem da, wo alle möglichen Stellen mitreden möchten, um dieses neuartige Problem zu bewältigen, von denen wir die meisten nicht hätten, würde es nicht zu jeder Regel noch eine Regel geben.

Wir sind dabei uns zu Tode zu regulieren.
Ließen wir die Familien in Ruhe und würden nicht vorgeben, wie groß der rechte Zeh eines Babys sein muss, welches Spielzeug ein Kind am 5 Tag nach der Geburt um 13 Uhr in die Hand nehmen sollten, dann hätten wir viele Probleme nicht und Kinder eine fröhlichere Zeit.


Gesellschaftspolitik fehlt

Ich bitte Die Presse weiter zu recherchieren. In Österreich ist das Familien- und Kinderrecht erwachsenen- und einelternzentriert. Die Jugendwohlfahrt hat quantitative Zielvorgaben für Kindesabnahmen um die Betreuungs- und Pflegeindustrie mit Material zu versorgen. Die Kinder selbst stellen den Schlüssel der wirtschaftlichen Umverteilung dar. Da bereits eine 55%ige Trennungsrate dazu führt, daß unsere Kinder in einer Geschlechterrolle unsozialisiert bleiben und die Alleinerziehenden aufgrund der schlechteren finanziellen Lage sich gerade noch Tagesbetreuungsplätzen leisten können. Diese Einrichtungen schreiben im geeigneten Zeitpunkt eine Gefährdungsmeldung und weg ist das Kind. Für einen Rechtsanwalt nach Abnahme reicht das Geld dann nicht mehr. Das System funktioniert also perfekt: je früher die Eltern auseinandergehen, umso eher kommt der Staat an die Kinder um sie in seine Trennungsindustrie als Erlösträger einzugliedern. Was aus diesen armen Kreaturen wird kümmert heute niemanden. Österreich schafft sich auch ab.

17% Behinderung

der Doktor kriegt einen "Weisel", und die Eltern mehr Cash, bald werden 110% der Kinder so eine Behinderung?? haben....

Re: 17% Behinderung

cash gibts erst ab 50%. und man kennt fälle, wo die beamtin die familie nicht mag und den grad der behinderung mit 49% feststellt, natürlich ganz und gar neutral. inländer, wolfgemerkt, um die aufgelegte reaktion gleich vorweg zu nehmen. das kind nicht beschulbar, jahrelanger privatunterricht zu hause, kost ja nix.

Re: 17% Behinderung

Das ist eine normale Entwicklung.
Unsere medizinischen Möglichkeiten haben sich so gut entwickelt, dass heute natürlich viele Personen überleben und das eben oft mit einer Behinderung, die früher gestorben wären.

Aus eigener Erfahrung...

...kann ich sagen, dass Österreich eines der kinder- und familienfeindlichsten Länder auf diesem Planeten ist - wen wundert's.

ahnungslos

Nur ein paar Kilometer nach osten oder norden über die Grenze schaun. Dort können sie Kinder kaufen oder ausleihen! In Südasien, Afrika, Südamerika etc haben Kinder null Rechte. So schauts aus!

Re: Aus eigener Erfahrung...

Ja genau, erzählen sie das mal den Kindersoldaten aus Uganda oder den Kinderarbeitern in Mali und den Philippinen.

Typisches "Euch gehts zu gut" Verhalten

kein wunder

wenn man beobachtet wie Kleinkinder ununterbrochen mit einem nuckelfläschchen mit süßen Getränken im Kinderwagen sitzen und dazu Kipferl und topfengolatschen in den Mund gestopft werden. es ist nicht nötig Kinder zwischen den Mahlzeiten zu füttern, kein Wunder wenn sie mit 12 bereits Diabetiker sind.

Bauchgefühl

Wer verläßt sich heute noch in der Erziehung auf sein Bauchgefühl? Wir können unseren Kindern das Vertrauen schenken das sie meist das richtige machen . Sollte dennoch einmal etwas schief gehen sind wir als Erwachsene dann gefragt bei Lösungen den Kindern zu helfen .Heute hat aber zb. ein ausgeschlagener Zahn der beim Spielen passiert ein Drama für alle beteiligten. Mehr Gelassenheit im Umgang mit Kindern ist gefragt !

Wir sorgen nicht gut genug für unsere Kinder

Wer ist bitte "wir"? Wofür ist der Staat = die gesamte Gesellschaft- zuständig?
...im Kindergartenalter, kommen die ersten Probleme, und sie (die Kinder) werden schrittweise zu therapiebedürftigen Wesen.“ Zitatende.
Richtig ist, wir leben in einer kranken Gesellschaft. Es gibt inzwischen keine Gesunden mehr. Für die in diese Gesellschaft geborenen Kinde ist daher der Staat mit einer Rundum-Alimentierung zuständig. Der Aufruf - richtig verstanden: der Staat soll endlich die Rechte des Einzelnen übernehmen und die Entmündigten nach seinem Gutdünken versorgen. Wir sind am richtigen Weg.

Re: Wir sorgen nicht gut genug für unsere Kinder

Nein, Sie haben wohl nicht richtig verstanden. Der Artikel ist (bis auf den letzten Satz) unter Lobbying für die Deppendoktorlobby einzustufen. Ist aber verständlich, wenn man auch seinen Teil von dem von unserer Politik in grenzenloser Selbstverwirklichung beim Fenster hinausgeschmissenen Geld haben will... ;-)

Für die Probleme, die es zweifellos gibt, braucht man keine Seelenklempner sondern lediglich Hausverstand und etwas Eigenverantwortung. Aber diese Attribute haben die 68er-Schlaumeier den Leuten in den letzten Jahrzehnten großteils bereits wegtherapiert und das sind jetzt die Früchte davon.

Du meine Güte!

"In dieser Gruppe trinken 35 Prozent mindestens einmal wöchentlich Alkohol. 20 Prozent der Kinder und Jugendlichen leiden an Übergewicht oder einer Essstörung. 17 Prozent haben eine ärztlich diagnostizierte chronische Erkrankung oder Behinderung"
Ich rechne mal zusammen:
35 % Alki
20 % Dumbos
17 % fix & foxy
72 % FPÖ

Hilfe!

Re: Du meine Güte!

SIE haben eben keinen Hamua.

mein Enkel ist wieder mal krank

kein Problem mit dem Spital.

Die Behandlung ist ausgezeichnet verglichen mit dem Ausland. Der Mutterschutz ist weltweit spitze.

Re: mein Enkel ist wieder mal krank

Auch kein Problem mit der Kinderärztin mehr, seit meine Kinder endlich die beste in der Stadt gefunden haben.
Damit der rote Balken nicht noch länger wird.

d


ist ja ok wir brauchen unser geld für die politiker und banken


Deswegen schafft(e) man die I-Pensionen ab...

man weiß schon warum!
12x Mindestsicherung kommt günstiger wie 14x eine I-Pension.

Und wo ist die "Patientenanwältin" Pilz mit ihrem ihrem Standardsatz:

"Es gibt genug Ärzte, nur die Öffnungszeiten müssen verlängert werden!"

 
12

Wetter

  • Aktuelle Werte von
    13:00
    Wien
    Steiermark
    Oberösterreich
    Tirol
    Salzburg
    Burgenland
    Kärnten
    Vorarlberg
    Niederösterreich

Jetzt Panorama-Newsletter abonnieren

Der tägliche Überblick mit den wichtigsten Meldungen zu den Themen Chronik, Wien und Umwelt. Kostenlos.

Newsletter bestellen

Code schwer lesbar? » Neu laden

AnmeldenAnmelden