Kampusch-Protokoll weg? Anfrage-Schlacht im Parlament

31.01.2013 | 18:20 |  MANFRED SEEH (Die Presse)

Fall "Natascha Kampusch": Katz-und-Maus-Spiel um heikle Teile des Aktes. Einen Abschlussbericht des Expertenteams wird es erst "im Frühjahr" geben.

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Der Akt, so heißt es im Innenministerium, sei auf 270.000 Seiten angewachsen. Und diese zu durchforsten, diese für das an der Analyse beteiligte FBI teilweise ins Englische zu übersetzen dauere leider länger als erwartet. Daher werde der Abschlussbericht des Expertenteams zum Entführungsfall „Natascha Kampusch“ erst „im Frühjahr“ vorliegen. Dass sich bei den 270.000 Seiten auch ganz zentrale Aktenteile, nämlich die Protokolle der Einvernahme des Opfers durch Oberstaatsanwalt Thomas Mühlbacher finden, darf angenommen werden. Merkwürdig nur, dass man im Parlament orakelt, wo denn diese Protokolle geblieben sind.

Noch merkwürdiger ist die Beantwortung einer parlamentarischen Anfrage der FPÖ. Die will wissen, warum dem Unterausschuss („Stapo-Ausschuss“) des Parlaments „das Protokoll der Vernehmung von Natascha Kampusch durch den Oberstaatsanwalt Dr. Mühlbacher“ nicht vorgelegt wurde. Justizministerin Beatrix Karl (ÖVP) gibt an: „Wenn (...) nun auf Schriftstücke Bezug genommen wird, die dem Unterausschuss (...) nicht vorgelegt worden sein sollen, ist demgemäß davon auszugehen, dass es sich nicht um solche aus dem Zuständigkeitsbereich des Bundesministeriums für Justiz handelt, sodass ich um Verständnis ersuche, zu diesen nicht Stellung zu nehmen.“ Interessant. Ein Oberstaatsanwalt, der dem Justizressort untersteht, verfasst ein Protokoll – und dieses soll dann einem anderen Ministerium unterstehen? Welchem? Vor allem aber: Warum wurde dem „Stapo-Ausschuss“ das Protokoll vorenthalten? Und: Wenn der Ausschuss (entgegen der FPÖ-Anfrage) das Protokoll sehr wohl zur Verfügung hatte – warum stellt Karl dies dann nicht in ihrer Anfragebeantwortung klar? Dort ist nur zu lesen, dass es „Vollständigkeitserklärungen“ der betreffenden Staatsanwaltschaften gebe. Darin bestätigen diese Nationalratspräsidentin Barbara Prammer, alle Unterlagen dem Parlament geschickt zu haben. Womit die Sache noch rätselhafter wird. Aber vielleicht bringt ja der Abschlussbericht der internationalen Experten Klarheit.

Indessen hat das BZÖ ein zweite Front eröffnet. In einer weiteren, der „Presse“ vorab vorliegenden Anfrage will man wissen, ob Ernst Geiger – er hatte als Ermittlungsleiter im Bundeskriminalamt Einfluss auf die Kampusch-Ermittlungen – ein „besonderes persönliches oder gesinnungsfreundliches Naheverhältnis“ zum Chef der Oberstaatsanwaltschaft Wien, Werner Pleischl, habe. Und ob ein ebensolches Verhältnis zu einem ehemaligen Verdächtigen in der Causa Kampusch (zu einem Milizoffizier, Anm.) bestehe? Geiger will dazu vorerst nichts sagen. Bleibt abzuwarten, wie Innenministerin Johanna Mikl-Leitner die Anfrage beantwortet.

 

E-Mails an: manfred.seeh@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 01.02.2013)

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76 Kommentare
 
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Wer weiß, in welcheweitere rote Netzwerke

wir doch noch Einblick erhalten.

Bin sehr gespannt,

auf diesen Bericht und darüber, wie offensichtliche 'Widersprüche etc interpretiert werden.

wo war nochmals der prozess gg 200 ?

http://www.n-tv.de/panorama/Kinderpornoring-gesprengt-article60809.html

kann mich nicht erinnern, vlt. könnt mir jemand mit link aushelfen ?

Scheingefecht

und sonst ohnedies nichts, meine ich. Denn: "das FBI" besteht aus dem Juristen der amerik.Botschaft in Wien, der das FBI "vertritt", und das BKA (Wiesbaden) wußte gar nichts von einem Ermittlungsauftrag, beschäftigt sich auch nicht mit Cold Case Recherchen, und der BKA Chef - so las ich seinerzeit - würde bei Bedarf nach Wien zu Besprechungen fliegen.

Es "ermittelt" nicht das FBI (und braucht daher auch keine Übersetzungen von 270.000 Seiten), auch nicht das BKA, sondern lediglich unsere schon vorher jahrelang mit dem "Ermitteln" befaßt gewesenen beamteten "Experten" des BMJ und BMI - deren Namen jedem, der den Fall verfolgt hat, zur Genüge bekannt sind.

Die zahlreichen "Ermittlungsfehler" und nicht verfolgten Spuren und Hinweise sind hierzulande ohnedies bestens bekannt.

Übrigens - wenn an der ganzen Sache sowieso nichts Besonderes war und ist - wo kommen die gigantischen 270.000 Seiten her????
Grotesk.

die fpö ist sich für nichts zu schade

auch nicht die kampusch für ihre zwecke zu missbrauchen

das Elend...

das Elend anderer Leute für politisches Kleingeld zu missbrauchen ist VERWERFLICH.

Re: das Elend...

Nicht verstanden, es geht um die Justiz.

Die Antwort ist noch einfacher:

Keinen Interessiert jetzt noch der Kampusch Fall. Ja es ist tragisch jedoch interessiert es schulssentlch keinen mehr.

Und warum nicht??

Sagt Pilnacek:
"Er könne sich vorstellen, dass Unterlagen zu den Vermögensverhältnissen des Entführers Wolfgang Priklopil und dessen seinerzeitigen Freundes Ernst H. gemeint gewesen seien. Diese Unterlagen seien aber nicht Teil des Ermittlungsakts."
Und warum nicht?
Die Geldtransfers und auffälligen Summen beim Selbstgetöteten, seinem besten Freund, seiner Mutter und anderen Personen (für alle gilt die Unschuldsvermutung!) sind seit Jahr und Tag sehr wohl überprüfenswert!
Da wurden Häuser und Wohnungen ge- und verkauft, aber der WP hatte nicht einmal ein Girokonto! Da lacht ja jeder!
Warum weigert sich das Finanzministerium, Daten hiezu herauszurücken (Anfrage der FPÖ)?

filmstart

Die Antwort ist eigentlich sehr einfach.

Wenn der FBI/Wiesbaden-Kommission neben den oben urgierten Unterlagen auch die ersten Gesprächprotokolle nach der "Selbstbefreiung" der NK zur Verfügung stehen - das sind die mit der Polizistin und mit dem Arzt (Warum sollten die eigentlich nicht im Akt sein ? Und wenn wirklich nicht, wer ist dafür verantwortlich, dass die schleunigst zum Akt hinzukommen ?) -

dann finden die Kommissionsmitglieder dort zwei Passagen:

1. die Frage von NK wie lange man eine ehemalige Schwangerschaft nachweisen könne

und

2. die Antwort auf die Frage nach Mittätern: "Ich kenne keine Namen"

Wer hier - außer ÖstereicherInnen, die eine jahrelange Gehirnwäsche in dieser Causa hinter sich haben - auf die Idee kommt, es gäbe nichts mehr zu klären, hat IMHO die primitivsten Grundlagen der Lebenserfahrung nicht angewendet.

Aber auch wenn die Sache wieder abgewürgt wird, NK sorgt selbst dafür, dass sie nicht in Vergessenheit gerät. Bald ist ja Filmstart!

Vielleicht ist ja gerade die ihr oft vorgeworfene Medienpräsenz, der von ihr aufgebaute Selbstschutz gegen Erpressungen und Bedrohungen. Solange sie in den Medien immer wieder vorkommt, kann es den zufälligen Autounfall nicht so leicht geben.

Wer sich zum Fall umfassend informieren will, ist übrigens unter www.dieaufdecker.com gut aufgehoben. Da finden Sie bis hin zu den relevanten Grundbuchauszügen alles !

..übersetzen ins Englische, damit das FBI mit den Akten arbeiten kann.

Ich hau mich ab!

Bei den in hunderttausende gehenden Beamtenapparat brauchen wir fremde Hilfe zur Aufklärung von Beweismittelfälschung, Beweisunterdrückung.......??????????

Österreich ist wirklich eine verluderte, verseuchte Scheindemokratie.

Für diesen "Gesamtvorgang" möchte ich nach Abschluss die Kosten wissen!


Re: ..übersetzen ins Englische, damit das FBI mit den Akten arbeiten kann.

im gegenteil: das fbi wird gebraucht, um die aufklärung zu verhindern und einen persilschein zu bekommen.
genauso wie die (entführten und geschwärzten) liechtenstein akten vom grasser als die entscheidenden beweisstücke stilisiert wurden, nur um sich bald als völlig wertlos zu erweisen und damit den grasser endgültig reinzuwaschen.

Der Fisch beginnt....

...am Kopf zu stinken und daher braucht man sich nicht wundern dass man hier einen der größten Kinderschänder-Ring-Skandale in Wien und der gehobeneren Gesellschaftsschicht nicht aufdecken will, sondern vertuschen! Denn es sind ja ganz simple Fragen außer den hier vorgebrachten Fragen noch offen!
1. wo ist das Kind,
2.warum sollte sich Priklopil umbringen? Und ein vom Zug geräderter Toter schaut nicht so aus wie das Bild das es vom AUFFINDUNGSORT GIBT!

3.Wer sind die Männer wo N.K. bei der Polizistin sagte:" Sie kenne keine Namen!" usw....

www.gegensexuellegewalt.at

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Klärt man eigentlich auch

einen Verkehrsunfall, indem alles, vom Papst bis zum FBI eingeschaltet, befragt und befasst wird ... außer dem beteiligten Lenker?

Das Einzige was mich an diesem Fall noch wundert

ist, dass man Ermittlungen durch das FBI überhaupt zugelassen hat.

In dieser Causa stinkt doch alles förmlich nach Vertuschung und unter den Teppich kehren, um mutmaßlich irgendwelche hohen Herrschaften zu decken. Da passt auch das Verschwinden dieses Vernehmungsprotokolls wie die Faust aufs Auge.

Re: Das Einzige was mich an diesem Fall noch wundert

Auch, daß es weder Kurier noch Standard für angezeigt halten, über diese Entwicklung zu berichten, gibt zu denken.

Erfreulich, daß Manfred Seeh wenigstens den dünnen Faden wieder aufgenommen hat. Die sicherlich sehr einflußreichen Beteiligten an diesem Fall werden sich m.E. demnächst bemühen, den Informationsfluß wieder abzudrehen.Man darf gespannt sein, und ich glaube nicht, daß "nur" die Wahlen ein Steuerungselement sind. Da gehts schon um persönliche Verwicklungen.


Jetzt wissen wir

womit sich das Parlament beschäftigt. Niemand interessieren die 270.000 Seiten - außer die Kosten für die Übersetzung.

Mhm

Warum wird eigentlich immer wieder betont, dass der (frühere?) Verdächtige Milizoffizier ist? Hauptberuf zu uninteressant?

Du meine Güte!

Vielleicht hat er ja keinen anderen Beruf?

SIe schwitzen gewaltig

die ROTEN Herren.....

Kommt nicht mehr viel anderes heraus. Dass die N.K. mit ihrem Freund Schi laufen, einkaufen war etc, ist schon bekannt, dass sie jederzeit weglaufen hätte können, auch etc. Schade, dass die N.K. viel für sich behält und sehr schade, dass Hr Priklopil nicht mehr lebe. Es gilt für alle(s) die Unschuldsvermutung.


alles normal...!?

na, welche hohen herrschaften da wohl wieder vertrickt sind... und erstaunlich dass auch in diesem fall einige leute (priklopil oder der zuständige kripo-beamte) so schnell "selbstmord" begingen... und die verfahren immer eingestellt werden.

komisch dass sowas in österreich immer wieder passiert... franz fuchs (ohne hände ARTISTISCH selbst erhängt), prikopil (vor den zug gesprungen), udo proksch (in zelle erhängt), jack unterweger (in zelle erhängt)...

komisch... dass bei jugendmißbrauch in kirche, gemeindeheimen und anderen politik- und staatsnahen unternehmen und institutionen nicht ermittelt wird....

komisch... dass es ein weisungsrecht gibt.

sehr komisch.

Re: alles normal...!?

Proksch hat sich nicht erhängt. Der hat seine Herzoperation im Landeskrankenhaus Graz nicht überlebt. Kurz vorher hat er noch dem Profil, ein von wegen baldiger Entlassung, hoffnungsfrohes Interview gegeben. Seine in Freiheit lustwandelnden Mittäter {davon hocken heute noch so manche im (...)}, hat er {aus Angst vor den Konsequenzen für seine Familie/Lütgendorf lässt grüßen} nie ans Messer geliefert. Ist kein Zynismus von mir: Er starb zur rechten Zeit... Denn nur ein totes Punschkrapferl redet nicht mehr.

Re: alles normal...!?

Nicht zu vergessen, der erstaunliche Selbstmord des hartnäckigen Kampusch-Ermittlers. Der sich als Rechtshänder in die linke Schläfe schoss!

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Re: Re: alles normal...!?

wobei am wundersamsten bleibt, dass die Presse dazu überhaupt Postings zulässt, aber in diesem Fall ist wohl Hopfen&Malz verloren und es bleibt nur das Kasperltheater - das leider den "Ring" schützt.

Es tut mir leid,.....

zugeben zu müssen die Dimenssion die dieses sicherlich schwere Verbrechen ausgelöst hat zu begreifen - in meinen fast 6lebensjahrzehnten hat es leider viele Verbrechen von denen die meisten gott sei Danke aufgeklärt wurde gegeben - wie aber aus einer offensichtlichen Enführung eines Kleinkindes ein solcher Staatsakt werden kann, ist für meinen das gebe ich offen zu durchschnittlichen Verstand nicht nachvollziehbar und ich warte auf ein fürchterliches Ungeheuer was da zu Tage kommt was bei mir ein großes Unbehagen auslöst.

 
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