Drogensubstitution: Proteststurm gegen Mikl-Leitner

14.02.2013 | 18:40 |   (DiePresse.com)

Landesgesundheitsreferenten, Experten und der Gesundheitsminister üben heftige Kritik am Wunsch der Innenministerin, von der Drogenersatztherapie abzurücken.

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Innenministerin Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) ist nach Aussagen über ein gewünschtes Abrücken von der Drogensubstitutionstherapie für Opiatabhängige seit Mittwoch in einen wahren Proteststurm geraten. Gesundheitsminister Alois Stöger (SPÖ), Landesgesundheitsreferenten und Experten verurteilten am Donnerstag praktisch unisono diesen Vorstoß. Stöger: "Suchtkranke gehören zum Arzt, nicht zur Polizei."

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In Österreich sind derzeit fast 17.000 Opiatabhängige in Substitutionstherapie. Seit 1987 wurden zumindest fast 26.000 Menschen einmal behandelt. Es geht dabei um Schadensverhütung (HIV-Infektionen etc., Drogentod), Hilfe beim Ausstieg aus der Drogenkriminalität, soziale Stabilisierung und medizinische Betreuung. In Europa sind schon mehr als 700.000 Patienten in Therapie - Tendenz steigend. Die Behandlungsform mit Ersatz der illegalen Drogen durch vom Arzt verschriebene Substanzen wie Methadon, Buprenorphin, retardierte Morphine etc. gilt als Behandlungsstandard.

Politik "auf dem Rücken von Suchtkranken"

Der Vorschlag Mikl-Leitners lege die Vermutung nahe, dass hier Politik "auf dem Rücken von Suchtkranken" gemacht werden solle; das sei "nicht akzeptabel", so Stöger. Die Ministerin stellte im "Ö1"-Mittagsjournal am Donnerstag schließlich fest, man solle aber darüber diskutieren, ob nicht mehr Begleitung und Therapie und weniger Substitution zielführend wäre.

Auf Bundesebene erklärte man im Justizministerium, man warte vorerst ab. "Ich sehe für den Strafvollzug keinen Bedarf, unser Verhalten zu ändern", erklärte Strafvollzugsdirektor Peter Prechtl (Justizministerium). Die auch im Gefängnis durchgeführte Behandlung reduziere illegalen Drogenkonsum und Gesundheitsgefahren. Der Oberste Sanitätsrat bezeichnete die Therapie als "geeignetste und international etablierte Form der Behandlung." "Hier wird vor den Wahlen billiges Kleingeld für konservatives Klientel gemacht", kritisierte der Grüne Gesundheits- und Wissenschaftssprecher Kurt Grünewald.

Breite Ablehnung aus den Ländern

Wiens Gesundheitsstadträtin Sonja Wehsely (SPÖ) hält den Vorstoß der VP-Ministerin, die für Fragen der medizinischen Behandlung in Österreich nicht zuständig ist, für "verantwortungslos". Der Kärntner Landesgesundheitsreferent Peter Kaiser (SPÖ) sagte: "Das ist wohl mehr der populistische Versuch, eine Schlagzeile zu ergattern, denn verantwortungsvolle Politik."

Der Vorarlberger Gesundheitslandesrat Christian Bernhard (ÖVP) hält die Drogenersatztherapie "generell für eine gute Sache". Retardierte Morphine sollten allerdings nur bei sehr genauer Indikation eingesetzt werden. Salzburgs Gesundheitsreferent Walter Steidl (SPÖ) sieht "überhaupt keinen Anlass" für eine Änderung der Strategie.

Experte: "Versachlichung hilft"

"Es gibt überhaupt keinen Grund dafür, die Drogensubstitutionstherapie zu reduzieren. Ganz im Gegenteil, man sollte sie in Österreich ausbauen. In Wien haben wir eine Deckungsquote von 75 Prozent bei den infrage kommenden Patienten. Österreichweit liegt sie bei maximal 50 Prozent, zum Teil deutlich darunter", sagte am Donnerstag der Wiener Arzt und Drogenexperte Hans Haltmayer (Ambulatorium der Suchthilfe Wien). Der Präsident der Österreichischen Apothekerkammer, Max Wellan, meinte zur Drogensubstitutionstherapie: "Das ist sinnvoll. Das zahlt sich aus."

"Versachlichung hilft den Patienten, Verpolitisierung ist schlecht für die Betroffenen", meinte schließlich der Wiener Drogenbeauftragte und Arzt Alexander David. Er hatte gemeinsam mit dem Psychiater Otto Presslich von der Psychiatrischen Universitätsklinik in Wien im Jahr 1987 die ersten Patienten behandelt. Die Resozialisierungshilfe für Straffällige, Neustart, befürchtet bei einem Abgehen von der Behandlungsstrategie ein Ansteigen der Beschaffungskriminalität.

(APA)

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55 Kommentare
 
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Drogenkonsum ist genausowenig eine Krankheit

wie Schnellfahren mit dem Auto.
Oder kommt jetzt irgendeiner dieser Gutmenschen und sagt, man müsse den Autorasern einen Sportwagen finanzieren, weil sie ja süchtig sind?
Auf Krankenschein, versteht sich.
So ein Blödsinn!

stasi

diese stasi-övp ist echt unfassbar.

wenn ich es könnte, würde ich morgen ins parlament gehen und bei jedem politiker haartests einfordern.

mal sehen, wer vor zig monaten an einem joint gezogen hat.

die parteien und deren typen werden immer absurder.

Keine Gnade für Giftler und Dealer.

Beinhart durchgreifen wie in Asien.

Wählt einfach nicht Schwarz, dann is die Frau Ministerin weg vom Fenster.

...

Massenscreening nicht geplant ...

... mutmaßliche Drogenkonsumenten werden getestet, natürlich liegt die "Mutmaßlichkeit" im Auge des Betrachters und das ist höchstwahrscheinlich ein Polizist, was wiederrum, unter besonderen Umständen, ein ausgedehntes Screening von Personengruppen rechtfertigen könnte.

Die Mikl soll ihre eigenen Kinder untersuchen lassen

Zu aller erst sollten sich die Chefpolitiker untersuchen lassen allen voran der grüne Pilz und der blaue Strache. Bei Spindelegger und Faymann habe ich da weniger Verdacht.
Aber auch nur bei den Drogen.
Danke Mikl, haben Sie schon die Haare ihrer Kinder eingeschickt? Wie man so hört treiben es die Jugendlichen in ihrem Bundesland ja ganz schön wild. Oder sind ihre Kinder wieder einmal eine Ausnahme?

Re: Die Mikl soll ihre eigenen Kinder untersuchen lassen

Entschuldigung, ich meinte natürlich ihre Enkelkinder.
Frau Mikl verzeihen Sie mir aber in unserem fortgeschrittenen Alter vertut man halt sich recht schnell.
Hut ab, das Sie überhaupt noch arbeiten andere gehen mit Mitte Fünfzig Anfang Sechzig schon in Rente.

Und warum nicht?

Wieder mal Verbrecher schützen angesagt?

Die möglichen Folgen für ein Unfallopfer,

das von einem Giftler angefahren wird, dürften den Verlust einer Locke für letzteren deutlich überwiegen.

Aber es ist eben alles relativ....

Re: Die möglichen Folgen für ein Unfallopfer,

und wenn ich am vorabend einen joit geraucht habe und am nachmittag des darauffolgenden tages einen unfall habe, bin ich schuld?

denken-informieren-schreiben.


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Re: Die möglichen Folgen für ein Unfallopfer,

Interessant, dass Sie glauben, durch das Abschneiden einer Locke könne man einen Verkehrsunfall verhindern :-)

Frechheit!

Bei einer Verkehrskontrolle sollte eine gerade vorliegende Beeinträchtigung durch Drogen überprüft werden - nicht ein Joint, den ich vor einem Monat geraucht habe. Das eine hat mit dem anderen NICHTS zu tun.

Re: Frechheit!

BINGO!

"vorliegende Beeinträchtigung "

DAS ist es!

5 2

keine ahnung die frau aber den mund aufmachen


Die Substitutionstherapie läuft darauf hinaus,

dass den Süchtigen ihre Suchtmittel von der öffentlichen Hand bezahlt werden.
Ist das sinnvoll?
Und wenn ja, warum nicht auch Zigaretten und Alkohol auf Krankenschein. Immerhin sind das legale Drogen und die Süchtigen können immerhin für sich geltend machen, dass sie nichts Kriminelles getan haben...

Re: Die Substitutionstherapie läuft darauf hinaus,

Ihre Frage ("Ist das sinnvoll?") ist leicht beantwortet: JA, ist es. Keiner, der mit dem Thema zu tun hat ist anderer Meinung.
Die Frage ist nur, mit welchen Substanzen: Das ist auch die Diskussion, die das Innenministerium führen möchte.

Nur weil ein paar Linke gleich hysterisch werden, sollte man nicht ins andere Extrem fallen. Die Substitutionstherapie ist erfolgreich und unumstritten.


Die Substitutionstherapie ist erfolgreich und unumstritten.

Das hätten Sie wohl gern.
Die Substitutionstherapie ist unter jenen Drogenärzten unumstritten, die sich eine goldene Nase damit verdienen.
Wer Drogen nimmt, ist selbst dafür verantwortlich und niemand sonst ist verpflichtet, seine Sucht zu finanzieren...

Re: Die Substitutionstherapie läuft darauf hinaus,

schon mal was von beschaffungskriminalität gehört?

wollen teat sie ja schon, aber leider.......

Mikl-Leiter die Frau für fast eh alles. Kleines Manko, das
Gehirn kann nicht halten was der Mund verspricht.

Leben

von der sogenannten Substitutionstherapie leben nun schon so viele Berufgruppen, daß die Süchtigen ja nicht weniger, geschweige geheilt werden dürfen...

ein gutgemeintes Faß ohne Boden.

Suchtgift (Substitol) bereits anerkannte Währung in den Gefängnissen..

Frage: wieviel Kosten für angebliche Substitutionstherapie in Gefängnissen?

Wieder eine gute Idee von Mikel-Leitner!

Die alten Methoden (Zuckerbrot u. Peitsche) sind nicht die schlechtesten.
Hinter den Substitutionspräparaten steht ohnedies nur die übermächtige Pharmaindustrie. Hausverstand statt "Expertenmeinung" (=Lobbyismus)

Re: Wieder eine gute Idee von Mikel-Leitner!

Oh, ein Herr "Hausverstand"!
Könnten Sie mir kurz weiterhelfen und sagen, welche Zielherzfrequenz in Ruhe bei Herzinsuffizienz denn nun anzustreben ist. Weil, wissen's eh, der Expertenmeinung kann man nicht trauen - alles Lobbyismus!

Übrigens: Das Innenministerium will die Substitutionstherapie natürlich NICHT abschaffen - die sind ja nicht völlig verblödet. Diskutiert wird die ART der Substitutionstherapie.

Re: Wieder eine gute Idee von Mikel-Leitner!

Tut mir leid, daß kann ich als Psychiater nicht unterschreiben. Die Substitutionstherapie ist sehr wertvoll. Wir wollen hier nicht über die These, warum jemand abhängig geworden ist, diskutieren. Der Fakt ist, daß es Menschen gibt, die Motivation haben auszusteigen und die Substitution ist nicht da, weil es Pharmafirmen so toll finden, sondern weil hier eine Erkrankung vorliegt. Nämlich eine Sucht!
Selbst beim Alkohol braucht es zu Beginn Medikamente, um Entzugserscheinungen abzupuffern. Viel Spaß, wenn sie die streichen würden.
Eine Substitutionstherapie sollte wohl weislich überlegt sein, diese aber einfach zu streichen wäre sehr fatal für viele Menschen.

Ich glaube niemand verlangt, dass Drogensüchtigen von einem Tag auf den anderen ihre Ersatzdrogen gestrichen werden sollen

Es geht eher darum das Ziel Drogenfreiheit in den Mittelpunkt zu stellen und die Betrachtungsweise von Drogensucht als reine Krankheit zur Diskussion zu stellen.
Laut Gesundheitsministerium ist Drogensucht eine Krankheit. Punkt. So einfach ist es m.M.n. aber nicht.
Wenn man ehemalige Drogensüchtige fragt, was dafür auschlaggebend war, dass sie drogenfrei leben können, verweisen die wenigsten auf die medizinische Behandlungsversuche. Sie sagen der Wille an sich zu arbeiten, ein andauernder Prozess der Selbstfindung, die Erkenntnis, dass das Leben mehr zu bietet hat, wenn man Drogenfrei und dass man gelernt bzw entschieden hätte sich Lebensproblemen zu stellen, statt der Verdrängungswirkung von Drogen zu nutzen um die Auseinandersetzung aus dem Weg zu gehen wären ausschlaggebend. Das sind Eigenschaften die eindeutig mit Persönlichkeitsbildung und Charakter zu tun haben.
Drogensucht mit Krankeit gleichzusetzen ist bequem und einfach und entspricht vorallem der Sichtweise aktiver Dogenkonsumenten, die davon profitieren als chronisch Kranke betrachtet zu werden, weil sie sich dann berechtigt fühlen immer mehr vom Gesundheitssystem fordern, statt von sich selbst mehr zu fordern. Diejenige die das Suchtverhalten hinter sich haben sind wahrscheinlich ehrlicher.

Ist es schlecht zu versuchen Substitutionstherapien weniger als langjähriges oder lebenslanges Schicksal sondern öfter als temporäre Massnahme einzusetzen?

Re: Ich glaube niemand verlangt, dass Drogensüchtigen von einem Tag auf den anderen ihre Ersatzdrogen gestrichen werden sollen

Ich mache es kurz und knapp. Begleitende Psychotherapie ist das Um- und Auf! Motivation sowieso. Oftmals ist aber trotzdem eine Substitutionnotwendig. Es wird oftmals so hingestellt dass wir Ärzte einfach Drogen ins Volk schleudern. Und das ist einfach nicht so. Mein Schwerpunkt ist die Psychotherapie... aber Medikamente sind eben oft wichtig um auch eine Basis schaffen zu können. Deswegen auch individuell zu entscheiden. Aber Sucht ist eine Krankheit. Auch wenn es sich anders äußert als andere Krankheiten. Wobei mir persönlich der Alkohol deutlich mehr Sorgen macht. Das ist echt eine Volkskrankheit im Deutschsprachigen Raum und auch nur eine Droge. Wenn auch legal... aber meistens letal auf Dauer

Re: Re: Ich glaube niemand verlangt, dass Drogensüchtigen von einem Tag auf den anderen ihre Ersatzdrogen gestrichen werden sollen

"aber meistens letal auf Dauer "

auf dauer ist alles letal.

selbst bio-gemüse.

ist eine sehr komplexe materie, aber der ansatz von der oberkontrollorin mikl leitner ist definitiv der falsche.

 
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