Frühpensionen für Beamte: Neue Rekordzahlen in Wien

Heuer wurde bereits 125 Wiener Beamten die Frühpension bewilligt - so vielen wie noch nie. Die Frühpensionen betreffen dabei laut Ulm nicht hauptsächlich Schwerarbeiter.

Fruehpensionen fuer Beamte Neue
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Fruehpensionen fuer Beamte Neue
c APA HELMUT FOHRINGER HELMUT FOHRINGER

Wien/Stu. Wie krank sind die Wiener Beamten? Diese Diskussion flammt jetzt wieder auf. Denn für Jänner und Februar wurden bei der Personalkommission der Stadt Wien 125 Frühpensionen genehmigt, wie am Donnerstag bekannt wurde. Damit liegt die Zahl der Frühpensionen deutlich über jener des Vorjahres, sagt VP-Gemeinderat Wolfgang Ulm zur „Presse“. Er will zwar keine Prognose für das Jahr 2013 abgeben, da zwei Monate noch nicht wirklich aussagekräftig sind, „doch geht dieser Trend so weiter, würden wir am Jahresende 750 Beamte verzeichnen, die in Frühpension gehen“. Zum Vergleich: Im bisherigen Rekordjahr 2012 sind „nur“ 553 Beamte in Frühpension gegangen. Das durchschnittliche Alter der beamteten Frühpensionisten liegt derzeit bei 54,06 Jahren.

„Die Stadt Wien schafft es nicht, ihre Mitarbeiter motiviert und gesund zu halten“, so Ulm. Zwar habe Bürgermeister Michael Häupl in der Vergangenheit erklärt, dass Wien Maßnahmen setzen werde. „Doch der Trend zu immer mehr Frühpensionen zeigt, dass hier nichts passiert ist“, so Ulm: Es sei an der Zeit, dass die Stadt Gegenmaßnahmen ergreife.

Die Frühpensionen betreffen dabei laut Ulm nicht hauptsächlich Schwerarbeiter (aus historischen Gründen sind beispielsweise Müllarbeiter auch Beamte) – nur ein Drittel von ihnen zähle zu dieser Gruppe, der Rest komme aus der Verwaltung.

 

Burn-out und Rückenschmerzen

Hauptgründe für die Frühpensionierungen von Beamten im Verwaltungsdienst sind Burn-out und Rückenbeschwerden. „Es gibt offensichtlich viele Fälle von Mobbing, Ungerechtigkeiten von Vorgesetzten und ein schlechtes Betriebsklima.“ Das betreffe nicht nur die Mitarbeiter der Stadt, sondern auch die Steuerzahler. Die Frühpensionierungen kosten laut Ulm rund 200 Millionen Euro pro Jahr.

Personalstadträtin Sandra Frauenberger widerspricht Ulms Darstellungen: Die jetzigen Zahlen würden keinen Rückschluss auf das laufende Gesamtjahr zulassen. Außerdem gebe es Präventionsprogramme, um Mitarbeiter möglichst lange und gesund im Arbeitsleben zu halten.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.02.2013)

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