Fall Kampusch: Brief aus Brüssel

22.03.2013 | 15:51 |  Von MANFRED SEEH (DiePresse.com)

Der EU-Parlamentarier Ewald Stadler (BZÖ) listet in einem Brief an Innenministerin Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) Ungereimtheiten auf.

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Wien. In einem 15-seitigen, der „Presse" vorliegenden Brief richtet der EU-Abgeordnete Ewald Stadler (BZÖ) einen „Appell an die Mitglieder der aktuellen FBI- und BRD-BKA-unterstützten Evaluierungskommission" im Entführungsfall Natascha Kampusch. Das mit 20. März datierte Schreiben ist an Innenministerin Johann Mikl-Leitner (ÖVP) adressiert. Wie berichtet analysiert derzeit ein von Innen- und Justizressort eingesetztes „Operativteam" die einstige Tätigkeit der Kampusch-Ermittler - und zwar in Kooperation mit der US-amerikanischen Bundesermittlungsbehörde FBI und dem deutschen Bundeskriminalamt (BKA). Dieses Team will nach eigenen Angaben noch „im Frühling" einen Bericht fertig haben. Termin will man keinen nennen.

Stadler kritisiert nun „fachlich nicht nachvollziehbare Auffälligkeiten" bei der „staatsanwaltlichen Lenkung des Ermittlungsverfahrens im Fall Kampusch". Diese seien „nur mit einer - wie auch immer motivierten - gezielten Verhinderungsstrategie" zu erklären. So sei jene Frau (eine seinerzeitige Passantin), die angibt, zwei Männer im Entführungsfahrzeug gesehen zu haben, nie von einem Staatsanwalt (sondern immer nur von der Polizei, Anm.) vernommen worden. Wörtlich wird in dem Brief angeprangert, "dass der ermittelnde staatsanwaltliche Sachbearbeiter bis zur endgültigen Ermittlungseinstellung im Jänner 2010 von zwei unmittelbaren Entführungszeuginnen (gemeint: das Opfer selber und die genannte Passantin, Anm.) lediglich eine vernommen hat, dabei wesentliche Vorhalte von zahlreichen Ungereimtheiten unterlassen hat, den Wahrnehmungen der anderen Tatzeugin jedoch abschließend ermittlungserhebliche Relevanz abgesprochen hat, ohne sie überhaupt unmittelbar gehört zu haben."

Auch der Selbstmord des Entführers Wolfgang Priklopil weise „Klärungsbedarf" auf. Zur Erinnerung: Priklopil hatte sich nach der Flucht von Natascha Kampusch vor einen Zug geworfen. So heißt es etwa: "Die Wahrnehmungen des Triebwagenführers werden von staatsanwaltlicher Seite wahrheitswidrig wiedergegeben. Dessen Angaben beschränken sich nämlich darauf, dass er in Annäherung an die Kontaktstelle einen ,hellen Schatten`gesehen hatte, ohne sagen zu können, ob es sich dabei um eine stehende oder um eine hockende Person gehandelt hat."

Und weiter: "Der helle Schatten sei dann im Gleisbereich vor dem Zug gelegen und er hätte den Zug nicht rechtzeitig anhalten können." Erst nach dem Unfall habe ein Zugbegleiter, der ausgestiegen sei, die Leiche gefunden. "Der Zugbegleiter wurde im Ermittlungsverfahren nie vernommen, insbesondere auch nicht darüber, ob ihm heftiger Blutaustritt aus dem Leichenhals aufgefallen ist". Hintergrund dieser Passage: Kritische Beobachter hatten zuletzt immer wieder in den Raum gestellt, dass Priklopil möglicherweise schon tot gewesen sein könnte, als ihn der Zug überrollte - also von dritter Seite auf die Schienen gelegt worden sei. Für diese Version gibt es aber bis heute keine Beweise.

Ob nun die Evaluierungskommission überhaupt auf den Selbstmord von Priklopil eingeht, bleibt abzuwarten. Die eigentliche Aufgabe des international besetzten Teams besteht darin, die Arbeitsweise der österreichischen Ermittler zu studieren und gegebenenfalls (methodische) Verbesserungen für die Zukunft vorzuschlagen.

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99 Kommentare
 
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1000 Fragezeichen

ich habe ihr von Beginn an nicht geglaubt! Da gibts derart viele Ungereimtheiten, die es an sich verbieten,ihr derartige Plattformen einzuräumen.
Sie verweigert jegl. psychol. Hilfe, warum wohl... sie redet und sagt nichts. Eines sagen ihre Augen... sie lügt

Re: 1000 Fragezeichen

Auch sie wollen sich jetzt als Zens.ur aufspielen? Nein danke. Mir reicht schon die Presse-Zens.ur.

Und wo ist der Brief

einzusehen?

Hat der Stadler nix anderes zu tun?


diese VAMED-Werbung nervt unendlich!

noch immer!

"Österreich hyperventiliert"

titelte die Süddeutsche. "Am Montag kommt der Film über Natascha Kampuschs Jahre im Verlies in die Kinos."

In Deutschland hätten sie den höchstrichterlichen Priklopil-Verschnitt mit nassen Fetzen aus der Evaluierungs-Kommission davon gejagt, in Österreich wurde er freigesprochen und die Innenministerin (Fekter) hat ihm den Rücken gestärkt, weil seine Kommission wunschgemäß die Polizeifehler kleingeredet hat.

Die Medien waren johlende Mittäter und Komplizen. Das hat nicht nur das entführte Kind sich vorher so nicht vorstellen können.

Wenn man ausgedehnte Ausflüge unternommen hat, Einkaufsfahrten, zum Schi laufen etc., dann hätte eine Entführte ohne weiteres laut schreien können, dass sie die angeblich entführte K. ist, und dann hätten sich sicherlich sofort Menschen bereit erklärt, zu helfen, oder die Polizei zu verständigen. Also, es besteht der Verdacht, dass sich diese Angelegenheit jedenfalls nicht so abgespielt hat, wie der Öffentlichkeit verkauft. Schade, dass Hr Priklopil nicht mehr lebt, der zur Aufklärung sehr viel hätte beitragen können.


Re: Wenn man ausgedehnte Ausflüge unternommen hat, Einkaufsfahrten, zum Schi laufen etc., dann hätte eine Entführte ohne weiteres laut schreien können, dass sie die angeblich entführte K. ist, und dann hätten sich sicherlich sofort Menschen bereit erklärt, zu helfen, oder die Polizei zu verständigen. Also, es besteht der Verdacht, dass sich diese Angelegenheit jedenfalls nicht so abgespielt hat, wie der Öffentlichkeit verkauft. Schade, dass Hr Priklopil nicht mehr lebt, der zur Aufklärung sehr viel hätte beitragen können.

"Schade, dass Hr Priklopil nicht mehr lebt, der zur Aufklärung sehr viel hätte beitragen können."

Das hat das Opfer auch schon gesagt ...

Es besteht der dringende Verdacht, dass in dieser Angelegenheit seit Jahren die Öffentlichkeit angelogen wird - möglicherweise auch deswegen, um entsprechend Kohle zu scheffeln ! Warum gibt es so viele Menschen in Österreich, die diese angebotene Story nicht glauben ?


Es sind gar nicht viele,

nur ein paar Schreihälse wollen selber Kohle damit machen. Das neue Büchlein von ihrem Vater ist eben erschienen. Im Moment sollen ganz andere Kassen zum Klingeln gebracht werden – auf ihre Kosten.

24.08.2009 – Dem Online-Portal "oe24" sagte Kampusch-Vater Ludwig Koch: "Wenn die ganze Wahrheit ans Licht kommt, wird Österreich beben."
Gar nix hat gebebt wegen dem alten Holler und neuen Lügenmärchen wie diesem: Natascha, now 25, today lives in Priklopil’s house, …. Allan Hall, 28. February 2013 (!)
… aha
lives in Priklopil’s house

Die "Wahrheit" ist das letzte, worum es diesen Bücherschreibern und ihrem Parlamentsdodelgefolge geht. Fortsetzung wird angedroht: "In the end the final chapter has still to be written." (Allan Hall)
Seit 2 Wochen dümpeln die schon mit 53 mageren "Gefällt mir" dahin.
:-)

Re: Es sind gar nicht viele,

Sie waren schon wesentlich besser im Nebelwerfen. Was ist los mit Ihnen?

es liegt an Frau Kampusch

nur sie kann die wahre Geschichte erzählen. Sie wird gute Gründe haben, zu schweigen.
ich vermute, dass priklopil ihr Zuhälter war, der sie pädophilen Männern zur Verfügung stellte. vielleicht waren mächtige Männer darunter.

Dass diese rufmördernden Vermutungen freigeschaltet

werden und stehen bleiben dürfen, sagt eh alles über dieses Forum – und ist ein Skandal.

Ich "vermute", dass Sie auch so ein pädophiles Armloch sind, das sich an dieser Sorte Vermutungen bis zum Gehtnichtmehr aufgeilt.

Sie sind jedenfalls einer der vielen gesuchten "Mitwisser", die wissen, dass die "wahre Geschichte" anders ist.
Es ist ja eine Lüge, dass Frau Kampusch schweigt. Tut sie nicht.

Re: Dass diese rufmördernden Vermutungen freigeschaltet

Heike?

Re: Re: Dass diese rufmördernden Vermutungen freigeschaltet

Na, sicher. Korrekte Ausdrucksweise und sachliche Information - einfach "heike"-

wer zweifelt da noch an den EU Abgeordneten

braucht es die schon alleine damit das BZÖ der ÖVP einen Brief schreiben kann. Wie Stadler österreichische Interessen in Straßburg vertritt darüber schreibt der europäische Starpolitiker leider nichts. Aber wer mit "Unser Volksanwalt in Brüssel" kandidiert hat, dem wars schon schwer genug, das Parlament in Straßburg zu finden.

In Dutroux wurde wenigstens fast alles sehr spät aufgeklärt...

Und in Österreich.....?

Re: In Dutroux wurde wenigstens fast alles sehr spät aufgeklärt...

Gar nichts wurde bei Dutroux aufgedeckt. 27 Zeugen wurden begraben.

Im Fall Dutroux gab es ZEUGEN,

die seine Entführung von Sabine DARDENNE mitbekommen haben. Deshalb konnte er ausgeforscht und überführt werden.

Die Zeugen haben ÜBERLEBT, und Sabine Dardenne hat überlebt und als Zeugin vor Gericht ausgesagt.

Dutrouxs Opfer Sabine Dardenne hat übrigens auch ein Buch geschrieben, ebenso Jaycee Lee Dugard (die "kalifornische Kampusch"). Frau Kampusch ist gar nicht alleine mit dem, WAS sie erlebt hat und WIE sie es überlebt und bewältigt hat.

Re: Im Fall Dutroux gab es ZEUGEN,

"To comprehend this nebula, it is necessary to abandon traditional financial or political logic; this is not merely a question of nation, political party, or of ordinary economics... Our conclusion would be that at least over the last twenty years, the economic powers, some of which mafia types, have allied themselves with political forces and organized criminal structures, and reached the 4th stage of money laundering, namely, Absolute Power. It has been specified to us that at the present moment these characters control 50% of the world economy."
- Introduction of a Belgian gendarmerie report to a number of senior officials, District of Liege, November 21, 1994.

Re: In Dutroux wurde wenigstens fast alles sehr spät aufgeklärt...

Nicht in Österreich, sondern, Ihrer Logik folgend, in Priklopil.

Re: Re: In Dutroux wurde wenigstens fast alles sehr spät aufgeklärt...

Im Fall Dutroux..
Zufrieden Genosse?

Re: In Dutroux wurde wenigstens fast alles sehr spät aufgeklärt...

der wurde eben irgendwann nicht mehr gedeckt!

stimmt die Einzeltäterentführung ?

Kann ein eher schmächtiger Mann ein kräftiges 10-jähriges Mädchen alleine überwältigen und umständlich in einen Kastenwagen zerren und sie dann alleine mit dem Auto entführen?
Das wurde nie wirklich nachgeprüft ...
Dazu eine ORF-Meldung von heute:
"Das Mädchen war von der Volksschule auf dem Weg in den Hort, als sie der Mann ansprach; das Mädchen versuchte, ihn zu ignorieren, doch er verfolgte sie und griff sie schließlich an. Die SIEBENJÄHRIGE konnte sich mit Mühe AUS DEM WÜRGEGRIFF DES MANNES BEFREIEN und lief in den Hort ...

Re: stimmt die Einzeltäterentführung ?

Genau berechnete Vertuschungstaktik. Vernebeln und Irreführen der Leute, die nach neun Jahren kaum mehr wissen, wie die genauen Abläufe damals waren, gehört zum Geschäft.
Die Presse läßt konkrete Postings dazu nicht durch.
Interessant, daß Heike-Suboptimal-Durand weiter Unflätigkeiten verbreiten darf.

es lebe die verschwörungstheorie.

die medien freuen sich. frau kampusch sicher nicht. aber wen interessiert das schon.

 
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