Drogen: Haartests werden ausgebaut

22.03.2013 | 17:33 |   (Die Presse)

Mutmaßliche Suchtkranke können bald auch in Linz, Wels und Steyr zum Haartest beim Amtsarzt antreten. Die (Wieder)Ausgabe von Führerscheinen soll so strenger werden.

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Wien/awe. Haare oder Harn? An dieser Frage schieden sich zuletzt die Geister. Seit Freitag steht fest: Tatsächliche oder mutmaßliche Suchtkranke können in Zukunft gleich in mehreren Städten des Landes zu Drogenhaartests statt der bisher üblichen Harntests antreten. Und zwar immer auf freiwilliger Basis.
Nach Wien, das diese Form der Analytik bereits seit 2011 anbietet, werden in den nächsten Tagen und Wochen die Städte Linz, Wels und Steyr folgen. Und zwar ausschließlich im Zusammenhang mit der (Wieder)Ausgabe von Führerscheinen. Verkehrs- oder gar Personenkontrollen durch die Polizei sind davon nicht betroffen.

Dabei geht es um Personen, die wegen eines festgestellten oder vermuteten Suchtproblems gegenüber der Verkehrsbehörde ihre Abstinenz nachweisen müssen, um die Lenkerberechtigung (wieder) zu erlangen. Zielgruppe sind jedoch nicht nur Konsumenten illegaler Drogen. Die Haaranalytik weist auch nach, ob jemand Alkoholiker ist oder nicht.

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Irreführung nur schwer möglich

Die Wiener Polizei führt dazu seit dem Jänner 2011 eine eigene Statistik. Etwa die Hälfte der 800 Analysen (Stichtag: 28. Februar 2013) betraf Untersuchungen an Personen mit einem vermuteten Alkoholproblem. 409 Mal testete man wegen des Verdachts auf Missbrauch illegaler Drogen. Die Hälfte dieser Tests, nämlich genau 205, verlief positiv. 129 Mal schlug der Test wegen (erlaubter) Drogenersatzstoffe, sogenannter Substitutionsmittel an. 76 Mal fand man jedoch Missbrauchsdrogen.

„Das ist eine alarmierend hohe Zahl“, wie Wiens Polizeipräsident, Gerhard Pürstl, meint. Immerhin erfolgt die Teilnahme am Haartest freiwillig. Wer lieber an einem Harntest teilnimmt, hat nämlich keinerlei Konsequenzen zu befürchten.

Für die Verkehrsbehörden liegt der Vorteil des Haartests auf der Hand: Je nach Länge der untersuchten Haare könne so mit einer Analyse das Konsumverhalten von mehreren Wochen bis Monaten untersucht werden. Es gilt die Faustregel: Ein Zentimeter Haar entspricht etwa einem Monat.

Der deutsche Drogenanalytiker Hans Sachs sieht in der Haaranalyse zu diesem Zweck gleich mehrere Vorteile. Erstens: Anstatt einiger weniger Substanzen ließen sich mit Haartests bis zu 200 unterschiedliche Suchtgifte nachweisen. Zweitens: Tricksereien wie bei Harntests seien ausgeschlossen. Diese werden in Österreich zwei bis drei Wochen vorher angekündigt. Tatsächlich sind die meisten Drogen jedoch nur zwei bis drei Tage im Harn nachweisbar. Drittens: Ein Haartest ersetzt gleich mehrere Harntests, die regelmäßig durchgeführt werden müssen.

Die Kosten für einen Haartest sind mit 279 Euro vergleichsweise hoch. Insgesamt rechnet das Innenministerium jedoch nicht mit einer Erhöhung der Ausgaben. Insbesondere bei Langzeitprobanden (ein Harntest kostet etwa 90 Euro) könne ein Haartest sogar Geld sparen.

Studie: Drogen weit verbreitet

Drogenanalytiker Sachs widerspricht auch Kritikern die meinen, Haartests seien technisch noch nicht ausgereift. Er räumte zwar ein, dass sich illegale Drogen in dunklen Haaren stärker konzentrieren als in hellen, allerdings gebe es diese individuellen Unterschiede auch bei Harn- oder Blutanalysen. Selbst Verunreinigungen von außen schließt er aus. Es stimme zwar, dass man in Haaren, die mit Haschischrauch oder Kokain in Berührung kamen, diese Drogen nachweisen könne. Die moderne Labordiagnostik sei jedoch mithilfe von Stoffwechselprodukten in der Lage festzustellen, ob die Substanz aus dem Körper oder von außerhalb ins Haar kam.

Welch bedeutende Rolle dem Konsum von Suchtgiften im Straßenverkehr zukommt, hat die Gesellschaft für Unfallchirurgie 2006 in einer Studie festgestellt. Dabei analysierten Ärzte das Blut von 664 Unfallopfern auf Drogen und Medikamente. Ergebnis: Zwölf Prozent hatten zuvor illegale Substanzen konsumiert, 27 Prozent standen unter Medikamenteneinfluss. Zum Vergleich: Der Anteil der Alkoholisierten unter allen registrierten Unfallopfern liegt laut Statistik Austria bei knapp sieben Prozent.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.03.2013)

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53 Kommentare
 
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Wie lange lassen wir uns von der Staatsmacht noch verars...?

http://www.youtube.com/watch?v=28glS2XFoF8 Teil 1

http://www.youtube.com/watch?v=uDajDtuEaPA Teil 2

http://www.youtube.com/watch?v=2MJrVanzb_U Teil 3

Ist zwar ein anderes Thema, aber es passt zum Überwachungsstaat!

da wirds......

.....bald sehr viele glatzerte Autofahrer geben

Was soll der Schmarrn?

Ein Drogentest am Haar kann zeigen dass Drogen konsumiert wurden!
Aber er kann nicht zeigen, dass unter Drogeneinfluss gefahren wurde!

Es ist juristisch unzulässig 2 verschiedene Themen voneinander Abhängig zu machen!

Dollfuß und Schuschnigg sind sicher Vorbilder für viele heutige OVP-Politiker.

Kontrolle des Volkes mit allen Mittel und Wohlstand für den Geldadel.

Re: Dollfuß und Schuschnigg sind sicher Vorbilder für viele heutige OVP-Politiker.

Hauptsächlich der Eine dessen Bild im Klubraum der ÖVP hangt!

Was geht den Innenministerium an

ob ich vor zwei Monaten einen Joint geraucht oder Schlaftabletten genommen habe?

Was hat das mit der unmittelbaren Verkehrstüchtigkeit zu tun?
Die Mikl-Leitner Inquisititon gehört sofort eingestellt.

Schluss mit dem verdammten Überwachungsstaat


Es geht uns ALLE etwas an, wenn du Drogen nimmst oder Medikamente missbrauchst.

Weill wenn du dann krank und oder abhängig wirst liegst du UNS als Sozialfall auf der Tasche!

Re: Es geht uns ALLE etwas an, wenn du Drogen nimmst oder Medikamente missbrauchst.

naja da geht wohl die größte Gefahr von Alkohol und Zigaretten aus was kosten und Abhängigkeit betrifft! wird das auch bei den Tests festgestellt?

Re: Re: Es geht uns ALLE etwas an, wenn du Drogen nimmst oder Medikamente missbrauchst.

Beim Konsum verbotener Drogen verdient der "Staat" nichts!

Daher: sauf und rauch Dich tot! Applaus vom Staat für die Steuern.

Aber wehe du dröhnst Dich mit Substanzen zu wo der Staat nicht mitschneidet........ Aber dann......

und was dann...

wenn die Haare mit Wasserstoff gefärbt wurden? dann sieht man nämlich mE gor nix?

46%, also fast die Hälfte der Unfalllenker stehen

unter Drogen?!?

Sollte die Zahl stimmen, dann wird man in Zukunft hier GEWALTIG dreinfahren müssen!

12% illegale Substanzen
27% Medikamenteneinfluss
7% Alkohol
--------
46%

Ist ja einfach nur Irre!

Re: 46%, also fast die Hälfte der Unfalllenker stehen

Kann nicht stimmen. "Verkehrsexperten" wissen, dass Unfälle allein durch Rasen in politisch motivierten Geschwindigkeitsbeschränkungen (etwa Feinstaubhunderter) verursacht werden. Wer etwas anderes behauptet ist ein Raser.

Re: 46%, also fast die Hälfte der Unfalllenker stehen

nein ist ganz normal.Haartests im Parlament waeren gut, da wuerde sich das volk wundern ueber ihre Vertreter.

"Verkehrs- oder gar Personenkontrollen durch die Polizei sind davon nicht betroffen."

Leute, da fehlt doch ein "noch". "...noch nicht betroffen", müsste es wohl heißen. Ein Prophet muss man nämlich nicht sein, um vorauszusehen, dass solche Tests künftig JEDER über sich ergehen lassen wird müssen. Sei es durch die Polizei bei Kontrollen, sei es durch Arbeitgeber bei Bewerbungen, sei es durch die künftige Gesundheitspolizei (Fanatiker ala Bloomberg gibt es ja überall)... ;-)

"Mutmaßliche Suchtkranke"

schwammiger gehts wohl kaum. suchtgefährdet (nur alkohol) sind laut studien mehr als ein viertel aller jugendlichen und tendentiell nimmt der missbrauch im alter zu. wenn man dann noch drogen und die 200 weiteren substanzen wie medikamente etc. hinzunimmt, die bei der analyse untersucht werden, dann ist sicher jeder zweite erwachsene als "mutmaßlich suchtmittelgefährdet" einzustufen. selbst bei den bisherigen freiwilligen (!) tests wurde bei jedem vierten ein "suchtmittel" nachgewiesen.

außerdem ist es mit spatzen auf kanonen schießen: im grunde genommen sagt dieser test viel mehr aus, als unter welchem einfluss der getestete zum zeitpunkt des fahrzeuglenkens war, wodurch er weit über die bloße überprüfung der aktuellen fahrtauglichkeit (als die der test verkauft wird) hinaus geht. es wird weit in die vergangenheit geblickt, ein massiver und für den offiziellen zweck ein massiver eingriff in die privatsphäre jedes getesteten. wenn man den test verweigert (noch freiwillig, da verpflichtend mit der verfassung noch nicht vereinbar wäre), ist man als "höchstgradig mutmaßlicher suchtkranke" eingestuft.

als nächstes kommen dann wahrsager zum identifizieren von "zukünftig straffälligen" zum einsatz.

Re: "Mutmaßliche Suchtkranke"

Lauter Widersprüche.

Typisch wiederum Österreich!

Nur in Linz, Wels und Steyr?

Gehört eine solche Regelung nicht für ganz Österreich???

Re: Typisch wiederum Österreich!

Nein, nur für das Parlament und die dazugehörigen Toiletten. Da wird ja so einiges hinter vor gehaltener Hand getuschelt.

Re: Typisch wiederum Österreich!

Rein zur Info: Derartige Tests sind illegal! Sie dürfen nur gemacht werden und verwendet werden, wenn der Betroffene ausdrücklich zustimmt. Lehnt er ab darf dass nicht zu seinem Nachteil verwendet werden. Diese Tests verstoßen nämlich gegen die Menschenrechte und so manche Grundrechte, deswegen braucht die ÖVP dafür ja eine 2/3 Mehrheit, die sie aber nicht zusammenbringen.

Also versucht es die ÖVP halt auf die selbe Art wie es schon das ÖVP geführte Innenministerium seit Jahren im Waffenbereich macht. Wurscht was die Gesetze oder die Grundrechte besagen, einfach mal machen und zwar wurscht wie illegal das alles ist. Und dann halt so nach dem Motto: also wenn sie den Test verweigern, dann werden sie schon was zu verbergen haben. Dass auch diese Schlussfolgerung illegal ist ist denen wiedermal wurscht.

Rechtsstaatlich eine Katastrophe was die ÖVP die letzten ca. 1 1/2 Jahrzehnte aufführt!

"Mutmaßliche Suchtkranke"


Unglaublich dieser Staat...............

Wir die Beamten/Politiker wollen EUCH Bürger TOTAL kontrollieren..................

Nur beim größten Problem wird nichts gemacht:Die Puiverl vom Arzt verschrieben...............Und ALLE fahren dann mit dem Auto!!!!

Beipack lesen! Re: Unglaublich dieser Staat...............

Selber lesen! Steht drin.

dasbedeutenste Suchtgift in diesem Land

ist immer noch der ALKOHOL

und solange die Weinwirtschaft und das (bäuerliche) Schnapsbrennen noch öffentlich gefördert werden,
ist der KAMPF GEGEN DIE DROGE nicht sehr ernst gemeint, ....

dass Hasch und Kokain gefährlicher wären stimmt, Alkohol ist genau so gefährlich, ....


Re: dasbedeutenste Suchtgift in diesem Land

Kokain und Hasch sind nicht gefährlicher!

Re: dasbedeutenste Suchtgift in diesem Land

Am gefährlichsten ist, die Mündigkeit abzugeben, die Verantwortung für sich selber. Der Staatsapparat ist nur am Staatsapparat interessiert.

Google ◀Kant Unmündigkeit▶ hilft weiter.

Re: Re: dasbedeutenste Suchtgift in diesem Land

wir sind nur bedingt mündig, genau so wie wir nicht zu 100% objektiv sein können. der staat kann uns manipulieren, stellt also eine wichtige position dar. ein funktionierendes mediensystem ist essentiell, denn medien prägen unseren subjektiven blickwinkel auf die dinge und unsere wahrnehmung.

unter dieser prämisse und in anbetracht der tatsache, wie jeder einzelne seine welt sieht, kann er in gewissen grenzen mündig sein. was a priori ist entzieht sich unserer wahrnehmung.

tipp: "konstruktivismus" "a priori" googlen (ebenso kant).

 
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