„Österreich ist mittendrin im Menschenhandel“

26.03.2013 | 20:17 |  DUYGU ÖZKAN (Die Presse)

Auch wenn exakte Zahlen im Dunkeln liegen: Österreich ist sowohl Transit- als auch Zielland für Menschenhändler, heißt es aus dem Bundeskriminalamt.

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Wien. „Österreich ist mittendrin im Menschenhandel.“ Gerald Tatzgern, Leiter der Zentralstelle im Bundeskriminalamt zur Bekämpfung der Schlepperkriminalität und des Menschenhandels, will damit sagen, dass Österreich sowohl Transit- als auch Zielland ist. Wie viele Betroffene tatsächlich nach oder durch Österreich gehandelt werden – und wie viele Betroffene es überhaupt gibt, lässt sich kaum erfassen. Nur so viel: Die meisten Betroffenen sind Frauen, die meisten werden in Österreich zur Sexarbeit gezwungen, die Opfer werden immer jünger.

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Zudem stammen die meisten Frauen aus den Ländern Rumänien (rund ein Drittel), Bulgarien, Ungarn, der Slowakei und Nigeria – was wiederum heißt, dass die meisten Opfer EU-Bürger sind (wie viele von den in Österreich rund 6000 registrierten Sexarbeitern Opfer von Menschenhandel sind, lässt sich nicht sagen).

In Europa sieht die Lage ähnlich aus: Laut einem Bericht des Büros der Vereinten Nationen für Suchtstoff- und Verbrechensbekämpfung 2012 (UNODC) werden 62Prozent der Menschenhandelsopfer in Europa mit dem Ziel der sexuellen Ausbeutung gehandelt – 64Prozent stammen aus Europa selbst. Nach Österreich gehandelte Menschen werden aber auch zur Bettelei gezwungen – oder als Hauspersonal ausgebeutet. Der Organhandel spielt hier keine Rolle. Jährlich werden bis zu 400 Fälle von Menschenhandel bekannt. Österreich erscheint für Menschenhändler insofern lukrativ, als das Land erstens „das erste reiche Land“ (Tatzgern) an der Grenze zu östlichen (EU-)Ländern ist und somit mehr Geld für die Drahtzieher verspricht, und zweitens spielen Nachbarstaaten wie Italien eine Rolle, wo Prostitution verboten ist.

Die Betroffenen selbst werden oft unter Vorspiegelung falscher Tatsachen nach Österreich gelockt: Ihnen werden Jobs als Kellnerinnen, Masseurinnen oder Babysitter in Aussicht gestellt. Später werden sie mit unverhältnismäßig hohen „Reiseschulden“ konfrontiert und zur Bezahlung derselben zur Sexarbeit gezwungen. Nicht selten nehmen ihnen die Händler ihre Dokumente ab, was fatale Auswirkungen hat: „In der Praxis werden die Frauen und Mädchen kriminalisiert“, schreiben die Autorinnen Maria Cristina Boidi und Evelyn Probst im Bericht „Frauenrechte Jetzt“ (UN-Konvention zur Beseitigung jeder Form von Diskriminierung der Frau, Mai 2012).

In anderen Worten: Die Opfer werden bestraft, weil sie keine Dokumente oder Aufenthaltstitel haben. Oder sie landen in jenen Bundesländern, wo Prostitution verboten ist, wegen Prostitution vor Gericht. In Österreich ist Sexarbeit nicht einheitlich geregelt – und das macht die Ausbeutung einfacher, sagen Kritiker. Boidi und Probst fordern jedenfalls einen umfassenden Schutz für Betroffene des Menschenhandels und die automatische Gewährung des Aufenthaltsrechts.

 oesterreich mittendrin Menschenhandel

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Anbahnung im Internet

In letzter Zeit können Experten auch den Anstieg von „Cyber Trafficking“ beobachten. Hier werden die Opfer im Internet – Partnerbörsen oder soziale Netzwerke – angesprochen und mit falschen Versprechen nach Österreich gebracht. Das Internet dient aber auch zur Kontaktaufnahme mit den Kunden: Menschenhändler stellen die Fotos ihrer Opfer in einschlägige Foren und „bewerben“ sie.

Bereits seit 2007 gibt das Innenministerium den „Nationalen Aktionsplan zur Bekämpfung von Menschenhandel“ heraus. Auch wenn einzelne Maßnahmen – Fortbildungen, Symposien usw. – für positive Reaktionen gesorgt haben, bemängeln Kritiker, dass mit dem Aktionsplan kein zusätzliches Budget zur Bekämpfung von Menschenhandel zur Verfügung steht. Das Innenministerium selbst will bis zum Ende des heurigen Jahres eine Lücke schließen: Dann soll ein neuer Bericht mit allen verfügbaren Daten, Fakten und Statistiken zum Thema Menschenhandel in Österreich veröffentlicht werden.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.03.2013)

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103 Kommentare
 
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Polizei

Die Polizei sollte sich mal öfters am Gürtel nähe Stadthalle rumtreiben. Da gibt es einige "Lokale" wie z.B. das Cafe GÜL, wo eine Menge Mädchen aus Bulgarien sexdienste anbieten, das Ganze wirkt schwer illegal.

...MAN

...frag meinen Chef,dem habens seinen neuen MAN gestohlen,mittendrin statt nur dabei...LIEBE EU Du warst so nötig wie...

...alles Österreicher...

...schauts auf die Autobahnen was da alles,ohne Schenierer auf uns zu rollt...alles Gesetzestreue Bürger,die Österreich schätzen und lieben..Manche kommen gleich mitm Cls ;-)

Der Schärdinger

Österreich ist überall mitten drinnen!
Wie auf der Landkarte. Somit war das Beste, was dem organisierten Erbrechen passieren konnte, die Öffnung der Grenzen.
Das war sehr gut druchdacht von unseren Volkszertretern. Bei der Polizei einsparen, Grenzkontrollen abschaffen und Bemerkungen ausposaunen wie, Wien ist unter den reichsten Städten.

ohne

grenzkontrollen wird das auch munter so weiter gehen ....

Re: ohne

Wie kommen Sie auf die Idee, dass das mit Grenzkontrollen anders war/wäre?

Wenn die Betroffenen freiwillig nach Österreich kommen (angelockt durch bessere Lebensbedingungen,...) und erst hier versklavt werden, bringen Grenzkontrollen auch nichts.

Woher kommen die Täter?

Sind die Täter Österreicher? Dann sollte es doch mit etwas Mühe, aber doch möglich sein, ihnen das Handwerk zu legen. Sind es "Kriminaltouristen" oder aus dem Ausland gesteuerte Gruppen? Dann ist raschest internationale Zusammenarbeit gefragt.
In jedem Fall muss massiv gegen diese Gruppen vorgegangen werden. Es wäre zu überdenken, Prostitution noch strenger zu regeln, damit das ganze überschaubarer wird.

Ein gutes Geschäft

wird mit der Prostitution betrieben. Es sollte auch der "Freier" in Zukunft zumindest mit einer entsprechenden Verwaltungsstrafe rechnen müssen!
Gegen die gewerbsmäßigen Zuhälter wird in der Regel bei Gericht nicht ausgesagt, sodass trotz entsprechender strafrechtlicher Vorschriften eine hohe Dunkelziffer existiert!
Dies ist allgemein bekannt und werden dagegen nicht die entsprechenden Maßnahmen ergriffen!

an alle superschlauen hier:

die eu ist schuld! ganz falsch.
die muslime (lol) sind schuld! völlig falsch.
die prostituierten sind (selbst) schuld! jenseitig falsch.
die politik ist schuld! ein bisschen falsch.

es sind die kunden, die diesen markt ermöglichen. biedere österreicher, die frauen als ware, sex als dienstleistung und beides zusammen als möglichkeit zur finanziell erwerbbaren triebabfuhr sehen.

7

Weil immer so schön gefordert wird, ...

... Grenzen dicht machen.

Ich befürchte dafür fehlt uns mittlerweile sowohl das Material als auch das Personal.

"....Oder sie landen in jenen Bundesländern, wo Prostitution verboten ist,..."


in welchem Bundesland ist Prostitution verboten??

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Glühbirnen sind böse und der Rest ist völlig wurscht.


Die...

muslimischen Grossfamilien die das Rotlicht in A mit harter Hand beherrschen scheinen sich keine Sorgen machen zu müssen, da offenbar der Nachschub an jungen Frauen ungebrochen anhält.

Re: Die...

Unwahrscheinlich, wie viel Schwachsinn in vier Zeilen Platz hat.

51

Die einzige Partei, welche regelmäßig

Grenzkontrollen gegen explodierende Kriminalität fordert ist übrigens die FPÖ.

Re: Die einzige Partei, welche regelmäßig

nicht gelesen , die meisten sind eu-bürger , auch wenn man wie von fpö gefordert die grenzen wieder dicht macht und kontrolliert würden diese leute durch kommen.

auf der reise selbst ist für die frauen ja noch alles in ordnung , das böse erwachen kommt erst bei ankunft.

Die Politiker haben uns ernsthaft einreden wollen, dass

durch Wegfall der Schengen Grenzen die Sicherheit nicht leidet.

Re: Die Politiker haben uns ernsthaft einreden wollen, dass

... kein normaler mensch glaubt "unseren" politikern irgendetwas!

12

jeder mann mit etwas gespür weiß wann er sich mit einer zwangsprostituierten einläßt und jeder hätte die möglichkeit es zu lassen

aber offensichtlich sind die meisten schon derart emotional degeneriert dass es ihen wurscht ist

Re: jeder mann mit etwas gespür weiß wann er sich mit einer zwangsprostituierten einläßt und jeder hätte die möglichkeit es zu lassen

woran soll man das merken ? vielleicht am anfang wenn sie ganz neu ist aber wenn die einmal eine zeit gearbeitet hat glaub ich nicht dass man das unbedingt merkt.

Re: jeder mann mit etwas gespür weiß wann er sich mit einer zwangsprostituierten einläßt und jeder hätte die möglichkeit es zu lassen

Sie sprechen offensichtlich aus Erfahrung?

Re: Re: jeder mann mit etwas gespür weiß wann er sich mit einer zwangsprostituierten einläßt und jeder hätte die möglichkeit es zu lassen

Erfahrung ist fürs leben immer gut sicher besser als jede Theorie.
Eine Prostituierte ist wenigstens ehrlich Sie nimmt Geld für Ihre Leistung und gaukelt keine Lieb vor.
Im Gegensatz zu so mancher Ehefrau die nebenbei einen Freund hat und so dem gehörnten noch endlos Geld kostet.

Kellnerinnen aus Osteuropa

23 Jahre nach dem Fall des Eisernen Vorhangs müßte sich auch in den Seitentälern Osteuropas herumgesprochen haben, daß es Österreich nicht nach Kellnerinnen, auch nicht nach Masseuse und Tänzerinnen ohne Ausbildung verlangt. Oder zumindest für das legale Arbeiten eine bürokratische Prozedur nötig ist, so man nicht Bürgerin der EU ist.

Zudem sind die meisten Prostituierten Bürgerinnen der EU, und können sich bei uns legal aufhalten und auch arbeiten, und das nicht nur im Puff.

Nach Wien zur Heimat-Botschaft durchzuschlagen ist in einem Kleinstaat auch nicht so schwer (Schwarzfahren und /oder "Asyl "sagen).

Die Damen aus dem Rotlichtgewerbe sind übrigens nicht dumm! Die bemutterung der "Tschapperln" grenzt somit fast an Beleidigung!

Re: Kellnerinnen aus Osteuropa

Prostitution hat es auch überall im ehemaligen Ostblock (obwohl verboten) gegeben ja selbst im Mittelalter.
Was soll daran schlecht sein,wo eine Nachfrage besteht gibt es eben auch Angebote.
Auch im Hohen Haus gibt es genügend Stammkunden der einschlägigen Lokale des horizontalen Gewerbes.

Re: Kellnerinnen aus Osteuropa

Die fremdenverkehrsbetriebe suchen kein saisonpersonal? Die agenturen keine pflegekraefte? Wie soll eine arbeitssuchende erkennen,dass der, von einer personalvermittlung im heimatland angebote job nicht existiert? Die zahlen sogar einiges an vermittlungsgebuehr. Und wenn die dann in oesterreich im freudenhaus landen, mit gewalt und drohungen gefuegig gemacht werden und erkennen,worum's wirklich geht,ist's zu spaet. Also hoeren's bitte auf,die schuld den frauen zu geben und die kriminellen zu verteidigen.

Re: Kellnerinnen aus Osteuropa

Mich interessiert nur eines: Hinaus !

 
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