Blutbad in NÖ: Drei Tote im Einfamilienhaus

27.03.2013 | 22:52 |  EVA WINROITHER (Die Presse)

In Marchegg in Niederösterreich erschoss ein Familienvater seine Ehefrau und seine Tochter. Der Mann war legal im Besitz von zwei Schusswaffen - und zuletzt in psychiatrischer Behandlung.

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Marchegg. Woran merkt man, dass etwas Furchtbares passiert ist? An den Gesichtern der Leute, deren Ausdruck - irgendwie fassungslos und neugierig -, die in kleinen Gruppen auf der Straße stehen. Und am Polizisten, der sich ruhig, aber bestimmt postiert hat. Ansonst sieht es hier aus, wie an vielen Plätzen in Österreich: eine Wohnsiedlung, Gärten, ein zartlila Einfamilienhaus.

In Marchegg in Niederösterreich hat ein 47-jähriger Familienvater seine Frau (48) und seine jüngere Tochter (23) erschossen. Der Mann war nach Polizeiangaben schon in psychiatrischer Behandlung, weil er gesundheitliche Probleme hatte. Er war aber auch legal im Besitz zweier Schusswaffen. Das Protokoll der Bluttat liest sich so: „Wir haben eine Anzeige um 9.10 Uhr in der Polizeiinspektion Lassee erhalten", sagt der stellvertretende Bezirkspolizeikommandant Eduard Macho.
Der Chef der Ehefrau soll sich gewundert haben, weil seine immer zuverlässige Mitarbeiterin nicht zur Arbeit erschienen ist. Außerdem hatte er wohl eine ungute Vorahnung. Er suchte selbst ihr Haus auf, und weil diese ihm nicht öffnete, ging er zum Haus der Mutter der Frau. Diese alarmierte dann die Polizei.

„Sie hat von psychischen Problemen ihres Schwiegersohnes erzählt", sagt Macho. Daraufhin ist die Cobra ausgerückt. „Reine Routine. Weil man gewusst hat, dass der Mann zwei Waffen besitzt", sagt Macho. Doch die 20 Mann starke Einheit kam zu spät. Nachdem das Haus umstellt worden war und sie sich Zutritt verschafft hatten, fanden sie nur mehr drei Leichen - alle durch Kopfschüsse getötet. Die Mutter lag in ihrem Bett im Erdgeschoß, die Tochter in ihrem Bett im Dachgeschoß, der Vater dort auf dem Boden.

Die Polizei geht vorläufig davon aus, dass der Mann seine Ehefrau und seine Tochter erschossen hat. Das letzte Lebenszeichen der Familie gab es am Dienstag gegen 20 Uhr, als der Mann mit seiner älteren, 26-jährigen Tochter, die in Wien lebt, telefoniert hat. Polizei-Gerüchten zufolge soll er versucht haben, sie in diesem Gespräch nach Marchegg zu locken.

Warum im Besitz einer Waffe?


In Marchegg fragt man sich seither: Hätte man die Tat verhindern können? Wieso hat der Mann überhaupt eine Waffe besessen, wenn er psychische Probleme hatte, wie es Nachbarn vermuteten und mittlerweile auch die Polizei bestätigte? Zuerst hatte es bei der niederösterreichischen Landespolizei geheißen, dass man von psychischen Auffälligkeiten nichts gewusst zu haben. Sonst wären ihm die Waffen weggenommen worden. So ein Polizeisprecher. Am Abend bestätigte Landespolizei-Chef Franz Polzer, dass das Motiv für die Tat vermutlich in den gesundheitlichen Problemen des Mannes liege, wegen denen er schon in psychiatrischer Behandlung gewesen sei.

Tatsächlich ergibt die Nachschau in den Akten des Bezirkskommandos nur Harmloses: einen Verkehrsunfall und eine Verkehrsstrafe. Was nicht heißt, dass keine ernsthafte psychische Erkrankung beim Verdächtigen vorlag: In der Regel erfährt die Polizei davon nämlich meist nur, wenn sie selbst zu einer zwangsweisen psychiatrischen Einweisungen gerufen wird. Ansonsten gilt die ärztliche Verschwiegenheit, bei zwangsweisen Einweisungen ohne Polizei obliegt es der Einschätzung des Amtsarztes, ob er etwa die für Waffenbesitz zuständigen Beamten informiert. Der mutmaßliche Täter selbst wurde bereits mehrmals im Zuge der Routinekontrollen gemäß des Waffengesetzes überprüft, zuletzt 2008. Heuer wäre die nächste Überprüfung angestanden. Aufgefallen ist den Beamten dabei nichts.

Nie Kontakt gesucht

Auch in der Straße in Marchegg weiß man nicht viel über den 47-Jährigen zu erzählen. Der Mann sei ein Eigenbrötler gewesen, habe zwar freundlich gegrüßt, aber nie Kontakt gesucht. Das Gleiche gelte für seine Frau und die Töchter. Nur Streit wegen einer verparkten Einfahrt habe es einmal gegeben. Angst hätte nie jemand vor ihm gehabt, dafür kursieren Gerüchte, dass der Mann einen Hirntumor hatte. Es sei ihm deswegen schlecht gegangen, er soll die Ehefrau auch immer schlechter behandelt haben.

(C) DiePresse

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("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.03.2013)

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92 Kommentare
 
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Wahrscheinlich war die Kombination von Psychopharmaka mit Sedativa (er litt angeblich unter starken Rückenschmerzen) der auslösende Moment, für die Wahnsinnstat?!? Was hier aber nicht als Entschuldigung gelten darf.


Waffe war nur Begleitumstand

Der Mann wollte töten. Hätte er keine Schußwaffe gehabt, dann hätte er eine Hacke oder ein Messer genommen. Daher die Waffengesetze verantwortlich zum machen, zeugt nur von einer schlichten Einfalt.

so

sind d parkscherifs

die Abschaffung der staatlichen"Kartei psychisch Kranker"

war vielleicht doch nicht so eine gute Idee?

regierungen die ihr volk entwaffnen

welche waren bzw. sind denn das?
unter hitler genauso wie unter stalin war privater waffenbesitz verboten. gegenwärtig sind das regime wie nordkorea und einige staaten in afrika. das sollten wir uns nicht wünschen.
und lücken hat jedes gesetz.

wer hat die staatliche "Kartei der psychisch Kranken" abgeschafft?


Der trägt ein gerüttelt Maß an Schuld an solchen Verbrechen!

Die Zerrissenheit einer Seele

Wenn mich schon solche mörderischen Gedanken bedrängen, hat er/sie jederzeit die Möglichkeit einer freiwilligen Einweisung. Darüber sollten sich potentiell „Schießwütige“ im Klaren sein: Die kopflastige Triebfeder zu töten, gehört vielleicht zu einem Krieg, hat allerdings in einer zivilen Gesellschaft nichts verloren.

schwieriges Thema,

ich lebe lieber hier als in Amerika, wo jeder wahnsinnige mit der Smith

ein

land ist immer so frei wie seine waffengesetze. sozialistischer deutscher bundespräsident.

Und wieder einmal...

...wird eine nicht zu verhindernde Tragödie instrumentalisiert.
Die Linken schreien nach Verboten, reden über die Sicherheit der Kinder, meinen aber in Wirklichkeit, dass nur sie selbst - also der Staat - Waffen haben dürfe.
Die Gutmenschen projizieren ihr eigenes Aggressionspotential - das oftmals beträchtlich ist - auf alle Menschen. Fordern sie Waffenverbote, beruhigen sie ihr eigenes Gewissen.
Die Medien stürzen sich auf diesen Fall, weil er Quoten bringt und man seine linke und gutmenschliche Gesinnung an den Mann bringen kann.

Schöne neue Welt.

Mein Beileid für die Angehörigen

Sehr traurig. Ich hoffe dass die Staatsanwaltschaft gründlich nachforscht. Und das hier kennt! "Das Pharma-Kartell - ZDF Frontal 21" - muss man! Antidepressiva macht unauffällige Menschen zu Selbstmörder und Mörder. Auf zum Arzt!

Re: Mein Beileid für die Angehörigen

wahnsinns doku vom zdf. grade angeschaut und schockiert. ähnlicher wah nsinn den auch michael moore in "Sicko" (http://vimeo.com/23600147) aufdeckt. profi tgier geht über leichen auch in deutschland und wohl auch in österreich.

seid wachsam, und vermeidet werbung wo es nur geht! werbung und korruption sind eine der schlimmsten übel unserer zeit. werd den link weiter leiten.

wer klickt hier minus? 5 eifrige pharmareferenten?

Re: Mein Beileid für die Angehörigen

wahnsinns doku vom zdf. grade angeschaut und schockiert. ähnlicher wahnsinn den auch michael moore in "Sicko" (http://vimeo.com/23600147) aufdeckt. profitgier geht über leichen auch in deutschland und wohl auch in österreich.

seid wachsam, und vermeidet werbung wo es nur geht! werbung und korruption sind eine der schlimmsten übel unserer zeit. werd den link weiter leiten.

wer klickt hier minus? 5 eifrige pharmareferenten?

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Wenn jemand töten will,

so macht er dies auch.Mit oder ohne angemeldeter Schusswaffe.
Also mir persönlich erscheint eine Kugel aus unangemeldeter Waffe nicht weniger unsympathisch....so einfach ist das Problem nicht in den Griff zu kriegen.

Re: Wenn jemand töten will,

Manche glauben halt, ein Gesetz kann alles verhindern.
Ein Irrglaube, es gibt auch Morde mit Messern, Äxten . . . .

...

Sorry, aber diese Vergleichsdiskussionen sind lächerlich.

Einen Abzug zu drücken ist eine Sache.

Ein Messer einige Male in einen Körper zu rammen, oder gar mit einer Axt jemanden totzuhacken eine weit andere!

Ausserdem ist ein Messer oder eine Axt ursprünglich nicht zum "morden" gedacht, bei der Schusswaffe finde ich keinen anderen Grund!


Re: ...

So ein Schmafu !

Wenn jemand (im Zorn) töten will, dann tut er das so oder so.
Bei der überwiegenden Mehrzahl der Tötungsdelikte heisst es - wude erstochen,erschlagen,erwürgt.Auch mit dem Auto überfahren kommt da vor.

Es ist eine Milchmädchenrechnung bei klarem Verstand abzuwägen ob man eher schiessen od stechen würde weil, wenn die Leute in diesen Situationen bei klarem Verstand gewesen WÄREN hätten sie nicht getötet.

Re: ... Da fragen Sie einmal Sportschützen?!?

Die ballern auch völlig sinnlos in der Gegend herum und bejubeln jeden Treffer der den Pappkameraden als „Lückenbüßer“ umhaut.

Re: ...

Sport?

Re: Re: ...

Es sind hunderte Millionen Schusswaffen im Umauf, Drogenkartelle, Rebellen, Kindersoldaten, Militär usw. usf.

Kommens ma bitte ned mit "Sport"!

Für mich im übrigen ist Sport eine Aktivität, eine Bewegungsform, eine körperliche Leistung (am besten in ruhiger, freier Natur), sicher nicht einen Abzug drücken.


Re: Re: Re: ...

Gut, dann fallen ja etliche Sportarten für sie aus: Schach, Bridge, Billiard, ...

Re: Re: ...

Sogar OLYMPISCHER Sport!

Und man darf nicht vergessen: Die legalen, privaten Waffen töten am Wenigsten.
Gefährlich sind die "offiziellen Waffen"!

Nur die töten massenweise - und das meistens unter Jubel.

Re: Re: ...

schießen, egal auf was, ist kein Sport!

Re: Re: Re: ...

Immerhin ist es eine olympische Disziplin!

Meine Meinung

Endlich haben die Grünen wieder Gesprächsstoff, die bösen und generell psychisch kranken Waffenbesitzer. Schnell ein sicherlich gut durchdachtes Gesetz her und die Welt ist wieder in Ordnung. Wenn, wie vor kurzem auch passiert, jemand seine Familie mit der Axt ausrottet, da habe ich von euch noch nie was gehört.

Re: Meine Meinung

die GrünInnen!

 
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