Straßenverkehr: Warum die Zahl der Todesopfer sinkt

Seit 2002 ging die Zahl der jährlichen Verkehrstoten in Österreich um 45 Prozent zurück. Verantwortlich dafür sind allerdings weniger verantwortungsvolle Lenker, sondern vor allem die massiven Fortschritte von Automobiltechnik und Notfallmedizin.

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Strassenverkehr Todesopfer
Strassenverkehr Todesopfer – (c) Clemens Fabry

Wien. „Nur“ ein Verkehrstoter im Osterverkehr. So lautet die Bilanz des Innenministeriums über das vergangene verlängerte Wochenende. Zum Vergleich: Ostern 2004 starben 17 Personen. Dabei decken sich die Fakten nicht immer mit subjektiven Wahrnehmungen der Verkehrsteilnehmer selbst. Werden Österreichs Straßen tatsächlich immer sicherer?

Die Antworten lauten: Ja, bedingt und nein. Es kommt immer darauf an, welche der zur Verfügung stehenden Kennzahlen man gerade interpretiert. Während so kurzer Zeiträume wie dem Osterwochenende spielt auch das schlechte Wetter (= weniger Verkehr, vor allem aber weniger Motorradfahrer) eine Rolle. Die Polizei wiederum sagt, der Rückgang habe heuer mit der intensiven Kontrolltätigkeit zu tun.

Erklärungen, die alle einen Einfluss haben. Über ein ganzes Jahr betrachtet, spielen jedoch andere Faktoren wichtigere Rollen. Bei der Zahlenanalyse stellt sich heraus, dass es weniger Nachschulungen von Wiederholungstätern, generell vorausschauenderes Fahren oder bessere Fahrausbildung sind, die den Blutzoll geringer ausfallen lassen. Hauptverantwortlich sind Fortschritte in Autotechnik und Medizin.

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Strassenverkehr Todesopfer – (C) DiePresse

Zahl der Unfälle ging kaum zurück

Indizien dafür liefert die von Statistik Austria und Innenministerium erstellte Verkehrsunfallbilanz. Aus ihr geht hervor, dass Österreichs Verkehrsteilnehmer nur geringfügig sicherer unterwegs sind als vor noch vor zehn Jahren. Während die Zahl der Todesopfer um 45Prozent zurückging, sank die Zahl der Unfälle lediglich um 18Prozent. Im Vergleich zum Jahr 1996 beträgt der Rückgang gar nur acht Prozent. Und selbst die Zahl der Verletzten ging während der vergangenen Jahre bei Weitem nicht in dem Ausmaß zurück, wie es bei den Todesopfern der Fall war (siehe Grafik).

ÖAMTC-Cheftechniker Max Lang sagt, dass vor allem die immer besseren, weil stabileren Fahrzeugkarosserien, insbesondere in Verbindung mit der modernen Airbag-Technik, die meisten Menschenleben gerettet haben. Noch Mitte der 1980er endeten viele Frontalunfälle mit 50 km/h tödlich. „Heute“, sagt Lang, „verlassen Insassen das Fahrzeug nach einem Aufprall mit 64 km/h oft nur mit blauen Flecken.“

Und auch die Notfallmedizin hat sich bedeutend weiterentwickelt. Vor allem bei der Versorgung Schwerstverletzter ist der Abtransport dank flächendeckender Helikoptervorsorgung heute nach 30 Minuten erledigt. Vor wenigen Jahren noch waren es 45 Minuten und mehr. Im Spital angekommen, wird inzwischen nach speziellen Checklisten nach inneren Verletzungen gesucht, die früher oft zu spät erkannt wurden.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.04.2013)

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