Straßenverkehr: Warum die Zahl der Todesopfer sinkt

02.04.2013 | 18:29 |  ANDREAS WETZ (Die Presse)

Seit 2002 ging die Zahl der jährlichen Verkehrstoten in Österreich um 45 Prozent zurück. Verantwortlich dafür sind allerdings weniger verantwortungsvolle Lenker, sondern vor allem die massiven Fortschritte von Automobiltechnik und Notfallmedizin.

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Wien. „Nur“ ein Verkehrstoter im Osterverkehr. So lautet die Bilanz des Innenministeriums über das vergangene verlängerte Wochenende. Zum Vergleich: Ostern 2004 starben 17 Personen. Dabei decken sich die Fakten nicht immer mit subjektiven Wahrnehmungen der Verkehrsteilnehmer selbst. Werden Österreichs Straßen tatsächlich immer sicherer?

Die Antworten lauten: Ja, bedingt und nein. Es kommt immer darauf an, welche der zur Verfügung stehenden Kennzahlen man gerade interpretiert. Während so kurzer Zeiträume wie dem Osterwochenende spielt auch das schlechte Wetter (= weniger Verkehr, vor allem aber weniger Motorradfahrer) eine Rolle. Die Polizei wiederum sagt, der Rückgang habe heuer mit der intensiven Kontrolltätigkeit zu tun.

Erklärungen, die alle einen Einfluss haben. Über ein ganzes Jahr betrachtet, spielen jedoch andere Faktoren wichtigere Rollen. Bei der Zahlenanalyse stellt sich heraus, dass es weniger Nachschulungen von Wiederholungstätern, generell vorausschauenderes Fahren oder bessere Fahrausbildung sind, die den Blutzoll geringer ausfallen lassen. Hauptverantwortlich sind Fortschritte in Autotechnik und Medizin.

(C) DiePresse Strassenverkehr Todesopfer

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Zahl der Unfälle ging kaum zurück

Indizien dafür liefert die von Statistik Austria und Innenministerium erstellte Verkehrsunfallbilanz. Aus ihr geht hervor, dass Österreichs Verkehrsteilnehmer nur geringfügig sicherer unterwegs sind als vor noch vor zehn Jahren. Während die Zahl der Todesopfer um 45Prozent zurückging, sank die Zahl der Unfälle lediglich um 18Prozent. Im Vergleich zum Jahr 1996 beträgt der Rückgang gar nur acht Prozent. Und selbst die Zahl der Verletzten ging während der vergangenen Jahre bei Weitem nicht in dem Ausmaß zurück, wie es bei den Todesopfern der Fall war (siehe Grafik).

ÖAMTC-Cheftechniker Max Lang sagt, dass vor allem die immer besseren, weil stabileren Fahrzeugkarosserien, insbesondere in Verbindung mit der modernen Airbag-Technik, die meisten Menschenleben gerettet haben. Noch Mitte der 1980er endeten viele Frontalunfälle mit 50 km/h tödlich. „Heute“, sagt Lang, „verlassen Insassen das Fahrzeug nach einem Aufprall mit 64 km/h oft nur mit blauen Flecken.“

Und auch die Notfallmedizin hat sich bedeutend weiterentwickelt. Vor allem bei der Versorgung Schwerstverletzter ist der Abtransport dank flächendeckender Helikoptervorsorgung heute nach 30 Minuten erledigt. Vor wenigen Jahren noch waren es 45 Minuten und mehr. Im Spital angekommen, wird inzwischen nach speziellen Checklisten nach inneren Verletzungen gesucht, die früher oft zu spät erkannt wurden.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.04.2013)

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20 Kommentare

gern wird heutzutage alles in geld 'umgerechnet'.

daher auch mal hier.
der durch verkehrsunfälle verursachte schaden beträgt pro jahr in unserem land 100 milliarden euro.

ein teil davon wird von der solidargemeinschaft der auto-fahrer getragen. also via versicherungen.

der andere teil fällt der allgemeinheit zu und ist teil des verheerend niedrigen kostendeckungsgrad des motorisierten individualverkehrs in höhe von nur einem drittel.

Re: gern wird heutzutage alles in geld 'umgerechnet'.

100 Milliarden? Quelle?

2 0

Re: gern wird heutzutage alles in geld 'umgerechnet'.

der andere teil fällt nicht der allgemeinheit zu, sondern nur der menge an steuerzahlern. wer keine steuern zahlt, muss auch keine indirekten kosten übernehmen, er kann maximal jammern, dass nicht alles mögliche geld für ihn da ist und er gerne mehr hätte.

da sich die schnittmenge der autofahrer und der steuerzahlern aber im grossen und ganzen deckt, sind es nur relativ wenige menschen, die wirklich mit ihren steuermitteln die autofahrer quersubventionieren müssen.... und die nutzen quersubventionierte öffis.

Re: Re: gern wird heutzutage alles in geld 'umgerechnet'.

also nur lohn/einkommensteuer zahlende sind steuerzahler?
nur wer solche steuern zahlt, wird krank durch lärm und abgase?

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Re: Re: Re: gern wird heutzutage alles in geld 'umgerechnet'.

nein, krank werden arbeitslose auch.

nur, er muss für seine gesundheitskosten sowieso nicht aufkommen, hat auch keinen verdienstentgang, daher entsteht ihm hierdurch kein finanzieller schaden.

die meisten unfälle sind auch alleinunfälle, also entsteht, durch den selbstmord des autofahrers, der gesellschaft auch aus diesem titel heraus eigentlich keine kosten. -> siehe radler, sie fahren mit der begründung "dass sie nur sich gefährden" rücksichtslos. also wenn ein selbstmord eines radlers keine kosten verursacht, kann es der selbstmord eines autlers auch nicht.

Re: Re: Re: Re: gern wird heutzutage alles in geld 'umgerechnet'.

sie weisen ziemliche bildungslücken auf.

1. "durch den selbstmord des autofahrers, der gesellschaft auch aus diesem titel heraus eigentlich keine kosten"
nicht mal der von ihnen als selbstmord betitelte tod eines pensionisten ist für die gesellschaft kostenlos.
und schon gar nicht der tod eines jungen menschen.
schon in den 90ern hat ein wirtschaftsprof die kosten eines verkehrstoten beziffert mit ~40 mio schilling beziffert.
(aber was ist schon die berechnung eines wirtschaftsprof gegen all die privatgelehrten hier...)

2. ihre unausgesprochene verachtung von leuten, die arbeitslos sind oder aus anderen gründen wenig verdienen, kann ich nur als widerlich bezeichnen! wer den wert eines menschen an monetärem festmacht, ist nichts, gar nichts, wert.

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Re: Re: Re: Re: Re: gern wird heutzutage alles in geld 'umgerechnet'.

Wie alle ach so guten Menschen, leisten auch Sie sich den Luxus, des Gut-seins auf Kosten einer steuerzahlenden - mittlerweile -Minderheit von Menschen.

Warten wir ab. Vielleicht erleben auch wir einen Staatsbankrott und dann werden wir sehen, dass die ökonomischen Grundgesetze gnadenlos zuschlagen. Mit anderen Worten, wenn kein Geld zum Verteilen da ist, hört sich das Gut sein zwangsläufig auf.

Re: Re: Re: Re: Re: Re: gern wird heutzutage alles in geld 'umgerechnet'.

warum negieren sie die tatsache, dass auch gering verdienende menschen steuern zahlen?
und deren PROZENTbetrag unterscheidet sich kaum von dem des spitzenverdieners!

0 0

Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: gern wird heutzutage alles in geld 'umgerechnet'.

Das stimmt einfach nicht! Ca. 50% (!!!) aller Steuerpflichtigen zahlen keine Lohnsteuer, eben weil sie Gering-Verdiener sind!

Berücksichtigt man dann noch die erhaltenen Transferleistungen des Staates (Kinderbeihilfe, Wohnbeihilfe, div. Gebührenbefreiungen usw.) schaut auch die Bilanz des "Mittelstandes" oft traurig aus.

Deshalb wehren sich die Linken ja so sehr gegen die Einführung eines Transferkontos für jeden Bürger.

Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: gern wird heutzutage alles in geld 'umgerechnet'.

sind sie tatsächlich so engstirnig, dass für sie nur die lohn/einkommensteuer eine steuer ist?

der 'entkommen' doch nur leute, mit weniger als 11000 pro jahr!
und die zahlen dennoch mehrwertsteuer. sie zahlen sv-beiträge. sie zahlen diverse abgaben.

doch das alles zählt offenbar nicht. die beinahe-flattax in ö ist eine tatsache. und das dauernde gejammer und sudern von leuten, die glauben, sie allein würden die republik finanzieren ist 1. jämmerlich hoch drei und 2. ein beweis, dass man offenbar (viel) geld verdienen kann, ohne intellektuell irgendwas drauf zu haben!

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Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: gern wird heutzutage alles in geld 'umgerechnet'.

Mit Ihnen zu diskutieren ist schwierig. Sie negieren Fakten.

Wenn Sie ernsthaft glauben (oder subjektiv empfinden), in Ö haben wir beinahe schon ein Flat Tax, von der "die Reichen" profitieren und die armen kleinen Arbeiter und Angestellten mit € 35.000,-Jahreseinkommen finanzieren den Staat mit ihren Abgaben, dann leben Sie in einer Traumwelt.

Es geht um den SALDO (!!!) aus bezahlten Steuern/Abgaben und erhaltenen Transferleistungen des Staates!

ad transport

wer es ins spital geschafft hat,stirbt nicht mehr am unfall-ärzte haben wichtigeres zu tun,die unmittelbare todesursache "genügt"...

3 1

diese Deutungen sind unseriös und eingentlich widerlich,

denn man kann auch auf eine erhöhte Vernunft des Autofahrers plädieren.
die zahl der Unfälle selbst sagt gar nichts aus. Ich erinnere da nur an die ständige Fehlinterpretation mit der Raserei, ein Pauschalvorwurf, der sich bei genauerem hinsehen nicht bewahrheitete.
Aber die Verbände, die sich mit der Sicherheit der Autofahrer beschäftigen, die müssen sich ja alles auf den eigenen hutschreiben, denn sonst wären sie vielleicht nicht in dem mass erforderlich, wie sie es gerne sehen würden.
Also: die Autofahrer sind vernünftiger geworden, und das im Verein mit den anderen Verbesserungen verminderte die Zahl der Totesfälle.
Eine Statistik, die eine genauere Unterscheidung der Unfallarten hätte, wäre jedenfalls von Vorteil.

Re: diese Deutungen sind unseriös und eingentlich widerlich,

Vernünftigere Autofahrer? Waren sie in letzter Zeit auf der A4 unterwegs? Eine wahre Mutprobe zwischen all den Rasern aus dem ehem. Ostblock. Leider sind nicht nur Österreicher auf unseren Strassen unterwegs.

2 0

Re: Re: diese Deutungen sind unseriös und eingentlich widerlich,

Die Ostblock-Autofahrer sind eben noch nicht so gebrochen wie wir! Die machen z.B. keine Vollbremsung nur weil ein Tempo 100 Schild kommt, sondern rollen - wie es auch früher bei uns üblich war - vom Gas gehend hinein.

In Ö habe ich oft den Eindruck, wenn man uns vorschreiben würde, alle 100m stehen zu bleiben und 1x um's Auto zu laufen, würden wir es auch machen. Weil es eben Vorschrift ist.

9 2

am fahrstil der österreicher liegts sicher nicht

immer mehr spinner auf der strasse

Re: am fahrstil der österreicher liegts sicher nicht

Beim Autofahren zeigt sich der Charakter.

bei diesem fortschritt

der technik und medizin halten wir auch eine verkehrsministerin bores aus.

Re: bei diesem fortschritt

unsere Verkehrsministerin heißt Bures

Re: Re: bei diesem fortschritt

vielleicht ihre, meine heisst boresch

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