Der lange Winter in Wien und seine Folgen

02.04.2013 | 18:29 |  MIRJAM MARITS UND KÖKSAL BALTACI (Die Presse)

Die Ernte verzögert sich, die Gärtner bleiben auf ihren Frühlingspflanzen sitzen, niemand will Sommerkleidung kaufen und die Schanigärten sind seit Wochen verwaist: Welche Branchen den Frühling besonders herbeisehnen.

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Wenn es heute, Mittwoch, wie prognostiziert wieder schneit, ist der Winterdienst der MA 48 wieder (oder eher: noch immer) im Volleinsatz. 1400 Mitarbeiter, 362 Fahrzeuge und bis zu 400 zusätzliche Schneearbeiter werden Wiens Straßen räumen, äußerst ungewöhnlich für einen Tag im April. Wie teuer der verlängerte Winterdienst kommt, wisse man noch nicht.

Auf die Heizkosten dürfte sich der lange Winter nur minimal auswirken. Insgesamt war es wegen der niedrigen Märztemperaturen zwar etwas kälter als im langjährigen Schnitt, „aber die wärmeren Monate November, Jänner und Februar gleichen das aus, unter dem Strich war der diesjährige Winter nicht außergewöhnlich kalt“, sagt Wien-Energie-Sprecher Boris Kaspar. „Wir rechnen damit, dass die Heizkosten heuer um rund ein Prozent höher ausfallen werden als im Vorjahr. In einem durchschnittlichen Wiener Haushalt entspricht das sieben bis acht Euro.“ Das gelte für Fernwärme- ebenso wie für Gaskunden.

>> Wintereinbruch folgt Wintereinbruch

Deutlich größere Sorgen bereitet der nicht enden wollende Winter der Textilbranche. „Der Verkauf von Frühlingskleidung läuft schleppend, das hat sich schon im Februar abgezeichnet“, sagt Helmut Schramm, stellvertretender Obmann der Sparte Handel in der Wirtschaftskammer Wien. „Obwohl es zum März noch keine Zahlen gibt, können wir schon sagen, dass es ein schwacher Monat war – und zwar in allen vier Bereichen: Bekleidung, Schuhe, Leder und Sport.“ Dabei hätten weniger die niedrigen Temperaturen an sich direkten Einfluss, sondern vielmehr die Stimmung, die das winterliche Wetter auslöse. „Wenn ich nicht gut drauf bin, dann gehe ich auch nicht gern einkaufen“, erklärt Schramm. „Außerdem kaufen die Leute vor allem dann neue Bekleidung, wenn sie sie sofort anziehen können.“ Jetzt hoffe die Branche auf einen besseren April. Von einem Aufbrechen der Preisfront sei dennoch nicht auszugehen, denn: „Was die Händler im März nicht verkauft haben, müssen sie im April nicht nachbestellen.“

Ob des kühlen Wetters bleiben auch Wiens Schanigärten seit der Eröffnung Mitte März verwaist. Zudem würden, sagt Gastronomie-Obmann Willy Turecek, die Gäste bei Schnee generell daheim bleiben. Viele Gastronomen haben also nicht nur mit leeren Gastgärten, sondern auch mit Umsatzeinbußen im Lokal zu kämpfen. „Wir wollen aber keine schlechte Stimmung machen“, sagt Turecek. Der Rückstand durch den schlechten Saisonbeginn sei noch aufholbar.

Umsatzeinbußen verzeichnet auch die Landwirtschaft. Normalerweise steht rund um Ostern die erste Ernte (Gurken, Salat, Radieschen) an, „weil uns einfach das Sonnenlicht fehlt, sind wir zwei bis drei Wochen im Rückstand“, so Leopold Waclawek, Vizepräsident der Wiener Landwirtschaftskammer. Die erste Ernte sei gering ausgefallen, man könne den Handel nicht voll beliefern, dieser würde auf Ware aus dem Ausland zurückgreifen. Die Gärtner wiederum fallen seit Wochen um das Frühjahrsgeschäft um und bleiben auf den Frühlingsboten wie Primeln und Stiefmütterchen sitzen. „Hier werden die finanziellen Einbußen hoch sein.“

Keine negativen Folgen hat der lange Winter für den Weinbau, sagt Josef Glatt vom Österreichischen Weinbauverband. „Die Reben sind noch in Winterruhe, denen macht das nichts.“ Im Gegenteil: Durch den nassen Winter hat der Boden genug Feuchtigkeit bekommen und wird so die Reben bis in den Sommer versorgen können. Da der Wein wetterbedingt heuer später austreiben wird, dürfte auch später geerntet werden. Auf die Qualität des Weins wirke sich das nicht aus.

Stark wetterabhängig und entsprechend stark betroffen ist die Bauwirtschaft. Wenig überraschend ist die Branche heuer besonders von Arbeitslosigkeit betroffen: Laut aktuellen Arbeitslosenzahlen waren im März österreichweit 44.520 Bauarbeiter ohne Job – fast 10.000 mehr als im März 2012.

Unter den winterlichen Temperaturen haben auch die Wiener Bäder zu leiden – obwohl die Saison erst am 2.Mai beginnt. Seit gestern, Dienstag, stehen 500 Mitarbeiter für Sanierung und Instandsetzung der Bäder bereit. Eigentlich. Denn mit dem Großteil der Arbeiten konnte nicht begonnen werden, sagt Sprecher Martin Kotinsky. „Die Leitungen in den Bädern sind nicht winterfest, wir können also nicht einmal das Wasser aufdrehen.“ Bleibt es nächste Woche auch noch kalt, „werden wir nur mit vielen Überstunden bis zum Badestart fertig werden“.

Auch viele Tierarten sind durch die Kälte bedroht. Der Verein Pfotenhilfe ruft dazu auf, die Singvögel zu füttern. Viele Jungtiere, etwa bei Hasen und Wildschweinen, dürften die Kälte nicht überlebt haben.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.04.2013)

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79 Kommentare
 
12 3

immer wird gejammert!

ists zu warm jammern die skihersteller, die liftbetreiber und die punschverkäufer

ists zu kalt jammer wieder die bauern und die kleiderhersteller

und ists weihnachten dann jammern überhaupt alle über "nur 5% umsatzwachstum, nur 4% über dem vorjahrsgewinn,..."

aber in allen fällen jammern die "klimaexperten", sowie die grünen, greenpeace und co
denn ist es zu kalt, dann ist das die folge der globalen erwärmung, da diese den golfstrom versiegen lässt, ist es zu warm, ja dann ist das logischerweise auch die globale erwärmung, und pasiert garnichts dann werden halt die daten so hingelogen, dass es halt doch wieder was zu jammern gibt

meine meinung: hände falten, goschen halten
sollte nicht durch nordkorea, vulkanausbrüchen oder asteroideneinschlägen ein nuklearer winter herbeigeführt werden, wird es auch dieses jahr im sommer wieder wärmer werden, und die ganzen verkäufer werden ihren krempel dann schon loswerden!

Re: immer wird gejammert!

Sehr guter Beitrag!
+1

(Gerade Punsch mag ich dann mehr, wenn es draußen nicht so furchtbar kalt ist, sondern milder)

Umbruch

Wird Zeit wieder auf einen altbewährten V8 zu setzen, um die Erderwärmung anzutreiben und zumindest die nächste Badesaison zu retten.

2 0

Alte Bauernregel

Hält der Schnee weit über Ostern an,
ist die Zeit bis zum nächsten Schfahren nicht so lang!

Ja die Wiener waren schon immer die größten Raunzer!

Merkt euch:
Im Westen sind die Besten!
Im Osten sind die Pfosten!!
Schöne Grüße aus dem heute sonnigen Tirol.

Re: Ja die Wiener waren schon immer die größten Raunzer!

Jö, ein frustrierter Tiroler, der die Wettersituation ausnutzt, dumme Sprücherl gegen die verhassten Wiener los zu werden...

Re: Ja die Wiener waren schon immer die größten Raunzer!

Da Tiroler isch lei oans,
isch a Manderl, a kloans ...

Re: Ja die Wiener waren schon immer die größten Raunzer!

He, ein Bauer mit Internet! Sachen gibts....

Re: Ja die Wiener waren schon immer die größten Raunzer!

Altes aber wahres Sprichwort: "Der Tiroler ist feig, aber dafür ist er falsch":))

Umweltschutz

Ich verstehe nicht wieso so viele Blogger hier sofort den Umweltschutz für unnötig erklären weil sich das Klima (indem fall das Wetter) ja gar nicht erwärmt.
Ich denke das unser westlicher Lebensstil schon seinen Tribut fordert. In vielen Regionen in America kann man das Grundwasser nicht mehr trinken geschweige denn das Wasser im Fluss. Es muss mit Pipelines herbeigeführt werden und oft sind die Städte so versmoggt das man nicht mehr richtig atmen kann. Alleine für unsere Lebensqualität ist es wichtig die Umwelt zu achten. Ich bin nicht der Meinung das uns das Öl bad ausgeht aber eine sinnlose Verschwendung sehe ich auch nicht positiv. Wozu Teuer Öl kaufen und verbrennen wenns sowas gibt wie Solarenergie oder Wind. Ich habe mein Haus umgerüstet und bezahle um 30% weniger Heizkosten. Also man kann auch durchaus mit einem umweltbewusten Denken Geld sparen.

Re: Umweltschutz

da bin ich ihrer meinung.

wir aber kaufen "luftzertifikate"...

ob das der umwelt hilft ?

Re: Re: Umweltschutz

nicht sie und ich sondern unsere Regierung weil wir es verabsäumt haben uns an unsere eigenen ziele (kyotoprotokoll) zu halten.
Nur sie und ich können etwas an unserer einstellung ändern und schlussendlich hoffentlich die regierung zum einlenken bewegen

innere kalte

der osterreicher beschert osterreich einen langeren winter.

5 0

Einfach vergessen

Schuld am Klimawandel sind die Gesetze der Planeten und unseres Sonnensystems.

Unsere Erde, alle anderen Planeten und wahrscheinlich auch die Planeten in anderen Sonnensystemen unterliegen einfach einem stetigen Wandel.

Der Mensch ist ein Staubkorn in diesem Gefüge. Alles andere ist Verblödung und die Geldmaschinerie.

Sagt die Venus zur Erde, du schaust immer besser aus. Ja, sagt die Erde, der kurze Schnupfen Menschen, ist überwunden.


rot-grün

Danke an rot-grün! *thumbsup

Alle reden über das Wetter ...

... aber niemand tut was dagegen.

0 0

Re: Alle reden über das Wetter ...

Das kann nur sarkastisch gemeint sein (abgesehen von den Promillpromillmöglichkeiten).

Ein Brief an Petrus könnte ja helfen !

Re: Re: Alle reden über das Wetter ...

Nein, "Tassen im Schrank" liest einfach gerne Erich Kästner ...

interessant....

ist eigentlich nur, dass die klimapäpste ganau wissen, wie das wetter in 50 jahren sein wird, aber absolut keine ahnung haben, was in einem monat ist...

wenn etwas anders verläuft (nie mehr schnee in mitteleuropa...), dann hat sofort eine tolle erklärung.

hauptsache, der rubel rollt...

Re: interessant....

Da liegt der Unterscheid zwischen Klima und Wetter. Langfristig lässt sich ein Trend erkennen weil man die Randbedingungen wie Golfstrom, Polareis, usw. kennt. Aber Kurzfristig ist das schon nicht so einfach weil da viel mehr Randbedingungen sind wie Wind, Druck, solare Einstrahlung usw...

Klimaänderung hin oder her ...

mag es stimmen, oder auch nicht, ich mach mir mehr Gedanken über Ressourcenknappheit. Bin kein Umweltfanatiker sonder Ökonom und als solcher mach ich mir mehr Sorgen über den weltweit ansteigenden Verbrauch aller Rohstoffe sei es Kohle, Aluminium, Materialien für Smartphones, .... Liste ist endlos lang. Und mit Entwicklungen wie in China oder Indien wird der Verbrauch immer mehr.

3 3

Re: Klimaänderung hin oder her ...

so einen Unsinn wuerde kein echter Oekonom von sich geben, denn er weiss dass Ressourcen nicht ueber deren (unbekanntes) Volumen, sondern deren Wirtschaftlichkeit in Abbau und Verwendung definiert sind. 'Peak oil' Hysterie starb in den 1990ern, rekordbillige neue Gasvorkommen in den USA bringen energieintensive Industrien wie Stahlbau zurueck. Neuentdeckte Oel/Gasvorkommen in Zentralaustralien stellen ein potentielles neues Saudiarabien dar, Fertigungs- und materialtechnologien sind laufenden Verbesserungen unterzogen ... all das laesst die Knappheitsunker ebenso kalt wie die danebengegangenen Knappheitsprognosen der Vergangenheit... hoffnungslos.

Re: Re: Klimaänderung hin oder her ...

ich hab nicht gesagt, dass unsere Generation unmittelbar von Energie- oder Ressourcenproblemen betroffen sein muss ist sogar eher unwahrscheinlich. Allerdings Gibt es sehr wohl immer mehr Ökonomen, die das stetige Wachstum der Wirtschaft (abgesehen von einzelnen Krisen) hinterfragen. Das zeigt sich z.B. an Seminaren an der Wirtschaftuniversität wie "Zukunftsfähiges Wirtschaften" mit Literatur wie "Wirtschaft ohne Wachstum?". Dabei geht es nicht um Prognosen wie lange welcher Rohstoff noch vorhanden sein wird, sondern um generelles Hinterfragen des derzeitigen Systems. Kann diese Literatur nur empfehlen.

nix genaues weiss man nicht.

wird der winter doch noch zu ende gehen?
wie wird der sommer?
frühling und herbst? (obwohl: diese beiden jahreszeiten sind eh mehr oder weniger 'abgesagt' und finden kaum noch statt)
der nächste winter?

doch von einem kann man ausgehen: es wird wieder rekorde geben!
der heisseste/trockenste monat seit beginn der aufzeichnungen.
die meisten/wenigsten sonnenstunden.
die stärksten regenfälle.
usw.

irgendein superlativ ist da mit sicherheit dabei.

wobei wir beim klima und seinen vorhersagen sind. es wird für uns nicht echt merkbar und statistisch kaum registriert wärmer/kälter, trockener/feuchter.
aber die anzahl der extreme und ihre ausschläge steigen.

wieviele worte wurden schon geschrieben/gesagt, wenn es um die finanzielle zukunft unserer kinder geht (--> staatschulden usw). doch wenn es um das LEBEN, um die lebensumstände unserer kinder geht, dann ist das den wenigsten eine wortspende oder gar einen gedanken wert.

10 2

Re: nix genaues weiss man nicht.

Auch für die Zunahme der Wetterextreme gibt es bis heute keinen einzigen Beweis.

Darum ist es unveranwortlich Unsummen für herbeifantasierte zukünftige Umweltschäden auszugeben, basierend auf falschen Prognosemodellen. Denn das Geld für diese Scharlatanerie haben wir nicht, wir können froh sein, wenn wir aufgrund der hohen Verschuldung und der demographischen Schieflage unseren Sozialstaat so halbwegs bewahren werden. Jeder ausgegebene Cent für die CO2-Erderwärmungspanik ist pure Verschwendung, da es im besten Fall nutzlos (da die Hauptemittenten drauf pfeifen) im schlimmstenfalle kontraproduktiv (Abholzung von Regenwald um Palmölplantagen für europäischen "Bio"sprit anzupflanzen) ist.

6 1

Re: Re: nix genaues weiss man nicht.

So eine Meinung hört man offiziell nicht gerne, da man mit dem Hinweis auf Klimaschutz die Menschen ja wieder Abcashen kann. Außerdem leben ja ganze Firmen und Organisationen davon.

Ich meine, Umweltschutz ja natürlich - aber es muss jeden bewusst sein, wir können trotzdem am Klima nichts ändern und immer ist zu überlegen, ob eine gute Aktion, nicht eine noch schlechtere Auswirkung mit sich zieht.

 
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