Alkoholismus kostet Österreich jährlich 375 Mio. Euro

Jeder zehnte Österreicher ist laut IHS-Studie einmal im Leben alkoholkrank. Direkte Kosten für Behandlungen aber auch indirekte Kosten etwa für Frühpensionen seien enorm.

Alkoholismus kostet alleine dem Gesundheitssystem direkt 375 Millionen Euro.
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Alkoholismus kostet alleine dem Gesundheitssystem direkt 375 Millionen Euro.
Alkoholismus kostet alleine dem Gesundheitssystem direkt 375 Millionen Euro. – (c) EPA (ANDY RAIN)

Fünf Prozent der Österreicher - 350.000 Menschen im Alter über 16 Jahren - sind alkoholkrank. Laut einer aktuellen Studie des Instituts für Höhere Studien (IHS) bedeutete das im Jahr 2011 direkte medizinische Kosten von rund 375 Millionen Euro. Die indirekten Kosten der chronischen Erkrankung mit Frühpensionierungen, Arbeitsausfall etc. dürften noch zusätzlich ein Mehrfaches davon betragen, erklärte, Studienautor Thomas Czypionka am Donnerstag bei einer Pressekonferenz in Wien.

"Aus epidemiologischen Studien lässt sich ablesen, dass etwa ein Viertel der Männer und jede zehnte Frau beim Alkoholkonsum über der Gefährdungsgrenze liegt. (...) Das ist besonders im mittleren Lebensalter ausgeprägt. Im Laufe des Lebens werden zehn Prozent der Österreicher alkoholkrank. Fünf Prozent sind (aktuell, Anm.) als alkoholkrank zu bezeichnen", sagte Czypionka.

Alkohol größeres Problem als illegale Drogen

Die dahinter liegenden Daten zeigen, dass mit 350.000 Betroffenen diese Suchtproblematik in den Österreich um das Zehnfache größer als problematischer Drogenkonsum (Opiate etc.) ist. Der Experte betonte, dass illegaler Drogenkonsum ein Problem einer relativ kleinen Personengruppe sei, der Alkohol mit einer Gefährdungsgrenze ab 40 Gramm pro Tag bei Frauen und ab 60 Gramm pro Tag bei Männern (20 Gramm Alkohol sind ein halber Liter Bier oder ein Viertelliter Wein) aber einen viel größeren Personenkreis betrifft. Czypionka: "Alkoholkrankheit entsteht oft auf der Basis einer anderen psychischen Erkrankung. Die Alkoholkrankheit und ihre Folgen werden bagatellisiert."

Aus den epidemiologischen Daten und Informationen über die Häufigkeit von Erkrankungen bei Alkoholabhängigen im Vergleich zu nicht Alkoholkranken ließen sich folgende Zahlen für die direkten medizinischen Kosten ableiten:

  • 2011 verursachte die Alkoholkrankheit in Österreich Gesundheitsausgaben von 375 Millionen Euro. Das sind 1,4 Prozent der Ausgaben für Gesundheit.
  • Die Alkoholabhängigkeit wird für die österreichische Bevölkerung des Jahres 2011 auf Lebenszeit gerechnet rund 1,5 Milliarden Euro an medizinischen Kosten bedingen.
  • Etwa in der Altersgruppe zwischen 60 und 80 Jahren sind die Ausgaben für medizinische Betreuung von alkoholabhängigen Männern pro Jahr und Kopf um 160 Euro höher als bei nicht Betroffenen, bei den Frauen sind es zusätzlich etwa 60 Euro.

Bis zum Sommer will das IHS-Autorenteam auch die indirekten Kosten der Alkoholkrankheit ausrechnen. Wie bei vielen chronischen Erkrankungen dürfte das wesentlich mehr als die medizinischen Kosten ausmachen. Czypionka: "Frühere Pensionierungen, Pflegegeld, erhöhte Krankenstände etc. machen wahrscheinlich ein Vielfaches aus." Wichtig wären mehr Prävention und womöglich auch vermehrte Behandlungsangebote für Menschen mit psychischen Erkrankungen, die eventuell auch zur Alkoholabhängigkeit führen können. So sind zum Beispiel unbehandelte Depressionen und Angstzustände klassische Erkrankungen, welche Betroffene per Alkohol in einer Art Selbstbehandlung "therapieren" wollen.

Mit zwölf Litern Konsum reinen Alkohols pro Jahr und Kopf der Bevölkerung liegt Österreich im OECD-Vergleich knapp hinter Frankreich und Portugal an dritter Stelle. Rund 300 Millionen Euro nimmt der österreichische Staat aus Steuern auf Wein, Bier etc. ein. Sieben Prozent der Verkehrsunfälle und zehn Prozent der dabei registrierten Todesopfer sind auf Alkohol zurückzuführen.

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(c) APA

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