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Purkersdorf: Die magische 10.000er-Grenze

10000erGrenze
10000erGrenze / Bild: (C) Purkersdorf/ Stadtarchiv 

Die Gemeinde am Westrand Wiens will um noch mehr Einwohner werben, und leidet unter der täglichen Pendlerwelle.

 (Die Presse)

Purkersdorf. Es gibt nicht viele Kleinstädte, die eine üppige, zweispurige Ortseinfahrt ihr Eigen nennen können. Purkersdorf, unmittelbar westlich an Wien angrenzend, schon – und sie reicht zu Stoßzeiten nicht einmal ansatzweise. „Schlimm ist's“, sagt Rudolf Wächter, der die Straßen der Stadt als Fahrer des örtlichen Sammeltaxis kennt wie kaum ein anderer. Bis Gablitz reiche der Stau morgens zurück, eine Besserung der Situation sei nicht in Sicht.

Purkersdorf liegt wie ein nach links gekipptes „Y“ in den dicht bewaldeten Tälern des Wienerwaldes – der nördliche Ausläufer mit der Bundesstraße 1 führt über Gablitz und den Riederberg auf das Tullnerfeld, der südliche nach Pressbaum. Über beide Strecken passieren täglich um die 20.000 Autos die Stadteinfahrt – obwohl die Westbahn hier zu Stoßzeiten mittlerweile im Viertelstundentakt hält.

Die Gemeinde, die ihre Entstehung eben dem Verkehr verdankt – in der Monarchie war hier die erste Poststation hinter Wien, an der Reisende Pferde wechseln konnten – hat inzwischen praktisch davor kapituliert: Ja, Geschwindigkeitsbeschränkungen wurden installiert, ja, in den 1990ern hat man – gegen den erbitterten Widerstand lokaler Wirtschaftstreibender übrigens – eine Unterführung errichtet, die den Hauptplatz zur wohl schönsten Fußgängerzone des Wienerwaldes gemacht hat. „Mehr lässt sich realistisch nicht machen“, heißt es aus dem Rathaus, wo man das Image als „Wohnstadt“ pflegen will – vor allem aus Platzgründen seien kaum andere Verkehrslösungen möglich.

 

Wohnsitzer-Konvertierung

„Jede Stadt um Wien muss sich positionieren“, sagt Karl Schlögl. Der beliebte Bürgermeister – seine SPÖ hält zwei Drittel der Stimmen im Gemeinderat – muss es wissen, er steht Purkersdorf seit 1989 (mit Intermezzi als Innenminister und Landeshauptmannstellvertreter)vor. In diesem Zeitraum ist der Ort um fast die Hälfte seiner Einwohner gewachsen, 9293 waren es zuletzt. Schlögl reicht das nicht.

„Unser Ziel ist die 10.000er-Grenze“, sagt Schlögl – und hat dafür handfeste Gründe: Die Ertragsanteile – der Teil der Steuereinnahmen des Bundes, der den Gemeinden zusteht – werden pro Kopf verteilt, multipliziert mit einem von der Gemeindegröße abhängigen Schlüssel. Gemeinden bis 10.000 Einwohnern steht nur ein Multiplikator von 1,61 zu – ab dem 10.001. Bürger steigt er auf 1,66.

Was nicht nach viel klingt, würde für Purkersdorf einen Unterschied von etwa 1,5 Millionen Euro im Jahr machen – bei einem Haushalt von 22 Millionen Euro.

Der Haken: Durch Zuzug weiter wachsen kann Purkersdorf nur schwer, der Verkehr würde noch mehr steigen und Platz gibt es kaum mehr in den engen Tälern, die Gemeinde hat ihre Wohnbauaktivitäten auf ein Minimum – „50 bis 70 Leute im Jahr“, sagt Schlögl – zurückgefahren. Woher sollen also die rund 700 Einwohner kommen, die Purkersdorf über die goldene 10.000er-Grenze katapultieren würden? Eigentlich, argumentiert die Gemeinde, sind sie schon da: Zusätzlich zu den rund 9300 Haupt- sind in Purkersdorf nämlich 1800 Nebenwohnsitzer gemeldet. Viele von ihnen seien tatsächlich in der Gemeinde zu Hause, aber aus unterschiedlichen Gründen – etwa des Parkpickerls halber – in Wien gemeldet. Diese Reserve gelte es in den nächsten Jahren anzuzapfen, sagt Schlögl – zwar nicht durch Vergünstigungen, aber durch „Gespräche“ sollen Teilzeit-Purkersdorfer überzeugt werden, sich zu der Gemeinde zu bekennen.

 

("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.07.2013)

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24 Kommentare

Alles ist besser als

im wiener Migrattenghetto im Gemeindebau zu wohnen, neben mindestgesicherten Dauersäufern, Hundeklos statt Parkplätzen für die arbeitende Bevölkerung, ideologischen Radwegen und monatlichen Gebührenerhöhungen.

Re: Alles ist besser als

Habe jahrelang in Purkersdorf gewohnt und wohne jetzt in Wien. Beides gefällt mir sehr gut, Sie Miesmacher!

eingemeinden,

kann ich nur sagen.

Ein links gekipptes Y ...

Ja, seit Pkdf. nach links gekippt ist, werden massenweise Massenunterkünfte gebaut. Schlögl hat beim Sultan gelernt, wie man Wähler produziert ... bin ich froh, dass ich vor 20 Jahren weggezogen bin!

Bevölkerungswachstum mindert Lebensqualität und verschandelt die Landschaft

Bekommt Purkersdorf nun auch einen hässlichen Speckgürtel aus Fertighäusern und Hofer-Filialen?

Re: Bevölkerungswachstum mindert Lebensqualität und verschandelt die Landschaft

Pkdf. ist bereits verschandelt, seit Schlögl seine Wähler in riesigen Gemeindebauten unterbringt!

"Nebenwohnsitzer" überzeugen?

Anzeigen sollte man sie. Wer nämlich seinen Hauptwohnsitz nicht dort hat, wo er überwiegend lebt (also mindestens die Hälfte der Tage eines Jahres plus eins), der macht sich schlicht und ergreifend strafbar. Das wird zwar als Bagatelldelikt gesehen, ist aber nichts anderes als eine Erschleichung von Steuergeldern, wie Georg Renner es als Beispiel ja auch im Artikel erwähnt hat: Gefälschter Nebenwohnsitz dort, wo man das Geld für die Infrastruktur brauchen würde, gefälschter Hauptwohnsitz dort, wo man sich damit einen Anspruch für etwas erwirbt, den man aber eigentlich nicht haben dürfte. Und dann regen sich die Leute in Wien auf, weils keine Parkplätze für die echten Anrainer gibt. Da müsste man eben mal durchgreifen und ein paar Leute ordentlich abstrafen, das wäre dann rechtlich richtige Überzeugungsarbeit.

Re: "Nebenwohnsitzer" überzeugen?

Leider gibt die NSA die erforderlichen Schnüffeldaten nicht heraus ...?

Schöne Gegend zum wohnen, fürwahr!

Aber soll ich jetzt Mitleid haben mit den Pendlern, oder was soll der doch recht dramatische Verkehrsabsatz? Wer so toll im Grünen inmitten der Natur leben möchte und tagtäglich dann mit der 1,5-Tonnen-1-Mann-Benzinschleuder durch halb Wien dümpelt, der hat es sich eben so ausgesucht.

Leid tun mir da allenfalls die Wiener am Stadtrand, die tagtäglich erleben, dass ihre Straßen von WU/TU-Nummernschildern verstopft sind..

Re: Schöne Gegend zum wohnen, fürwahr!

Die Wiener, die mit ihren Benzinkutschen durch das schöne Laabental (im Schritttempo natürlich!) dümpeln, sind auf jeden Fall entbehrlich!

Re: Re: Schöne Gegend zum wohnen, fürwahr!

Aha. Sehr verhältnismäßiger Vergleich.

Problem ist, dass Sozialisten nicht rechnen und Rot-Schwarz will Macht nicht Optimum für Bürger

Alsdann: Man braucht 700 Hauptwohnsitzer mehr, wobei man 1800 Menschen hätte, die wegen dem Parkpickerl - sagen wir mal es sei in Wahrheit bei jedem 2. der Fall - sich nicht in Purkersdorf hauptmelden.

Also braucht man für 700 Menschen Parkplätze in Wien um 1,5 Mio. JÄHRLICH mehr zu bekommen.

Möglichkeit 1 man mietet die Parkplätze und schenkt die Miete den ersten 700 die sich Hauptmelden. Dafür steht pro Parkplatz jährlich 2142 Euro zur Verfügung. Um EUR 178,- / Monat bekommt man schon sehr gute Garagenparkplätze.

Das hat aber einen Haken, denn die anderen Purkersdorfer werden auch Parkplätze wollen.

So könnte man Möglichkeit 2 durchziehen und selbst Garagenparkplätze in Wien bauen. Mit Kosten von etwa 7.000 - 8.000 Euro pro Stellplatz muss man zwar rechnen http://www.klaerwerk-blog.de/2010/10/20/parkhaus-blankenfelde-aktueller-kostenstand-5-947-380-e/ , aber man bekommt vom Staat ja bei 700 Einwohnern mehr 7,5 Mio. und da ginge sich auf 5 Jahre gerechnet der Stellplatz selbst um 10.714 Euro aus!

Noch viel billiger wäre die Zusammenlegung von Purkersdorf mit Gablitz, aber das geht zu Ungunsten der Purkersdorfer und Gablitzer nicht, da Purkersdorf eine rote Gemeidne ist und Gablitz eine schwarze.

Dazu müsste aber endlich die FPÖ in Purkersdorf und Gablitz viel stärker werden, damit dann die Roten und Schwarzen nur noch in einer Koalition (in dem Fall Fusion der Gemeinden) einen kurzfristigen Ausweg aus ihrem Untergang sehen.


"zwar nicht durch Vergünstigungen, aber durch „Gespräche“ sollen Teilzeit-Purkersdorfer überzeugt werden"

Einem Roten traue ich durchaus Angebote, die man nicht abschlagen kann, zu.

der Schlögl ein Roter ? Der ist eher Oberkellner beim Freunderl.


Bis Gablitz reiche der Stau zurück ...

der Qualitätsjournalismus hat wieder einmal zugeschlagen.

Keine Recherche, große Dramaturgie

Wohne selbst in der Nähe und fahre die Strecke nach Gablitz beinahe täglich. Aber einen Stau, der von Purkersdorf bis Gablitz (5-10 Kilometer) reicht, habe ich noch nie erlebt.


Apropos Recherche

Von Purkersdorf Post bis Gablitz Gemeindeamt sind's weniger als 3 Km. Bis zur Ortstafel Gablitz ca. 1 Km !
Natürlich gibts häufig Staus, allerdings zu einer Zeit wo "nur" arbeitende Menschen unterwegs sind. Stehen Sie ganz einfach einmal früher auf.
Man kann zu Schlögl stehen wie man will, aber die Purkersdorfen wählen ihren Karli und nicht die SPÖ, oder ihre FPÖ. Und das hat durchaus seine Berechtigung. Wie er das mit dem Gymnasium gemacht hat, ein sensationeller Erfolg. Chapeau ! Schade dass er damals gegen Gusi verlorenen hat !
Wäre ich ein Purkersdorfer würde ich ihn wählen, unabhängig von seiner Parteizugehörigkeit.

Re: Apropos Recherche

Das Swingerclub-Wahlplakat hat Ihnen anscheinend gefallen??

ich wohne

ebenfalls in der gegend (genauer gesagt in gablitz) und muss ihnen leider widersprechen - wenn die beiden ampelschaltungen (linzer str. ecke kaiser josef-str. bzw. wiener str. ecke linzer str.) aus irgend einem grund mal nicht miteinander verschalten sind (was im letzten jahr sicher 2-3 mal der fall war), steht man in der stoßzeit gerne mal fast bis zum gablitzerhof nach hinten. für die strecke braucht man dann auch gute 20 min....

Re: ich wohne

das wäre dann aber nicht die einzige Ampel die Staus verursacht.

Re: Re: ich wohne

Nein, denn in den letzten 10 Jahren wurden zwischen Gablitz u. Pkdf. 5 neue Ampeln errichtet ...

Re: ich wohne

Sicher bedauerlich.

Trotzdem kommt dass dann ca. alle 100 Tage einmal vor (ein Gebrechen).
Da gibt es im Großraum Wien weitaus prekärere Verkehrssituationen (nicht das es dadurch angenehmer ist)

Mich hat nur dieses stark dramatische Abschnitt gestört, der die Realität nicht wiedergibt.

Re: ich wohne

Wenn sie betroffener Bewohner der Region sind, müssen sie entweder einsehen, dass eine rote Gemeine (Purkersdorf) doch nicht die Ampeln mit einer schwarzen Gemeinde (Gablitz) koordinieren kann oder einfach FPÖ bei der nächsten Gemeinderatswahl wählen.

Die Freiheitlichen optimieren nicht ihre Gage mit kostpieligen vermeidbaren Posten auf Kosten der Bürger und - ich kenne nur die Gegend - habe die einfachste Lösung der Erreichung der 10.000 Einwohnergrenze ja schon genannt: Fusion von Purkersdorf mit Gablitz!

Damit bekommen BEIDE Gemeinden mehr Geld, aber der Posten eines Roten oder Schwarzen Bürgermeisters ist dann allerdigs futsch und DAHER ginge das erst, wenn in beiden Ortschaften die FPÖ die Mehrheit hätte und eben die Bürgerinteressen dadurch optimiert werden und nicht die Zahl der Posten für Rote und Schwarze.

Allein durch die Zusammenlegung der Buchhaltung für Wasser- und Kanalgebühr u. s. w. was eben eine Gemeinde so vorschreibt, würden enorme Kosten eingespart.

Denkbar ist bei der hohen Mehrsumme von dann wohl über 2 Mio. Euro beim Multiplikator mit 1,66, dass man in Bezirke unterteilt, wodurch es einen roten und schwarzen Bezirksvorsteher gäbe, der aber sicher auch keine Mio. € / Bonze im Jahr kosten würde.

Abgesehen davon war die Verkleinerung Wiens 1955 Schmarrn, da man so eine Grenze mitten durch eine längst zusammenhängende Region gezogen hat. Die Blödheit ging so weit, dass man die Landesgrenzen auch mitten durch zwischenzeitlich gebaute Häuser legte.

Re: Re: ich wohne

Ob die 10.000 dann geschafft werden, würde ich aber bezweifeln. Sobald die FPÖ nämlich tatsächlich in tausend Jahren eine Mehrheit in Purk-Gablitz hätte, wäre ich einer der Ersten, der vor dem Horror-Szenario flüchten würde. Da würd ja dann auch noch der letzte Funke Lebensqualität aufhören zu glühen.

(Anm. Achtung! Auf der Welt liegen Purk-Gablitz, aber Purk-Gablitz sind nicht die Welt. Es gibt tatsächlich andere Länder, andere Kulturen, andere Lebensweisen - die unserer in keinster Weise unterlegen sind.)

Re: Re: ich wohne

Herbert Kickl, bist Du's? ;-)

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