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Wiens Unlust am Perser

Wiens Unlust am Perser
Wiens Unlust am Perser / Bild: (c) Die Presse (Clemens Fabry) 

Teppichhändler Adil Besim ist pleite. Das Geschäft in Klagenfurt schließt, jenes am Wiener Graben bleibt – vorerst.

 (Die Presse)

Wien. Es besteht seit 1946 – und ist so etwas wie ein Fixstern in der Wiener Innenstadt: das Teppichgeschäft Adil Besim, dessen Gründer nicht nur Wiener war, sondern eigentlich Adolf Böhm hieß. Mitten am Graben – wo immer mehr internationale Ketten die kleinen Geschäfte verdrängen – verkauft dessen Sohn Ferdi mittlerweile gemeinsam mit Enkel Omar Perserteppiche. Doch am Freitag hat das Familienunternehmen einen Insolvenzantrag gestellt. Dass das Geschäft in Klagenfurt mit Ende des Jahres schließt, war schon länger bekannt. Seit ein paar Tagen läuft dort der große Abverkauf. Nun ist aber auch das Stammhaus am Wiener Graben in Gefahr.

 

Drei Shops schon geschlossen

„Wenn unser Sanierungsvorschlag angenommen wird, bleibt das Geschäft am Graben und die Servicestelle im 21.Bezirk. Wenn nicht, dann haben wir ein Worst-Case-Szenario, dann war es das“, sagt Ferdi Besim, der seit 1955 die Kunden am Graben betreut. Das Unternehmen hat 5,3 Millionen Euro Schulden, dem stehen 963.000 Euro an Aktiva gegenüber. 23 Mitarbeiter sind von der Insolvenz betroffen. Besim hat den Gläubigern eine Quote von 20 Prozent, zahlbar innerhalb von zwei Jahren, vorgeschlagen. „Wir haben nicht viele Lieferanten, sieben oder acht. Ich habe schon mit allen telefoniert, sie haben alle ihr Wohlwollen bezüglich unserer Entscheidung geäußert“, so Besim. Das ist allerdings nicht der erste Rückschlag für das Unternehmen. Bereits in den Jahren 2009 und 2010 musste Adil Besim Standorte in Graz, Salzburg, und Innsbruck schließen.

Ferdi Besim hat für die Insolvenz und die schlechten Zeiten für Teppichhändler generell gleich mehrere Gründe parat. So gebe es immer weniger Länder, aus denen Teppiche bezogen werden – und die Ware wird gleichzeitig immer teurer. „Im Vergleich zu 2000 haben wir nur mehr halb so viele Lieferantenländer.“ Während früher in der Türkei, im Iran, in Russland, Afghanistan und China produziert wurde, beziehe er heute den Großteil der Ware aus dem nördlichen Afghanistan. „Dort, wo keine Taliban sind.“

 

Junge leben ohne Perserteppich

Neben den höheren Produktionskosten mache sich aber auch die Unlust der Wiener, beziehungsweise der Österreicher generell, auf Perserteppiche bemerkbar. „Heute wird ein Teppich nicht mehr als das gesehen, was er ist: ein Kulturgut, ein hochwertiger Kunstgegenstand oder eine Wertanlage. Die Leute sehen ihn als Bodenbelag.“ Besim macht dafür auch die Einrichtungszeitschriften und die Möbelhäuser – für ihn ohnehin die größte Konkurrenz – verantwortlich. Und: „Die Kunden sind mit mir alt geworden“, sagt der 72-Jährige. Wenn Junge Teppiche kaufen, dann nur mehr moderne.

1999 und 2000 seien „die besten Jahre aller Jahre“ gewesen, da lief das Geschäft mit Teppichen noch gut. „Seitdem geht es mit der Branche bergab.“ Heute sei man eben nicht mehr bereit, für einen handgeknüpften Teppich mehrere tausend Euro auszugeben. Ferdi Besim gibt sich jedoch kämpferisch: „Das Traditionsunternehmen wird weiterbestehen.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.09.2013)

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26 Kommentare
 
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Wiens Unlust am Perser?

Der Perser paßt halt nicht mehr ins zeitgeistige: "Geiz ist geil!"
Außerdem wurde die Mittelschicht von der Finanz schon so ausgeraubt, daß diese froh ist, wenn für die wichtigsten Anschaffungen Geld überbleibt.
Ein "Perser" steht da halt ganz, ganz weit hinten.

Konkursverschleppung

Ferdi Besim versteht sicher was von Teppichen, aber seine Firma ist überschuldet. Bei 5,3 Mill Schulden und nur 963000 Akiva drängt sich das Wort Konkursverschleppung auf. Da hat man nur 60 Tage zeit ein Sanierungsverfahren einzuleiten.

Unter www.austriaauction.com tauchen gerade Stücke aus seiner Sammlung auf.

Läuft denn da nicht etwas schief !

wer braucht

einen Perser wir haben die Türken!

Re: wer braucht

Wenn Sie ohnehin Experte sind und einen Maku oder Ardabil von einem Agra unterscheiden können, erkennen Sie ja den türkischen Teppich sofort am Gördesknoten, oder ?

Re: Re: wer braucht

Sie haben meinen Sarkasmus nicht verstanden ?

Re: Re: Re: wer braucht

FYI wie sollte ich, ein :-) ROFL oder LOL wär da hilfreich ;-)

Re: Re: wer braucht

Naja, ich glaub', der (oder die) hat Ihr Posting jetzt nicht ganz verstanden, weil er (oder sie) das eigene Geschreibsel ganz anders gemeint hat.

Re: Re: Re: wer braucht

Ja, meistens sind es die die nichts verstehen aber zu allem und jedem eine hinlänglich bekannte Meinung schreibseln :-)

Ein Wunder ?

In wirtschaftlich guten Zeiten konnte auch ich mir Perserteppiche leiste, die ich heute noch besitze.
Jetzt brauche ich gar nicht mehr überlegen, da mir von meiner Arbeit ( nach Abzug aller Fixkosten ) gerade 450 € übrigbleiben.
Teppich kaufen, haha. Wo sich schon das nächste "Sparpaket" ankündigt.
Dann kann ich mir überlegen ob ich mir eine neue Hose oder ein Geschenk für meine Kinder kaufe.

Unlust am Perser

Es sind wohl auch die Fußbodenheizungen die das Teppichgeschäft schrumpfen lassen

„Das Traditionsunternehmen wird weiterbestehen.“

die Teppichhändler haben doch zweimal im Jahr "Konkursabverkauf"

junge Liebe

die Jungen kämpfen mit der Miete und nicht mit der Entscheidung ob luxusteppich oder Zweitwagen ;)

Jojo......

...ohne Holec Helmut ist nichts mehr wie es früher war!
mfg
Teppiche braucht kein Mensch, der Kühlschrank ist wichtig...die Zeiten sind schlechter als sie scheinen!
und noch etwas, in 10 Tagen ist in 3 Monaten Heiliger Abend....also denkt an die Menschen die ALLEINE sind, frieren und nichts zu essen haben ...und nicht an die, die ZEIT IHRES LEBENS IN LUXUS GESCHWELGT SIND UND MIT EINER 20%igen ZAHLUNG DER SCHULDEN, FEIN RAUS SEIN WOLLEN !!!

kenne d mann

sehr unfreundlich eingebildet und arrogant (ausserhalb d offentlichkeit begegnet) davon abgesehen, manche teppiche sind schon andere nicht, jeder wie er mag.

Re: kenne d mann

bitte erklären sie mir was meinen mit ihrer Aussage?

Re: Re: kenne d mann

WAS meinen Sie damit!

Teppich

Es ist wirklich schade um dieses Kulturgut!

ein Teppich

ist nicht viel mehr als ein Staubfänger.

Re: ein Teppich

Regelmäßiges Staubsaugen hilft.

Mir ist lieber, der omnipräsente Staub bleibt im Teppich hängen bis er abgesaugt wird, als wenn er bei jedem Schritt vom klapprigen Laminat hochgewirbelt und eingeatmet wird.

Zudem ist ein Teppich fußwarm angenehm zu begehen und schafft eine wohnliche Atmosphäre.

So schön mein Parkettboden (nicht Laminat!) auch ist, darauf liegen einige Teppiche.

Re: ein Teppich

ein guter Perserteppich ist Volkskunst. Man kann gute Perserteppiche international auch als wertanlage betrachten. leider gibt es in Österreich sehr wenige Teppichhändler die gute Teppiche haben. Besim hat recht mit seiner Aussage. die jungen Leute wollen nur moderne Teppiche. in der Anschaffung sind sie zur Relation zu teuer aber sie sind im Endeffekt wertlos !

Re: ein Teppich

in der tat. und deshalb auch nicht gesund.

Re: Re: ein Teppich

Ein Wollteppich ist sehr gesund.Er speichert Luftfeutigkeit und falls diese in der Raumluft sinkt wird sie abgegeben.Lamatnat ist sehr ungesund. Die Feinstaubteile schweben immer in der luft und kommen dadurch in die Lunge. einTeppich oder teppichboden lagert diese teilchen wie Staub ein und der Staubsauger entfernt diese.
Also hochwertige Handknüfper aus Neus.Eolle kaufen.keine billigen Inder usw

Und Laminat ist gesund?


Re: Und Laminat ist gesund?

gesund nicht aber billig und leichter zu pflegen!

Re: ein Teppich

in New York ist ein Perserteppich für umgerechnet 17 Mill. versteigert worden.
Ich habe einen Isfahan gesehen der aus dem 15 Jdt. stammt eine spezielle Knüpftechnik hat die handwerklich heute keiner mehr machen kann und eigentlich unbezahlbar ist.
Es sind Wertgegenstände die auch eine Kultur haben.


Re: Re: ein Teppich

Gebe ihnen mit einer Einschränkung recht! Die wirklich wertvollen Teppiche werden ihren Wert schon halten, jedoch ist die Preisgestaltung für den österreichischen Endkunden absolut nicht nachvollziehbar. Ich würde sigar sagen, dass die gesamte teppichmäßige "Mittelklasse", also bis in den Bereich von mehreren tausend € gebraucht nicht mehr vernünftig zu verkaufen sind und daher nicht als Anlageobjekt, sondern als reiner Luxus betrachtet werden solten!

 
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