Wurmmittel in Kokain - Großteil der Proben verunreinigt

In mehr als 70 Prozent der Proben, die in der Vergangenheit als Kokain verkauft wurden, ist neben dem Suchtmittel Kokain ein für Menschen gefährliches Mittel aus der Tiermedizin nachgewiesen worden.

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BRITAIN DRUGS COCAINE USE – (c) EPA (ANDY RAIN)

Der Großteil des in Österreich gehandelten Kokain dürfte verunreinigt sein. Forscher der Medizin Uni Wien haben in mehr als 70 Prozent der Proben, die in der Vergangenheit als Kokain verkauft wurden, neben dem Suchtmittel auch ein für Menschen gefährliches Wurmmittel aus der Tiermedizin nachgewiesen. Diese gesundheitsgefährdende Praxis von Dealern wurde nun am Zentrum für Physiologie und Pharmakologie der MedUni Wien untersucht.

Wer glaubt, es bei Kokain mit einer "reinen" Substanz zu tun zu haben, liegt fast immer falsch. Denn mehr als 90 Prozent des auf der Straße verkauften Kokains ist mit unterschiedlichen Streckmitteln versetzt. Und immerhin fast drei Viertel wird mit Levimasol - einem für den Menschen gesundheitsgefährdenden Wurmmittel für Pferde und andere Paarhufer - gestreckt. Während die Dealer beim "Strecken" eines Suchtgifts nur den Profit steigern wollen, wird durch Zugabe des Tiermedikaments Levamisol noch ein weiterer Effekt erreicht: Nach der Aufnahme wird Levamisol im Körper zu Aminorex verstoffwechselt. Diese ebenfalls schwer gesundheitsschädliche Substanz zeigt eine starke amphetaminartige Wirkung bei den DrogenkonsumentInnen.

Seit Jahren laufend Levimasol nachgewiesen

Die Dealer machen sich damit ein Phänomen zunutze, das bereits aus dem Pferde-Rennsport bekannt war. Diese Erkenntnisse sind die wichtigsten Eckdaten einer Studie, die soeben in einem "Special issue" des Journals "Neurochemistry International" veröffentlicht wurde. Ausgangspunkt der Studie waren die laufenden Untersuchungen von Suchtmitteln durch die Wiener Informations- und Beratungsstelle "checkit!". Sie stellte in den vergangenen Jahren laufend massive Beimengungen von Levimasol fest und initiierte deshalb die Studie.

Studie widerlegt bisherige wissenschaftliche Annahme. Bisher hatten die Wissenschaftler angenommen, dass sich bei der Einnahme von zwei Mitteln unterschiedlicher Substanzklassen, wie in diesem Fall, die Wirkung aufheben würde. Weshalb dies bei der gleichzeitiger Einnahme von Kokain und Levimasol doch nicht so ist, konnten die Forscher klären: Die Wirkung von Aminorex - dem sogenannten Metaboliten von Levamisol - setzt dann ein, wenn die von Kokain bereits abklingt. Dadurch verlängert sich für den Konsumenten der von Kokain erwartete Effekt.



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