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Kaffeehausober: Der Nachwuchs fehlt

09.03.2007 | 19:11 |  ERICH KOCINA (Die Presse)

Betreiber von Cafés klagen über geringes Interesse am Kellnerberuf, unmotivierte Bewerber und mangelnde Qualität an den Berufsschulen. Mittlerweile werden Ober aus dem Ausland geholt – oder von der Uni.

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Die Wiener Kaffeehäuser haben Sorgen. Zwar boomen sie – das Schlagwort „Kaffeehaussterben“ ist längst kein Thema mehr –, doch an anderer Front haben sich Probleme eingestellt: Es gibt zu wenig Nachwuchs an Obern. „Wir würden gerne Nachwuchs ausbilden“, sagt Berndt Querfeld, Inhaber des Café Landtmann und des Café Mozart. Doch zum einen interessierten sich zu wenig Jugendliche für den Beruf des Kaffeehausobers, zum anderen sei das Niveau der Bewerber nicht ausreichend.

„Ein Ober in einem traditionellen Kaffeehaus braucht ein gepflegtes Äußeres und ein halbwegs gutes Deutsch“, so Querfeld. Viele jener Jugendlichen, die sich um eine Lehrstelle bewerben, erfüllten diese Voraussetzungen einfach nicht – ebenso mangle es an Motivation. Aber auch bei den Kaffeehäusern selbst sieht Querfeld Verbesserungsbedarf: „Nur sehr wenige bilden überhaupt Lehrlinge aus.“


Keine eigene Lehre für Ober

Das bestätigt auch Maximilan Platzer, stellvertretender Obmann der Fachgruppe Kaffeehäuser in der Wiener Wirtschaftskammer. Demnach schulen derzeit nur 70 bis 80 Kaffeehäuser und Café-Restaurants Nachwuchs – laut Wirtschaftskammer gibt es derzeit 884 Kaffeehäuser und 771 Café-Restaurants. Platzer selbst, der das Café Weimar im neunten Bezirk betreibt, bildet nach schlechten Erfahrungen ebenfalls keine Lehrlinge mehr aus. „Das Lehrlingsgesetz ist nicht gerade ausbildnerfreundlich“, klagt er. Er sieht einen beträchtlichen Teil des Problems aber in den Berufsschulen: „Die Qualität ist an manchen Schulen zum Teil eine Katastrophe.“

So seien Ausbildungsprogramme zum Restaurantfachmann – der dem früheren Lehrberuf „Kellner“ entspricht – oft veraltet, und die Wertigkeit des Kaffeehauses sei darin nicht berücksichtigt. Zudem ließen sich viele Ausbildner in punkto Kaffeehaus auch nichts sagen. Auch eine im Vorjahr gestartete Initiative, die Lehre zum Restaurantfachmann speziell für Kaffeehausober zu adaptieren, scheiterte am Widerstand der Berufsschulen. „Es gab die Befürchtung, dass durch eine zweijährige Ausbildung zum Kaffeehauskellner der dreijährige Lehrgang zum Restaurantfachmann leidet“, begründet Platzer das Scheitern.


Gastarbeiter und Studenten

Wie reagieren die Kaffeehäuser nun auf den fehlenden – gut geschulten – Nachwuchs? Momentan behelfen sich viele Betriebe mit Mitarbeitern, die den Beruf des Kellners zwar nicht im Rahmen einer Ausbildung erlernt, aber die nötigen Voraussetzungen haben, erzählt Landtmann-Chef Querfeld. Dabei greife man auch auf Pendler aus dem Osten, etwa aus Ungarn oder der Slowakei, zurück. Einige von ihnen pendeln täglich aus Pressburg nach Wien. Als Problem sieht Querfeld das nicht, ganz im Gegenteil: „Dieser Touch von Monarchie-Österreich kann sogar sehr charmant sein.“ Allerdings: Das Lohnniveau Wien–Pressburg gleicht sich immer mehr an, und es bleibt fraglich, wie viele Kellner in Zukunft noch pendeln wollen.


Mehr Geld als Akademiker

Einen anderen Zugang wählt Platzer für sein Café Weimar: Er beschäftigt zunehmend Studenten. „Junge Menschen lockern auf, das tut der Sache gut“, erzählt er. Zwar seien sie nicht perfekt, aber das würden sie mit Charme kompensieren. In einer Probezeit können die Nachwuchskellner testen, ob sie bleiben wollen. Bei Gefallen winkt eine Karriere als Ober – mit Arbeitszeiten, die oft nicht freizeit- und familienfreundlich sind. Allerdings oft auch mit einem Verdienst, der über dem so manchen Akademikers liegt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.03.2007)

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8 Kommentare
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Wie soll man motiviert sein?

Sehr geehrter Herr Kocina,

mit großem Interesse habe ich Ihren Artikel "Kaffeehausober: Der Nachwuchs fehlt" in der Presse vom 10. März gelesen. Wenn sich Herr Querfeld über zu wenig Nachwuchs beklagt, sollte er auch an die niedrigen Löhnen und Lehrlingsentschädigungen und die familienfeindlichen Arbeitszeiten (Sonntag, Feiertag, Abends,...) bedenken.
Wie soll en junge Menschen motiviert sein, wenn sie den ganzen Tag Stress haben , am Wochenende arbeiten dürfen , ständig Überstunden machen und dann auch noch weniger Lohn bekommen , als Lehrlinge die am Wochenende frei haben und z.B. in einem Büro sitzen. Außerdem sind auch teilweise die Betriebe schuld, dass es vielen Eltern nicht möglich ist, sich um die Erziehung ihrer Sprösslinge zu kümmern, da es die Arbeitszeiten der Eltern nicht zugelassen haben. Und dann fordern einige Betriebe auch noch die Sonntagsöffnung wie z.B. im Handel. Dann bleibt für die Kinder gar keine Zeit mehr, wenn auch der Sonntag weg ist.

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Wie soll man motiviert sein - Teil 2

Also wenn Herr Platzer selbst als Vorbild der Wirtschaftskammer keine Lehrlinge ausbildet, dann muss man sich schon die Fragen stellen, ob das wirklich nur an den Jugendlichen liegt. Herr Platzer war schon sehr oft beim Berufswettbewerb der Arbeiterkammer dabei und sah, die tollen Leistungen der Jugendlichen. Da standen oft sogar Lehrlinge vom AMS oder von einer Ausbildungseinrichtung am Stockerl, die keine fixe Lehrstelle haben.

Wenn ich lese, das Lehrlingsgesetz ist nicht gerade ausbildnerfreundlich, kann ich mir nur vorstellen, dass es dabei um das Berufsausbildungsgesetz und dessen Kündigungsmöglichkeiten für die Lehrlinge geht. Darin gibt es genügend Gründe, die es einen Lehrberechtigten erlauben, das Lehrverhältnis aufzulösen. Das zeigt auch eine Statistik der Arbeiterkammer in der alleine im Jahr 2006 in Wien im Gastgewerbe rund 500 Lehrverhältnisse (1/4 alle Lehrlinge in Wien) aufgelöst wurden.

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Wie soll man motiviert sein - Teil 3

Zum Thema Berufsbild Restaurantfachmann - warum eine Rumpflehre für eine kleine Sparte erschaffen? Was hat ein Jugendlicher davon nach der Lehre? Er beschränkt sich auf das Kaffeehaus und hat keine anderen Möglichkeiten. Jungen Restaurantfachleuten mit Lehrabschluss steht die Welt offen. Ob in einer Bar, in einem Kaffeehaus, in einem Restaurant, in einem Hotel, vieles ist möglich. Und man darf nicht um Fachkräfte jammern, wenn man die Berufsbilder so einschränkt, dass das Personal nur eingleisig ausgebildet wird. Wissen ist Macht - so ein alter Spruch. Und umso mehr man lernt um so mehr Chancen hat man.

Zum Thema Qualität der Berufsschulen - ich kenne keine Gastgewerbeberufsschule, wo die Ausbildung der Lehrlinge eine Katastrophe darstellt. Ich kenne alle Berufsschulen Österreichs, aber ich glaube da ist der Unmut des Herrn Platzer etwas zu weit über die Gefühle hinausgeschossen.

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Wie soll man motiviert sein - Teil 4

Übrigens Ober deren Gehalt über dem eines Akademikers liegt sind mir leider noch keine begegnet.

Sehr geehrter Herr Kocina, ich lade Sie und alle LeserInnen herzlich ein, sich selbst ein Bild von Qualität und Niveau der Gastgewerbelehrlinge zu machen. Es würde mich sehr freuen Sie beim Finale unseres Berufswettbewerbs begrüßen zu dürfen:

Einladung Berufswettbewerb 2007
Fr. 20. April 2007, ab 11.00 Uhr
Berufsschule Gastgewerbe
Längenfeldgasse 13-15
1120 Wien

Mit freundlichen Grüßen

Henri Schreiber
Jugendsekretär Gewerkschaft vida

ferstl
10.03.2007 13:38
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Mangelnde Qualität an den Berufschulen

Sehr geehrter Herr Kocina !
Wann haben sie Ihre Recherchen in der Berufschule gemacht ?
Die Berufschule für Gastgewerbe bietet eine ausgezeichnete Ausbildung in dualem System. Im Gegensatz zu den Herren Platzer und Querfeld bin ich seit vielen Jahren Vorsitzender der Prüfungskommision im Lehrberuf Restaurantfachmann. Die Durchfallquote in diesem Beruf ist äusserst gering. Wer in der Pflichtschule allgemeine Grundkentnisse nicht erlernt hat kann diese sicher nicht in den Berufschulen nachholen. Am scheitern der 2 jährigen Lehre für Kaffeehausober ist auch nicht die Berufschule dagegen, sondern die Sozialpartner.
Bei diesem Artikel lassen die Recherchen sehr zu wünschen übrig, man hat einfach die Aussagen von 2 Cafetiers für einen ganzseitigen Artikel herangezogen.
In Österreich ausgebildete Gastronomiefachkräfte erfreuen sich grosser Beliebtheit auf der ganzen Welt und werden in Spitzenpositionen beschäftigt
mfg.
KR Günter Ferstl
Obmann Fachgruppe Kaffeehäuser

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Re:

Sehe ich ähnlich Herr Kommerzialrat!

Mit freundlichen Grüßen

Henri Schreiber
Jugendsekretär vida

Steininger
10.03.2007 01:50
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Die Arbeitgeber wollen halt nichts zahlen

Insbesondere nicht das Entgelt daß einem Ober zusteht.
Wenn ein Oberkellner aus Schwerin um 900€ zu haben ist, warum dann einen Kellner und Koch ausbilden? Das kostet doch was, nicht wahr.
Daß der Oberkellner aus Schwerin auch wieder dorthin zurückkehrt ficht die Kaffeesieder nicht an, denn bis dahin haben sie auch solche aus Chernowitz oder Sibiu, die dann genug Deutsch gelernt haben um auszureichen. Und denen muß man dann noch weniger zahlen.
Das Gejammere um die Kosten der Lehrlingsausbildung, mit einer Träne im Knofloch, ist pure Heuchelei um das Herunterlizitieren von Arbeitsrechtlichen Standards zu kaschieren.
Solche Unternehmer sind wahrlich kein Ruhmesblatt für ihren Stand!
Querfeldweimar zum Trotze!

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"oft auch mit einem Verdienst, der über dem so manchen Akademikers liegt..."

hmm das hoeren die feinen popos nicht gerne! psht...