Thora-Schule: Schließung möglich

30.03.2007 | 18:26 |   (Die Presse)

Kultusgemeinde. Ausschluss von vier Kindern Friedmanns geht vor Gericht in nächste Runde.

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Wien (milo).Die Auseinandersetzung zwischen Moishe Arye Friedmann und der Talmud-Thora-Schule in der Leopoldstadt eskaliert: Ariel Muzicant, Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde (IKG), erklärte auf einer Pressekonferenz am Freitag, dass er bereit sei, „auch ins Gefängnis zu gehen“. Als „Ultima Ratio“ kündigt er an, auch die „Schließung der Schule“ in Erwägung zu ziehen.

Der Hintergrund: Friedmann nennt sich „Oberrabbiner der Orthodoxen Jüdischen Gemeinde in Wien“, bezeichnet sich als anti-zionistisch und hat weltweit für Schlagzeilen gesorgt, als er im vergangenen Dezember in Teheran aufgetreten ist. In einer Konferenz, zu der der iranische Präsident Mahmud Ahmadinejad eingeladen hatte, hatte er das Ausmaß der systematischen Ermordung von Juden durch das Nazi-Regime bezweifelt und kritisiert, dass es „bis heute keine Möglichkeit“ gebe, „freie Forschung über die historischen Tatsachen sowie die wahren Hintermänner“ zu betreiben; eine „Holocaust-Religion“ sei konstruiert worden. Friedmann wurde aus der IKG ausgeschlossen.

Vier seiner Kinder besuchen die Machsike Hadass-Schule in der Leopoldstadt. Sie ist eine Privatschule, besteht seit 150 Jahren, steht unter der Schirmherrschaft der IKG und hat strenge, orthodoxe Regeln. So ist eines der Kriterien, dass am Sabbat nicht gearbeitet werden darf. Friedmanns Kinder wurden aus der Schule ausgeschlossen. Begründung der Schulleitung: das unorthodoxe Verhalten, Friedmanns Auftritt in Teheran und das Nicht-Zahlen der Schulgebühren. Schuldirektor Tibor Steiner zum Ausschluss: „Wir weinen und können nicht mehr schlafen.“ Aber es gehe um den Frieden für 200 Schüler und 40 Lehrer.

Die Eltern bekämpfen dies zivilrechtlich. In einer einstweiligen Verfügung hat das Oberlandesgericht für Zivilrechtssachen angeordnet, dass Friedmanns Kindern der Zutritt ermöglicht werden müsse. Beugestrafen sind verhängt. Vor dem Schultor spielen sich täglich aufgeregte Szenen ab, es kommt zu Rangeleien. Susanne Brandsteidl, Präsidentin des Stadtschulrates, war bei Muzicants Pressekonferenz anwesend. Sie berichtete, dass das Bezirksschulinspektorat den Eltern eine Frist gesetzt habe, die schulpflichtigen Kinder in öffentliche Schulen zu schicken.


Muzicant: Religionsstörung

Muzicant sieht im OLG-Urteil „den Tatbestand der Religionsstörung“ und erwägt, die Thora-Schule neu zu gründen und an einem anderen Standort aufzumachen. Zunächst drängt er auf eine „schnelle Entscheidung“ – und bezeichnet Friedmann als „geisteskranken Hochstapler“. Friedmann: „Eine Verleumdung, die man eigentlich klagen könnte.“

Politische Dimension des Falls: Friedmann wird durch einen FP-Anwalt vertreten. Muzicant berichtet, ihm sei inoffiziell vorgeschlagen worden, dass Friedmann diesen Rechtsbeistand nicht mehr bekomme, wenn die IKG gegenüber der FPÖ sanftere Töne anschlage.

WAS BISHER GESCHAH

Moishe Friedman stellt sich gegen Israel und die Kultusgemeinde. Vier seiner Kinder wurden aus der Thora-Schule ausgeschlossen, jetzt liegt der Fall bei Zivilgerichten.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 31.03.2007)

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7 Kommentare
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Sie lügen, lügen, lügen ...

Dieser "historische" Ausspruch eines ehemaligen "Wahrheitsfanatikers" kommt einem in dem Sinn in Zusammenhang mit dem Skandal des Schulausschlusses der vier jüdischen Mädchen.
Der "Wahrheitsgehalt" der diesbezüglichen Pressemeldungen ist solcherart, daß im Vergleich hiezu die Ausführungen der Brüder Grimm
als reine Tatsachenberichte zu bezeichnen sind.
Oberrabbiner Friedmann hätte im Umfeld der Thora-Talmud-Schule mit seinen Auto ein Kind niedergefahren, wusste man ua zweckdienlicher-/verleumderischerweise zu verbreiten ...
Oberrabbiner hat weder ein Auto, noch einen Führerschein und kam täglich in Begleitung mit dem Autobus zu dieser Schule ...

Gast: YOD
01.04.2007 13:56
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Was ist das wieder für ein Relligions- und Sittenbild

bei der IKG? Was können die Kinder dafür, die Förderungen des Staates reichen sehr wahrscheinlich aus, um die KINDER des Mannes auf der Schule zu belassen. Bleibt die Frage WARUM er das Schulgeld nicht bezahlt hat????

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>>„Wir weinen und können nicht mehr schlafen.“ Aber es gehe um den Frieden für 200 Schüler und 40 Lehrer.<<

Fünf Schüler auf einen Lehrer? Und der Bund zahlt?

Antworten Gast: Fragender
03.04.2007 12:18
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Re: Gleicher als gleich

Mit dem Holocaust läßt sich alles begründen: auch die Schächtung von Tieren und die Beschneidung von Knaben (Körperverletzung?)

komische sache

einerseits versteh ich nicht, warum eine privatschule einen kunden, der seinen teil des vertrages (nicht bezahlung der leistung) nicht einfach rauswerfen kann.

anderereseits: wo ist da der skandal? soll er doch die schule schließen. bei allem was die ikg tut, wird so getan, als ob es unabkömmlich wäre. dinge vergehen, andere kommen.

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Re: Privatschule ???

Die Thora-Talmudschule in der Malzgasse in Wien-Leopoldstadt ist eine Privatschule mit Öffentlichkeitsrecht - wird also zur Gänze vom Staat finanziert und dürfte eigentlich genauso nicht wie jede öffentliche Volks- und Hauptschule Schulgelder verlangen ...

Das kommt mir irgendwie bekannt vor,

wenn Herr Muzicant erwägt "die Thora-Schule schließen zu lassen und sie an einem anderen Ort aufzumachen". Hat er sich etwas Ezzes geben lasseen vom kärntner Landeshauptmann, wie man mit unliebsamen Gerichtsurteilen umgeht? Im Erwartung eines medialen Entrüstungssturmes....W.

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