GRAZ.Idyllisch rauscht und gurgelt die Koppentraun in ihrem Oberlauf durchs wildromantische Ausseerland. Ein Eldorado für Fliegenfischer, Wildwasserpaddler und Naturliebhaber. Das Naturparadies zwischen Bad Aussee auf steirischer Seite und Obertraun (Bezirk Gmunden) in Oberösterreich gehört laut WWF zu den letzten vier Prozent intakter Flusslandschaft Österreichs.
Flussabwärts, auf oberösterreichischem Hoheitsgebiet, ist der Fluss sogar Teil der Weltkulturerbe-Region Hallstatt-Dachstein-Salzkammergut. Auf steirischer Seite ist das laufende Schutzstellungsverfahren dagegen noch nicht abgeschlossen – just dort sollte ein Kleinwasserkraftwerk entstehen. Daraus wird jetzt aber nichts. Die steirische Landesregierung wird am kommenden Montag beschließen, dem Projektbetreiber Robert Zotter 443.000 Euro zu zahlen, damit er das Kraftwerk nicht baut.
Zotter wollte im Gemeindegebiet von Bad Aussee aus der Koppentraun über eine Druckrohrleitung bis zu vier Kubikmeter Wasser pro Sekunde ableiten und in eine Turbine einschleusen, um Strom zu erzeugen.
Gefahr für Dachstein-Höhle
Fünf Kilometer flußabwärts, knapp vor der oberösterreichischen Grenze, wäre das Wasser wieder in die Koppentraun zurückgeleitet worden. Naturschützer protestieren seit Beginn gegen das 7,3 Millionen Euro-Projekt und warnen unter anderem mit einer Gefährdung der Dachstein-Rieseneishöhlen. Auch auf politischer Ebene gibt es fraktions- und länderübergreifenden Widerstand: In Linz spricht sich die Landesregierung geschlossen gegen das Projekt aus.
Die Bürgermeister von Bad Aussee, Otto Marl, und Obertraun, Egon Höll (beide SP), stützen sich ebenfalls auf einstimmige Gemeinderatsbeschlüsse gegen das Projekt. Dass der Nichtbau jetzt dennoch 443.000 Euro kostet sei freilich ein „bitterer Beigeschmack“, so Aussees Stadtrat Reinhard Egger (VP).
„Wir haben dreieinhalb Jahre geplant, haben Gutachter, Sachverständige und Rechtsanwälte bezahlt“, rechtfertigt Zotter gegenüber der „Presse“ die Kosten. „Wir verdienen uns damit keine goldene Nase“, sagt er. Lieber hätte er auf das Geld verzichtet und das Kraftwerk gebaut. „Die rechtlichen Voraussetzungen dafür waren gegeben“, begründet der steirische Umweltlandesrat Manfred Wegscheider (SP) die Zahlungswilligkeit des Landes.
„Ein Wahnsinn für den Rechtsstaat“, schimpft dagegen der obersteirische Grünen-Sprecher Lambert Schönleitner. Es liege noch gar kein positiver Bescheid für das Kraftwerk vor. Schon jetzt Steuergeld für eine Abschlagszahlung zu verwenden sei daher „rechtlich nicht korrekt und ein Zeichen von Unfähigkeit“. Auch die steirische ÖVP schießt sich auf Wegscheider ein.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.05.2007)