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Betrugs-Serie: „Finderlohn“ für vermissten Hund

08.10.2007 | 18:34 |  MIRJAM MARITS (Die Presse)

Neue Kriminalitäts-Form. Hunde-Besitzern werden Hunderte Euro für das angeblich gefundene Tier abgeknöpft.

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Wels/Wien. Einstein ist das jüngste Opfer. Oder besser gesagt: Seine Besitzerin, die beinahe auf Betrüger hereingefallen wäre. Seit Wochen ist ihr Malteser-Terrier-Mischling trotz Suchaktionen spurlos verschwunden. Dann kam die SMS: Ihr Hund sei gefunden worden, sie möge sich unter einer türkischen Nummer melden. Am Telefon ein Mann, der sich als Rechtsanwalt Ralf Sauer ausgab: Er wisse, wo ihr Hund sei: An der Grenze zwischen Bulgarien und der Türkei. Ein Lkw-Fahrer habe Einstein in Wels gefunden und mitgenommen, an einer Grenzstation sei ihm der Hund abgenommen worden. Er, Sauer, der zufällig gerade in der Türkei sei, erkläre sich bereit, die Formalitäten zu übernehmen und den Hund per Flugzeug zurückzuschicken. Sie möge ihm doch die 490 Euro für den Flug überweisen, dann könne sie Einstein in Kürze am Münchner Flughafen abholen. „Wir hätten beinahe gezahlt, er hat sehr glaubwürdig gewirkt“, erzählt Hannelore Rügen, Obfrau des Linzer Tierschutzvereins, die gemeinsam mit der Frau nach dem Hund sucht. „Wir hatten schon den Transport nach Wels organisiert.“

Dann aber hörte Rügen über die „Aktion Tiere in Not“ von ähnlichen Fällen in Deutschland – und ging zur Polizei. „Ein Polizist hat sogar mit dem Mann telefoniert“, erzählt sie. „Seither ist er unter der Nummer nicht mehr erreichbar.“ Die Polizei ermittelt, Interpol wurde eingeschaltet.

Die angeblich gefundenen Hunde dürften sich jedenfalls nicht in den Händen des oder der Betrüger befinden. Die Infos – der Unbekannte kann die Hunde stets genau beschreiben – „hat er aus dem Internet“, so Heidi Bernhard, Obfrau von der „Aktion Tiere in Not“. Auf Such-Portalen wie www.tiersuche.at geben Besitzer neben Fotos auch zahlreiche Details ihrer abgängigen Tiere bekannt.


„Bei uns fängt das erst an“

Weil der Trick mit dem in der Türkei (wahlweise auch Ukraine) aufgetauchten Hund in Deutschland nach Warnungen der Tierschutzvereine mittlerweile relativ bekannt ist, dürfte der Betrüger, der sich mal Sauer, mal Schmidt nennt, nun auf Österreich ausgewichen sein. „Wir haben von mehreren Fällen gehört“, sagt die Leiterin des Linzer Tierheims, Renate Bauer. In Wien soll er einer Frau mit der gleichen Masche 1000 € abgeknöpft haben. „Bei uns fängt das erst richtig an“, befürchtet Bernhard. Auch wenn die Geschichte weit hergeholt klingen mag – viele Besitzer sind bereit, sie zu glauben: „Sie wollen ihren Hund unbedingt zurück.“

Die Chancen, das sie dem Mann mit der freundlichen Stimme glauben, stehen gut: In Deutschland hat der Trick Dutzende Male funktioniert. Der Betrüger, der einen deutschen Akzent hat, lässt sich das Geld per Direkt-Bank überweisen – und kann es so an jedem Bankomaten anonym beheben. Kontaktiert wird er über eine türkische Handy- oder eine 0900-Nummer. Zum Betrug kommt für die Besitzer die Enttäuschung: Ihr Hund bleibt verschwunden. Auch Einstein wird immer noch gesucht.

AUF EINEN BLICK

Der Betrug: Der entlaufene Hund sei in der Türkei aufgetaucht. Die Besitzer werden aufgefordert, die Flugkosten zu überweisen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.10.2007)

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