25.05.2012 15:52 | Meine Presse Merkliste 0

Kärnten: Arbeitslose bauen eine Burg

15.11.2007 | 18:12 |  ROBERT BENEDIKT (Die Presse)

Eine „mittelalterliche“ Baustelle soll Besucher nach Friesach, Kärntens älteste Stadt, locken. Kosten: Sechs Millionen Euro.

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Merken AAA Textgröße Artikel kommentieren Kommentieren

Friesach. Rosige Aussichten für Langzeitarbeitslose in Kärnten: Wenn das ehrgeizige Burgbau-Projekt in der Stadt Friesach realisiert werden sollte, gibt es für 40 Menschen, die seit langem ohne Beschäftigung sind, wieder einen Job.

Nach französischem Vorbild soll in der ältesten Stadt Kärntens über mehrere Jahre hinweg und auf mittelalterliche Art eine Burg gebaut werden. Die Baustelle ist als Tourismus-Attraktion geplant und wird für die wirtschaftliche Belebung der Region an der steirischen Grenze sorgen.

Gemeinsam mit dem Friesacher Bürgermeister Max Koschitz und Landeshauptmann Jörg Haider hat der Chef des Kärntner Arbeitsmarkt-Service, Josef Sibitz erst kürzlich im französischen Guédelon einen Lokalaugenschein absolviert. Dort hat im Jahr 1997 der Restaurator Michel Guyot in einem aufgelassenen Steinbruch mit einem Burgbau begonnen, der sich mittlerweile zur Touristen-Attraktion entwickelt hat.

Europäische Union und Frankreich haben das Projekt mit einem Zuschuss von 2,5 Millionen Euro gefördert. Mittlerweile trägt sich der Bau durch Eintrittsgelder, Sponsoring, Merchandising und Gastronomie selbst.

Wenn der „Friesacher Burgbau“ Wirklichkeit werden sollte, plant das AMS ein Beschäftigungsprojekt, in dessen Rahmen Langzeitarbeitslose über Jahre hinweg einen neuen Job bekommen können. Sie müssen sich allerdings bereit erklären, mittelalterliche Kleidung zu tragen und mit historischen Werkzeugen zu arbeiten.

Denn wie in Guédelon sollen auch in Friesach alle benötigten Hilfsmittel, wie Tretkräne, Lehrgerüste und Gewölbeschalungen auf der Baustelle selbst hergestellt werden.

In Frankreich haben sich bald nach der Eröffnung der Baustelle Zulieferer angesiedelt, die Dachschindel, Töpferwaren, Fliesen, Nägel, Werkzeuge, Seile, Balken, Wolle und Kleidung herstellen. Außerdem werden Pferde, Schafe, Schweine, Gänse, Hühner und Enten gehalten.

In Guédelon beginnt die Arbeit um 9 Uhr, um 10 Uhr kommen die ersten Gäste, die fast alle Baustellen-Bereiche besichtigen können. Holz für die Gerüste wird im nahe liegenden Wald geschlagen, Steine werden im früher aufgelassenen Steinbruch ausgebrochen, der vor zehn Jahren für den Standplatz der neuen Burg ausgewählt wurde.

Zement und Schrauben dürfen nicht verwendet werden, der Mörtel wird wie im Mittelalter aus Sand, Tonerde und gelöschtem Kalk hergestellt.


Furcht vor Grundstücks-Spekulanten

In Friesach ärgert man sich jetzt darüber, dass die Kunde vom Burgbauprojekt zu früh an die Öffentlichkeit gedrungen ist. Man befürchtet nun, dass die Preise für die in Frage kommenden Grundstücke explosionsartig ansteigen. Bürgermeister Koschitz hofft dennoch, dass man mit den geschätzten Kosten von sechs Millionen Euro für die nächsten acht Jahre das Auslangen finden wird. Im Jahr 2015 feiert Friesach nämlich das 800-Jahr-Jubiläum der Stadterhebung. Und bis dorthin sollte die „neue“ Burg zumindest in Ansätzen erkennbar sein.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.11.2007)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo
Als Gast kommentieren

...oder einloggen um als registrierter Benutzer zu kommentieren (Vorteile dieser Variante)


Mit dem Absenden Ihres Kommentares erklären Sie sich mit den Forenregeln einverstanden.

*... Pflichtfelder

Sicherheitscode
(Was bringt das?)*



Schwer lesbar?
Neuen Code generieren

Verbleibende Zeichen

12 Kommentare
Gast: Ludwig Ammer
16.11.2007 17:24
0 0

Als


Antworten margin
17.11.2007 21:14
0 0

Wir bauen ein Hallenbad auf den Malediven

In Friesach gibt es mehr mittelalterliche Burgen pro km2 als sonst irgendwo in Österreich.
Ausgerechnet hier eine Kunstburg zu bauen um die mittelalterliche Stadt "in Wert zu setzen" ist ein Unfug sonder gleichen.
Das wäre wie am Strand der Malediven ein Hallenbad mit Plastikpalmen zu bauen.

Oder am Dachsteingipfel eine Blechbaracke in der man sich die Aussicht auf einer Großbildleinwand ansehen kann.

Den "wissenschaftlichen Begleitern" des Projektes müßte eigentlich auffallen, daß eine österreichische Burg nicht auf einer zufällig unverbauten Parzelle in der Stadt steht, sondern auf einem Berg ( Das tun übrigens auch die echten Burgen in Friesach). Alleine deshalb kann man in der Ebene keine authentische österreichische Burg bauen.
Die auf ORF.at publizierte erste Skizze läßt das schlimmste vermuten.
Disney pur.


Antworten Gast: Ludwig Ammer
17.11.2007 15:26
0 0

Kirche bauen

Ich würde in diesem Stil gerne die fehlende Modestuskirche bauen: 8. Jahrhundert etwas nördlich von Friesach. Das wäre eine Sache für Kapellari als Bauherr. Eine große Herausforderung für die Archäologie wäre das, den Standort nun endlich einmal definieren zu müssen für das damalige Missionszentrum, und die Materialien möglichst getreu zu wählen. Ich würde mich da gerne beratend beteiligen als bayerischer Salzburger, der die Virgilverehrung noch im Blut hat. Ich träume mein ganzes Leben davon, daß wieder einmal eine frühmiuttelalterliche Kirche unverfälscht zu sehen ist, und Kapellari ist der einzige Mensch, der diesen ewigen Traum Realität werden lassen kann.

Gast: Carver
16.11.2007 15:23
0 0

Great idea

Although copied, it is a great idea!
Having shown it to my friends they all agree it will be a great educational tool not only for historicans but also very interesting for the Engineering community.
You can count on some of us as future visitors!


Gast: Don Qichote
16.11.2007 13:11
0 0

Das Forum ...

... geht wieder einmal über vor Sachlichkeit und Objektivität. Mir gefällt die Idee eines lebenden Museums jedenfalls besser als vieles, was AMS und Arbeitsämtern bislang eingefallen ist - auch wenn sie von Jörg Haider stammt.

Re: Das Forum .../Don Qichote

He Don, gaaaanz locker bleiben! Die Idee ist gut, das Projekt erst recht, und dass eine nette Anzahl Arbeitsloser - ich betone - sinnvolle Arbeit machen soll, ist nicht genug zu loben. Dennoch kann man im Kernland des Häuptlings mit dem "Hang zu Vergangenem" ruhig einmal darüber kalauern. Ich finde "Haiderabad" durchaus gelungen und harmlos, zumal es genug Leute ausserhalb und innerhalb Österreichs gibt, die unser schönes Land am liebsten einzäunen und überdachen würden - nur, damit sich "nur jo nix verändert"!

Dann gibt's eine neue Ortstafel in Kärnten

Friesach wird in "Haiderabad" umbenannt! :-)))

0 0

Die Vergangenheits--Nostalgie des

fränkisch-germanischen Mittelalters lebt leider in Kärnten sehr stark auf durch Mister Haider,statt in die Zukunft zu blicken.

Vielleicht will Mister Haider irgendwo in dieser Provinz auch noch ein permanentes Kreuzritter-Lager mit Hypo-Geldern errichten?

Das neue sinnlose Fußball-Stadion in Celovec kann er ja auch sicher noch zu einem römischen Circus maximus ausbauen lassen oder doch?

Der Museums-Dolenz ist ihm bei der Planung sicher behilflich.

Noah von der Arche am Berg der Freude

Antworten lurch
16.11.2007 10:09
0 0

Re: Die Vergangenheits--Nostalgie des

Es kommt doch nicht darauf an, welcher Politiker oder welche Partei etwas gemacht hat.
Wenn dadurch ein paar Arbeitslose wieder in Beschäftigung stehen ist das sicher nicht schlecht.

Noch schöner wäre jedoch wenn eine alte Ruine wieder originalgetreu hergestellt wird. Erstens haben wir in Österreich genug Burgruinen und zweitens würden die nicht weiter verfallen. Finde ich zumindest.
Für Frankreich wäre übrigens ein Hammer wenn man die Abtei von Cluny wieder herstellen könnte. Habe seinerzeit von der IBM eine Imagination am Bildschirm gesehen, wie die ehemalige Abtei ausgesehen hat. War wirklich gut.


0 0

Re: Re: Die Vergangenheits--Nostalgie des

Lord Lurch!

Sie leben wohl eigentlich immer noch in der glorreichen germanischen Vergangenheit?

Diese edlen fränkischen Kreuzritter,Mönche etc.!

Bewerben Sie sich als Statist bei den Friesacher Ritterspielen!

Noah von der Arche am Berg der Freude

Antworten Gast: maximus
15.11.2007 20:20
0 0

Re: Die Vergangenheits--Nostalgie des

Wo bekomme ich dann die Karten wenn sie an die Löwen verfüttert werden?

0 0

Re: Re: Die Vergangenheits--Nostalgie des

Die Löwen werden eher Mister Haider fressen,wenn er in Ekstase von der Tribüne in die Arena fällt!

Noah von der Arche am Berg der Freude