Feinstaub: Grazer leben 17 Monate kürzer

Grazer, Linzer und Wiener sterben wegen der Feinstaub-Belastung früher, sagt das Umweltbundesamt. Eine unveröffentlichte Studie der Med-Uni Wien fordert niedrigere Grenzwerte.

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Reuters (Adress Latif)

Zwei Studien warnen, dass der Feinstaub die Gesundheit stärker beeinträchtigt als bisher angenommen. Eine bisher unveröffentlichte Untersuchung vom Hygiene-Institut der medizinischen Universität Wien (Med-Uni) zeige, dass es in Wien und Graz bereits pro zehn Mikrogramm pro Kubikmeter Luft zu einem Anstieg von Todesfällen um rund 1,5 Prozent kommt.

Hauptstädter sterben früher

Das Umweltbundesamt hat bereits 2006 eine Studie veröffentlicht, wonach bei einer konstant hohen Feinstaubbelastung über mehrere Jahrzehnte die Lebenserwartung deutlich sinken könne: In Graz verringere sie sich demnach um rund 17 Monate, in Linz um 14, in Wien um zwölf und in St. Pölten um etwa elf Monate. Auch Innsbruck (zehn Monate), in Klagenfurt (neun Monate) und in Salzburg (sieben Monate) wurde eine kürzere Lebensdauer durch Feinstaub prognostiziert.

Die Auswirkungen von Feinstaub PM10 und PM2,5 reichen von (vorübergehenden) Beeinträchtigungen der Lungenfunktion bis zu zuordenbaren Todesfällen, vor allem aufgrund von Atemwegs- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Nach Ansicht der WHO gehört die Außenluftbelastung zu jenen Umwelteinflüssen, die die größten gesundheitlichen Auswirkungen in westlichen Industrieländern verursachen.

Studienautor: Grenzwerte zu hoch

Der Autor der Med-Uni-Studie, Manfred Neuberger, fordert daher, dass die Toleranzgrenzen für Feinstaub gesenkt werden müssen: "Aus Sicht der Medizin müsste man die Grenzwerte für PM10 deutlich senken, anstatt einen Kniefall vor der Autolobby zu machen."

In Graz wird derzeit ausschließlich PM10 und nicht - wie in Wien - auch der noch feinere PM 2,5-Staub gesondert gemessen. Dabei sei PM 2,5 schädlicher, da dieser bis in die Tiefe geatmet werde. "Dort ist er dann nur noch von sogenannten Fresszellen zu beseitigen", sagte Neuberger. Diese "Reinigung" dauere aber länger und werde nicht vollständig durchgeführt - weiters würden Stoffe freigesetzt, die Kaskaden bis zur krebsfördernden Wirkung nach sich ziehen könnten. 

Die Messstellen in Graz teilweise umzurüsten, wäre kein Problem - die Werte wären dann noch alarmierender, hieß es laut dem Bericht. Besonders betroffen sind laut Neuberger Kinder und Menschen über 65.

Grüne fordern Herausgabe von Studie

Die steirischen Grünen verlangen nun, dass die Ergebnisse der Studie, die Gesundheitslandesrat Helmut Hirt (SPÖ) bei der Med-Uni in Auftrag gegeben hat, öffentlich zugänglich werden. "Diese Studie wurde vom Geld der Steuerzahler erstellt und nicht aus der Privatschatulle des Landesrates - also hat die Öffentlichkeit auch ein Recht darauf zu erfahren, was die Ergebnisse der Forschungen in Bezug auf die gesundheitlichen Schäden wegen des Feinstaubs auf die Grazer sind", so der Grüne Abgeordnete Peter Hagenauer.

Hirt erwidert, dass "diese Ergebnisse so nicht neu" seien. Man sei sich noch nicht im Klaren, ob oder wann man die Studie auf der Homepage des Landes veröffentlichen wolle, da man noch mit dem Studienautor Rücksprache zu halten beabsichtige.

(APA/Red.)

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