WIEN. Auf österreichischen Zigarettenpackungen müsste eigentlich eine neue Warnung stehen: „Rauchen schadet Ihrem Tourismus.“ Der Grund: Immer mehr Wien-Touristen stört, dass in heimischen Lokalen, Bars und Restaurants noch hemmungslos geraucht werden darf – nachdem die ausländischen Gäste (USA, Europa) großteils rauchfreie Luft gewöhnt sind, Österreich aber als eines der letzten Rückzugsgebiete für Raucher gilt.
„Rauchen gilt international als unkultiviert und rücksichtslos“, erklärt Wien Tourismus-Chef Norbert Kettner der „Presse“. Er registriert immer mehr Anfragen nach rauchfreien Hotels, Restaurants: „Wir merken das bei den Anfragen aus dem Ausland.“ Die Suche der Touristen nach rauchfreien Zimmern und Lokalen „ist ein Trend“. Denn: „Die Zahl der Touristen-Beschwerden über das Rauchen in Wien steigt“, erklärt Kettner.
Die Österreichische Hoteliervereinigung hat sich bereits am Mittwoch für ein „absolutes Rauchverbot“ in Hotels ausgesprochen. Begründet wird dieser radikale Schritt, den der Gesetzgeber umsetzen soll, mit den immer stärkeren artikulierten Wünschen der Gäste nach rauchfreier Luft.
Die Entwicklung in Zahlen: Vor fünf Jahren waren 70 Prozent der Hotelzimmer Raucherzimmer; 30 Prozent Nichtraucher-Räume. Heute hat sich dieses Verhältnis umgedreht.
Diskutiert wird auch in der Gastronomie: 50 Prozent der Österreicher sind gegen ein totales Rauchverbot in der Gastronomie, 43 Prozent dafür. Wiens Wirtschaftskammer-Präsidentin Brigitte Jank, die Hotellerie und Gastronomie vertreten muss: „Kleine Lokale ohne Nichtraucherbereich sollen selbst entscheiden, ob sie das Rauchen erlauben.“
Obwohl sich immer mehr Touristen ein rauchfreies Wien wünschen, kann das der Beliebtheit der Stadt nichts anhaben; wie die Tourismusprognose für 2008 am Donnerstag zeigt: Mit 9,7 Mio. Nächtigungen verzeichnet Wien das fünfte Rekordergebnis in Folge, so Kettner.
„Auf Positives konzentrieren“
Die Zahl der Nächtigungen ist 2007 um 3,4 Prozent gestiegen, der Netto-Nächtigungsumsatz viermal so stark – ein Zeichen dafür, dass die Hotels teurer geworden sind, so Kettner. Er erwartet noch weitere Preissteigerungen durch die EM, „so sind die Gesetze des Marktes“. Er appelliert jedoch an die Hotellerie, „an die Zeit nach der EM zu denken.“ Die Euro nannte Kettner das Ereignis, das 2008 alles „im positiven Sinn überschatten“ werde. „Und wir (der Tourismussektor, Anm.) sind die Gute-Laune-Maschine.“ Geht es nach Wirtschaftsstadträtin Renate Brauner, sind auch Medien Teil dieser Maschine. Auf die Anmerkung eines Journalisten, dass laut Polizei Sicherheitsfragen noch ungeklärt seien, entgegnete sie spitz: „Ich bitte darum, sich auf Positives zu konzentrieren.“
9,7 Mio. Nächtigungen in Wien wurden 2007 registriert. Um 3,4Prozent mehr als im Jahr davor.
Mehr als 400 Mio. Euro beträgt heuer der Umsatz der Wiener Hotellerie.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.01.2008)

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