25.05.2012 16:35 | Meine Presse Merkliste 0

Was die „Waste Watchers“ dürfen

30.01.2008 | 18:24 |  ERICH KOCINA (Die Presse)

Ab 1.Februar kämpfen 30 Aufseher der MA48 gegen Hundekot und Sperrmüll. An Ort und Stelle kann das eine Organstrafverfügung von bis zu 36 Euro bedeuten.

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Merken AAA Textgröße Artikel kommentieren Kommentieren

WIEN. „Es gibt keine Ausreden mehr.“ Umweltstadträtin Ulli Sima sagt das nicht ganz so emotionsgeladen wie in einem Western, doch die Stoßrichtung ist klar. Ab 1. Februar kämpft eine Truppe von 30 Beamten gegen Müllsünder. Eine Truppe, die zur MA 48 gehört und auf den Namen „Waste Watchers“ hört.

Ihr Auftrag ist es, Sauberkeits-Verstöße aufzuspüren, Ermahnungen auszusprechen und sogar Strafen zu verhängen. An Ort und Stelle kann das eine Organstrafverfügung von bis zu 36 Euro bedeuten. Bei schwereren Vergehen kann es eine Anzeige geben, die bis zu 1000 Euro kostet. Das Hauptaugenmerk der Einheit liegt auf illegal abgestelltem Sperrmüll, herrenlosen Einkaufswagerl und Hundebesitzern, die die Ausscheidungen ihres Tieres nicht ordnungsgemäß entsorgen.


Mehr Rechte als Schwarzkappler

Doch wie ernst muss man die Truppe nehmen, die in ihren von der Modeschule Hetzendorf entworfenen Uniformen auf Streife geht? „Sie dürfen als Organe der öffentlichen Aufsicht deutlich mehr als andere“, sagt Christof Tschohl, wissenschaftlicher Mitarbeiter des Ludwig Boltzmann Instituts für Menschenrechte. Im Wiener Reinhaltegesetz ist ausdrücklich geregelt, dass sie Ausweise kontrollieren und Strafen verhängen dürfen – im Gegensatz etwa zu Kontrolloren der Wiener Linien, die keine Befugnis zur Identitätsfeststellung haben.

Theoretisch, so Tschohl, dürfen die Waste Watchers bei Verstößen auch angemessene Gewalt ausüben, doch müsse diese verhältnismäßig sein. Jemanden festzuhalten, der ein Hundstrümmerl nicht wegräumt, falle etwa nicht darunter. Hat dagegen jemand ein halbes Wohnzimmer illegal abgelagert, könnte dies jedoch durchaus verhältnismäßig sein.

Soweit will man es bei den Waste Watchers aber gar nicht kommen lassen. Im Grunde hoffe man, dass die „natürliche Autorität“ – Dienst-Ausweis und -Abzeichen – ausreiche. In den ersten Monaten werde man auch gemeinsam mit der Polizei unterwegs sein.

Ansonsten solle das Prinzip der öffentlichen Bloßstellung nicht unterschätzt werden: Die meisten Menschen seien peinlich berührt, wenn sie erwischt werden und würden sich ihrem Schicksal fügen. Mit Widerstand rechnet man nur in wenigen Fällen. Auch für diesen Fall hat man vorgesorgt – immerhin wurde der Großteil der Waste Watchers aus Mitarbeitern rekrutiert, die bisher bei der Abschleppgruppe waren.

Dementsprechend ist auch das Arsenal der Müllpolizisten vorrangig der Aufklärung gewidmet. Statt Waffen tragen die Organe in ihren großen Umhängetaschen Infofolder und Broschüren mit sich. Für Hundehalter hat man auch die schon bekannten „Sackerl für das Gackerl“ dabei. Und Rauchern bietet man mobile Aschenbecher in MA48-orange als Geschenk an.


Strafe für Ausspucken?

Eine Unklarheit ortet Rechtsexperte Tschohl allerdings noch in der Definition, was überhaupt als Müll definiert wird. Denn im Gesetz ist lediglich von „Stoffen und Gegenständen“ sowie vom „Ausgießen von Flüssigkeiten“ und „färbenden Stoffen“ die Rede. Ob etwa auch das Ausspucken auf der Straße damit strafbar sei, sei jedenfalls noch auslegungsbedürftig.

Diese und andere Unschärfen, die sich zum Start der neuen Einheit abzeichnen, sollen in den nächsten Tagen noch geklärt werden. Und auch Verstärkung für die Truppe soll es geben. Bis Ende 2009 sollen rund 150 Waste Watcher im Einsatz sein – auch etliche in Zivil.

AUF EINEN BLICK

Am 1. Februar treten die Waste Watchers ihren Dienst an. 30 Beamte der MA 48 sollen die Sauberkeit in Wien kontrollieren – und auch Strafen verhängen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 31.01.2008)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo
Als Gast kommentieren

...oder einloggen um als registrierter Benutzer zu kommentieren (Vorteile dieser Variante)


Mit dem Absenden Ihres Kommentares erklären Sie sich mit den Forenregeln einverstanden.

*... Pflichtfelder

Sicherheitscode
(Was bringt das?)*



Schwer lesbar?
Neuen Code generieren

Verbleibende Zeichen

17 Kommentare
Gast: Erich Kindl
21.07.2009 09:55
0 0

Müllhalde Antonsplatz

In den letzten Jahren vergammelt der Antonsplatz
immer mehr als Ablagerungsplatz für alte Betten,Fernseher, beim Autoputzen wird jeder Mist auf die Straße gekippt. Parkbänke werden von Jugendlichen mutwillig beschädigt. Vom Hundekot ganz zu schweigen. Straßenräumung gibt es kaum. Auch vor dem Pfarrhof wird nicht gereinigt. Die Spur zieht durch die Neusetzgasse bis zu den Bushaltestellen. Bitte um Kontrolle

Danke

Gast: FLOTTELOTTE
03.02.2009 21:17
0 0

!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

mehr kontrollen im 20,bezirk !!!!!!!!!!!!!!!!!!

Gast: ÖSD-Öko Schutz Dienst
07.02.2008 21:58
0 0

waste watcher

Ein kläglicher Versuch der Wiener Stadtverwaltung, für mehr Sauberkeit zu sorgen. Zweifelsfrei handelt es sich bei der installierten Truppe um Organe der öffentlichen Aufsicht, die Ausweise abverlangen dürfen. Wenn sie aber keinen bekomen? Dann brauchen sie die Polizei, und die ist hoffnungsos überlastet. Bereits die Wiener Naturwacht, ebenfalls Organe der öffentlichen Aufsicht ist in diesen Belangen seit vielen Jahren aktiv, und der ÖSD ist auch permanent hinter Umweltverschmutzern her. Die Idee von einer Überwachungstruppe ist also nichts Neues. Man stelle sich nur vor, was das kostet, wenn dutzende Male am Tag ein Lkw der 48 er ausrücken muss, um ein Einkaufswagerl zu entfernen. Wäre wohl sinnvoller, die Damen und Herren waste watchers würden den wahrgenommenen Dreck gleich selber entfernen. Übrigens, jetzt geht man noch zeitiger in der Früh und noch später am Abend mit dem Hunderl Gassi, und zu diesen Zeiten gibt es keine Kontrollen. Gut gemacht Frau Stadträtin! ÖSD

POLEMIKER
31.01.2008 13:00
0 0

Warum ...


... muss man Hundstrümmerlkontrollore großkotzig "Waste Watcher" nennen?

ralshob
31.01.2008 12:39
0 0

Fr. sima........................

ab nach singapore! nein - nicht auswandern (vielleicht keine so schlechte idee), die sind sehr strickt mit allen migranten - aber lernen. die koennen das.
essen im city train - 1000 spd (~500 usd), rauchen im selbigen - 2500 spd (~1250 usd), muell fallen lassen im zug - 500 spd (~250 usd). da ist es sauber - unvorstellbar. waere einen versuch wert

Gast: Reisender
30.01.2008 14:15
0 0

Hat Wien keine echten Probleme?

Immer wenn man nach Wien kommt und hier Zeitungen und Plakate liest, glaubt man, dass Wien kein anderes Problem als Müll hat. Sobald man sich umsieht bemerkt man, dass hier aber (fast) niergens Müll liegt. Trotzdem wirkt die Stadt irgendwie grindig. Das liegt aber vielmehr an der immer grauen Stadmöblierung (Laternen et.) und an den asphaltierten und geflickten Gehsteigen (statt Pflastersteinen und Platten, wie international üblich). Schätze die ewigen Müllkampagnen dienen nur dazu echte Probleme medial zu überlagern. Mit den neuen Müll-Scheriffs nimmt das ganze jetzt leider wirklich faschistoide Züge an.

Antworten Gast: FLOTTELOTTE
03.02.2009 21:23
0 0

Re: Hat Wien keine echten Probleme?

ICH BIN SHON DER MEINUNG,DASS WIEN IM MÜLL ERSTICKT.SCHULD SIND DIE POLITIKER.SEIT WIEN VON AUSLÄNDER ÜBERSCHWEMMT WIRD.

Antworten Bunbury
31.01.2008 13:35
0 0

Mit good will...

...geht in Wien gar nichts.
Was ist so schwierig, den Hundekot wegzuräumen? Nur, weil es bisher anders war?
Welcher Hundebesitzer freut sich, wenn er in meine Scheiße tritt?
Wenn ich den Fuß vor die Haustüre setze, wenn ich aus mit dem Kinderwagen unterwegs bin - immer muss ich Hundekot ausweichen.
Muss das sein?
Natürlich sollte das nicht das Wiener Hauptproblem sein - aber das grundsätzliche Verständnis, dass ich den Müll, den ich verursache, auch entsorge, fehlt; deswegen zieht sich dieses Thema wie Dackeldünnpfiff seit Jahren dahin...

Antworten Gast: Ossi
30.01.2008 15:23
0 0

Re: Hat Wien keine echten Probleme?

Lieber Reisender!

Sie scheinen nicht oft in Wien zu sein. Und schon gar nicht in den Bezirken 2-23. Es gibt kaum eine Stadt in Europa,ausgenommen vielleicht Neapel, die so von Hundekot zugeschissen ist wie Wien. Ich habe heute morgen vor einem Kindergarten in der Penzinger Stasse im 14. Bezirk. 11(!!) Hundehaufen gezählt.
Die U-Bahnen sind voll mit dem Zeitungs und Fastfood Müll, dass es einem graust.In München dürfen Sie kein Fast Food in die Öffis mitnehmen. Mit recht. Wie kommen die Anderen dazu!
Das "faschistoid zu nennen, ist trottelhaft.Oder fühlen Sie sich wohl im Dreck???

Antworten Antworten freeman
31.01.2008 12:36
0 0

Im Sinne Maslows

geht es Dir beneidenswert gut, wenn Du nichts anderes zu tun hast, als Hundehaufen zu zählen.

Diese Tätigkeit fällt wohl unter "Selbstverwirklichung" und bildet damit die Spitze der Pyramide.

Antworten Antworten Gast: Reisender
30.01.2008 16:16
0 0

Re: Re: Hat Wien keine echten Probleme?

Bin ziemlich viel in Wien. Vorwiegend im 2. Bezirk. Alle 3 – 5 Jahre trete ich in auch in ein Hundehäufchen. Das ist schon mal kurz ärgerlich. Aber deshalb ständige Kampagnen zu machen finde ich lächerlich - Die Hunde hören ja deshalb auch nicht zum gacken auf. Nur die Wiener brauchen halt was zu raunzen. Manche scheinen ja tatsächlich nichts Wichtigeres zu tun zu haben als Hundehaufen zu zählen. Find ich irgendwie traurig. Aber dass Wien eine traurige, depressive Stadt ist, lässt sich ja nicht bestreiten.

Antworten Antworten Antworten Jelson
31.01.2008 07:46
0 0

Re: Re: Re: Hat Wien keine echten Probleme?

Servus Reisende wohne in einer Seitengasse von der Lassallestraße im 2. Bezirk.

Antworten Gast: Wiener
30.01.2008 15:17
0 0

bla bla bla

Da schreibt der pure Neid des Provinzlers.

Peregrin
30.01.2008 13:58
0 0

"Konfliktmanagement"

Die konfliktgeschulten U-Bahn-AufseherInnen gehen ja immer hinter den Saeulen "inspizieren", wenn sportliche Mitbuerger mit Tschick und Bierdose am Bahnsteig auftreten, um dort das Miteinander zu bereichern. Dafuer belehren sie gerne Familienvaeter, dass nach der Durchsage "Zug faehrt ab" das Einsteigen nicht mehr erlaubt sei. Wir koennen daher wohl davon ausgehen, dass die Hunde-und-Sperrmuellaufseher vorzugsweise Omis mit wurstfoermigen Dackeln strafverfolgen werden.

Antworten Gast: emma
30.01.2008 17:43
0 0

Re:

Das mit den Dackelomis ist zwar vielleicht ungerecht, aber zumindest ein Anfang. Wenn zumindest die Dackelomis dazu erzogen werden, die Hundesch... wegzuräumen, hat sich das ganze schon gelohnt. Der Hundekot ist inzwischen derart schlimm, dass nur noch Effizienz zählt. Gerechtigkeitsüberlegungen und die Einbeziehung der Pitbullbesitzer müssen vorläufig noch warten...

Antworten lurch
30.01.2008 15:39
0 0

Re:

Genau so ist es! Leider!!!!!

Antworten Antworten Gast: Gast_neu
28.03.2008 22:35
0 0

auch was dazu

Gut dass ich nicht aus Wien bin und keinen Hund habe.
Die Anwendung von Gewalt bei Müll'sündern' bereitet mir Sorgen. Insofern, da man mit 'Recht' die Menschenrechte immer weiter dezimiert. Wo soll das hinführen? Rauchen in der Öffentlichkeit geahndet mit Prügelstrafe? Ich finde das nicht mal weit hergeholt, wenn man bedenkt, dass dieses Schema seit Jahren immer mehr zunimmt. Schauen wir mal in 10 Jahren....