WIEN(eko). „Es ist leichter, in Österreich eine Aufenthaltsbewilligung in der Rotlichtszene zu bekommen, als wenn man sich in einer Gemeinde integriert hat“, sagt Helmut Edlmayr. Der Ex-SP-Landtagsabgeordnete und Aufdecker der Visa-Affäre, der mit seinem Vergleich auf den Fall Arigona Zogaj anspielt, hat einen Runderlass zugespielt bekommen, nach dem „Künstleragenturen“ seit Jahren bei Visa-Anträgen besonders gut behandelt werden.
Auf einer Liste seien bestimmten Agenturen im Osten verzeichnet, die junge Frauen als Tänzerinnen und GoGo-Girls anwerben. Die Botschaften würden dann all jenen Frauen Künstlervisa für bis zu ein Jahr ausstellen. Unter jenen Agenturen soll sich auch ein Unternehmen von Peter S. befinden, der in Linz das Erotik-Etablissement „Sexodrom“ betreibt. Edelmayers Vorwurf: Offiziell würden die Frauen als Tänzerinnen arbeiten, in Wirklichkeit würden sie aber auch als Prostituierte eingesetzt.
„Fälle liegen länger zurück“
Im Innenministerium bestätigt man auf Anfrage der „Presse“, dass es sogenannte „Bona Fide“-Unternehmen gibt, darunter können auch Künstleragenturen sein. Ihnen wird bei Visaanträgen besonderes Vertrauen entgegengebracht. Dies betreffe vor allem Künstler, denen die Einreise zu Konzerten oder Gastspielen erleichtert werden solle.
Ob tatsächlich auch Agenturen, die Prostituierte nach Österreich bringen, diesen „Bona Fide“-Status genießen – oder genossen – wollte man nicht ausschließen. Ministeriums-Sprecher Rudolf Gollia erklärt zu den Vorwürfen, dass es sich offenbar um länger zurückliegende Fälle handle. Ermittlungen dazu seien jedenfalls im Laufen, auch das Büro für interne Angelegenheiten (BIA) wurde bereits eingeschaltet.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.02.2008)
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