Wien. Wer Martial Arts sagt, denkt an Asien, Kung Fu oder Karate. Dabei hat auch Europa einiges zu bieten: Historische Kampfkunst nennt sich das. Einzig: Das Wissen wurde in den Archiven vergessen.
Seit einigen Jahren jedoch ist eine wachsende Zahl junger Sportler und Forscher auf der Suche nach den alten Techniken. Dieses Wochenende treffen sich in Wien Vertreter aus ganz Europa zu einem Seminar. (siehe Webtipp).
Wie es aussieht, wenn es dazu kommt, weiß Martin Enzi, Schwertkampf-Trainer des Wiener Kampfkunst-Vereins „Dreynschlag“. „Es ist ein bisschen wie in den Action-Szenen im Film ,Herr der Ringe‘“, sagt er. „Mit Rollenspiel-Kitsch hat das nichts zu tun. Was wir machen, ist ernsthafter Sport.“
Dieser reicht weit zurück. Vom 13. bis zum 17. Jahrhundert wurden die Techniken – etwa mit Dolch, Schwert, Schild oder bloßen Händen – entwickelt. Mit dem Verbot der Duelle gerieten die Techniken in Vergessenheit, bis sie in den 1980er-Jahren wieder entdeckt wurden. Heute sind in Deutschland knapp 5000 Personen in entsprechenden Vereinen gemeldet, in Österreich sind es 300 – Tendenz steigend. Ein Drittel davon sind Frauen.
„Achten auf Disziplin“
Organisiert sind die Schwertkämpfer in Vereinen wie„Ars Gladii“, die neben dem Sport auch Quellenstudium alter Fechtbücher betreiben.
Wer glaubt, in einem der Vereine nach kurzer Grundausbildung mit Waffen wie Halbschwert auf sein Gegenüber einschlagen zu können, täuscht sich. „Weil man seinen Partner mit einem Zwei-Kilo-Schwert schwer verletzen kann, achten wir auf Disziplin und eine ausgeglichene Persönlichkeit“, sagt Trainer Martin Enzi. Gefochten wird nur mit Schutzausrüstung. Lebensgefährliche Stiche oder Hiebe sind verboten.
www.dreynschlag.at
www.arsgladii.at
("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.02.2008)

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