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Afrika-Zirkus: „Grausam, respektlos“

02.03.2008 | 17:48 |  STEFFEN ARORA (Die Presse)

Protestflut. „Wild! Exotisch! Erotisch! Anders!“: Der Plakat-Slogan sorgt für heftige Kritik.

INNSBRUCK. „Wild! Exotisch! Erotisch! Anders!“ Mit diesem Slogan wirbt die Show „Mama Africa“, die von 15. bis 20. März durch Österreich touren wird. Es handelt sich dabei um eine 50köpfige Zirkustruppe unter Leitung des aus Simbabwe stammenden Winston Ruddle. So wie der Zirkusdirektor seien alle Artisten „echte Afrikaner“, nicht bloß schwarzer Hautfarbe, betont der deutsche Co-Produzent der Show, Hubert Schober.

Das sei zugleich der größte Unterschied zu André Hellers „Afrika! Afrika!“-Zirkus, der vor gut zwei Jahren einen Trend initiierte. Doch inhaltlich sei „Mama Africa“ dem Heller-Spektakel sehr ähnlich, sagt Schober. Das Publikumsinteresse ist groß, sagen die Veranstalter. Für den Innsbrucktermin von „Mama Africa“ musste bereits eine Zusatzshow eingeplant werden.

„Das muss ein Ende haben“, fordern hingegen Österreicher afrikanischer Abstammung, wie der Journalist und Chefredakteur von Afrikanet-Info, Simon Inou – er ist auch Initiator der wöchentlichen Seite in der „Presse“, die von Migranten gestaltet wird. „Hier werden koloniale Klischees wiederholt, um Profit zu schlagen. Das ist respektlos, eine Beleidigung.“ Auch er spricht von einem Trend: „Diese Leute wissen, dass Heller mit seiner Show viel Geld verdient hat. Um das noch zu überbieten, spitzen sie weiter zu.“ Schwarze Artisten als „wild“ und „erotisch“ anzupreisen, bezeichnet Inou als geschmacklos: „Nur Tiere sind wild. Man setzt uns mit Tieren gleich.“ Auch Martin Wassermair, Historiker und Vorstandsmitglied des Kulturrates Österreich, sieht diese Art von Afrika-Shows in unheilvoller Tradition der Völkerschauen: „Das hier ist total grausam. Eine Anhäufung und Verdichtung von Stereotypen.“ Wassermair nennt sie gar „Teil des Problems Afrikas“, weil ein falsches, rassistisches Afrikabild verfestigt werde. Die Artisten würden auf den schwarzen Körper reduziert, der allein zur Unterhaltung des weißen Publikums diene.

Auf den Plakaten wird auch mit dem guten Zweck geworben: Ein Euro pro Eintrittskarte komme den Organisationen „Menschen für Menschen“ (MfM) und „Ärzte ohne Grenzen“ zu Gute. Letztere wollen auf Nachfrage der „Presse“ nichts davon gewusst haben und sprechen von „unseriöser Vorgehensweise“ der Veranstalter, die Konsequenzen haben werde. MfM hat hingegen eine Vereinbarung mit den Veranstaltern getroffen, dass 50 Cent pro Karte an die Hilfsorganisation fließen. „Herr und Frau Böhm haben die Premiere in Rosenheim besucht und waren sehr angetan von der Show“, heißt es seitens MfM. Beatrice Achaleke, Obfrau des „International Center for Black Women's Perspective“ (AFRA) mit Sitz in Wien, hat kein Verständnis dafür: „Ich schätze die Arbeit von Herrn Böhm, aber das ist hässlich.“


Frauen als Sex-Objekte?

Die Bilder der Show würden auf alle Schwarzafrikaner übertragen: „Auf dem Plakat ist ein Männchen mit Riesenpopo und Schwänzchen dargestellt. Die Kostüme sehen aus wie in der Kolonialzeit.“ Zirkusdirektor Winston Ruddle war für eine Stellungnahme nicht erreichbar. Co-Produzent Hubert Schober bezeichnet die Kritik als ungerechtfertigt: „Erotik ist eine schöne Sache.“ Wer an Schlechtes denke, habe wohl selbst ein Problem. Eine Aussage, die Achaleke erzürnt: „Wir versuchen seit Jahren mit Vorurteilen aufzuräumen, die hier bedient werden.“ Gerade schwarze Frauen seien häufig Opfer von Belästigungen, weil sie als reine Sex-Objekte angesehen würden: „Ich spreche aus eigener Erfahrung.“

AUF EINEN BLICK

Im Dezember 2005 startete André Hellers „Afrika! Afrika!“. Mehr als zwei Millionen Besucher sahen das Zirkusspektakel bisher.
„Mama Africa“ will daran anknüpfen. Produzent Winston Ruddle fungierte für Hellers Show als Talentscout, bevor er seine Show gründete. Rund 150.000 besuchten die erste Auflage von „Mama Africa“ von Dezember 2006 bis Juli 2007.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.03.2008)


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13 Kommentare
 
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Von Gast: Maximus am 04.03.2008 um 19:10

Mother Africa

Nachdem ich gestern und heute mit einigen der Artisten über den Artikel in der "Presse" diskutiert habe, freue ich mich nun mit gutem Gewissen auf die heutige Show in Münster! Hier fühlt sich niemand diskriminiert oder ausgebeutet,im Gegenteil, die Künstler sind sehr angetan von der Möglichkeit mehrere Wochen ein kalkulierbares Einkommen zu haben, eine Möglichkeit, die in ihren Heimatländern nicht immer gegeben ist. Übrigens, sind die jungen Frauen, die hier singen und tanzen viel weniger in Gefahr zum Lustobjekt und auf ihren schwarzen Körper reduziert zu werden als die männlichen Artisten! Die sehen schon toll durchtrainiert aus, ich finde man kann ruhig das mit Aplaus würdigen! Dazu leisten sie noch außergewöhnliches in ihrer Darbietung!

Von ralshob am 04.03.2008 um 13:36

Wild - exotisch...........................

aha! das moegen schwarze nicht, welche nicht (mehr oder nie) in afrika leben. eigenartig. ich bin kein afrikakenner - ich arbeite nur seit zwei jahren auf diesem kontinent, und ich warte sehnsuechtig, dass ich versetzt werde. wohin? egal! nur weg von hier. zu den eingangs erwaehnten schlagworten kann man getrost noch faul - ungebildet - blutruenstig - rassistisch (!!) - aberglaeubig - frauenfeindlich - frauenvergewaltigend - kinder zu soldaten machend - korrupt - usw. das heile bild der oesterreicher ueber afrika zeigt wahrscheinlich nur die von auslaendern betriebenen touristen hochburgen. ich lebe im realen afrika, und fr. achaleke soll froh sein, dass sie aus der entfernung motzen kann, denn hier haette sie nichts zu melden. da kommt der betrunkene ehemann nach hause (meistens von 2 - 3 nebenfrauen) verpruegelt und vergewaltigt die anwesende und bringt zu allem ueberdruss auch noch aids mit. das wird einen aufschrei geben - wenn die presse es ueberhaupt veroeffendlicht - herkommen!

Von Gast: hubert schober am 04.03.2008 um 12:31

afrika circus -grausam, respektlos

ich möchte als co-produzent der show mother africa den vielen, ungerechtfertigten, voreiligen und schlichtwegs nie verifizierten anwürfen und "anwerfern" nur eines sagen:
schauen sie sich die show an, sprechen sie doch nicht über, sondernd endlich einmal mit den artisten und auch den produzenten und verantwortlichen der show und sie werden wohl oder übel erkennen müssen, wie verklemmt und unsinnig ihre meinung von mother africa ist.
wir sind eine "wilde" truppe, wir sind "exotisch", weil wir aus einem entfernten kontinent kommen, wir sind hoffentlich auch ein wenig "erotisch", denn das ist die urquelle allen lebens und wir sind "anders", weil wir uns von u.a. für afrika und seine menschen engagieren, es uns aber auch mit unserer show gelingt, afrika in die herzen der menschen zu tragen und -werte moralisten- wir sind stolz auf unsere künstler und unsere show!!!

Von Gast: Maximus am 03.03.2008 um 20:27

Ich bin ein sexistisches,Rassistisches Schwein!

Denn ich habe "MOTHER AFRICA" (nicht "Mama Africa") 2x gesehen und jede Minute genossen!
Es ist wohl nicht jedermanns Sache lebensfrohe, lebendig getanzte Lieder zu hören/sehen, rythmische Artistik und sprühende Komik zu genießen, es könnte ja die gute Laune versehentlich überspringen!
Wenn man die engagierten Artisten/innen auf der Bühne sieht und das Glück hatte, sie vier Tage zu begleiten und privat kennenzulernen, weiß man, das von Ausbeutung, gar sexueller Art, oder kolonialer Absicht nicht die Rede sein kann!
Die selbstbewußte, stolze und professionelle Art, mit der die beeindruckenden Künstler sich auf ihrer Tournee präsentieren und der Respekt zwischen den verschiedenen afrikanischen Nationen, der europäischen Crew und den Veranstaltern, sowie die Bereitschaft sich einander zu helfen und füreinander einzustehen ist beispielhaft!
Wer wirft denn da mit Lehm?! Wohl jener, der Rassismus und Sexismus gegen Afrikaner/innen als Daseinsberechtigung braucht...

Von hedu am 03.03.2008 um 18:20

„Das muss ein Ende haben“

.......fordern hingegen Österreicher afrikanischer Abstammung.

Warum nur.........oder ist es vielleicht der Neid weil eure "Brüdern und Schwestern" mit der Wahrheit ein bischen Geld verdienen?


Von Peregrin am 03.03.2008 um 17:18

Bunte Welt

Wenn echte Afrikaner eine Show machen, ist es "kolonialistisch", aber als der in der Gutmenschenszene gut verankerte Herr Heller augenrollende, zaehnebleckende Neger im Leopardenfellschurz herumhuepfen liess, fand natuerlich keiner was dran auszusetzen.

Von Licht der Erkenntnis am 03.03.2008 um 08:39

Kann es sein,

das die afrikanische Volksfront Stimmung gegen die Volksfront für Afrika macht?

Von Gast: Crusader am 03.03.2008 um 08:00

Also...

Mir reichen die Shows in den Parks wo die Afrikaner mit weißen Tütchen jonglieren. Die Beschwerde sollen die "österreichischen Afrikaner" an ihre eigenen Multikultifreunde richten. Zu dieser und der Heller Show finden sich nämlich eh nur die Gutmenschen ein.
Der Rest verzichtet dankend auf die Präsentation....

Antworten Von Gast: tc_t am 03.03.2008 um 08:42

Re: Also...

so ist es... ich wüsste keinen grund, mir das anzuschauen... so gesehen stimmen die vorwürfe sogar...

Von Straker am 03.03.2008 um 05:30

Herr Inou

Soll doch froh über das Plakat sein. Das erspart ihm die halbjährliche Lokaltour um dann zum x-ten male mit dem -rassistische-Türlsteher-lässt-Schwarze-nicht-rein-Artikel- zu nerven.

Von Gast: Tschadie am 02.03.2008 um 20:48

Böse böse Welt !

"Die Kostüme sehen aus wie in der Kolonialzeit"..Ja die AK-47 fehlt! Und zum rest der Debatte GÄÄÄÄHNNNN !

Antworten Von Gast: Phil am 13.05.2008 um 16:08

Sehr geehrte Leser,

kann es sein, dass sich hier ein AUSSCHLIEßLICH WEISSES PUBLIKUM darüber Gedanken macht, dass sich "die Afrikaner mal nicht so anstellen sollen"? SIE fühlen sich also allesammt auf den Schlipps getreten, weil Schwarze Menschen sich nicht mehr degradiert behandelt fühlen wollen? Ist Ihnen schon mal der Gedanke gekommen, dass es vielleicht gar nicht IHRE Aufgabe ist, zu entscheiden welche Kommentare rassistisch beleidigend sind?
Traurig ist das!

Antworten Antworten Von Gast: Maximus am 16.05.2008 um 13:00

Re: Sehr geehrte Leser,

@Phil:
Ein guter Gedanke! Ich hab mich damals ausführlich mit den Artisten darüber unterhalten, und sie waren einstimmig abgeturnt von dem Artikel! Nebenbei, die Kritik hat einen positiven Effect! Wen es wirklich interessiert, soll sich die Show ansehen um siech ein objektives Urteil zu bilden*g* Nach dem Motto "Lieber negative Presse als gar keine"
Ich höre übrigens die Live-CD seit Wochen ein bis zweimal in der Woche und sehe dabei die bunte, lebendige Show vor mir und ich freue mich jedesmal wieder, dabeigewesen zu sein!

 
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