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Terror-Prozess: Polizei verteidigt Lauschangriff

05.03.2008 | 18:16 |  MANFRED SEEH (Die Presse)

Zweiter Tag im Terror-Prozess: Wurde der Computer des Terror-Angeklagten Mohamed M. illegal angezapft? Es müsse sich um einen ¿Trojaner¿ (Spionageprogramm) gehandelt haben.

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WIEN. Zweiter Verhandlungstag im Verfahren gegen das junge Wiener Islamisten-Paar, dem Mitgliedschaft in der „al-Qaida bzw. in anderen (...) radikal-islamischen Terrornetzwerken“ (Anklage) vorgeworfen wird: Die 21-jährige Mona S., die am Montag voll verschleiert im Gerichtsaal erschien und vom Richter deshalb des Saales verwiesen wurde, verzichtet am Mittwoch auf einen neuerlichen Auftritt. Für sie gilt: Solange sie nicht bereit ist, ihr Gesicht unverhüllt zu zeigen, wird in ihrer Abwesenheit weiterverhandelt.

Indessen wird auch an anderer Front gerungen. Waren die polizeilichen Ermittlungsmethoden, die der Terror-Anklage zu Grunde liegen, rechtmäßig? Der 22-jährige Mohamed M. und Mona S. sollen durch Veröffentlichungen von Texten im Internet terroristische Aktivitäten entfaltet haben.

Darüber hinaus sollen sie an der Erstellung eines „Drohvideos“ gegen die deutsche und die österreichische Regierung mitgewirkt haben. Um dies zu dokumentieren hatte die Polizei einen Großen Lauschangriff gegen M. durchgeführt. Beamte des Verfassungsschutzes und der Sondereinheit Observation waren unbemerkt in M.'s Wohnung eingedrungen und hatten ein Programm am PC des Verdächtigen installiert, das den Ermittlern Screenshots („Bildschirmfotos“) im Minutentakt und eine Aufzeichnung der Tastatur-eingaben lieferte. Zusätzlich „verwanzten“ sie die Wohnung, hörten sein Telefon ab und überwachten den Eingang per Video.


Anwalt: Beweise unzulässig

Lennart Binder, Verteidiger des angeklagten Paares, erklärt, es sei eine „Angriffs-Software“ auf dem PC des Angeklagten installiert worden. Es müsse sich um einen „Trojaner“ (Spionageprogramm) gehandelt haben. Und dies sei – noch – unrechtmäßig. Diese Art der Online-Fahndung derzeit Gegenstand politischer Debatten. Laut Binder dürften die „unzulässig gewonnenen“ Beweisergebnisse nicht verwertet werden.

Staatsanwalt Michael Klackl hat den Einsatz illegaler Software bereits am Montag zurückgewiesen („kein Trojaner“) und erläutert am Mittwoch am Rande des Prozesses auf Fragen der „Presse“: Selbst wenn ein „Trojaner“ verwendet worden wäre, sei dies nicht entscheidend. Es komme darauf an, ob man von außen, also etwa per Mail, in das System eindringt. Dies sei nicht passiert, da Beamte mit richterlicher Genehmigung in der Wohnung gewesen seien. Vor allem aber habe man nicht auf gespeicherte Daten gegriffen. Dies wäre illegal gewesen. Zwei Beamte, ein Verfassungsschützer und ein Sonderermittler, sagen als Zeugen, dass M. unter Zwischenschaltung eines Servers (Rechner) 35 Prozent seines Datenverkehrs anonym abgewickelt habe. Es sei erwiesen, dass M. nach Auftauchen des „Drohvideos“ geschrieben habe: „Man fürchtet sich vor der Front, bei Gott, das Video hat etwas bewirkt.“

Außerdem habe M. einen Text in einem Internet-Forum verfasst, der Anschlagspläne auf die Fußball-EM beinhaltet habe. M. beschimpft die Zeugen, als „Marionetten der Amerikaner“, die „auf Zuruf der CIA“ arbeiteten. Der Vater des Mannes bezeichnete die Vorwürfe der Anklage als Witz, die Eltern der 21-Jährigen verteidigten das Festhalten ihrer Tochter an der Verschleierung.

AUF EINEN BLICK

Zwei Ermittler, die in den Zeugenstand gerufen wurden, belasteten am zweiten Tag des Terror-Prozesses gegen ein islamistisches Paar, den Angeklagten Mohamed M. (22). Dieser beschimpfte die Zeugen. Der Prozess wurde unterbrochen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.03.2008)

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15 Kommentare
Prolet
07.03.2008 16:04
0 0

Echt schäbig, sogar harmlose zweifel an der zurechnungsfähigkeit der beklagten wurden von der presse gelöscht

Vom standard war ich so was von angeekelt, weil der einen disput dadurch verhinderte und meinungen sich dadurch verdrehten.

Bei derpresse werden wenigstens alle posts gelöscht.

Schade - es gibt auch andre foren.

phuter
07.03.2008 14:24
0 0

Zensiert die Presse...

Mittlerweile Postings die nur den Status Quo unseres Rechtsstaates einfordern zugunsten dümmlicher fremdenfeindlicher Rülpser? Wie anders soll man es verstehen, dass alle Postings, die die "Schuld" dieses Spinners anzweifeln schnurstracks gestrichen wurden, während das "Hängt ihn Hoher" geblöke der Türkenhasser unangetastet bleibt.

Ratio
06.03.2008 10:40
0 0

Klarer Fall. Wenn es erwiesen ist, dass die beiden schuldig im Sinne der Anklage sind, dann ab in den Arrest.

Wer einen Staat und dessen Bürger bedroht und volljährig ist, also für seine Handlungen und Taten "voll" zu nehmen ist, muß auch die Konsequenzen tragen - in diesem Falle Arrest.
Die Dummheit, die nun ausufert, ist jene, dass man geheime Ermittlungen über die Öffetnlichkeit breit darlegt und so immer wieder einen Schritt hinter möglichen Terroristen sein wird, d.h., dass man erst alle Mittel in die Hand bekommen wird, wenn es um vollbrachte Attentate gehen wird, zu prophylaktischen Maßnahmen wird sich aber niemand mehr getrauen, etwas zu unternehmen, um seinen Job nicht zu riskieren.
Fazit: Die Behörde, die Gewalttaten verhindern soll, soll alle Mittel haben, dies rechtzeitig feststellen zu können und sollte wirklich geheim agieren können. Jeder, der dagegen mault, sollte darüber nachdenken wie das ist, ohne Beine, Arme, was auch immer im Spitalsbett aufwachen zu müssen, da ein Fanatiker eine Bombe erfolgreich zünden konnte.

Gast: Dr. Hir.
05.03.2008 21:50
0 0

Kasperlland Österreich

Bei der Vereitelung von Terroranschlägen ist JEDES MIttel recht, Herr Advocatus diaboli, Dr. Lennart Binder!
Wer bezahlt Sie eigentlich?

Firemage
06.03.2008 00:17
0 0

Re: Kasperlland Österreich

nein...

Antworten Antworten Gast: Gast
06.03.2008 15:35
0 0

Re: Re: Kasperlland Österreich

Ja.

Antworten Gast: Guts
05.03.2008 23:10
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Du meckerst wirklich den Verteidiger an?

Solche wie du wären im Sudan oder in SaudiArabien besser aufgehoben.
Dort müsstest du dich nicht mit lästigen Strafverteidigern herumärgern.


Gast: ASVG-Sklave
05.03.2008 20:18
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Missbehagen über die Prozessführung

Irgendwie stinkt die Sache: Man hat den Eindruck, dass die Schuldfrage daran geknüpft werden soll, ob die behördliche Beweiserbringung (Lauschangriff, Tojaner, Tatstatur-Spionage-Programme, etc.) auf einer gültigen rechtsstaatlichen Grundlage eingeholt („erschlichen“) wurde, anstatt die prinzipielle Frage zu stellen, ob das derart „bewiesene“ Delikt überhaupt einen strafbaren Tatbestand darstellt. Diesbezüglich dürfte auch der Pflichtverteidiger ein richtiger T. sein, wenn er eine solche Diskussion lostritt. Damit unterstellt er bereits seinem Mandant ein strafbares Handeln und glaubt anscheinend im Ernst, dass eine insinuierte Illegalität der Beweismittelbeschaffung die Chancen seines Mandanten erhöhen. Die Kernfrage wäre vielmehr, ob 1.) persönliche Notizen (wie z.B. Tagebucheintragungen,>>> „Selbstgespräche“) überhaupt eine Straftat darstellen können, bzw. 2.) wo die Grenze zwischen einer aktiven Drohung und einer pessimistischen Einschätzung eines möglichen Szenarios sind.

Antworten Gast: Oberkochem
05.03.2008 22:38
0 0

Re: Missbehagen über die Prozessführung

G¿scheiter Kommentar! Das Ganze ist ein Koteau vor unseren Kolonialherren und sonst nix! Die beiden jungen Leute sind doch ganz offensichtlich außer blöd komisch nur komisch blöd. Solchen Leuten den Prozeß zu machen ist eine blanke Verhöhnung des Rechtsstaatlichkeitsprinzipes. Da ticken ein paar ganz offensichtlich zumindest ebenso wenig richtig wie die komischen Angeklagten mit ihrer Mummenschanzmanie. Der Unfug gehört abgedreht, die beiden Dummerln wegen erwiesener Blödheit freigesprochen und Schluß.

Benni
05.03.2008 20:09
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M.'s??

"[...] waren unbemerkt in M.'s Wohnung eingedrungen [...]"

Hat Herr Seeh etwa Apostrophitis?

Benni
05.03.2008 21:25
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Re: M.'s??

Obiger Kommentar soll auf die fehlerhafte Anwendung des Genitiv hinweisen. Der Apostroph ist als überflüssig anzusehen.

Antworten Antworten Gast: Gast
06.03.2008 08:52
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Re: Re: M.'s??

Diese Schreibweise ist auf angelsächsischen Einfluß zurückzuführen. Ein Großteil unserer Bevölkerung scheint nicht (mehr) imstande zu sein Deutsch und Englisch fein säuberlich zu trennen. Etwas weniger Englischunterricht - meist ist der bei uns sowieso minderwertig - und dafür mehr qualitativ hochwertiger Deutschunterricht täte Not! Insbesondere eine umfassende Dialektpflege! Schriftdeutsch ist doch nur das geschriebene Idiom Neutral der vielen deutschen Dialekte. Wer "Schriftdeutsch" im Alltag wirklich zu sprechen versucht, ist eine lächerliche Figur! Allerdings werden wir bald alle lächerliche Figuren sein, wenn unsere Kinder unsere Dialekte nicht mehr ausreichend gut erlernen und im alltäglichen Leben auch unseren althergebrachten Sprachgewohnheiten entsprechend zur Kommunikation gebrauchen werden !!!

Benni
06.03.2008 18:54
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Re: Re: Re: M.'s??

@Gast: Absolut richtig. Nicht einmal ausgebessert wurde es trotz unseren plausiblen Erklärungen. Wurde es in der heutigen Presse auch mit Apostroph abgedruckt?

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Re: Re: Re: Re: M.'s??

"Korrektoren" als Berufssparte wurden weitgehend als unnützer, die Kosten erhöhender Faktor abgeschafft. Es begann mit dem Siegeszug des Computers Ende der achtziger Jahre, als Manuskripte, Programme und anderes bzw. elekronische Datenträger nur noch zum Druck, aber nicht mehr zur Korrektur in Auftrag gegeben wurden.
Mit der sog. "NEUEN RECHTSCHREIBUNG" wurde die wirkliche Rechtschreibung sowieso erledigt. Eigentlich sieht es so aus, jeder wie er will oder kann bzw.oder nicht.

In diesem Zusammenhang wieder einmal LOB an Frau Eva Male!


Firemage
06.03.2008 00:18
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Re: Re: M.'s??

tüchtig. kannst dich wieder hinlegen.

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