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Sichtbare Buddhas, unsichtbare Tempel

10.03.2008 | 18:18 |  JUTTA SOMMERBAUER (Die Presse)

2008 ist für die österreichischen Buddhisten ein Jubiläumsjahr: Seit einem Vierteljahrhundert ist die Religion hierzulande staatlich anerkannt.

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Wien.Wiens bekanntester buddhistisch klingender Ort hat mit Religion nichts zu tun: Die „Buddha Bar“ am Lugeck mit der goldig-glänzenden Buddha-Statue am Eingang. Ist die Bar das Lieblingslokal von Wiens Buddhisten? „Nein, dort war ich noch nie“, antwortet Gerhard Weißgrab lachend. Der Buddha-Kommerz regt den Präsidenten der Buddhistischen Religionsgesellschaft nicht sonderlich auf. Als Buddhist hat man schließlich diese gewisse Gelassenheit.

Seit 25 Jahren ist der Buddhismus in Österreich offiziell als Religionsgemeinschaft anerkannt. Religiöse Orte findet man allerdings trotzdem nicht so leicht in der Bundeshauptstadt: Für die Öffentlichkeit wirklich sichtbar sind nur die Pagode am Handelskai und der 2005 eröffnete buddhistische Friedhof im Zentralfriedhof. In Wien gibt es „sicher 40 bis 50 Tempel“, schätzt Weißgrab. Doch die sind, baulich unauffällig, in Wohnungen untergebracht, höchstens an einem Schild an der Hauswand erkennbar.

Über Proteste gegen Tempel – wie etwa bei Moschee-Projekten – weiß man im Buddhistischen Zentrum nichts. „Wir sind gut akzeptiert“, sagt der Präsident. „Der Buddhismus ist eine friedfertige Religion.“ Nachsatz: „Zumindest gibt es in Europa keine radikalisierte Bewegung.“ Die Zahl der österreichischen Buddhisten ist recht überschaubar – etwa 20.000 dürfte es geben. Ganz genau weiß man das nicht. Die Religion, bei der die persönliche Überzeugung wichtig ist, nimmt es mit dem Einschreiben „nicht so streng“. Sicher ist: Wien ist Österreichs buddhistisches Zentrum. Landesweit besuchen 150 Kinder den Religionsunterricht, 100 von ihnen in Wien.

Plastik-Buddhas, Zen-Massage, Karma-Yoga – vieles, was heute als Buddhismus verkauft wird, hat wenig damit zu tun. Zulauf bringt es. „Viele schauen es sich an“, sagt Weißgrab. Ob sie wirklich Buddhisten werden, steht freilich auf einem anderen Blatt. Schließlich bedeutet die Religion nicht nur Exotik und Entspannung. Sondern vor allem „ernste Arbeit an sich selbst“.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.03.2008)

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