Ausbildung: Wo heimische Polizisten überall drillen

08.04.2008 | 18:12 |  KLAUS STÖGER (Die Presse)

Affäre um heimliche Polizei-Ausbildung für Libyen erschüttert Deutschland. Österreichs Polizei trainiert – offiziell – vor allem osteuropäische Beamte. Spezial-Trainer waren aber auch für irakische Polizei tätig.

WIEN. Die vor einigen Tagen enthüllten Berichte, wonach 2005 und 2006 Polizisten in Libyen still und heimlich Sondereinheiten ausgebildet haben sollen, lässt in Deutschland derzeit die Wogen hochgehen. Insgesamt sollen etwa 30 aktive und frühere Beamte von Sondereinsatzgruppen oder der Anti-Terror-Einheit GSG 9 verwickelt sein. Ob und inwieweit die damalige Regierung von diesen Vorgängen wusste, wird derzeit untersucht. Gegen einige Beamte wurden bereits Disziplinarverfahren eingeleitet. Geprüft wird auch, ob die Beamten geheime Einsatz- und Taktik-Techniken weitergegeben haben.

Österreichische Polizisten sind ebenfalls in vielen Staaten als Ausbildner unterwegs. „Natürlich offiziell“, wie es selbstredend aus dem Innenministerium heißt. Immerhin seien heimische Polizisten „weltweit für ihren Ausbildungsstandard anerkannt“. So waren etwa Spezialtrainer der Polizei im vergangenen Jahr in Jordanien engagiert. Die drei Ausbildner waren in der Außenstelle der irakischen Polizeiakademie in der Nähe von Amman tätig. Dort werden Polizisten auf den gefährlichen Job in ihrer Heimat, dem Irak, vorbereitet. Geschult werden sie unter anderem in Schießen, Selbstverteidigung, Durchsuchen von Häusern und Personen oder allgemeiner Kriminalistik. Als „reine Basisarbeit“ bezeichnete ein österreichischer Ausbildner seine damalige Tätigkeit für die künftigen irakischen Polizisten.


Ausbildung von Grenzpolizisten

„Border Management Central Asia“ nennt sich ein Programm, das vor einigen Jahren in den vier zentralasiatischen Ländern Kirgisistan, Kasachstan, Tadschikistan und Usbekistan angelaufen ist. Auch daran war Österreich federführend beteiligt. Durch eine effiziente Ausbildung von Grenzpolizisten soll dem Drogenschmuggel entlang der Seidenstraße Einhalt geboten werden.

Auf dem Lehrplan standen richtige Überprüfung an den Grenzen, internationale Vernetzung von Informationen, Aufbau gemeinsamer Grenzkontrollstellen und Eindämmung des Drogenschmuggels. Auch die Handhabung von Drogenhunden wurde den zentralasiatischen Beamten beigebracht. Daneben unterstützte Österreich (gemeinsam mit Japan) den Aufbau einer Anti-Drogeneinheitin Afghanistan.

Das Know-how der heimischen Exekutive ist aber vor allem auch in osteuropäischen Staaten gefragt. So besteht seit September 2006 in Albanien ein Projekt im Bereich der Kriminalanalyse. In Kroatien wiederum unterstützen Experten des Bundeskriminalamtes kroatische Ermittler in der Bekämpfung von Geldwäsche und der Terrorismus-Finanzierung. In Albanien, Bosnien und Herzegowina, Bulgarien, Kroatien, Mazedonien, Moldau, Rumänien, Serbien, Monteneground im Kosovo schulen österreichische Polizisten ihre Kollegen in Grenzsicherung, dem Erkennen von falschen Pässen und Visa sowie im Kampf gegen Menschenhandel und organisierte Kriminalität.


Eingebunden in EU-Projekte

Ausgebildet werden aber auch deutsche Beamte, wenngleich dort nicht bei Null begonnen werden muss. Da während der Euro mehr als 800 Polizisten aus Deutschlandin Österreich Dienst versehen werden, bringen heimische Beamte in den nächsten Wochen ihren Kollegen die Philosophie des EM-Einsatzkonzeptes näher.

„Es ist nicht so, dass wir sagen, wir fahren jetzt irgendwo hin und bilden Leute aus. Wir sind in Projekte der EU oder der UNO eingebunden. Der Beschluss dafür kommt vom Ministerrat“, berichtet Rudolf Gollia aus dem Innenministerium.

AUF EINEN BLICK

Wenn österreichische Beamteim Ausland Einheiten trainieren, erfolgt das meist über ein EU- oder UNO-Projekt. Besonders oft steht die heimische Exekutive in Osteuropa im Ausbildungseinsatz. Dort werden in erster Linie Grenzpolizisten geschult. Know-how wurde aber auch in Zentralasien vermittelt. In Afghanistan wurden Drogeneinheiten geschult. In Jordanien waren 2006 und 2007 drei Beamte im Training von irakischen Polizisten tätig.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.04.2008)


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6 Kommentare
 
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Von Gast: ASVG-Sklave am 09.04.2008 um 18:34

Ausbildung: Wo heimische Polizisten überall drillen

Kein Wunder dass Wiens Straßen immer unsicherer werden. Es ist ja keiner von denen da. Sie alle wollen nur groß Spesen machen.

Antworten Von Gast: Wien am 10.04.2008 um 15:41

Re: Ausbildung: Wo heimische Polizisten überall drillen

Wien wird unsicher weil immer mehr asylanten aus Serbien kommen.

Von Gast: moin am 09.04.2008 um 14:33

Anti - Drogen - Einheit in Afghanistan...

...wie interessant. Es wird also den Afghanen beigebracht, was den internationalen im Lande anwesenden Soldaten strengstens untersagt ist. Die dürfen sich nicht einmal mit einem Mohnfeld im Hintergrund ablichten lassen geschweigen eine vorzeitige "Ernte" einleiten und werden bei ihrer Ankunft entsprechend vergattert. Kommt das niemendem etwas bizarr vor?

Von Peregrin am 08.04.2008 um 23:40

geheime Einsatz- und Taktik-Techniken

Worin sollen die denn bestehen? Polizeiausbildung ist in Ausbildungshandbüchern dokumentiert, die man kaufen kann. Daß Verteidigungsschießen dem deutschen Schafsbürger verboten ist, kann das freiere Ausland, zB uns (noch, bis zur EU-"Harmonisierung"), kaltlassen. Daß man sich vor lauter Deeskalieren von erregten Kulturbereicherern auch schon mal umrempeln läßt, steht allerdings nicht im Handbuch. Ist etwa das der nationale Schatz germanischer Geheimtaktik?

Von chilly am 08.04.2008 um 19:50

wo drillen sie denn überall?

genau überall dort wo sie in den 40-ern auch gedrillt haben

Antworten Von Gast: Crusader am 09.04.2008 um 07:08

Re: wo drillen sie denn überall?

Trottel....

 
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