10.02.2010 01:00 | Meine Presse Merkliste0

Graz: Bürgermeister will Handy-Verbot in Öffis

10.04.2008 | 12:55 |   (DiePresse.com)

Siegfried Nagl ist genervt von lauten Klingeltönen und unfreiwillig belauschten Privat-Gesprächen. Das Verbot soll keine Bevormundung sein - man müsse die Menschen vor sich selber schützen, meint Nagl.

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Merken AAA Textgröße Artikel kommentieren Kommentieren

In Grazer Öffis könnte bald ein Handy-Verbot herrschen: Der Grazer Bürgermeister Siegfried Nagl (ÖVP) will in Bus und Bim nicht länger von Klingeltönen und lauten Telefonaten belästigt werden, berichtet die "Kleine Zeitung".

Damit er künftig seine Reise mit den Öffis wieder genießen kann, fordert Nagl jetzt ein Verbot für die Nutzung mobiler Telefone in Bus und Bim. "In Linz soll es ja auch eines geben. Ich will auch in den Fahrzeugen der Grazer Verkehrsbetriebe ein Handy-Verbot durchsetzten", sagt er gegenüber der "Kleinen Zeitung". Als Eigentümer und designierter Aufsichtsratspräsident der Stadtwerke dürfte das kein Problem sein.

Natürlich soll das keine Bevormundung sein, meint Nagl. Man müsse die Menschen eben vor sich selbst schützen. Vergangene Woche hatte eine Stadtwerke -Sprecherin gegenüber der "Kleinen Zeitung" ein Verbot noch ausgeschlossen.

Nagl-Sprecher Thomas Rajakovics bestätigte die Aussagen des Bürgermeisters. "Es sind keine extra Kontrollen und Strafen geplant, es soll nur mittels Pickerl - wie jene, die das Eisessen untersagen - klar gemacht werden, dass telefonieren unerwünscht ist", so Rajakovics, der diese Maßnahmen als "Trägerrakete" für weitergehende Lärmschutz- und Maßnahmen zur Hebung der Lebensqualität sieht.

Sorgen um "jüngeres Publikum"

Die Rückmeldungen seien tendenziell positiv, wenn auch altersmäßig unterschiedlich, so Rajakovics. Gerade um das jüngere Publikum macht sich auch Stadtwerke-Sprecherin Katharina Hofmann-Sewera Sorgen: "Wir haben bisher nicht nichts gemacht, aber eher auf Bewusstseinsbildung gesetzt. Es gibt ja verschiedene Störfaktoren, die individuell unterschiedlich drastisch gesehen werden. Außerdem betreiben auch wir Marketing mit dem Handy und Handynutzer sind auch unsere Zielgruppe."

Dass man sich dem Begehren der Schwarz-grünen Regierung, die gerade dabei ist, auf das kommunale Unternehmen insgesamt stärker unter die Fittiche zu nehmen, nicht verschließen wird können, räumt aber auch Hofmann-Sewera ein: "Wir werden nach Prüfung versuchen, den Wunsch des Eigentümers umzusetzen". Eher skeptisch sind Fahrgastvertreter, die fürchten, dass so ein Asset, das für die Öffi-Nutzung spricht, wegfällt.

(APA/Red.)

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Artikel kommentieren Kommentieren BookmarkBookmarken bei [Was ist das?]

Als Gast kommentieren

...oder einloggen um als registrierter Benutzer zu kommentieren (Vorteile dieser Variante)

*... Pflichtfelder

Sicherheitscode
(Was bringt das?)*


Schwer lesbar?
Neuen Code generieren

Verbleibende Zeichen

54 Kommentare
Gast: Illynia
15.04.2008 09:06
0 0

Hany in Öffis - warum nicht?

Hallo! Erstmal möchte ich anfügen, dass es Menschen gibt, die ihr Handy beruflich nutzen. Da ich täglich 3,5 Stunden mit den Öffis unterwegs bin, 8-10 Stunden Schule habe, einen eigenen Haushalt, so frage ich mich, wann ich dann telefonieren kann/darf. Darf man eigentlich noch mit Kopfhörern mit em Handy Musik hören? Darf ich noch mit meinem Sitznachbarn in der Bim/Bahn sprechen, wenn ja, wie laut? Gibt es eine offizielle Dezibelgrenze dafür? Was mich manchmal aufregt, ist, wenn Jugendliche ohne Kopfhörer Musik laut hören. Da versteh ich ein Verbot. Aber beim Sprechen? Ich lass mir sicher nicht den Mund verbieten (siehe Menschenrechte), sofern diese noch gelten. Was will die Regierung damit erreichen? Wenn man in Lokalen nicht mehr rauchen darf, in Öffis nicht mehr reden? Jeder verkriecht sich dann zuhause und ist somit leichter überschaubar (neue Weltordnung). Außerdem verlieren wir dann die Kontakte nach aussen hin.... Toll für die Regierung! Macht doch mal die Augen auf! EU - NEIN!

Gast: wooda
15.04.2008 09:06
0 0

...

Leider kommt es aber auch immer öfter vor, dass sich alte Bekannte oder gar Freunde in der Straßenbahn über den weg laufen. Dann kommt es meistens zu störenden Begrüßungsritualen, manchmal sogar zum Austausch von Zärtlichkeiten.
Ich fordere daher ein generelles Sprechverbot in allen Öffis sowie an allen öffentlichen Plätzen. Denn wer fühlt sich nicht belästigt, wenn er den übernächsten Sitznachbarn über seinen letzten Abend tratschen hört. Am besten wir verbieten alle Sozialen Kontakte. Dann fühlen sich die Menschen, die nicht wissen mit wem sie reden oder gar wen sie anrufen(!) sollen, vielleicht nicht mehr so benachteiligt!!!

Gast: Michael
11.04.2008 21:14
0 0

arme Grazer

mit einem Bürgermeister Nagl, der in seinem Amt offensichtlich überfordert ist. Einige abgehobene präpotente Politiker maßen sich das Recht an, wie Oberlehrer das Volk zu disziplinieren. Vielleicht sollten die Grazer den Spieß umdrehen und wild gewordene Politiker aus dem Rathaus vertreiben...

Tagame
11.04.2008 17:02
0 0

Andere Länder, andere (Un)Sitten

Mobiltelefone haben heute alle. Wo und wie man sie benutzt bzw. besser NICHT benutzt, weil es z.B. andere stört oder sogar gefährdet (Herzschrittmacher etc.) wissen in zivilisierten Ländern zwar nicht alle, aber doch eine tragfähige Mehrheit. Dort genügen kleine, dezente Hinweise. Sind der Hirn- und Taktlosen aber zu viele, dann braucht es halt den Holzhammer der "Vurschrift" und der Verbote. Wo ist das Problem?

cabron
11.04.2008 15:12
0 0

Noch...

...lästiger sind die Winde die manche p.t. Fahrgäste von sich geben. Was kann man da dagegen tun?

xyz
11.04.2008 08:35
0 0

Schützt uns vor blöden Politikern!

Uns bleibt nichts erspart - der Mann soll sich doch Ohrstöpsel in seine Gehörgänge stecken, wenn ihn seine Umgebung stört. Oder einfach zu Haus bleiben! Er wird keinem abgehen. Wer schützt uns vor blöden Politikern, die nichts anderes können, als uns zu bevormunden? Ein Rauchverbot in Lokalen macht vielleicht noch Sinn, weil Rauchen - angeblich? - schädlich ist (eine Raucherzone würde auch reichen). Ein Handyverbot ist absoluter Blödsinn - wer nicht zuhören will, soll eben weghören! Die Politiker hören ja auch sonst kaum auf ihre Bürger, warum also ausgerechnet hier?

überflüssige verbote sind geistige umweltverschmutzung

wem das alles schon zuviel wird an bevormundung und wer dennoch seinen ärger kultiviert und ohne verbalaggressionen ausdrücken möchte, ist eingeladen, sich an unserer diskussion in unserem kleinen philosophiecafe.at - forum zu beteiligen. ich finde, wir sollten nicht mehr wie die schafe die frechheiten der bevormunder schlucken.

http://34390.forendienst.de/show_messages.php?mid=4778648

Gast: Das Echte Eichkatzerl
11.04.2008 01:33
0 0

Der wahre Geist der ÖVP


Mich überrascht das nicht.

Gast: guest
10.04.2008 19:53
0 0

Interessante Argumentation

"Man müsse die Menschen eben vor sich selbst schützen." - Diese Argumentation ist hervorragend. Man stelle sich nur vor, wo man diese überall anwenden könnte...
Jeder Diktator auf dieser Welt könnte jede seiner Maßnahmen so rechtferitgen (und so mancher tuts wohl auch)

Gast: R2D2
10.04.2008 19:17
0 0

Hat der keine anderen Probleme....

.... als das demokratische Recht der freien Rede in den Öffis außer Kraft zu setzen? Ob sich zwei Menschen in der BIM live oder per Handy unterhalten macht keinen Unterschied. Allen Fahrgästen einen Maulkorb umzuhängen ist keine gute Idee! Wie will Herr Bürgermeister die Einhaltung dieses Verbotes fächendeckend kontrollieren? Falls er es durchsetzt werden ihn die Handybetreiber wegen Geschäftsstörung klagen. So eine Regelung wäre sicher nicht EU-konform!

cabron
10.04.2008 19:10
0 0

Das...

...widerspricht doch dem Ruf nach dem gläsernen Bürger. Wie sollen denn die Platte(n)rbrüder, sollte die Onlinedurchsuchung gekippt werden, an Informationen wie: "Hosd eh¿ scho de Antn in Rohr. Da Burli und i san in 10 Minutn daham, gö?" und ähnliche staatsgefährdende Hausmeistergeschichten, kommen?

miss chief
10.04.2008 18:53
0 0

lily fährt zug

ihr handy klingelt leise, es ist ihre tochter die alleine auf ihren kleinen bruder aufpast. voller panik blickt lily sich um, nur um unter der finsteren miene des handybeauftragten zu erzittern.

'bitte' sagt sie leise, 'es ist meine tochter die alleine mit ihrem kleinen bruder zu hause ist, es könnte wichtig sein !'

'nichts da !' herrscht der handybeauftragte sie lautstark an. 'hier herrscht ruhe, hier wird nicht herumtelefoniert!!!'

lily resigniert und hofft inbrünstlig, dass nix schlimmes ist. aber wieder das handy. eine sms. oh mein gott ! wieder meine tochter!

'georg hat putzmittel getrunken! liegt am boden! hilfe !!!'

mit völlig blanken nerven kriecht lily zum handybeauftragten und fleht ihn an 'ich bitte sie, mein sohn hat vielleicht eine vergiftung, ich MUSS JETZT anrufen!'

'jetzt reichts aber!' donnert der handybeauftragte. 'sie halten sich wohl für besonders gscheit! aber nicht mit mir! hier herrscht ruhe ! verstanden !'

nagel for ruhestand

Gast: Belästiger
10.04.2008 17:57
0 0

Idiotenregelung

Ein weiterer Beweis dafür, daß wir von Volltrotteln regiert werden. Anscheinend werden nur mehr Nieten und Narren in führende politische Positionen gehievt. Wenn diese steirische Dumpfbacke keine anderen Probleme sieht die der Lösung harren, dann gute Nacht Graz!

miss chief
10.04.2008 17:56
0 0

weiters sind folgende maßnahmen geplant

sport ist bis auf weiteres verboten, im anschluss werden den einzelnen bürgern nach einem gesundheitscheck je nach verfassung bis zu 3 sportarten zugewiesen die diese zu den ihnen vom amt genehmigten zeiten ausüben dürfen bzw. müssen

das gleiche gilt für alle jahrgänge ab 1998 auch für die berufswahl. nach einem eignungstest im alter von 10 jahren wird vom amt der schultyp, sowie die weitere berufslaufbahn festgelegt. damit einhergehen wird auch die totale verstaatlichung der industrie, damit diese maßnahme durchgesetzt und damit das wohl der bürger auch langfristig garantiert werden kann.

um die bevölkerung vor der zu erwartenden massiven einwanderung aus den ihre bürger völlig vernachlässigenden regionen des neoliberalen umlands besser schützen zu können, wird mit sofortiger wirkung eine in beide richtungen undurchlässige mauer rund um graz gebaut.


POLEMIKER
10.04.2008 17:27
0 0

Wenn manche Leute ...


... zu deppert sind, um zu begreifen, dass sie mit ihrer Plapperei in den "Öffis" andere belästigen, dann muss man eben zu Verboten greifen!

cabron
10.04.2008 19:15
0 0

Re: Wenn manche Leute ...

Ich zum Beispiel bitte die Telefonierer in den Öffis oft, lauter zu sprechen, weil man im Verkehrslärm nicht immer alles gut versteht.

Antworten Antworten Gast: Kaputtnix
10.04.2008 20:15
0 0

Re: Re: Wenn manche Leute ...

Glänzende Idee, muss ich mir merken :-))

aquilo
10.04.2008 17:16
0 0

Die Sorgen möcht ich haben

Leute, auf nach Graz und dort Bürgermeister werden!
So wenig Sorgen wie dort Bürgermeister haben, ist weltweit einzigartig! Ein echter Ruhejob für Gestresste. Nur Hirn darf man keines haben, sonst wirds aufregend.

TU Student
10.04.2008 17:04
0 0

Grantig Schauen Verbieten

Waer' (besonders in Wien) viel wichtiger!

individual
10.04.2008 16:28
0 0

es hat mich stets verblüfft

worin manche menschen den gravierenden unterschied zwischen einem gespräch 1.) unter real vorhandenen öffi-fahrgästen und 2.) dem telefonat zwischen fahrgast und seinem handy-partner zu erkennen vermeinen:

denn eigentlich machen zb 3 _anwesende_ leuts welche sprechen eher mehr "lärm" als der od die _eine_ person am mobiltelefon... (und leise sprecher oder laute schreier gibts ganz unabhängig von "mit oder ohne techn hilfsmittel" in beiden gruppen).

es gleicht einem versuch die bürgerrechte zu beschneiden u den als unmündig erachteten aber zahlenden fahrgast einer wort-zensur zu unterwerfen ("ihm den mund zu verbieten"). hr nagl wird wohl nicht das rad der zeit zurückdrehen in mobilfunklose zeiten.


andibue
10.04.2008 16:56
0 0

Re: es hat mich stets verblüfft

Es gibt eine Reihe von Studien, die zu dem übereinstimmenden Ergebnis kommen, dass nicht die Lautstärke des Gesprächs als störend empfunden wird (bis zu einer gewissen Grenze zumindest), sondern bei Telefongesprächen vor allem das nur einseitige Mithören.

individual
10.04.2008 22:24
0 0

bei mir verstärkt sich zunehmend der eindruck

dass gewissermassen immer öfter leider der "mensch" sich von seinem "mitmenschen" gestört fühlt...

wenn nämlich ganz normale lebensäusserungen (wozu ich auch das recht mit jemandem am handy in angemessener lautstärke zu parlieren zähle: also _nicht_ jede menge phon bis zur ohramputation [lindenberg ?]) so würde ich sehr-freundlich sagen dass es meinen * sitznachbarn einen feuchten kehricht anginge ob ich nun mit einer für * ihn "virtuellen" person spreche od mit einem selbst in persona anwesenden weiteren passagier.

es gibt auch argumente - wie diese der genannten studie - die dermassen an den haaren herbeigezogen sind dass man davon schon haarwurzelkatarrh kriegt *g*


cuniculus
10.04.2008 18:05
0 0

Re: Re: es hat mich stets verblüfft

Na dann, verpflichtende Freisprecheinrichtungen in Öffis!

pivo_1
10.04.2008 15:48
0 0

Privatgespräch vs. Dienstgespräch

anzunehmenderweise telefonieren nicht nur Privatpersonen sondern auch Geschäftsleute, welche die öffentlichen Verkehrsmittel benutzen. Demnach müßte man zwischen Privatgespräch und geschäftlichem Gespräch differenzieren, oder die Geschäftsleute bleiben ab dem Zeitpunkt der Einführung der allsosehr schwachsinnigen Regelung den öffentlichen Verkehrsmitteln als Kunde fern.

Antworten Gast: N:N
10.04.2008 15:51
0 0

Re: Privatgespräch vs. Dienstgespräch

Auch Geschäftsleute sind Privatpersonen und Sie werdens nicht glauben: Die Gesetze gelten auch für sie

pivo_1
10.04.2008 16:17
0 0

Re: Re: Privatgespräch vs. Dienstgespräch

sie werdens auch nicht glauben, aber die Verkehrsbetriebe werden sich auch ihre Gedanken machen, wenn sie durch solche unausgereiften Regelungen Kunden verlieren werden