Salzburg Hauptbahnhof, 15.48 Uhr, Bahnsteig 12: Die S-Bahn setzt sich in Richtung Golling in Bewegung. An den Fenstern des letzten Waggons weisen außen und innen Piktogramme auf die Ruhezone hin. Leises Sprechen ist erlaubt. Knapp die Hälfte der Sitze ist besetzt. Eine Schülerin greift zum Handy. "Ich schau nur auf die Uhr", sagt sie. Sie sitzt ganz zufällig hier, "weil frei war". Dass es diese Zone gibt, findet sie gut. "Aber ich glaube nicht, dass sich jemand dran hält."
"Gespräche gar nicht notwendig"
Ein 20-jähriger Student der Fachhochschule Urstein vertritt einen "neutralen" Standpunkt. "Mir ist noch nie aufgefallen, dass ich jemanden störe, wenn ich telefoniere. Ich selbst hab mich auch noch nie belästigt gefühlt." Er sitzt wie die meisten der Befragten zufällig in dieser Zone, die für Elisabeth Baumgartner aus Hallein aber zu wenig als solche erkenntlich ist. "Die Pickerl an den Fenstern sind zu unauffällig. Größere Plakate an den Waggon- und Abteiltüren wären für den Fahrgast besser sichtbar."
Da in der S-Bahn Zugbegleiter fehlen, sei das Verbot schwierig zu kontrollieren, meint die Angestellte. Gerade in der Früh beobachte sie immer wieder Schülergruppen, die mit ihren Handys telefonieren. Sie spricht sich aber für eine Beibehaltung der Ruhezonen aus. "Das Handytelefonieren nimmt jetzt schon überhand, viele Gespräche sind ja gar nicht notwendig."
Kurz nach 16.00 Uhr, in der S-Bahn von Salzburg-Parsch in Richtung Hauptbahnhof: Ein Pendler aus Vöcklamarkt hält von dem Projekt gar nichts. "Das führt eher zur Provokation. Gestern haben Jugendliche ihren iPod mit Rapmusik nach einer Beschwerde erst recht laut aufgedreht." Warum er dann in dieser Zone sitzt? "Vielleicht weil es hier etwas ruhiger ist. Aber sinnvoller wäre es, wenn die Metallsitze am Salzburger Hauptbahnhof, die im Winter sehr kalt sind, mit Schaumstoffmatten überzogen werden."
Bisher kein echtes Verbot
Die Bahn ist mit dem bisherigen Verlauf des Pilotprojektes zufrieden. "Einige Fahrgäste meinten, sie hätten wegen des steigenden Lärms schon darauf gewartet", sagt ÖBB-Sprecher Johannes Gfrerer. Vereinzelt wurden Beschwerden über die Missachtung des Verbotes laut. Die Ruhezonen werden deshalb erprobt, weil die ÖBB das Reisen ihren Kunden so angenehm wie möglich gestalten will. Für all jene, die gerne im Zug kommunizieren, werde der Handyempfang verbessert und die Internetverbindung optimiert. Im Prinzip gehe es um ein erträgliches Miteinander, so Gfrerer.
In der Salzburger Lokalbahn und im Stadtbus ist das Telefonieren noch überall erlaubt. Ein Verbot sei nur dann sinnvoll, "wenn die österreichischen Verkehrsunternehmen eine einheitliche Regelung treffen", meinte der Verkehrschef der Salzburg AG, Gunter Mackinger. Er gab zu bedenken, dass die Öffis im Mitwettbewerb zum Pkw stünden - wo das Telefonieren erlaubt sei.
Die Fahrgast-Initiative "ProBahn Österreich" lehnt ein generelles Handyverbot in den Öffis ab. "Es würde dazu führen, dass vor allem junge Leute, aber auch Geschäftsleute von der Bahn ins Auto umsteigen", sagte deren Sprecher Peter Haibach.
(APA)

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