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Auf der Spur der Jugendgewalt: "Kranke Gesellschaft"

25.04.2008 | 13:31 |   (DiePresse.com)

Die Psychologin Elfriede Wegricht bezeichnet Unsicherheit und mangelnde Kommunikation als Wurzeln von Jugendgewalt, aber auch eine "kranke Gesellschaft".

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Eine einzige Ursache für Jugendgewalt gibt es nicht. Der Keim dafür wird aber schon früh in der Kindheit gelegt, ist Pädagogin und Psychologin Elfriede Wegricht überzeugt: Fehlt den Kinder die Familie "als sicherer Ort der Zuflucht, des Rückhalts und der Kommunikation, werden sie unsicher." Was Unsicherheit und Angst erzeugt, macht auch aggressiv. Aussagen wie "der hat mich blöd angeschaut" sind Zeichen der "Sprachlosigkeit" der Jugend. "Es wird interpretiert, aber nicht mehr kommuniziert", sagte die Psychologin.

Soziale Unsicherheit oder eine gewaltorientierte Sprache sind ein weiterer Nährboden. Wenn man sich die Brutalität der Jugendlichen im aktuellen Fall ansieht, müsse man sich immer fragen: "Woher kommt der Jugendliche? Was ist ihm passiert? Wie konnte er einen derartigen Gewaltpegel aufbauen?" All diese Fragen müsse man analysieren. "Ich sage schon, dass unsere Gesellschaft eine kranke Gesellschaft ist. Ich will nicht pessimistisch sein, aber die Werthaltung ist oft eine verrückte", sagte die Psychologin.

Langeweile sei ebenfalls ein wichtiges Thema. "Wenn ich einen Leerlauf habe und mir nichts geboten wird, dann muss diese Fadesse gefüllt werden. Und diese fülle ich mit Blödheit", sagte Wegericht.

Auch die Diskussion um Videoüberwachung in Schulen sei laut Wegricht eine Auswirkung dessen. "Wir versuchen damit ein Symptom zu bekämpfen. Wir geben ein Pflaster auf das Wimmerl, aber die Ursache wird nicht erforscht." Das Ganze komme einem Ausdruck von Hilflosigkeit gleich. "Wir sind alles nur Menschen und manchmal ziemlich überfordert", sagte die Psychologin.

(APA)
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9 Kommentare
Gast: Manuel
15.09.2009 17:33
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kranke Gesellschaft

Hier spricht endlich einmal eine Psychologin die Wahrheit aus! In dem sie sagt: das es sich um eine kranke Gesellschaft handelt, hat sie damit vollkommen recht! Das Problem liegt meiner Aufassung nach, im Werteverfall der Medien und Konsumgesellschaft! Schon der bekannte Psychoanalytiker Erich Fromm, entdeckte dieses Phänomen! Bei genauerer Betrachtung und Beobachtung werden die Symptome meist nur verdrängt, indem laut Fromm das Konsumieren selbst als eine Art von Oppiat wirkt. In dem er sagt:"in der modernen Industriegesellschaft, zählt das haben mehr, als das Sein" Durch diese Habensorientierung wird schlussendlich auch der Mensch verdinglicht, indem der zum "Zahnrädchen" eines toten bzw unlebendigen System wird. In tieferer Betrachtung stellte er sich somit auch die Frage, ob die immer größere Bewunderung von Dingen eine neue Form bzw Ausdrucks von nekrophilen Tendenzen aufzeigt. Selten ist heute zu beobachten, das Menschen noch einen starken bzw. gesunden emotionalen Betug zu anderen Menschn aufbauen können. In der Frage der Jugendkriminalität wird diese deutlich sichtbar. Wo es früher noch Hemmungsschwellen gab, werden diese heute kaum mehr wahrgenommen. Es stellt sich hierbei vielleicht gar nicht die Frage, ob die Gewalt im Allgemeinen zugenommen hat, sondern nach der Intensität wie sie vollzogen wird. Leider läuft vieles falsch in unserer Gesellschaft und dies wird all zu schnell legitimisiert. Ganz richtig: Man überpickt die Symptome, doch geht kaum an die Ursachen!

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Am gewaltitägisten ist heute die Wirtschaft!

Im Prinzip stimme ich jenen zu, die ein ganzes Bündel diverser gesellschaftlicher Entwicklungen und Phänome für die um sich greifende Gewalttätigkeit unter jungen Menschen verantwortlich machen. Ein ganz spezieller Aspekt bleibt dabei freilich bisher weit gehend ausgespart: Die brutale Grundhaltung gegenüber dem Menschen schlechthin in der heutigen global-playenden Wirtschaft! Da werden Existenzen im ganz großen Stil vernichtet, wenn ein Unternehmen seinen Standort wechselt und wie die Arbeitsbedingungen in den asiatischen und lateinamerikanischen Zulieferbetrieben sind, das hat ebenfalls herzlich wenig mit Humanität zu tun...

"Gefragt" ist der heutige Mensch nur noch als verläßlicher Konsument. Als Mitarbeiter ist er ein Kostenfaktor, der möglichst klein gehalten werden soll.

Junge Leute wachsen somit mit der permanenten Megabotschaft auf, daß das menschliche Leben per se keinen besonderen Wert besitzt; wird es vernichtet, ist das auch kein besonderer Beinbruch...


Gast: digitalis
25.04.2008 16:39
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hätte ich in meinem leben

die ratschläge der psychologen befolgt, wäre ich längst schon tot. die sind für die fisch, die psychologen.

Gast: bürgerIn
25.04.2008 16:05
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wozu psychologInnen

wir produzieren horden von psychologInnen, die derartige geistige ausdünstungen produzieren, aber offenbar durch ihr wirken (in schulen, kindergärten, strafanstalten, krankenäusern, auf krankenscheinen, in firmen....) auch keine bessere gesellschaft bewirken. na frau wegricht, wozu sind sie nun also da??? und was verstehen sie unter die "kranke gesellschaft"? die religion der selbstverwirklichung von allen und jeden in unserer gesellschaft produziert offenbar eine "kranke gesellschaft" - dazu fällt der psychologin nichts ein? gegenfrage: wozu noch psychologInnen?

Antworten cabron
25.04.2008 18:53
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Re: wozu psychologInnen

Da etwa 65% aller StudentInnen die dieses Fach belegen selbst psychische Probleme haben und im Zuge der Ausbildung eine kostenfreien Psychoanalyse durchgeführt wird, kann man sich ja vorstellen weshalb eine Unmenge an Psychowapplern diesen Beruf bevölkert und dann in einem Interpretationszwang alles und jedes psychologisiert.

cabron
25.04.2008 15:14
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Treffend!!

"Wenn ich einen Leerlauf habe und mir nichts geboten wird, dann muss diese Fadesse gefüllt werden. Und diese fülle ich mit Blödheit", sagte Wegericht, und schrieb diesen Artikel.

geheimrat
25.04.2008 14:30
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Na diese Psycho-Artisten haben gerade noch gefehlt

Man muss doch Verständnis haben mit den beiden frustrierten Burscherln und ein bissl Toleranz könnte ja auch nicht schaden. Es war ja nur ein leider fehlgeschlagener Kommunikationsversuch der beiden und schuld sind selbstverständlich wir weil wir ja von Grund auf böse sind und den Kulturbereicherern keine Chance geben.
Die Täter sind die Opfer - dazu heben wir die Dame dringend gebraucht.

TOLERANZ = FEIGHEIT

Antworten tomschi
25.04.2008 15:35
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Re: Na diese Psycho-Artisten haben gerade noch gefehlt

Wo lesen Sie das heraus, dass man den Tätern gegenüber tolerant sein sollte? Ist es nicht legitim, darüber nachzudenken, wie es zu dieser Verrohung gekommen ist?

dojon86
25.04.2008 14:07
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Rolle der Medien

Warum thematisiert eigentlich niemand die unheilvolle Rolle der Medien. Wobei das Unterschichtfernsehen gar nicht das schlimmste ist. Man gehe nur einmal in einen x beliebigen Videolanden und sehe sich an, was da geboten wird.