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Graz: Pläne für Drogen-Konsumraum

07.05.2008 | 18:35 |  KLAUS HÖFLER (Die Presse)

Parteien-Streit um Pilotprojekt. Die Stadt Graz zeigt sich gesprächsbereit, aber der Bund legt sich quer.

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GRAZ. Ulf Zeder wundert sich: „Wovor fürchtet man sich“, fragt sich der Suchtkoordinator der Stadt Graz. Zeder hat ein Konzept für eine so genannte „Drogentherapeutische Anlaufstelle“ in Graz erarbeitet, das jetzt vom Drogenkoordinator des Bundes aufgrund der fehlenden rechtlichen Basis abgelehnt wurde. „Der Bund hätte die Möglichkeit gehabt, im Rahmen der Novelle des Suchtmittelgesetzes einen entsprechenden Passus einzubauen“, kontert Zeder. „Aber es wird nicht einmal diskutiert“, ärgert er sich.

Es geht um einen von der öffentlichen Hand betriebenen Konsumraum für Drogensüchtige. 75 derartige Einrichtungen gibt es aktuell in Europa, unter anderem in Deutschland, Spanien, in den Niederlanden und der Schweiz. Die Drogenabhängigen können dort unter medizinischer Aufsicht ihre Suchtmittel zu sich nehmen. Das Projekt, es wäre ein Österreich-weiter Pilotversuch, sollte vorerst ein Jahr laufen und begleitend wissenschaftlich evaluiert werden. Nach Schätzungen gibt es derzeit im Großraum Graz 1500 bis 2000 Süchtige, die sich regelmäßig Drogen per Spritzen injizieren.

Hannes Schwarz, steirischer SPÖ-Landtagsabgeordneter, der einen entsprechenden Antrag für einen Konsumraum im Landtag eingebracht hat, bezeichnet die derzeitige Situation nämlich als „schizophren“: Einerseits würden im bereits existierenden Kontaktladen der Caritas in der Grazer Orpheumgasse jährlich fast 300.000 Spritzen ausgegeben werden, um die hygienischen Bedingungen für die Süchtigen zu verbessern. Andererseits dürften die Spritzen im Kontaktladen selbst aber nicht verwendet werden.

„Damit drängen wir die Betroffenen in öffentliche Toilettenanlagen oder Parks“, warnt Schwarz. Er sieht in einem Konsumraum eine Möglichkeit, Schwerstabhängigen eine Überlebenshilfe zu geben und den Betroffenen den „Einstieg in den Ausstieg zu ermöglichen“, indem parallel niederschwellige Angebote für eine Therapie gemacht werden.

Die steirische ÖVP legt sich gegen derartige Pläne allerdings vehement quer. „Illegales zu legalisieren ist das falsche Signal“, kritisiert VP-Sicherheitssprecher Eduard Hamedl. „Wir schauen zu, wie sich Süchtige illegale Drogen spritzen – das kann nicht der Weg sein“, wettert er. Außerdem seien alle der heuer bisher acht steirischen Drogentoten an einem Missbrauch der Ersatzdroge Substitol gestorben.


Nagl: „Können darüber reden“

Nicht ganz so apodiktische Töne hört man dagegen von Hamedls VP-Kollegen Siegfried Nagl. Der Grazer Bürgermeister will zwar aktuell „nicht über etwas diskutieren, was rechtlich nicht möglich ist“, schließt aber eine entsprechende Einrichtung im Rahmen des von ihm angepeilten drogentherapeutischen Zentrums nicht kategorisch aus: „Sollten Experten meinen, in einem etablierten Zentrum wäre in Kooperation mit Ärzten und Streetworkern eine derartige Ergänzung sinnvoll, können wir darüber reden.“

Eduard Hamedl dagegen kündigt Unterschriftenlisten gegen einen Konsumraum an. „Ich wäre der erste, der per Anzeige ein Einschreiten der Polizei erwirken würde“, kündigt er Widerstand an. Suchtkoordinator Zeder kann da nur den Kopf schütteln: „Wenn man etwas nicht will, wird man immer Gründe finden und alles daran setzen, um etwas verhindern zu können.“

STREIT:Konsumraum versus Drogenambulanz

Politzwist. Im vergangenen Jahr gab es in der Steiermark 18 Drogentote. Heuer waren es bereits acht. Die SPÖ wünscht sich jetzt einen öffentlichen Konsumraum, wo Süchtige unter ärztlicher Aufsicht Drogen nehmen können. Die ÖVP will stattdessen Drogenambulanzen, wo unter Aufsicht Ersatzdrogen abgegeben werden.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.05.2008)

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14 Kommentare
Gast: legal!!!!!!!!!!!!!!
21.06.2009 05:18
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Ganja(marihuana)cannabis

Sehr geeherte Leser!!!!!!

Sollte cannabis nicht innerhalb von 2 jahren legaliesiert werden verlier ich mein vertraun an die Menschheit!!!!!!
Jeder Mensch raucht gern Ganja!!!!!
Man kann sich besser konsentrieren, man kann die magersucht verlieren.
ES IST MEDIZIN positive medizin!!!!

Denk darüber nach!!!!!

Herzlichen dank

mfg. unbekannt


Gast: birnenbob
27.05.2008 14:07
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Frage

Wüsste gerne aus welchem Grund am Anfang dieses Berichtes eine Cannabispflanze abgebildet wird!?
Es geht hier doch um einen Drogen Konsum Raum, oder? Also höchstwahrscheinlich um Heroin?
Kurze Info: Cannabis wird nicht gespritzt!

Gast: anon
11.05.2008 09:22
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Fakten?

Wieso wird eigentlich nie erwähnt, dass nicht das Substitol schuld am Tod ist, sondern die KOMBINATION aus Benzodiazepinen, Alkohol und Opiaten.

Die Kombination von Benzodiazepinen und Alkohol ist mit JEDEM OPIAT gefährlich. Das betrifft Methadon, Subutex und alle Opiate. Die Opfer sterben an Gehirnschwellung.

Das Opiat alleine genommen, in der Dosis die man gewohnt ist, ist nicht gefährlich. Oft vergessen aber manche, die einen Entzug hinter sich haben, dass sie ihre vorige Dosis nicht mehr vertragen und haben eine Überdosis.

Aber dass wird ja nie erwähnt. Immer nur auf Substitution, Sucht und das Substitol schimpfen, ohne wirklich eine Ahnung zu haben.

Würde das Substitol abgeschafft, würden wirklich viele sterben und zwar an Heroinüberdosis, da viele Süchtige dann aus der Substitution aussteigen würden. Bei Heroin weiß man nie wie stark es wirklich ist.

Gast: naja
08.05.2008 20:50
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genau

klingt vielleicht seltsam aber in österreich ist der konsum auf dem papier absolut legal nur praktisch ist es kaum möglich zu konsumieren ohne zuvor zu besitzen!

Teutone
08.05.2008 12:54
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Vielleicht verstehe ich etwas nicht richtig,

aber ich dachte, daß der Konsum und der logischerweise vorhergehende Besitz von Drogen in Österreich strafbar ist.....

Gast: JT 1
08.05.2008 11:13
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Hallo?!

liebe presse, ihr schreibt einen artikel über schwerst süchtige und dass erste was man sieht ist eine mahrijuana pflanze. sehr sehr schlechter journalismus.wär besser ihr würde eine flasche bier abbilden

Gast: busasakalo
08.05.2008 08:57
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busa

na vielleicht werden kiffer nicht erwähnt, weil thc weniger suchtpotential als kaffee hat...

ein produktiverer ansatz wäre doch mal zu erörtern warum leute zu harten drogen greifen, als sie zu schikanieren und an den pranger zu stellen.
sicher nicht aus spass an der selbstzerstörung...
wohl eher aus gesellschaftlichen und politischen versagen heraus.


Gast: naja
07.05.2008 22:16
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falsche information

in dem artikel werden doch mit keinem wort "kiffer" erwähnt, auch wenn, warum auch immer, oben das bild einer hanfpflanze abgebildet ist! hier geht es um schwerst suchtkranke menschen die die hilfe benötigen!

Antworten Gast: lichtamtagfahrer
08.05.2008 00:06
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Re: falsche information

ja, das ist eben politik - die einstiegsdroge wird immer mit marihuana deklariert - die WAHRHEIT IST ABER ALKOHOL- nur der ist halt legal und deshalb wird er in der Öffentlichkeit nicht als DROGE deklariert!

MILCHTRINKHALLE!


Das waren noch Zeiten, als die Sozialdemokraten

gegen Drogen - damals war es der Alkohol - zu Felde zogen und z.B. Milchtrinkhallen unterstützten! Heute sympathisieren sie mit der Drogensucht! Ein Abstieg, wie er nicht größer sein könnte!

Gast: Patient
07.05.2008 20:53
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Kranker Mann an der Mur

Jaja für die Kiffer ist immer genug Geld vorhanden merkwürdige Drogenbeauftragte haben eien gut bezahlten job, nur für die wirklich Kranken werden die Leistungen immer weiter reduziert! Das nennt man dann Sozialstaat.

Antworten Gast: AustroChinese
08.05.2008 03:12
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Re: Kranker Mann an der Mur

Bitte lesen Sie den Text aufmerksam und informieren Sie sich ueber Drogen!

Wie kommen Sie bitte zu dem Schluss das fuer "Kiffer" (Cannabiskonsumenten) immer genuegend Geld vorhanden ist?!
Und, was sagen Sie dann zu den Kosten die durch den legalen Konsum der Droge Alkohol entstehen???

Wie in dem Artikel klar dargestellt (leider ist das Titelbild denkbar schlecht gewaehlt und irrefuehrend) geht es hier um Schwerstsuechtige Personen und harte Drogen --> Spritzen, Heroin, Substitol,...
Was es der Gesellschaft bringen soll, wenn diese Personen in die Illegalitaet gedraengt werden verstehe ich nicht?!. Warum behandeln wir sie nicht als das was sie sind - naemlich Schwerstkranke.

Damit wird auch ein weiterer Beitrag zur Entmystifizierung von harten Drogen geleistet!


Gut gebrüllt, Löwe!