Am Donnerstagabend ist der 39-jährige Mann, der fünf Familienmitglieder in Wien und Oberösterreich mit einer Axt erschlagen haben soll, ins Wiener Landesgericht überstellt worden. Der Fünffachmord war keine Kurzschluss-Aktion. Der mutmaßliche Täter hat bereits im April mit dem Gedanken gespielt, seine Familie zu töten. Den endgültigen Entschluss, die Bluttat durchzuführen, habe er am Freitag, 9. Mai, gefasst, berichtete Thomas Stecher von der Kriminaldirektion 1 am Donnerstag in Wien. "Ein so redseliges Vis-à-vis hat man selten", sagte Stecher.
Bereits am besagten Freitag schaute sich der 39-Jährige auf der Wiener Mariahilferstraße nach einer Tatwaffe um. Die Wahl zwischen einer Axt und einem Messer fiel schließlich auf die rund 40 Zentimeter lange Axt, die er am Tag darauf kaufte. Österreichische Medien berichten von einer zweiten Tatwaffe, einer Säge. Polizei und Staatsanwaltschaft wollten dies nicht bestätigen. Am Samstag mietete sich der 39-Jährige auch ein Auto. Das habe er des Öfteren getan, um seine Verwandten in Oberösterreich zu besuchen, so der Ermittler. Der 39-Jährige besitzt selbst kein Fahrzeug.
Frau krankgemeldet
Als am Dienstag für ihn die Gelegenheit "günstig" erschien, schlug er mit der Axt auf seine Frau ein, danach brachte er seine Tochter um. Nachdem die beiden tot waren, rief er noch beim Arbeitgeber seiner Frau an, um sie krankzumelden. Außerdem verlängerte er den Vertrag für das Leihauto um einen Tag. Danach legte der 39-Jährige seine blutverschmierte Kleidung ab, im neuen Gewand fuhr er daraufhin nach Ansfelden und Linz, um die drei weiteren Verwandten umzubringen.
Nach dem Mord an seinen Eltern schrieb der 39-Jährige drei Briefe mit Erklärungen und Entschuldigungen: einen an seine Geschwister, einen an seine Opfer und einen "nebulösen an eine Behörde", so Stecher. Dann fuhr er nach Linz. Weil sein Schwiegervater noch nicht zu Hause war, machte der mutmaßliche Täter noch einen Spaziergang.
Als der 80-Jährige heim kam, unterhielten sich die beiden noch in der Küche, bevor Reinhard St. schließlich wieder zur Axt griff, berichtete Stecher. Der Verdächtige verfasste noch einen vierten Brief an den Sohn seines Schwiegervaters und fuhr nach Wien zurück. Dort machte er erneut einen Spaziergang, bevor er sich stellte. Der Verdächtige hatte zwar an Selbstmord gedacht, es fehlte ihm aber der Mut. Er gilt weiter als selbstmordgefährdet.
Erschöpft und erleichtert
Bei den Einvernahmen wirkte der 39-Jährige "sehr souverän und sachlich", erklärte Stecher. "Er ist nach wie vor der Meinung, richtig gehandelt zu haben. Nach den Taten habe er sich erschöpft und erleichtert gefühlt." Der Verteidiger des mutmaßlichen Fünffach-Mörders beschrieb den Gemütszustand wie folgt: "Er bereut uns ist innerlich gebrochen".
Um abzuklären, ob der 39-Jährige im Tatzeitraum zurechnungsfähig war und damit schuldfähig ist, wird die Anklagebehörde einen psychiatrischen Sachverständigen beiziehen. Eine erste Untersuchung soll schon in der kommenden Woche stattfinden.
(APA/Red.)

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