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Oberösterreich: Käfig für Problem-Schülerin

03.06.2008 | 18:43 |  JUTTA SOMMERBAUER (Die Presse)

Der Holzverschlag, in den in der Sonderschule Hartheim ein behindertes Mädchen gesperrt werden sollte, wurde allerdings vor der Verwendung wieder abgebaut. Schuldirektor Karl Schmidhuber verteidigt den Holzverschlag als „Auszeitraum“.

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Wien/Linz. In der Sonderschule Hartheim sollte ein behindertes Mädchen bei aggressiven Anfällen in einen Holzverschlag am Schulgang gesperrt werden. Auf Anordnung des Bezirkschulinspektors Karl Eckmayr wurde der vier Quadratmeter große Käfig vor seiner Nutzung aber wieder entfernt.

Schuldirektor Karl Schmidhuber verteidigt den Holzverschlag als „Auszeitraum“. Es gäbe Krisensituationen, in denen die 14-Jährige sehr aggressiv gegen Betreuer, Mitschüler und sich selbst vorgehe, sagte Schmidhuber der „Presse“. Ihm sei „bewusst, dass Anhalten problematisch ist“. Das Mädchen könne so aber die Schule besuchen. Er habe den zuständigen Bezirksschulinspektor Karl Eckmayr Ende Mai über den geplanten Bau informiert. Dieser gab gegenüber der „Presse“ an, erst gestern von dem Käfig erfahren und seinen sofortigen Abbau angeordnet zu haben.

In der Behinderteneinrichtung Institut Hartheim, in der die 14-Jährige lebt, gibt es ebenfalls einen „Time-Out-Raum“. Seine (kurzfristige) Verwendung ist – anders als in der Schule – behördlich geregelt. Schulinspektor Eckmayr will nun feststellen lassen, ob das „problematische Kind“ noch „beschulbar“ ist. Denn die Schule – Eckmayr bezeichnete sie sonst als „ausgezeichnet“ – sei offensichtlich „an ihre Grenzen“ gelangt. Schmidhuber sieht den Schulbesuch des Mädchens – aufgrund des nun fehlenden Krisen-Käfigs – als beendet an.

Hartheim gilt als Symbol für die Euthanasie-Politik der Nazis. Fast 30.000 Behinderte wurden hier in den 40er-Jahren ermordet.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.06.2008)

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11 Kommentare
Gast: lila
04.06.2008 13:46
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?

wie kommen sie eigentlich dazu einen gitterkäfig neben diesen artikel zu setzen? wurde dieser in der schule vorgefunden? wohl kaum!

Gast: time in
04.06.2008 13:22
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So unterschiedlich reagieren die Medien.

Während die Presse und der Kurier deutlich durchklingen lassen, was von solchen perversen Methoden zu halten ist, übt sich der Standard in vornehmer Zurückhaltung. Der Kurier hat sogar einen höchst effektiven Schüleranwalt installiert und ruft die Ministerin hörbar dazu auf, endlich die Rechtsgrundlagen zu überprüfen, damit ein Einschreiten der Behörden nicht mehr nur von Zufällen abhängig bleibt. Aber die Dame hört gerade schlecht, weil man ihr andauernd etwas von objektiven Leistungstests an Schülern ins Ohr bläst, damit nur ja nichts anderes überprüft werden kann.

tier
04.06.2008 12:35
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Kratzen und beißen

Anderenortes war zu lesen, daß die aggresiven Anfälle der lieben Sandra in "Kratzen" und "Beißen" bestehen. Opfer sind sowohl Lehrer als auch Mitschüler, die neben dem Schmerz auch fleißig Antibiotika gegen Infektionen schlucken müssen.

Es ist menschenrechtswidrig, so etwas ohne Gegenwehr
ertragen zu müssen.

Die Interessen der lieben Sandra müssen daher hintanstehen.

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Re: Kratzen und beißen

das mag sein, aber deswegen darf man sie trotzdem nicht in einen holzverschlag sperren

Re: Re: Kratzen und beißen

Wie würden Sie vorgehen? Ich sehe mit Interesse Ihren Lösungsvorschlägen entgegen!

Mit derselben Problematik sehen sich täglich Spitäler und Pflegeheime konfrontiert. Was tun mit verwirrten, aggressiven Patienten?

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Re: Re: Re: Kratzen und beißen

wahrscheinlich werden sie mir jetzt vorwerfen, das wäre nicht humaner, aber ich würde entweder behandeln mit sedativa oder versuchen, die ursache der aggression zu finden

viele menschen in pflegeheimen etwa sind aggressiv, weil sie angst haben aufgrund ihrer orientierungslosigkeit - es kann zb helfen, bewusst die validationstechniken anzuwenden und familienorientierte pflege zu betreiben, wodurch sich der patient besser entspannen kann

im übrigen bin ich mir der problematik sehr wohl bewusst und speziell gegen oben genannten holzverschlag - das heißt nicht, dass ich es nicht befürworten würde, einen geeigneten raum einzurichten, um die anderen vor dem kind zu schützen

Re: Re: Re: Re: Kratzen und beißen

.....also doch Zwangsbehandlung und Niederspritzen als Ausweg? Ist das rechtskonform und mit Menschenwürde und Menschenrechten vereinbar? Das Dilemma ist in der Praxis oft nicht lösbar.

Und wer den Dir. Schmidhuber jetzt verurteilt, soll sich zuerst selber hinstellen und vorzeigen, wie er es besser macht!

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Re: Re: Re: Re: Re: Kratzen und beißen

dass man jemandem, der keine kontrolle über sich hat, nciht gestatten kann, andere zu verletzen, ist klar - und es wird wohl kaum etwas humaneres geben als med behandlung und bestmögliche pflege

den schulbesuch ermöglichen zu wollen, ist von dem dir auch ein guter gedanke, aber mE hat ein timeout-raum nicht ein holzverschlag zu sein

harbard
04.06.2008 09:53
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Hartheim

...die "presse" macht sichs leicht!
...bemerkungen zur vergangenheit von hartheim werden einfach zensuriert!
...nichts hören, nichts sehen, nichts sagen!
...und nichts veröffentlichen, was unangenehm wäre!
...was ist mit der rede- und pressefreiheit???

Gast: ichmachmirgedanken
04.06.2008 07:05
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Grenzen von Beschulbarkeit

Die Initiative des Direktors ist nicht zu verachten, denn er suchte eine Lösung für Notfälle, die der geistig Behinderten eine bekannte war - ein Ort der Reizschutz und Rückzugsmöglichkeit IN der Schule bot.
Leider werden nicht mehr solcher Fälle von Belastbarkeitsbegrenzungen in der Schule bekannt.

Antworten Gast: hge
04.06.2008 08:50
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Re: Grenzen von Beschulbarkeit

Der letzte Absatz des Artikels ist tendenziös bzw. suggestiv. Ansonsten hat man schon den Eindruck, dass der Direktor eben eine Lösung für ein -wahrscheinlich unlösbares- Problem gesucht hat. Ich bitte hiermit sämtliche Kreativen, in diesem Forum Lösungsvorschläge einzubringen, damit dem Kind UND der Schule geholfen werden kann!