Wien. Zwischen 30.000 und 35.000 Frauen sollen in Österreich pro Jahr eine Schwangerschaft abbrechen lassen. Valide Zahlen gibt es nicht, da Abtreibungen nicht meldepflichtig sind. Aufzeichnungen gibt es nur in den einzelnen Institutionen. Etwa beim pro:woman-Ambulatorium am Fleischmarkt.
Dort schlägt man nun medienwirksam Alarm: Während die absolute Zahl der Abbrüche seit 2005 konstant ist, hat sich der Anteil der 14- bis 19-Jährigen verdreifacht („Die Presse“ berichtete im April).
Michael Elnekheli, Obmann des Berufsverbands der Gynäkologen warnt jedoch, die Zahlen aus einer auf Abbrüche spezialisierten Institution auf Österreich zu übertragen. Der Anstieg in der pro:woman-Statistik könne mit zunehmendem „Abtreibungstourismus“ aus den Bundesländern zu tun haben. Und damit, dass gerade Teenager oft erst kurz vor Ablauf der Drei-Monate-Frist abtreiben. „Sie versuchen lange, die Schwangerschaft zu verdrängen.“ Hier wünscht sich Elnekheli externe Beratung durch eine spezielle Stelle wie „Babydoll“ für Teenager-Mütter in einem Wiener Spital.
Beratung? Ja, aber
Die Erzdiözese Wien hat bisher darauf bestanden, dass immer ein anderer Arzt die Beratung übernimmt als der, der den Abbruch durchführt (und daran verdient). Jetzt scheint es ein Umdenken zu geben. „Die medizinische Beratung trauen wir auch dem Arzt zu, der abbricht“, sagt Stephanie Merckens, Lebensschutzbeauftragte der Erzdiözese Wien. Aber nur, wenn er verpflichtet ist, auf Beratungsangebote hinzuweisen. Und: Es müsse eine dreitägige Frist zwischen Erstgespräch und Schwangerschaftsabbruch geben.
Laut Elnekheli ist beides schon Realität. Denn: „In der Regel stellt ein Gynäkologe die Schwangerschaft fest, die Abtreibung erfolgt anderswo.“ Und die Wartefrist? „So rasch gibt es in der Regel gar keinen Termin.“ Kommentar Seite 47
("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.06.2008)

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