Türken: Kurden klagen über Angriffe

27.06.2008 | 19:08 |  ERICH KOCINA (Die Presse)

Nationalistische Fans sollen bei EM-Feiern Kurden-Lokale attackiert haben – die Polizei dementiert.

WIEN. Fußball als Vorwand für Nationalismus – diesen Vorwurf erheben nun Kurdenvertreter. In einer Aussendung klagen Vertreter von Feykom, dem Verband der Kurdischen Vereine in Österreich, über Angriffe auf kurdische Einrichtungen. So soll unter anderem vor dem Spiel der Türkei gegen Deutschland ein kurdischer Verein in Linz attackiert worden sein.

„Vor dem Spiel haben sich 50 bis 70 Leute zusammengetan, sind mit den Autos vorgefahren und haben Parolen wie ,Die Türkei gehört den Türken‘ skandiert“, sagt Feykom-Vorstandsmitglied Ender Karadas im Gespräch mit der „Presse“. Dann sei das Vereinslokal mit Steinen beworfen und ein Kurde verprügelt worden – er soll ins Krankenhaus eingeliefert worden sein. Als die Exekutive einschritt, seien die Türken wieder weggefahren. Laut der Aussendung der Kurden sei es zu drei Festnahmen gekommen.


„Autokorso ja, Vorfall nein“

Die Version der Linzer Polizei klingt allerdings viel weniger dramatisch: „Die Türken sind natürlich am Lokal vorbeigefahren, ein ganzer Autokorso“, sagt Polizeijuristin Bettina Kreuzhuber. Doch habe es keinen Vorfall gegeben, bei dem die Exekutive hätte einschreiten müssen. „Natürlich haben wir im Vorfeld überlegt, was passieren könnte“, so Kreuzhuber, „und haben deshalb direkt vor dem kurdischen Verein einen ganzen Einsatzzug positioniert.“

Kleinere Rangeleien habe man beobachtet, doch sei es entgegen der Aussendung der Kurden zu keinerlei Festnahmen gekommen, so Kreuzhuber. Auch, dass ein Verletzter im Krankenhaus behandelt worden sei, zweifelt die Polizeijuristin an – in einem solchen Fall hätte es eine Anzeige geben und die Polizei informiert werden müssen.

Nicht ganz außer Acht lassen darf man bei derartigen Vorfällen, dass Kurden auf türkischen Nationalismus besonders sensibel reagieren. „Es gibt die Befürchtung, dass in Ländern, die sich ohnehin schon durch einen starken Nationalismus auszeichnen, der Fußball noch für eine weitere Steigerung sorgt“, sagt Migrationsexperte Kenan Güngör. Und gerade Kurden würden hier häufig Ziele von Angriffen und deswegen große Befürchtungen hegen.

Und dass die Türken für Nationalismus besonders anfällig sind, ist auch kein allzu großes Geheimnis – auch, wenn sie gar nicht mehr in der Türkei sondern etwa in Österreich und Deutschland leben. Der deutsche Islamwissenschaftler Udo Steinbach, der für einen Vortrag am Samstag in Wien ist, sieht in der Verherrlichung des Türkentums, wie sie von vielen Organisationen gepredigt wird, sogar eine große Gefahr für die Integration (s. Interview rechts) – auch abseits sportlicher Großereignisse werde die türkische Fahne immer wieder geschwungen.


Sympathiebonus durch EM

Türkisch-nationalistische Kreise haben aber im Verlauf der Fußball-EM ohnehin nur eine geringe Rolle gespielt. Im Vordergrund standen friedliche Feiern, die den Türken sogar massive Sympathien in der Bevölkerung eingebracht haben. Die Polizei musste nur in einigen wenigen Fällen einschreiten, von den befürchteten Ausschreitungen war keine Spur.

Experten wie Hikmet Kayahan, Obmann des europäischen Anti-Rassismusnetzwerks, sehen es jedenfalls als positiv, dass der Diskurs über die Türken sich von Schlagworten wie Kopftuch, Minaretten oder Frauenrechten entfernt habe. Ob der Sympathiebonus, den die türkische Minderheit in Österreich durch die Fußball-EM bekommen hat, allerdings nachhaltig wirke, müsse sich erst zeigen.

Auf einen Blick

Angriffe auf kurdische Lokale soll es laut dem Dachverband der kurdischen Vereine bei den EM-Feiern der Türken gegeben haben. Laut Polizei habe es jedoch keine Festnahmen gegeben, so wie auch keine Verletzten.

Sympathie: Experten glauben, dass die friedlich feiernden Türken in der Bevölkerung Sympathien erworben haben.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.06.2008)


Artikel versendenVersenden | Artikel DruckenDrucken | AAA Schriftgröße

Bookmarken bei [?]: WebnewsDiese Seite zu Mister Wong hinzufügen

16 Kommentare
 
1
 
Von harbard am 30.06.2008 um 11:08

Autokorso

...ist doch nicht so schlimm, denn daraus erkennt man:
...die "integrierten" haben eben eine andere mentalität!
...nachahmenswert nur für österreichische multikulti-fans!
...vielleicht wird "kurdenklopfen" bei uns modesport!?!

Von Gast: NO am 29.06.2008 um 09:56

Nix Sympathien!

...."Im Vordergrund standen friedliche Feiern, die den Türken sogar massive Sympathien in der Bevölkerung eingebracht haben.".....
Würde mich interessieren wo das passiert ist....Sympatjoe-Welle??? Alleine schon wenn ich die Fahnen und Huperei der, inder 3. Generation "integrierten" Kulturberreicherer höre und sehe überkommt mich dann doch ein ganz anderer Gedanke!!!! Diese Interpretation im obigen Artikel nennt man wohl Pressefreiheit!

Von stefania am 29.06.2008 um 08:02

Pressefreiheit

ein kleines Video.

http://youtube.com/watch?v=mQ8542fEpBA

Also , seien wir nicht zu hart mit der "Presse"

Von Bernhard v Clairvaux am 28.06.2008 um 23:26

türken und sympathie -

das ist wie ein 7beiniger elefant - gibt's ned.

Von luis am 28.06.2008 um 22:30

selbst ämter dürfen nicht mehr die wahrheit sagen,

damit die multikulti - gesellschaft keine rückschläge erleidet!

als oesterreicher darfst du keine meinung mehr haben, sonst droht sofort die nazi-keule.
die "neuoesterreicher" dürfen sich jedoch über alles hinwegsetzen, sind es doch die neuen bürger oesterreichs und deren wünschen ist umgehend nachzukommen - basta!!

gute nacht oesterreich!!

Von koko am 28.06.2008 um 16:31

Wer´s glaubt.........

Was nicht sein darf, findet (offiziell) auch nicht statt. Je nach politischem Erfordernis werden Informationen gefiltert, weitergegeben oder auch zurückgehalten. Jetzt soll eben eine Sypathiewelle herbeigeschrieben werden (die es real nicht gibt). Da passen agressive Übergriffe nicht ins Bild. Sympathie gabs bestenfalls für die türkischen Fussballspieler, weil die beherzt gekämpft haben. Das wars aber auch schon.

Von helfrich am 28.06.2008 um 13:45

kein Unterschied

der Ordnung halber muß festgestellt werden, daß alle Fußballfans, egal welcher Nation, gewaltig nerven, wenn sie grölend und brüllend durch die Strassen ziehen. Das hat mit normalen Lärmpegel nichts zu tun. Aber kein Wunder hat die vereinte Presse doch dafür gesorgt, das Massenhysterie als normatives Verhalten zu gelten hat.

Von speibenderregenbogen am 28.06.2008 um 13:00

welcher sympathiebonus bitte?

mit lauten autokorsos, randalen, schreierei, knallkörpern, und das alles bis in die frühen morgenstunden,um hunderttausenden den schlaf zu rauben, schafft an sich sympathie?
ich bin mit den türken jedenfalls durch. ich brauch keinen einzigen mehr. (ich hab ja schon bisher keinen gebraucht.)

ist die presse jetzt auch schon auf den pc-kurs aufgesprungen? wird sich nicht gerade positiv auf die auflagenstärke auswirken...

Von Gast: Crusader am 28.06.2008 um 07:58

Hier werden nur Multikultikommentare veröffentlicht - der Rest Zensur...lächerlich in einem freien Land...


Antworten Von Gast: Gast aus Deutschland am 14.08.2008 um 22:28

Re: Hier werden nur Multikultikommentare veröffentlicht - der Rest Zensur...lächerlich in einem freien Land...

Crusader und der Rest der rechten Sippe werden mit der Zeit echt lästig, armes Österreich ja ja ja...............Meine Güte es könnte nicht schwachsinniger sein, aber jede Gesellschaft braucht ihren Abschaum.

Antworten Von koko am 28.06.2008 um 16:38

Re: Hier werden nur Multikultikommentare veröffentlicht - der Rest Zensur...lächerlich in einem freien Land...

Lieber Crusader, sie unterliegen einem Irrtum. Dies ist kein freies Land. Lesen sie mal "1984" von George Orwell. Sie werden verblüffende Parallelen finden.

Antworten Von Gast: gast am 28.06.2008 um 13:29

Oje, armer Crüsader

Uns kommen gleich die Tränen ...

Antworten Antworten Von Gast: Crusader am 29.06.2008 um 09:58

Re: Oje, armer Crüsader

Die kommen euch erst später... :)

Von Paige am 28.06.2008 um 07:01

Dieser Artikel ist auch wieder hingeschummelt

Sie haben von den Österreichern durch ihr Verhalten bei der EM nun einen Sympathiebonus?

Von Gast: querulant am 28.06.2008 um 06:40

da sieht man wie die Politik mittlerweile schon jedes Wachzimmer dominiert

es darf halt nur sein was die Politiker erlauben, Tierschützer einsperren, einen Fuchs Komplizen suchen, je absurder um so besser, 500000 Türken 600000 Ex Jugos ein großes Wählerpotiental, einfachst politisch zu lenken da
sieht man und hört man nichts und etliche Beamte der verängerte Arm erfüllen halt die Politikerwünsche.

Von Insider am 27.06.2008 um 22:53

Was stimmt?

Wurden die Kurden von den Türken angegriffen oder nicht? Sollten Polizeikreise derlei Fragen nicht ehrlich beantworten, wäre es der österreichischen Bevölkerung gegenüber äußerst unfair. Wenn nationalistische Türken in Österreich bei jeder sich bietenden Gelegenheit türkische Fahnen schwingen, dann sind sie nicht integriert und sollten sich Richtung Türkei verabschieden. Diese gehört doch den Türken wie sie selbst sagen. Dort können sie ihre Streitereien mit den Kurden austragen. Österreich aber tunlichst verschonen. Welche Experten sind das, die meinen, dass die friedlich feiernden Türken in der Bevölkerung Sympathien erworben haben? Es gibt genug Österreicher, welchen sie massiv auf die Nerven gingen. Autokonvois, Hupkonzerte, Schrei- und Pfeifaktionen bis in die frühen Morgenstunden sind ganz und gar nicht nach unserem dem Geschmack.

 
1