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Wiener Linien: Aus für Endlosschleife am Ring

02.07.2008 | 20:19 |   (Die Presse)

Die Straßenbahnlinien 1 und 2 werden über neue Routen geführt und lösen J, N und 65 ab. Eine Runde mit der Bim um den Ring gibt es nur mehr zu besonderen Anlässen. Der D-Wagen wird zur Linie 3.

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WIEN (eko). Nicht mehr dumm im Kreis herumfahren – diesen legendären Spruch, mit dem Niki Lauda einst seinen Abschied vom Rennsport ankündigte, haben sich nun auch die Wiener Linien zu Herzen genommen: Die Straßenbahnlinien 1 und 2 werden ab 26. Oktober nicht mehr als Rundlinien um die Ringstraße geführt. Ein neues Konzept, das am Mittwoch vorgestellt wurde, sieht vor, dass die beiden Linien zu sogenannten Durchgangslinien werden, die von einem Stadtteil über das Zentrum in einen anderen Stadtteil führen.


Der „Einser“ fährt dann vom Stefan-Fadinger-Platz in Favoriten über die Wiedner Hauptstraße zur Oper – wie jetzt die Linie 65 –, am Ring im Uhrzeigersinn zum Schwedenplatz und schließlich – wie jetzt der N-Wagen – über den dritten Bezirk bis zur Prater Hauptallee. Für 65 und N bedeutet das das Ende, sie werden mit Übernahme des neuen Routenkonzepts eingestellt. Auch die Linie J wird es mit Übernahme des Winterfahrplans nicht mehr geben. Die Strecke von der Ottakringer Straße zum Ring wird dann von der Linie 2 befahren, die dann den Ring gegen den Uhrzeigersinn befährt und am Schwedenplatz in die Taborstraße einbiegt. Dort übernimmt der „Zweier“ die N-Route bis zum Friedrich-Engels-Platz.

 

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„Die Intervalle werden gleich dicht wie bisher sein“, verspricht Wiener Linien-Geschäftsführer Günter Steinbauer. Gleichzeitig werden die Betriebszeiten verlängert – auf der Josefstädter Straße soll man dann bis etwa 0.30 Uhr eine Straßenbahn erwischen, heute ist es gegen 23.30 schon vorbei. Einen weiteren Vorteil sieht er darin, dass mit der neuen Linienführung die vier U-Bahn-Linien U1, U2, U3 und U4 miteinander verbunden sind, ohne dass die Fahrgäste dazwischen umsteigen müssen. So wie auch generell weniger Umsteigevorgänge notwendig sein würden.


Und schließlich bedeutet die neue Linienführung auch ein Ende für die Stehzeiten am Ring. Bisher mussten die Ringlinien am Schottenring bzw. am Stubentor sogenannte Ausgleichszeiten einhalten, weil sie durch die Rundführung keine Endstationen haben. Diese Unterbrechungen fallen für den Fahrgast beim neuen System weg. All diese Vorteile sollen dafür sorgen, dass noch mehr Menschen das Straßenbahnnetz nutzen – man rechnet mit 700.000 zusätzlichen Fahrgästen pro Jahr.


Ein Vergnügen, das sogar in Reiseführern angeführt wird, hat aber ausgedient – die Sightseeing-Runde um den Ring ist in der bisherigen Form nicht mehr möglich. Wer die Innenstadt in Zukunft umrunden und die Bauten der Ringstraße aus dem Fenster fotografieren will, muss künftig einmal umsteigen. Allerdings, so die Verantwortlichen, würden ohnehin nur wenige diese Rundfahrten wirklich machen. Und für all jene, die nicht darauf verzichten wollen, werden Sonderfahrten um die Ringstraße möglich sein – zu bestimmten Anlässen, so das Versprechen. Wiens Tourismusdirektor Norbert Kettner sieht die Änderungen jedenfalls positiv – immerhin sei dadurch auch das Hundertwasserhaus ohne Umsteigen vom Ring aus erreichbar. Außerdem, so meinen die Wiener Linien, sei ja auch der Wasserturm in Favoriten, der auf der Linie 1 liegt, „architektonisch hochinteressant“.

 

Aus für den 71er


Mit der neuen Linienführung von 1 und 2 ist das Konzept aber noch nicht beendet. Künftig sollen alle Durchgangslinien, die um das Zentrum fahren, mit einer Ziffer benannt werden. Die Linie D, deren Linienführung vom Südbahnhof über den Ring bis nach Nußdorf unverändert bleibt, soll 2009 zur Linie 3 umbenannt werden, gleichzeitig folgt mit der Linie 4 eine weitere Durchgangslinie: Der „Vierer“ hört heute noch auf den Namen 71er, sein Verlauf von Kaiserebersdorf bis zum Schwarzenbergplatz wird über den Ring bis zur Börsegasse verlängert. Eine alte Wiener Tradition wird damit allerdings zu Grabe getragen – mit dem 71er auf den Zentralfriedhof zu fahren.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.07.2008)

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17 Kommentare
Gast: Habakuk
03.07.2008 12:56
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Abbrucharbeiten Linie 21 Webcam

Derzeit kann man die Abrissarbeiten beim Stadion Center live beobachten:

http://www.stadioncenter.at/webcam.html

Auch von den Schienen Fahrtrichtung stadteinwärts ist nichts mehr zu erkennen.

Antworten Tom K.
03.07.2008 14:21
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Re: Abbrucharbeiten Linie 21 Webcam

Herrlich! Jeder Meter Straßenbahngleis weniger in dieser Stadt ist ein Gewinn. Leider passiert dies viel zu selten, ganz im Gegenteil!

Antworten Antworten paramenes
04.07.2008 16:53
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Re: Re: Abbrucharbeiten Linie 21 Webcam

hui!
ein visionär aus den sechziger jahren des vorigen jahrhunderts. das es sowas noch gibt!

Re: Re: Abbrucharbeiten Linie 21 Webcam/Tom K.

Pardon! Diese Meldung ist genauso kopf- und damit hirnlos wie "Habakuks" Gejeier über den "Abriss der Linie 21".

Gast: Esperanto
03.07.2008 12:54
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Bravo!

Ein uneingeschränktes BRAVO zu diesen Verbesserungen!

freeman
03.07.2008 12:29
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Wow - Durchgangslinien!

Hat es sich nun bis zu den Wiener Verkehrsbetrieben herumgesprochen, daß Durchgangslinien ein durchaus attraktives Konzept sind? Und dabei viel billiger als UBahnen bis an die Peripherie.

Schade, daß die Buchstaben-Linien dafür sterben müssen - ein liebgewonnener Anachronismus - aber tatsächlich verwirrend für Ortsunkundige.

Antworten paramenes
04.07.2008 16:56
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nein

na ganz durchgesprochen hat es sich noch nicht. es werden weiterhin sauteure u-bahn linien in gebiete gebaut wo noch niemand wohnt.

Gast: Valery
03.07.2008 11:16
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Man wird sich daran gewöhnen,

aber eine "Ring Rund Linie" zu belassen wäre vernüntig.

Gast: Chinese
03.07.2008 10:33
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Todeszahl 4

Fein, dass der neue '4er' zum Zentralfriedhof faehrt. Die chinesische Todeszahl fuehrt schnurstracks zum Endziel!

Müssen wir wirklich immer nur raunzen?

Bei aller berechtigten Kritik an dem, was zurzeit in Wien so passiert (oder auch nicht, obwohl es sollte): immer nur maulen, bevor eine Sache begonnen hat, bringt's net wirklich! Die "EURO 08" sollte uns Beispiel genung sein! :-)))

Re: Müssen wir wirklich immer nur raunzen?

In meiner Trauer darüber, dass der "N" verschwindet, hab' ich gleich diesen Buchstaben bei "genuNg" zu oft verwendet. :-)))

Gast: Habakuk
03.07.2008 04:54
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Reines Ablenkungsmanöver

Bis auf ein, zwei Weichen und kurze Verbindungsgleise kommt kein Meter Straßenbahngleis dazu, im Gegenzug werden ein paar aufgelassen oder nicht mehr benützt. Ein paar Destinationen werden besser zu erreichen sein, ein paar andere dafür schlechter. Purer Etikettenschwindel.

Mit dem seit 101 Jahren bestehenden Linien-Nummern/Buchstabenschema wird endgültig gebrochen. Die numerische Anzahl der Linien sinkt um drei.

Ein großes Durcheinander für viele Wochen und Monate wird entstehen. Wenn wieder mal, wie so häufig, auch nur eine einzige Weiche (und es gibt deren zahlreiche) in der Ringstraße gestört ist, steht der Betrieb von Favoriten bis Brigittenau, von der Leopoldstadt bis Ottakring, von Döbling bis Simmering, also fast in ganz Wien.

Und während alle mit der "frohen Botschaft" bei Laune gehalten werden, hat genau gestern klammheimlich der Abbau der Linie 21 (Fahrdraht beim Stadioncenter) begonnen! Damit ist das Schicksal dieser Linie besiegelt!

Gast: pinguin
02.07.2008 22:40
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71

Wenn der 71 bis zur Börse fährt, hindert es ihn nicht daran weiter zum Zentralfriedhof zu fahren! Der liegt in der anderen Richtung.

Re: 71/Pinguin

Aufwachen, "Pinguin", raus aus dem Frack und den Artikel ordentlich gelesen! Den "71er" gibt's dann nicht mehr! :-)))

rothschild
02.07.2008 22:14
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Fortschritt

Das alles gab's schon mal. Damals hieß es A, B, Ak und Bk. Das nennt man Fortschritt. Und jetzt wüsste man gerne: war man dumm, als man "im Kreis herum" einführte, oder ist man es jetzt? Eins von Beidem muss zutreffen. Ich trauere ja noch immer dem G2 nach. Und auch den 8er vermisse ich bei meinen seltenen Besuchen in Wien.

Antworten Gast: marsupialeater
02.07.2008 22:41
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Re: Fortschritt

Man war nicht unbedingt dumm, man musste nur so ca. 1980 mit allen Mitteln die neue U2 auslasten - daher das Ende der Durchgangslinien am Ring. Jetzt, wo man mit der U2 auch mal woanders hinkommt, geht man halt wieder das Wagnis der attraktiveren Ringlinien ein.

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Re: Re: Fortschritt

So ist es. Die U2 war zunächst eine ausgesprochene Fehlplanung, deren Linienführung man aus Teilstücken der geplanten U-Bahn-Linien 2 und 5 zusammengeschustert hat, und die nie wirklich ausgelastet gewesen ist. Das ändert sich mit der Verlängerung. Für die Fahrgäste ist die Wiedereinführung der Durchmesserlinien sicher ein Vorteil, zumal dadurch auch die Betriebszeiten auf der derzeitigen Linie J verlängert werden.