Wien (som). Die Nachricht klingt schrecklich: Das internationale Bienensterben hat nun auch Österreich erreicht. „Bienensterben durch Pestizide“ betitelten Imkerverbände und die Umweltschützer von Global 2000 daher ihre Pressekonferenz, und die Journalisten traten sich in einem Separée des Café Landtmann gegenseitig auf die Füße. Vielleicht ist das große Interesse weniger der Solidarität mit den armen Bienen geschuldet, als vielmehr der Angst vor der drohenden Entsagung – kein süßes Gold mehr auf dem Frühstückssemmerl.
Die Imker klagen über „Bienenverluste“: Die Flugbienen, quasi die Anführer eines Volkes, würden von Saatgutbeizmitteln für Mais und Raps dahingerafft. 2.500 bis 3.000 Bienenvölker seien geschwächt. Klingt erschreckend. Wenn man weiß, dass es in Österreich etwa 300.000 Bienenvölker gibt, macht das gerade mal ein Prozent. Bienensterben? Belegen können die Tierschützer ihre Vermutungen noch nicht. Da Verluste während und nach der Rapsblüte auftreten würden, liege ein Zusammenhang „sehr nahe“. Daher solle man die „bienengefährlichen Saatgutbeizmittel“ verbieten. Nun steht im August die Rapsaussat an. Mit einem Verbot wird es – auch weil die Politik nicht will – zumindest dieses Jahr nichts mehr.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.07.2008)

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