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Gemeindebau: Private Verwalter billiger als Wiener Wohnen

06.08.2008 | 18:51 |  MARTIN STUHLPFARRER (Die Presse)

Dem Verwaltungs-Monopol der 220.000 Wiener Gemeinde-Wohnungen wollen "Rebellen" ein Ende bereiten. Die erste Ausschreibung zeigt: Private sind bis zu ein Drittel billiger als Wiener Wohnen.

WIEN. Für Wiener Wohnen, der Hausverwaltung aller 220.000 Wiener Gemeindewohnungen, wird es eng. Die „Rebellen“ in einem Gemeindebau in Wien-Penzing stehen kurz davor, das Monopol der städtischen Hausverwaltung zu brechen und Wiener Wohnen vor die Tür zu setzen – weil die stadteigene Verwaltung laut den dortigen Mieterbeiräten zu teuer, zu träge und zu ineffizient ist.

„Es sieht sehr gut aus“, erklärt Ernst Schreiber, Mieterbeirat in einem der größten Gemeindebauten Österreichs (Hugo Breitner-Hof), der „Presse“. Nach Ende der Ausschreibung, die die Mieter auf der Suche nach einer neuen Hausverwaltung durchgeführt haben, bietet sich folgendes Bild: „Wir haben rund 30 Angebote bekommen. Teilweise sind sie um ein Drittel billiger als Wiener Wohnen.“ Nachsatz: „Die meisten bieten auch ähnliche Leistungen.“

Das kann sich das Wiener Wohnressort nicht vorstellen: „Wir haben umfassendere Leistungen als jede andere Hausverwaltungen. Beispielsweise eigene Kundendienstzentren.“

Die Mieterbeiräte bleiben hart. Derzeit werden die Unterlagen sondiert, um den Bestbieter zu ermitteln. Wenn danach zwei Drittel der Mieter zustimmen, Wiener Wohnen durch den privaten Anbieter abzulösen, ist der Weg frei; obwohl noch einige (theoretische) Hürden warten.

„Niemand kann den Hauseigentümer zwingen, einen anderen Verwalter zu nehmen – selbst wenn dieser deutlich billiger ist“, erklärt Helmut Puchebner, Präsident des Österreichischen Mieterbundes: „Die Mieter können dem Hausbesitzer nur gut zureden.“

Aber: Wohnbaustadtrat Michael Ludwig hatte in der Vergangenheit bereits angekündigt, den Mietern keine Steine in den Weg legen zu wollen – falls sie wirklich Wiener Wohnen als Hausverwaltung ablösen wollen.

Was Schreiber erzürnt: „Bis heute haben wir noch keine Antwort auf Anfragen erhalten, wie wir die Hausverwaltung wechseln können.“ Diesen Weg skizziert das Gesetz laut Wohnbauressort nun so: Wenn die Mieter mit 2/3-Mehrheit für eine neue Hausverwaltung stimmen, muss eine offizielle Ausschreibung nach dem Vergaberecht folgen. Dabei ist der Preis, und nicht die Leistung, das wichtigste Kriterium. Die Mieter könnten sich hier eine Hausverwaltung einhandeln, die billiger, aber auch schlechter sei. Die Mietervertreter beeindruckt diese Aussagen aber nicht: „Bei unserer Ausschreibung sind seriöse Anbieter dabei, die trotzdem günstiger sind.“

 

Staatsanwalt: keine Konsequenz

Während das Match „Hugo Breitner Hof gegen Wiener Wohnen“ tobt, haben die Mieterbeiräte an einer Nebenfront eine Niederlage einstecken müssen. Ihre Anzeige gegen die Hausbetreuungsgesellschaft von Wiener Wohnen wegen Wucherei (die Preise für die Grünflächenbetreuung waren im Hugo Breitner Hof massiv gestiegen) will der Staatsanwalt jetzt zu den Akten legen – außer es gibt plötzlich neue Fakten. Aber Schreiber gibt sich noch nicht geschlagen: „Wir werden dafür noch genügend Unterlagen nachreichen.“

AUF EINEN BLICK

„Rebellen“ im Gemeindebau wollen das städtische Monopol bei der Betreuung der 220.000 Wiener Gemeindewohnungen brechen und ein privates Unternehmen mit der Arbeit beauftragen – nach Problemen mit Wiener Wohnen. Die erste Ausschreibung zeigt: Private sind bis zu einem Drittel billiger als Wiener Wohnen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.08.2008)


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8 Kommentare
 
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Von Gast: Querulant am 07.08.2008 um 08:04

Wie heißt es bei der SPÖ so schön:

der Gemeindebau ist das Familiensilber und daher wird geschönt und vertan wie bei allen wo SPÖ draufsteht, eine fundamentalistische unreformierbare Partei die tatsächlich für niemanden da ist, auch nicht für die scheinbar so geliebten neuen Wähler, warum die noch Rot wählen ist sowieso nicht nachvollziebar, mittlerweile sind die stark genug für eine eigene Partei und könnten ihre eigenen politischen Ziele verwirklichen.

Von Gast: HBH am 06.08.2008 um 22:51

Zusammenfassung:

Wg. zu teuer, träge und ineffizient: Vor allem fehleranfällig und (trotz aller Plakatierungen) intransparent.

Die Anbieter haben die Zeichen der Zeit verstanden, bieten zum Gutteil NICHT zum gesetzlich erlaubten Höchstsatz, durchaus einen professionellen Zugang zu den Themen (statt der bisher gewohnten Mia-san-mia-Mentalität) und Leistungen mit teilweise weit gesteigerter Präsenz als die bisherigen Kundendienstzentren von WW leisten.

Zwang / Goodwill: Das Mietermitbestimmungsstatut sieht einen zwingenden VerwalterWECHSEL bei entsprechender Stimmenmehrheit vor. Aussuchen tut der Eigentümer (WW). Die Gefahr geht dabei vielleicht weniger von Billiganbietern aus - eher von einem durch WW bewusst ausgesuchten (nahestehenden?) Verwalter, der eine Strafexpedition draus macht. Offen sind die angeblich existierenden Gemeinderatsvorgaben, die der Verwalter erfüllen muss.

Staatsanwalt: Die Verfahrensfortführung ist beantragt!

http://www.hugo-breitner-hof.at.tt/ (Nachrichtenbreich)

Von Gast: tc_t am 06.08.2008 um 21:12

na brav

zuerst wohnung beantragen, dann jammern, weil sie nicht absolut perfekt ist, dann weniger zahlen als in jeder vergleichbaren stadt weltweit (!) und dann plötzlich -genug vom staat genascht- die qualität der betreuung in den keller drücken wollen.

ekelhaft

Antworten Von Gast: HBH am 06.08.2008 um 22:26

Re: na brav

worauf auch immer dieser kommentar bezug nimmt:

mit der ist-situation, mit der die betroffenen konfrontiert sind, hats wenig bis gar nichts zu tun.

Antworten Von Gast: Fakten-auf-den-Tisch-Leger am 06.08.2008 um 22:10

Re: na brav

Also so einen Unsinn wie sie verzapfen habe ich schon lange nicht gehört. Sie haben keine Ahnung.

Wiener Wohnen verwaltet einfach viel zu teuer. Was haben Mieter davon, wenn sie um € 100 p. m. weniger Kaltmiete zahlen als bei Privaten, da es für Gemeindebauten Fördergelder gibt, diese selben Mieter dann aber um € 110 mehr im Monat für Nebenkosten zahlen müssen, als es bei vergleichbaren Privaten der Fall wäre.

Im Hugo-Breitner-Hof sind beispielsweise für Rasenmähen über EUR 50.000,- (in Worten Euro FÜNFZIGTAUSEND) verrechnet worden, berichtete diepresse.com bereits. Laut seltsamen Gerichtsentscheid sei das nun kein Wucher. Mit sochen Entscheiden macht sich jedes Gericht lächerlich. Für die Hälfte könnte man einen Bestverdiener in den warmen Monaten nur zum Rasenmähen anstellen.

Das Problem sind Ausländer, für die das Sozialamt die Miete bezahlt, damit ist Schmarotzern die Miete egal! Ausländer also werden einquartiert, damit nur ja nicht 2/3 für einen Wechsel stimmen.

Antworten Antworten Von Ophicus am 07.08.2008 um 14:44

Re: Re: na brav

Was für ein Gerichtsentscheid denn? Im Artikel steht der Staatsanwalt hat die Sache zu den Akten gelegt - zumindest vorerst.
Klingt doch stark danach, als ob die Sache es noch garnicht in einen Gerichtssaal geschafft hätte.

Antworten Antworten Antworten Von HBH am 07.08.2008 um 19:16

Re: Re: Re: na brav

siehe oben:

Staatsanwalt: Die Verfahrensfortführung ist beantragt!

Antworten Antworten Von Gast: HBH am 06.08.2008 um 23:14

Re: Re: na brav

Es ist eine Erhöhung um über EUR 100.000,-, also ein Mehrkosten-Betrag pro durchschnittlichem Mietobjekt und Jahr von EUR 72,26.

Nur für die Grünflächenpflege !!

Die bekanntlich heuer WIE ausgeschaut hat ???

Mehrkosten - nicht Kosten, nicht Preisnachlass für flächendeckenden Pfusch! Nicht Skaleneffekte für größere Mengen in einer Hand!

Dazu kommen 2007 - seltsamerweise anscheinend nur für unseren Bau in dieser Höhe - plus 32% Müllabfuhr. Andere haben wieder unerklärliche Steigerungen bei den öffentlichen Abgaben - oder bei Wasser und Kanal (wir dafür nicht - zumindest in dem Ausmaß). Erklärung?

Die Hauptmietzins-Einnahmen-Aufgliederung hat keinerlei Ähnlichkeit mit dem Vorjahr. Erklärung?

u.s.w. u.s.f.

Dass wir für die 2/3-Mehrheit hart arbeiten werden müssen, hat weniger mit Ausländern zu tun. Eher mit Obrigkeitsdenken bei v.a. älterem Klientel - also "Dürf ma denn dees?" versus "Jetzt reicht's" (nicht der ÖVP-Slogan gemeint).

 
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