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Tierschützer in U-Haft: Attacken gegen ÖVP und Innenministerium

29.08.2008 | 17:11 |   (DiePresse.com)

Der Grüne Peter Pilz spricht von "schäbigen Ermittlungen". Man habe die Tierschützer nur aufgrund bloßer Vermutungen eingesperrt.

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Schwere Attacken gegen die ÖVP sowie das Innenministerium ritt am Freitag der Grüne Sicherheitssprecher Peter Pilz. Anlass war die Vorgehensweise rund um eine Gruppe von Tierschützern des "Vereins gegen Tierfabriken" (VGT), die aufgrund ihrer Aktionen gegen einige Bekleidungsfirmen als kriminelle Organisation eingestuft worden waren. Neun VGT-Mitglieder sitzen seit nunmehr 102 Tagen in U-Haft. Pilz sprach wörtlich von "absurden Vorwürfen" und "schäbigen, jämmerlichen Ermittlungen".

Im Rahmen einer Pressekonferenz legte Pilz einige Protokolle des Innenministeriums vor, die seiner Ansicht nach beweisen würden, dass man die Demonstranten "ohne einen Hinweis, ohne konkrete Spuren und nur aufgrund bloßer Vermutungen" eingesperrt habe. Besonders scharf kritisierte der Grüne Sicherheitssprecher "die völlig unzulässige Unterstützung" der Firma Kleiderbauer durch das Innenministerium sowie die Staatsanwaltschaft Wiener Neustadt. Kein gutes Haar ließ Pilz am dort zuständigen Staatsanwalt, dem er "Willfährigkeit" vorwarf.

Ausgangspunkt war die Nacht auf den 4. April 2007, als die Autos der beiden Kleiderbauer-Eigentümer Peter und Werner Graf mit Lack überschüttet wurden, was den Tatbestand der schweren Sachbeschädigung erfüllte. Die Exekutive vermutete die Täter in den Reihen der VGT-Mitglieder. Doch was laut dem Abgeordneten danach folgte, stößt Pilz sauer auf: "Am 5. April fand eine Sitzung beim Generaldirektor für Öffentliche Sicherheit statt. Um die Gebrüder Graf sammelten sich die Spitzen von Innenministerium und Wiener Polizei." Laut Pilz habe Generaldirektor Erich Buxbaum den damaligen Wiener Polizeipräsidenten Peter Stiedl angewiesen, "alle administrativen Möglichkeiten auszuschöpfen, um die Demonstrationen vor den Filialen zu untersagen".

Der Staatsanwalt ist bereit, der Soko und den Gebrüdern Graf jeden Wunsch zu erfüllen.
Peter Pilz



Nachforschungen des Grünpolitikers haben ergeben, dass am 10. April 2007 eine Soko eingerichtet wurde: Laut Pilz habe Erich Zwettler, Leiter der Abteilung Ermittlungen, Organisierte und Allgemeine Kriminalität im Bundeskriminalamt (BK), "gewusst, dass er nichts in der Hand hat. Trotzdem wurden Hausdurchsuchungen und Verhaftungen vorbereitet." Auch in den darauffolgenden Monaten habe die Soko "nichts Relevantes" gefunden, sagt Pilz, "dennoch zeigt sie den Fall bei der Staatsanwaltschaft Wiener Neustadt an. Der Staatsanwalt ist bereit, der Soko und den Gebrüdern Graf jeden Wunsch zu erfüllen."

Die Tierschützer seien in der Folge observiert, verdeckte Ermittler eingeschleust, Telefonüberwachungen vorgenommen und die Steuerfahndung eingeschaltet worden, so Pilz. "Alles, was man herausgefunden hat, war eine mit einem Stein eingeschlagene Fensterscheibe." Der Grüne Sicherheitssprecher erhebt nun schwere Vorwürfe gegen die Ermittler, deren Verhalten "strafbar und kriminell" sei, außerdem bestehe der Verdacht auf "schwere Gesetzesverletzungen".

An der Spitze des Justizministeriums sei man laut Pilz der Ansicht, dass "die Hausdurchsuchungen nie hätten durchgeführt werden dürfen". Allerdings gehe ihm "die Weisung auf sofortige Enthaftung ab". Der Grünpolitiker bezeichnete den Fall als "Tiefpunkt des österreichischen Rechtsstaates" und bezeichnete die ÖVP als "Partei des organisierten Machtmissbrauchs".

Seitens des Innenministeriums hieß es in einer Reaktion, man könne zu den Vorwürfen von Peter Pilz nicht Stellung nehmen, da es sich um ein laufendes Verfahren handle.

(APA)

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12 Kommentare
Gast: Entsetzt
01.09.2008 13:48

Unglaublich ...

... dass so etwas in einem Rechtsstaat überhaupt möglich ist. Selbst wenn an den Vorwürfen etwas dran ist - monatelange Untersuchungshaft wegen dem Verdacht auf Sachbeschädigung?? Wo gibts denn sowas? Und wenn bei den Untersuchungen nicht raus kommen sollte, dann ist Österreich wirklich schon zur Bananenrepublik verkommen - dann handelt es sich nämlich wirklich nur um Beugehaft, um Menschen mit unbequemer Meinung gefügig zu machen bzw. zu ruinieren. Mir graust.

Pragmatiker
31.08.2008 15:32

Verzeihlich

wenn man bei den Ermittlungen selbst über das Ziel geschossen sein sollte - das muss ja keine unmittelbaren Folgen nach sich ziehen. Aber über 100 Tage U-Haft, da hört sich der Spaß auf. Falls da nichts rauskommt und der steuerzahler für die Haftentschädigungen aufzukommen hat, dann sollte man sich ein paar der Beteiligten näher ansehen. Nach dieser jetzt vergangenen Zeitspanne keine Anklage erheben zu können ist jedenfalls bedenklich.

Gast: Bösewicht
29.08.2008 17:30

Frechheit!

Staatsanwalt und Untersuchungsrichter reagieren nicht sofort auf Zuruf von Herrn Dr. Pilz?

Antworten Gast: Gumble
30.08.2008 10:38

Re: Frechheit!

du bist wohl gerade eben aufgewacht.
Zu Deiner Info, Die Sache läuft schon recht lang und es konnten keine konkreten Beschuldigungen gegen die Leute vorgebracht werden, was recht komisch ist. Die Polizei hat offenbar in den Unterlagen der Vereine gesucht um denen was vorwerfen zu können und nichts handfestes gefunden. So wie sich das jetzt darstellt ist die ganze Aktion eine riesen Sauerei und erinnert an DDR und Inquisation.
Wenn das Schule macht dann könntest Du auch einmal in einer Zelle aufwachen und weißt nicht warum.
Schlaf also weiter.

Gast: Peterle
29.08.2008 15:24

Sind wir in Österreich oder in der DDR?

Man fragt sich schon, wieso es seit Böhmdorfer in der Staatsanwaltschaft eine "politische Abteilugn" gibt, die Anklagen gegen KHG ... EF-Korruptionisten ... Hyp-Banker usw. systematisch unter den Tisch fallen lässt - und im Gegenzug 33 hochbezahlte Anti-Terrorfander auf harmlose, taferlhaltende Tierschützer losschickt. Simma in der DDR? Manchmal scheint es so...

K.S.
29.08.2008 15:10

Weisung auf sofortige Enthaftung???

Wie bitte? Pilz verlangt eine Weisung der Justizministerin auf sofortige Enthaftung? Ich dachte die U-Haft wird auf Antrag des Staatsanwaltes von einem unabhängigen Richter verhängt und kann auch nur durch einen unabhängigen Richter(senat) aufgehoben werden. Es ist unglaublich, was ein gewählter Mandatar sich erlauben kann unter dem Deckmantel der Immunität.
Und was kann der Innenminister dafür wenn unabhängige Richter Verdächtige in U Haft nehmen!! Das ist alles so grotesk. Die Grünen werfen sich gegen den Rechstaat in die Schlacht ,um Verbrecher(es gilt die Unschuldvermutung!) zu schützen. Unglaublich!
Und das alles dass der Hr Pilz von der grünen Basis als unverzichtbar erkannt wird und für weiter 5 Jahre an den Futtertrögen sitzen kann. Was anderes als Skandale aufdecken kann er ja nicht.

Antworten Gast: Bernot
29.08.2008 15:21

Verbrecher???

Als Verbrechen gelten bei uns nur Straftaten mit mehr als 3 Jahren Strafdrohung. Das ist bei Sachveschädigung (max. 1 Jahr Haft) nicht der Fall, und ich sehe daher auch weit und breit keine "Verbrecher" - aber einige Leute, die aus der DDR eine sehr ungute Einstellung zum Rechtsstaat mitgebracht haben.

Antworten Gast: Dr.N.N.
29.08.2008 15:19

Gähn.

Natürlich kann der Staatsanwalt jederzeit Antrag auf Enthaftung stellen und kein Richter wird dem widersprechen. Und natürlich sind unsere StAs weisungsgebunden. Lesens mal nach, warum man das nach den Prozessen von Schattendorf einführen musste.

Gast: gast22
29.08.2008 14:26

ein falsches apa-zitat und seine folgen ...

"Ausgangspunkt war die Nacht auf den 4. April 2007, als VGT-Mitglieder die Autos der beiden Kleiderbauer-Eigentümer Peter und Werner Graf mit Lack überschütteten"

nicht dass ich mit dem vgt sympathisieren würde, aber da hat die APA wohl was falsch aufgeschnappt,.(und alle österr. printmedien übernehmen dies) - denn was die mutmaßlichen täter(innen) betrifft, tappt die polizei noch immer völlig im dunkeln! gerade das ist ja der grund, warum sie jene aktivist(inn)en, die seit jahren im licht der öffentlichkeit stehen (darunter auch welche vom vgt) nun ohne beweise mithilfe des §278 beugen will.

Gast: gast
29.08.2008 14:25

ein falsches apa-zitat, und alle medien kauen es wieder...

"Ausgangspunkt war die Nacht auf den 4. April 2007, als VGT-Mitglieder die Autos der beiden Kleiderbauer-Eigentümer Peter und Werner Graf mit Lack überschütteten"

nicht dass ich mit dem vgt sympathisieren würde, aber da hat die APA wohl was falsch aufgeschnappt,.(und alle österr. printmedien übernehmen dies) - denn was die mutmaßlichen täter(innen) betrifft, tappt die polizei noch immer völlig im dunkeln! gerade das ist ja der grund, warum sie jene aktivist(inn)en, die seit jahren im licht der öffentlichkeit stehen (darunter auch welche vom vgt) nun ohne beweise mithilfe des §278 beugen will.

Gast: bildungsbürger
29.08.2008 14:09

Die ÖVP: "Partei des organisierten Machtmissbrauchs"

Ist noch eine Untertreibung. Die ÖVP, oder auch ARGE Korruptionsverheimlichung uns systemische Gewalt sollte lieber auf den eigenen Mist schauen, denn wenn man eine rechtsradikale Ausbildungsstätte wie das Haus der Heimat mitfinanziert (1.000.000 Euro !!!) dann verursacht und veranlasst man direkt oder auch nur indirekt Personenschaden bis hin zum Totschlag, Vandalismus, die Bildung von kriminellen Organisationen und staats- und demokratiefeindliche Kopnspirationen. Wer bitte richtet gegen soetwas eine SOKO ein ? Keiner ! Nichteinmal nachdem der dort regelmäßige Vortragende Irving rechtskräftig der Wiederbetätigung verurteilt wird.

Aber lieber die unmenschlichen Praktiken von Pelzherstellern decken, als das braune Pack endlich auszurotten... die Partei der Janusköpfe

kritikus.at
29.08.2008 14:06

Mit dem Rücken zur Wand

Peter Pilz wurde von seiner Partei "der grünen Basis zum Fraß vorgeworfen". Dieser muss er sich jetzt gefügig zeigen, damit sie ihn wählen - sonst ist er raus aus dem Spiel (bzw weg vom Topf). Seine derzeitige Rührigkeit dürfte auf dieser Sorge gründen und eher weniger mit dem Wohl der "Tierschützer" zu tun haben...

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