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Psychiater Friedrich: Wie gut sind seine Gutachten?

08.09.2008 | 18:14 |  MANFRED SEEH (Die Presse)

In einem Kindesmissbrauchs-Prozess wurde ein Schuldloser nach einem Gutachten von Max Friedrich verurteilt. Richter kritisieren den Zeitmangel des Psychiaters.

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WIEN. Der wohl bekannteste Kinderpsychiater Österreichs, der AKH-Arzt Max Friedrich (63), gerät in Turbulenzen: In Kärnten wurde in einem Kindesmissbrauchs-Prozess offenbar ein Schuldloser verurteilt – der Spruch stützte sich auf ein Friedrich-Gutachten. Losgelöst von diesem Einzelfall ziehen Wiener und laut „Austria Presse Agentur“ auch Kärntner Richter schon seit einiger Zeit andere Experten als Gutachter vor.

Am Beginn der Debatte um die Gutachtens-Qualität stand der Fall Albin K. Dieser 35-jährige Mann wurde wegen angeblichen schweren sexuellen Missbrauchs seiner eigenen vierjährigen Tochter verurteilt. Zunächst war der Verdacht auf den Großvater des Mädchens, den Schwiegervater von K., gefallen. Erst später – vor dem Hintergrund eines erbitterten Sorgerechtsstreits mit der Kindesmutter – war Albin K. als möglicher Täter ins Spiel gebracht worden. Schlussendlich wurden beide Männer verurteilt: Albin K. und der Großvater. Beide erhielten drei Jahre Gefängnis. Im Fall Albin K. wendete sich das Blatt. Nach 22 Monaten Haft wurde der 35-Jährige Ende August im Rahmen einer Verfahrens-Wiederaufnahme freigesprochen.

Vorwurf an Friedrich: Er habe dem Opfer, dessen Aussagefähigkeit er bejahte, Suggestivfragen gestellt. Fest steht: Auch wenn vom Gericht – wie bei Missbrauchsverdacht üblich – ein Gutachter bestellt wird, so liegt die Entscheidung allein bei den Richtern. Wenn es um sexuelle Angriffe geht, entscheidet meist ein Schöffensenat, bestehend aus zwei Berufs- und zwei Laienrichtern. Jedes Schöffenurteil muss in öffentlicher Sitzung begründet werden.

 

Dauernder Termindruck?

Indessen scheint Friedrich – er ist Vorstand der Uniklinik für Psychiatrie des Kindes- und Jugendalters am Wiener AKH – für einige Gerichte nicht mehr erste Wahl zu sein. Wie ein auf Sexualstrafrecht spezialisierter Wiener Richter der „Presse“ erklärte, würden bestimmte Kollegen im Grauen Haus schon seit geraumer Zeit andere Experten bevorzugen. Der Richter (er wollte namentlich nicht genannt werden) verwies etwa auf eine viel gefragte Psychologin der Kinderklinik Glanzing. Diese würde sich für die Befragungen der Kinder sehr viel Zeit nehmen.

Friedrich hingegen habe mitunter gestresst gewirkt, was wohl auf dessen Termindruck zurückzuführen sei, so ein Richter. An der fachlichen Qualifikation Friedrichs zweifelt man seitens der Richterschaft nicht. Friedrich selbst war am Montag trotz mehrmaliger Versuche nicht zu sprechen. Sein Sekretariat erklärte, er sei zeitlich nicht verfügbar – und wolle sich zum Fall Albin K. nicht äußern, da dies ein laufendes Verfahren sei.

K.s Verteidigung hat angekündigt, für die ungerechtfertigte Haftzeit sowie diverse Kosten 200.000 € Entschädigung von der Republik einzuklagen.

Der mehrfache Fachbuchautor Max Friedrich („Tatort Kinderseele“, „Die Opfer der Rosenkriege“) hatte den bisher jüngsten medialen Großauftritt als Sprachrohr jenes Teams, das das Entführungsopfer Natascha Kampusch nach geglückter Flucht intensiv betreute.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.09.2008)

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7 Kommentare
danibu27
11.10.2008 23:39
0 0

...

wie aber auch im artikel steht, beruht ein urteil ja nicht nur auf diesem gutachten!!

Peregrin
09.09.2008 10:24
0 0

Wie gut sind seine Gutachten?

Eine Frage, die schon laengst ueberfaellig ist.

bor
09.09.2008 10:10
0 0

Wieso hört man immer nur von diesem einen Fall?

http://tinyurl.com/5buuto

Da gibt es doch noch mehr.

Merlin
09.09.2008 09:43
0 0

Hirnrissig

Die provozierten Aussagen eines Vierjährigen bringen zwei Männer ins Gefängnis? Da war ja die mittelalterliche Hexenverfolgung noch auf soliderer Basis aufgebaut.

Gast: Teste
09.09.2008 04:22
0 0

Einschätzung

Interessant finde ich dabei, dass ihm in so manchen Foren u.ä. unterstellt wird, generell viel zu schnell auf den Tatbestand sexuellen Missbrauch geurteilt zu haben (keine Ahnung, ob es der Wahrheit entspricht), während an ähnlicher Stelle der Vorwurf bestehen bleibt, die Situation der zehnjähirgen Natascha Kampusch verharmlost und den Missbrauch unter den Tisch gekehrt zu haben ...

derpradler
08.09.2008 19:06
0 0

Der Mann, ist wie ein Feuerwehrmann

der selbst Feuer legt, um LÖSCHEN zu können!

Antworten Gast: 68er Psycho
09.09.2008 23:39
0 0

Re: Der Mann, ist wie ein Feuerwehrmann

Sie haben es erkannt. Nur er ist kein respektabler Feuerwehrmann - hierzu fehlen ihm bei Weitem die Fähigkeiten, er ist mehr ein Pyromane, den ein Staatswirtschaftssystem proporzmässig mit einem Feuerwehrmannposten vesehen hat. Und die wahre Tragik ist, es sind keine "Heustadln" sondern Menschenseelen und nur allzu oft die kleiner Kinder, wobei natürlich auch diese Hexenjagd gegen Väter aufs Äußerste verwerflich ist, die hier zu Grunde gehen. Und ich habe es schon vor Monaten geschrieben: Stopt endlich diesen Friedrich. Allein die Frage nach der Qualität seiner Gutachten ist haarsträubend, es fragt sich ja auch niemand nach der kulinarischen Qualität von Wildtierlosung. Der Skandal liegt darin, dass solche Gutachten vom Gericht akzeptiert werden und so eine Operettenfigur noch weitere Aufträge erhalten hat und das jahrelang! Besagte Wildtierlosung würde ja keinen Spelunkenwirten in die Küche kommen.

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