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"Küssen verboten" an Schule in Oberösterreich

19.11.2008 | 16:57 |  (DiePresse.com)

Nicht die Küsse zwischen Burschen und Mädchen machen dem Direktor einer Hauptschule in Wels Sorgen. Das Küssen von Schülerinnen untereinander wird "in seiner derzeitigen Form vom Schulforum abgelehnt".

Ein "Kussverbot" sorgt an einer Hauptschule im Bezirk Wels-Land in Oberösterreich für Aufregung. Weil sich Schülerinnen neuerdings nicht mehr nur auf die Wange, sondern auch auf den Mund küssen, will der Schulleiter dem Küssen den Kampf ansagen. In einem Brief an die Eltern sprach er von einem "Ritual, das in seiner derzeitigen Form vom Schulforum abgelehnt wird". Das berichtete die "Welser Rundschau". Der Direktor erntete harsche Kritik von Eltern, Schülervertretern und der Politik.

"Vor negativen Folgewirkungen schützen"

Es gehe nicht darum, die Schüler in ihrer Freiheit einzuschränken, rechtfertigte der Direktor im Interview seine Position. Vielmehr sei es Aufgabe der Schule, die Jugendlichen vor negativen Folgewirkungen zu schützen: "Es gab bereits einen Vorfall, bei dem ein Bursch ein Mädchen abküssen wollte, obwohl es das gar nicht wollte."

Daher will der Direktor nun vorbeugend eingreifen: "Sollte es wirklich einmal zu einem Zwischenfall an unserer Schule kommen, würden schließlich alle sagen: 'Ihr habt seit Monaten von dieser Entwicklung gewusst und nichts dagegen unternommen'." Abgesehen davon würden die Küsse in einen Intimbereich gehen, der mit der Schule nichts zu tun habe, betonte der Direktor.

Nur Rituale von Pubertierenden

Einige Eltern hielten das Verbot für überzogen: "Das sind Rituale von Pubertierenden, die auf ihre Art provozieren wollen", so ein Vater zur "Welser Rundschau". Eine Mutter meinte: "Ich verstehe nicht, warum die Schule so einen Wirbel um diese Sache macht. Mit Verboten erreicht man bei Jugendlichen doch nur das Gegenteil."

"Mittelalterlich" und "eine unzulässige Einmischung der Schule in die Privatsphäre von Jugendlichen" ist das Verbot für den oberösterreichischen BZÖ-Landessprecher und Nationalratsabgeordneten Rainer Widmann. Besser wäre es, mit den Jugendlichen zu vereinbaren, welches Verhalten man im respektvollen Umgang miteinander am Schulgelände erwarten könne.

"Seien wir doch froh, dass sich die Jugendlichen in Zeiten von 'Happy Slapping', Brutalo-Videos und zunehmender Gewalt an Schulen wieder gegenseitig liebevoll begegnen", betonte der Bildungssprecher der oberösterreichischen Grünen, Gottfried Hirz, in einer Aussendung. Auf der einen Seite beklage man zunehmende Gewalt, und auf der anderen Seite wolle man auch positive zwischenmenschliche Verhaltensweisen unterbinden. "Haben wir in den Schulen keine anderen pädagogischen Sorgen?", fragte Hirz.

"Lächerlich" und "kontraproduktiv"

Die Linzer AKS-Vorsitzende Vanessa Gaigg bezeichnete das Kussverbot als "lächerlich und vollkommen übertrieben". Die Organisation veranstaltete am Nachmittag eine Aktion vor der betroffenen Schule. Die AKS kündigte zudem für Montag die Besetzung von Enzenhofers Büro an, sollte dieser "nicht bereit sein, endlich im Sinne der Schüler von Oberösterreich zu handeln".

Auch die ÖVP-nahe Schülerunion hat das "Kussverbot" kritisiert. "Diese Maßnahme ist nicht nur deutlich überzogen, sondern auch absolut kontraproduktiv", erklärte Bundesobmann Matthias Hansy in einer Presseaussendung. Die Zeiten würden sich ändern, Schüler aber immer junge Menschen bleiben, so Hansy. "Die Herausforderung, mit der Zeit zu gehen und gesellschaftliche Entwicklungen anzunehmen, ist schwer, aber ein unumgängliche Fähigkeit von Direktoren von Schulen."


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