KLAGENFURT/WIEN (stög.). „Das ist wirklich eine sehr mysteriöse Sache. Wir ermitteln in alle Richtungen, bis jetzt haben wir uns aber noch kein Motiv zusammenreimen können.“ Gottlieb Türk aus dem Landespolizeikommando Kärnten und seine Kollegen tappen nach dem Diebstahl des Sarges mit der Leiche des Industriellen Friedrich Karl Flick im Dunkeln. Die sterblichen Überreste des vor zwei Jahren verstorbenen Milliardärs wurden am vergangenen Wochenende aus seiner Grabstätte auf dem Friedhof Velden (Bezirk Villach-Land) gestohlen.
„Wir wurden informiert, dass die mehrere 100 Kilo schweren Granitplatten an der Grabstätte beschädigt sind. Daraufhin wurde eine genauere Nachschau gehalten, dabei wurde dann entdeckt, dass der Sarg fehlt“, berichtet Türk der „Presse“. Jetzt sei man auf der Suche nach einem Motiv für den ungewöhnlichen Diebstahl. Nach der Spurensicherung am Tatort müsse man von einer „professionellen Vorgangsweise ausgehen“, meint Türk. Spuren eines Fahrzeuges, das den gestohlenen Sarg abtransportiert habe, seien nicht gefunden worden. Die Ermittler gehen aber davon aus, dass der Sarg mit einem Lkw weggebracht wurde. Zudem müssten mehrere Täter am Werk gewesen sein.
Flick war am 5.Oktober 2006 in seiner Villa am Südufer des Wörthersees 79-jährig gestorben. Er hinterließ eine Frau und vier Kinder. Friedrich Karl trat 1957 in das Familienunternehmen ein. Nach dem Tod des Vaters erbte er 1972 das Industrieimperium. Sein Bruder Otto-Ernst war 1966 aus dem Konzern ausgeschieden. Mitte der 90er verlegte Flick aus Steuergründen seine Vermögensverwaltung von Düsseldorf nach Wien.
Schwager von Flick entführt
Schon einmal hat der Diebstahl einer Leiche in Österreich für Aufsehen gesorgt: Ein Oberösterreicher hatte im Juli 1991 die sterblichen Überreste von Mary Vetsera vom Friedhof Heiligenkreuz (NÖ)gestohlen. Der Sarg wurde zunächst in eine Lagerhalle gebracht und von dort in eine Wiener Spedition transportiert. Ende 1992 informierte der Mann eine Zeitung darüber, dass Vetseras Grab leer sei. Der Oberösterreicher entging einer Anklage. Nach einem Zivilprozess musste er dem Stift, zu dem der Friedhof gehört, knapp 2000 Euro Schadenersatz zahlen.
Die Familie Flick war 1991 in einen Entführungsfall verwickelt: Der Schwager von Friedrich Karl Flick, der damals 26 Jahre alte Günter R., war im Dezember 1991 in der Nähe seines Wohnortes Bad St. Leonhard verschleppt worden. Die Entführer forderten umgerechnet 5,09 Mio. Euro Lösegeld. Nach der Übergabe in Wien wurde R. freigelassen. Die vier Kidnapper wurden nach wenigen Tagen geschnappt und ein Jahr später verurteilt. Günter R. blieb unverletzt.
■Friedrich Karl Flick wurde am 3. Feburar 1927 in Berlin geboren. Der Sohn des Unternehmers Friedrich Flick baute gemeinsam mit seinem Vater ein Industrieimperium auf. Nach dem Tod des Vaters erbte er den Großteil des Familienvermögens. Aus steuerlichen Gründen zog er in den 90er-Jahren nach Österreich. Im Oktober 2006 starb er im Alter von 79 Jahren.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.11.2008)
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