VELDEN. Die Polizei tappt noch völlig im Dunkeln bei der Frage, wer für die Schändung des Grabmals des Großindustriellen Friedrich Karl Flick in Velden verantwortlich sein könnte. Flick war zu Lebzeiten eine der bestbewachten Persönlichkeiten in ganz Europa. Am 5.Oktober 2006 war er in dem vom Architekten Clemens Holzmeister entworfenen Mausoleum beigesetzt worden, das seither nicht mehr bewacht worden ist. Am vergangenen Mittwoch hatte man entdeckt, dass bisher unbekannte Täter Flicks Sarg aus der Gruft entfernt hatten.
Die Grabplatte, die auf der Gruft liegt, ist kaum beschädigt worden. Auch sonst gibt es keine Spuren. Die Kriminalpolizei vermutet, dass die Tat von zwei bis vier Personen begangen worden ist. Auch schweres Gerät muss zum Einsatz gekommen sein. Anders hätte man die Granitplatte, die etwa 300 Kilogramm schwer ist, nicht von der Stelle bewegen können.
Mit der Grabesstille am Veldener Friedhof ist es in diesen Tagen nicht weit her. Die Schändung der Flick-Grabstätte hat in ganz Europa für großes Aufsehen gesorgt, Fotografen und Kamerateams belagern das Mausoleum.
Der Flick-Vertraute Jörg-Andreas Lohr hat mitgeteilt, dass Flick-Witwe Ingrid in Kalifornien von der Grabschändung erfahren hat. Sie habe sich am dortigen Familiensitz aufgehalten. „Frau Flick ist fassungslos, erschreckt, findet keine Worte zu diesem Vorfall“, berichtet Lohr. Die Witwe hat sich sofort auf die Heimreise gemacht und wurde Donnerstagabend in Kärnten erwartet.
Der deutsche Milliardär hatte seine Frau Ingrid bei einem Aufenthalt im „Hospiz Hotel“ in St.Christoph am Arlberg kennengelernt, wo die Lavanttalerin Rezeptionistin war. 1990 wurde im Kreis des Geldadels geheiratet. Das Paar lebte fortan in einer großzügig angelegten Villa am Südufer des Wörthersees, die Hausherr Friedrich-Karl zu einer Festung ausbauen hatte lassen. Ingrid schenkte ihrem Ehemann, der aus zweiter Ehe schon zwei Töchter hatte, Zwillinge. Karl-Friedrich und Viktoria-Katharina besuchen heute eine Schule in Klagenfurt.
Reichster Mann Österreichs
Flicks Vermögen war kurz vor seinem Tod auf 6,8 Milliarden Euro geschätzt worden. Damit war er zu Lebzeiten der reichste Mann Österreichs. Das Vermögen wurde nach Flicks Ableben Berichten der Klatschpresse zufolge „gleichmäßig“ auf die vier Kinder aufgeteilt. Flick-Sprecher Flohr hatte damals zu Protokoll gegeben: „Auch für die Witwe ist ausreichend gesorgt.“
Witwe Ingrid hat sich zuletzt nach einer angemessenen Trauerzeit auch wieder am Gesellschaftsleben beteiligt. Gemeinsam mit Heidi Horten, der Witwe des Kaufhausmilliardärs, die ebenfalls in Kärnten ansässig ist, zählt sie zu den bedeutendsten Förderern und Mäzenaten des Landes.
Wenn es in den letzten Jahren darum ging, Millionen für die Wörtherseebühne, den Eishockeyclub KAC, den Fußballverein SK Austria Kärnten aufzutreiben, ist dies dem verstorbenen Landeshauptmann Jörg Haider immer wieder unter dem Hinweis auf mysteriöse „Freunde des Wörthersees“ gelungen. Insider vermuten, dass sich hinter dieser geheimnisvollen Bezeichnung die beiden Milliardärswitwen verbergen, die anonym bleiben wollten.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.11.2008)

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