WIEN. Aufregung um einen neuen Todesfall in einer psychiatrischen Anstalt der Stadt Wien. Besondere Brisanz erhält der Fall, weil es sich um eine Diplomatin, eine 45jährige Frau aus Simbabwe, handelt und weil sie mit den umstrittenen Handfesseln ans Bett fixiert war. Das betroffene Spital, das SMZ-Ost, erstattete Anzeige bei der Staatsanwaltschaft, eine Obduktion wurde durchgeführt, das Ergebnis steht aber noch aus.
Brisant ist der Fall auch deshalb, weil er nur einen Tag vor der am Freitag stattfindenden letzten Sitzung der gemeinderätlichen Psychiatrie-Untersuchungskommission im Wiener Rathaus bekannt wurde, bei der Bürgermeister Michael Häupl und Vizebürgermeisterin Renate Brauner höchstpersönlich als Zeugen auftreten.
Den der „Presse" vorliegenden Informationen zufolge war Georgina K., tätig als Botschaftsrätin Simbabwes in Österreich, zuerst zum Krankenhaus der Barmherzigen Brüder gegangen, wo sie über Erschöpfungszustände klagte. Da sie aber beim Aufnahmegespräch mögliche Selbstmordgedanken ansprach, wurde sie ans Otto Wagner Spital verwiesen, wurde aber dann aus organisatorischen Gründen ins SMZ-Ost (Donauspital) eingeliefert.
„Korrekte Vorgangsweise"
Wie der ärztliche Leiter des Spitals, Christian Sebesta, der „Presse" erklärte, sei die Patientin, die am 20. Jänner zu Mittag ins SMZ-Ost kam, zwar sehr depressiv gewesen, habe aber keine „suizidalen Gedanken" gehabt. Einige Stunden später, um Mitternacht, sei die Frau immer aufgeregter und lauter geworden. Da zu dem Zeitpunkt eine Selbst- und Fremdgefährdung bestanden habe, sei sie mit Gurten an den Handgelenken ans Bett fixiert worden. Zugleich sei sie sediert worden, aber mit einer „extrem niedrigen Dosis".
Sebesta: „Sie wurde dann durchgehend über einen Monitor überwacht. Um sechs Uhr früh gab es einen Atemstillstand. Innerhalb einer Minute wurde mit der Reanimation begonnen, die eine halbe Stunde gedauert hat, aber erfolglos blieb." Laut Angaben des Spitalsdirektors sei sofort eine Anzeige bei der Staatsanwaltschaft wegen unbekannter Todesursache eingebracht worden. Es gebe eine lückenlose Dokumentation des ganzen Falles, alles sei korrekt verlaufen, so der SMZ-Ost-Direktor.
Eine von der Staatsanwaltschaft angeordnete gerichtsmedizinische Untersuchung über die genaue Todesursache wurde bereits durchgeführt, das Ergebnis ist aber noch ausständig. Zugleich kursieren Gerüchte, dass möglicherweise auch „besondere Substanzen", also Drogen, im Spiel gewesen sein könnten.
Der Fall wurde auch bei der Patientenanwaltschaft gemeldet, die aber auf die Bekanntgabe der genauen Todesursache wartet.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.01.2009)

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