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„Eine Sekte in Bedeutungslosigkeit“

08.02.2009 | 18:22 |   (Die Presse)

Der rechte Schub in der Kirche ist eigentlich eine Korrektur. Nach dem Zweiten Vatikanum kam es zu liberalen Entwicklungen, die nun gebremst werden.

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WIEN/LINZ (geme). Der Eindruck, die Kirche entwickle sich immer weiter nach rechts – vor allem nach Ernennung von Gerhard Maria Wagner zum designierten Weihbischof von Linz –, bewegt Österreich. Tatsächlich wird der Rechts-außen-Flügel in der Kirche aber auf nicht mehr als zehn bis 15 Prozent geschätzt, sagt Pastoraltheologe Paul Zulehner. Dieser Flügel ist allerdings bis in höchste römische Kreise bestens vernetzt und hat durch Kath.net und Gloria.TV auch eine starke mediale Präsenz. Ein großer Teil der Liberalen hat sich dagegen nach Rückschlägen in der Vergangenheit (etwa dem Ignorieren der Forderungen des Kirchenvolksbegehrens 1995 mit einer halben Million Unterschriften sowie dem Totlaufen des Dialogs für Österreich) zurückgezogen. „Um fliegen zu können, braucht die Kirche aber starke Flügel auf beiden Seiten, nun verkümmert einer davon zusehends“, sagt Pastoraltheologe Zulehner. Insgesamt könnte das zu einer Schrumpfung führen, so Zulehner, der eine Entwicklung „von einer gesellschaftlich wichtigen und breit verankerten Kirche hin zu einer Sekte in der Bedeutungslosigkeit“ sieht.

Dass sich der konservative Kurs zunehmend durchsetzt, liegt aber auch daran, dass er ganz bewusst eingesetzt wird, um liberalen Entwicklungen (Laienpredigt oder der in Linz geübten Praxis der Laientaufe), die nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil auftraten, entgegenzusteuern. Das heißt: Personelle und kirchenpolitische Entscheidungen wie die Ernennung Wagners zum Weihbischof von Linz (auch die damalige Installation von Kardinal Hans Hermann Groër und Diözesanbischof Kurt Krenn in Wien und St. Pölten vor rund 20 Jahren) oder die Rehabilitierung der ultrarechten Pius-Bruderschaft dienen dem Ziel, die Rechten wieder mit ins Boot zu holen.

Die Erzkonservativen stören sich an der Liturgie-Reform, am Drängen der Laien in die Seelsorge, am hohen Wert der Religionsfreiheit, am Dialog mit Nichtchristen, an der ökumenischen Öffnung. Sie glauben, dass ein kleiner Kreis streng gläubiger Katholiken, Reklerikalisierung und straffe Hierarchien die Kirche eher voranbringen als breitere, aber als beliebig empfundene gesellschaftliche Verankerung.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.02.2009)

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4 Kommentare
Samuel
09.02.2009 21:43
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Zulehners Bedeutungslosigkeit

Herr Zulehner sieht einerseits das Schrumpfen der kath. Kirche zu einer bedeutungslosen Sekte, andererseits be-scheinigt er ihr einen echten Schub. Welche Ansage er gerade wählt ist sicher so bedeutend wie die Richtung die er vorgibt zu wissen. Dass dieser Schub entstehen konnte
ist darauf zurückzuführen, dass es vermehrt Leute in der Kirche gibt, die Christi Botschaft verstehen, ernst nehmen, danach leben und damit Vorbild sind (auch wenn
sie Fehler machen). Sollte Herr Zulehner das Vorbild eines Herrn Wagner erreichen wollen und sich damit für
höhere Weihen qualifizieren so wäre es wohl notwendig
sich zuerst für seine haßvollen Tiraden gegen seinen ge-
weihten Mitbruder zu entschuldigen. Dazu braucht es nicht
einmal ein Theologiestudium mit anschließender Priester-
weihe sondern nur ein bißchen Anstand.
Es sei denn, er sieht in seiner Vorgangsweise keinen Fehler. Ja dann soll man die Spatzen pfeifen lassen.

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sturmhaft...

die presse als zeitgeistiger klassenkämpfer a¿la "der standard".
puh, es wäre ja zum lachen, wenn es nicht so beängstigend wäre.
oberflächlich, tendenziös und manipulativ: schlimmster schund-journalismus aus der letzten schublade.
julius streicher hätte seine freude mit derartigem nachwuchs!

kobold
09.02.2009 09:17
0 0

Gesellschaftliche Bedeutung

Die gesellschaftliche Bedeutung der ach so liberalen Kirche, die Zulehner vorschwebt, liegt darin, ein besseres Sozialamt für Säkulare zu sein. Das ist mittlerweile den meisten Katholiken zu wenig. Zulehner soll sich bitte nicht täuschen. Nicht der konservative Flügel der Kirche ist eine Minderheit. Zur Minderheit hat sich der Wellness-Katholizismus liberaler Prägung entwickelt. Wellnessen kann man auch in den Thermen. Dazu braucht man keine Kirche.

Gast: Joseph
08.02.2009 21:56
0 0

Was nun?

Einerseits sind die Konservativen in der kath. Kirche angeblich eine kleine Minderheit, andererseits setzt sich der konservative Kurs genauso angeblich durch. Was stimmt nun?